Ernst Pringsheim junior

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ernst Georg Pringsheim (* 26. Oktober 1881 in Breslau; † 26. Dezember 1970 in Hannover) war ein deutscher Naturwissenschaftler und Pflanzenphysiologe und Professor für Biochemie und Botanik in Berlin, Prag und Cambridge und Göttingen. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „E.G.Pringsh.“.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Ernst Pringsheim entstammte einer äußerst wohlhabenden schlesischen Familie jüdischer Abstammung. Er war der Sohn von Hugo Pringsheim (1845–1915) und Hedwig Johanna Heymann (1856–1938). Er heiratete in Königsberg am 18. März 1907 Lily Chun (1887–1954), die Tochter des Professors Carl Chun. Die Ehe, aus der fünf Kinder stammen, wurde 1921 geschieden. In zweiter Ehe heiratete Pringsheim am 16. Juli 1929 in Prag die Apothekerin Olga Zimmermann (1902–1992).

Ernst Pringsheim besuchte das Realgymnasium in Breslau bis zum Abitur 1902. Anschließend studierte er an den Universitäten in München, Breslau und 1904 bis 1906 in Leipzig Naturwissenschaften, vor allem Botanik, Zoologie und Chemie. Durch seinen Doktorvater Wilhelm Pfeffer wurde er zu physiologischen Studien angeregt. 1905 promovierte Pringsheim in Leipzig.

1906 wurde Pringsheim Assistent am Pflanzenphysiologischen Institut in Breslau, wechselte jedoch noch im selben Jahr in gleicher Stellung an das Botanische Institut der Universität Halle. 1909 habilitierte er sich hier für Botanik und veröffentlichte 1912 eine vielbeachtete Monografie über die Reizbewegungen der Pflanzen.

Bei Beginn des Ersten Weltkriegs nahm Ernst Pringsheim in Halle eine Tätigkeit im Hygienischen Institut an, ab Februar 1916 arbeitete er im Hygienischen Institut der Universität Greifswald. Im September 1916 wurde er dort entlassen.

Sofort zum Militärdienst eingezogen, war er in den folgenden Jahren Sanitätssoldat, später als Bakteriologe beim beratenden Hygieniker der 5. Armee. Unmittelbar nach seiner Rückkehr vertrat er den planmäßigen Extraordinarius, von 1920 bis 1923 war er außerordentlicher Professor der Universität Berlin.

1923 erhielt Ernst Pringsheim ein besoldetes Extraordinariat an der deutschen Universität Prag, 1924 wurde er dort zum ordentlichen Professor und Direktor des Pflanzenphysiologischen Instituts berufen. In Prag beschäftigte er sich vor allem – wie sein Vorfahr Nathanael Pringsheim (1823–1894) – mit der Züchtung von Algen und wurde gemeinsam mit Victor Czurda und Felix Mainx zum Pionier seines Fachs. Er hatte zwischenzeitlich auch die tschechische Staatsbürgerschaft angenommen.

1938 entlassen, emigrierte er 1939 und fand eine Anstellung als Kurator des Culture Centre of Algae and Protozoa in Cambridge, heute mit Sitz in Oban in Großbritannien. 1951 emeritiert, forschte Ernst Pringsheim bis 1953 in den Strangeway Laboratories in Cambridge weiter.

1953 kehrte er als Honorarprofessor der Universität Göttingen nach Deutschland zurück, baute auch dort eine Sammlung von Algenkulturen auf und veröffentlichte weiterhin Schriften zur Physiologie der Algen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ekkehard Höxtermann: Pringsheim, Ernst Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 727 f. (Digitalisat).
  • Dieter Mollenhauer: The protistologist Ernst Georg Pringsheim and his four lives. in: Protist 154 (2003), S. 157-171
  • Dieter Mollenhauer: Historical aspects of culturing microalgae in Central Europe and the impact of Ernst Georg Pringsheim, a pioneer in algae culture collections, in: Nova Hedwigia ISSN 0029-5035, Vol. 79, Nr. 1, 2004, S. 1–26 (Kurzfassung)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]