Eppelein von Gailingen

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Eppelein von Gailingen im Gefängnis, Kupferstich

Eppelein von Gailingen, mit richtigem Namen Apollonius von Gailingen (* um 1320 in Illesheim bei Bad Windsheim; † 15. Mai 1381 in Neumarkt in der Oberpfalz), auch als Eckelein Geyling, Ekkelin Gayling oder Eckelein Gailing[1] bekannt, war ein fränkischer Raubritter, der die Handelswege um Nürnberg unsicher machte. Sein Geburtsjahr ist unpräzisiert, Quellen nennen eine Bandbreite von 1300 bis 1330.

Leben[Bearbeiten]

Das Rittergeschlecht der Geylinge hatte kleinere Lehen von den Grafen von Hohenlohe bekommen. Es war wirtschaftlich von Naturalabgaben der Bauern abhängig, die karges Land bewirtschafteten. Handel und Gewerbe blühten indessen in umliegenden Reichsstädten auf. Die Nürnberger wurden als reiche Patrizier von Eppelein beneidet. Mit der Stadt und ihrem hohenzollerischen Burggrafen lag der Ritter in Fehde. Die teure Ausstattung eines Berufskriegers samt Personal konnte er mit eigenen Einnahmen allein nicht finanzieren.

Eppeleins Heimat war die Fränkische Schweiz. Seine Burg Dramaus bei Draynmeusel (heute Trainmeusel) überragte das Wiesenttal bei Muggendorf. Die Existenz dieser Burg ist bis heute strittig. Tatsächlich wird bei Trainmeusel ein Burgstall erst gegen 1420 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Eppelein begann in den 1360er-Jahren mit Überfällen auf Handelsfuhrwerke aus der und in die Reichsstadt. 1369 wurde vom Nürnberger Gericht die Reichsacht über ihn verhängt; außerdem verlor er seinen Mitbesitz Burg Wald bei Gunzenhausen und für ihn bedeutsame Güter an Nürnberg. In einer Fehde des Grafen von Hohenlohe mit dem Nürnberger Burggrafen in den 1370er-Jahren kämpfte Eppelein auf der Seite seines Lehnsherrn.

Die Burg des Ritters wurde von Nürnberger Kriegern im Jahre 1372 zerstört. Eppelein entkam seinen Widersachern, wurde aber kurz darauf verraten und in Forchheim gefangen. In Nürnberg wurde er zum Tod am Galgen verurteilt. Der Legende zufolge soll er mit seinem Pferd über die Mauer des Nürnberger Burggrabens gesprungen und entkommen sein.

Die Nürnberger wurden bis in die heutige Zeit hinein wegen ihres Missgeschicks mit der Bemerkung „Die Nürnberger hängen keinen – sie hätten ihn denn zuvor!“ vom Volksmund verspottet.

Wegen Raubrittertums der Brüder von Bernheim und des Eckelein Geyling war Kaiser Karl IV. 1376 auf Antrag der Stadt Rothenburg ob der Tauber mit der Zerstörung seines Schlosses und der Konfiskation des Eppelein-Besitzes einverstanden. Nach einem Arrangement der Häuser Hohenlohe und Hohenzollern wurde Eppelein endgültig zum Bauernopfer im Spiel der Mächtigeren. Sie verglichen sich in ihrem Streit im Jahr 1377 ohne Entschädigungsansprüche. Eppelein wurde mittellos und war deshalb zu Raubzügen gezwungen.

Seine Plünderungen und Überfälle endeten 1381. Im Ort Postbauer feierte der Raubritter ein Zechgelage mit seinen Kumpanen im Wirtshaus zum Schwarzen Kreuz und wurde bei der Obrigkeit denunziert. Eine von Nürnberg zu seiner Suche aufgestellte Söldnermannschaft überwältigte die Raubrittertruppe und kerkerte sie in der Veste Burg Thann ein. Einige Tage darauf wurde Eppelein in Neumarkt in der Oberpfalz auf das Rad gebunden und qualvoll hingerichtet. Seinen beiden Neffen, die ihn auf Raubzügen begleitet hatten, wurde der Kopf abgeschlagen. Ergreifung und Hinrichtung des Straßenräubers kosteten die Nürnberger fast 1.000 Gulden, die jedoch erst 1998 anlässlich der Landesgartenschau in Neumarkt durch die Stadt Nürnberg in Form von Schokoladentalern symbolisch beglichen wurden.

Bewertung[Bearbeiten]

Die Geschichtsschreibung zu Eppelein ist spärlich. Der Ritter Eckelein Geyling wurde im 19. Jahrhundert in der Romantik zu einer Art fränkischem Robin Hood hochstilisiert. Er war Opfer der Zeitumstände im Spätmittelalter, in welchem die Ritterheere ihre Bedeutung verloren hatten. Nach dem Ende der Kreuzzüge begann der Niedergang des Ritterstands und das Aufblühen der Städte. Wirtschaftliche Not zwang Eckelein wohl zur Kriminalität. Er muss ein witziger wie tollkühner, brutaler wie Liebeleien nicht abgeneigter Mensch gewesen sein, der zudem seine Umgebung für sich und seine Schandtaten des späten Lebens einnehmen konnte.

Der Sprung über die Nürnberger Burgmauer prägte sich ins Bewusstsein der Zeitgenossen als ein aufregendes Ereignis ein und bald rankten sich Legenden darum. Um das Jahr 1500 entstand ein Volkslied über ihn. Die Nürnberger Burg war hingegen zur Zeit des Entkommens noch nicht so massiv befestigt, denn fünfzig Jahre nach Eppeleins Sprung in den Burggraben wurde die Wehranlage zerstört und neu errichtet. Die heute vorgezeigten Spuren von Eppeleins Ross sind sorgfältig in die Mauerbrüstung an der Kleinen Freiung gemeißelt. Zum Entstehen der Sagengestalt des Eppelein von Gailingen trugen spätere Generationen ihren Teil bei. Weitergesponnene Geschichten lieferten zudem Stoff für Gedichte.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heßberg, Hanns Freiherr von und zu: 'Eppelein von Gailingen'; in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung, Bd.: 40. 1980, Stegaurach, 1980., abgerufen am 1. Februar 2012