Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis de Richelieu, duc d’Aiguillon

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Emmanuel Armand de Vignerot du Plessis de Richelieu

Emmanuel Armand de Vignerot du Plessis de Richelieu (* 31. Juli 1720; † 1782), Fürst von Portien, Graf von Saint-Florentin, Herzog von Aiguillon (seit 1750), Graf (seit 1750, später Herzog) von Agenois sowie Pair von Frankreich, war ein französischer General, Außen- und Verteidigungsminister unter Ludwig XV..

Aiguillon wurde als Sohn von Armand Louis de Vignerot du Plessis (1683–1750) und der Anne Charlotte de Crussol de Florensac (1700–1772) geboren. Er war ein Neffe des Marschalls Richelieu. Mit siebzehn trat er in die Armee ein und mit neunzehn wurde er zum Oberst des Regiments von Brie ernannt. Er diente in den Feldzügen in Italien während des Österreichischen Erbfolgekriegs, wurde 1744 in der Schlacht von Pierrelongue bei Chateau-Dauphin schwer verwundet, 1746 gefangengenommen und 1748 zum Maréchal de camp ernannt.

Wappen des Herzogs von Aiguillon

Seine Heirat im Jahr 1740 mit Louise Félicité de Bréhan, Tochter des comte de Plélo, zusammen mit seiner Verbindung zur Richelieu-Familie, verschaffte ihm eine wichtige Stellung am Hof. Er war ein Mitglied der so genannten parti dévot, der Fraktion gegen Madame de Pompadour, die Jansenisten und das Parlament.

1753 bis 1768 diente er als Kommandant der Bretagne. Er war dort nicht beliebt. Die Provinz hatte eine große Zahl von Privilegien bewahrt („Freiheiten“ genannt). 1758 siegte er in der Schlacht von Saint-Cast gegen englische Truppen. Im gleichen Jahr kam er mit den Provinzständen wegen der Abgaben an den König in Konflikt. Im Folgejahr wurde er wegen angeblicher Trägheit bei der Bereitstellung einer Staffel gegen England beschuldigt. 1762 brachte er das Parlament der Bretagne (1554–1790) gegen sich auf, weil er die Privilegien der Provinz missachtete. Im Juni 1764 hob der König einen Erlass des Parlaments auf, der die Erhebung neuer Steuern ohne Zustimmung der Stände untersagte; er weigerte sich, die Proteste des Parlaments gegen den Herzog entgegenzunehmen. Am 11. November 1765 wurde Louis-René de Caradeuc de La Chalotais verhaftet, der Prokurator des Parlaments. Ob dies auf Veranlassung Aiguillons geschah, ist ungewiss. Der Konflikt zwischen Aiguillon und den Bretonen dauerte zwei Jahre. Anstelle des Parlaments, das sich aufgelöst hatte, organisierte Aiguillon ein Tribunal mit mehr oder minder kompetenten Richtern, die von den Pamphlet-Schreibern verspottet und ironisch bailliage d'Aiguillon genannt wurden.

1768 war der Herzog gezwungen, das Tribunal abzuschaffen, und kehrte an den Hof in Versailles zurück. Am 24. Dezember 1770 erreichte er die Entlassung des Ministers Étienne-François de Choiseul. Als Ludwig XV. auf Anraten von Madame Dubarry die Regierung in Hinblick auf die Unterdrückung des Widerstands der Parlamente reformierte, wurde Aiguillon zum Außenminister ernannt (1771–1774).

Auch Maupeou und der Abbé Terray (1715–1778) erhielten Posten im Kabinett. Es war sehr unbeliebt und wurde triumvirat genannt. Alle Misserfolge der Regierung wurden den Fehlern der Minister angelastet. So wurde Aiguillon 1772 beschuldigt, den Staatsstreich Gustavs III. von Schweden provoziert zu haben; tatsächlich waren die Instruktionen an den Comte de Vergennes, dem französischen Botschafter in Schweden, vom Herzog de la Vrilliere geschrieben worden. Aiguillon willigte in die erste Teilung Polens ein. Obwohl er ein Unterstützer der Jesuiten war, stimmte er der Aufhebung des Jesuitenordens zu. Von Januar 1774 bis Juni 1774 diente er als Verteidigungsminister.

Nach dem Tod Ludwigs XV. stritt er mit Maupeou und der jungen Königin Marie Antoinette, die 1774 seine Entlassung aus dem Kabinett forderte. Unter König Ludwig XVI. endete seine Karriere. Er lebte ab dem 16. Mai 1775 auf seinem Schloss Véretz. Er starb 1782.

Siehe auch Haus Vignerot

Orden[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Lucien Laugier, Le duc d’Aiguillon., Albatros, Paris 1984
  • Alain Paraillous, Le duc d'Aiguillon (1720–1788)., Editions Sud Ouest, Bordeaux 2010, ISBN 978-2-8177-0005-2

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Louis Phélypeaux de Saint-Florentin Außenminister von Frankreich
6. Juni 17712. Juni 1774
Henri Léonard Jean Baptiste Bertin
Louis François de Monteynard Kriegsminister von Frankreich
27. Januar 17742. Juni 1774
Louis Nicolas Victor de Félix d’Ollières