Apotheker
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ein Apotheker ist ein Fachmann für Arzneimittel. Er beschäftigt sich mit ihrer Entwicklung, Produktion, Prüfung, Beurteilung und Abgabe. Hierzu sind profunde Kenntnisse der Galenik, Pharmakologie, Physiologie, Chemie, Biologie, Biochemie, Analytik sowie Qualitätssicherung notwendig, welche im Pharmaziestudium erworben werden. Im Jahr 2008 arbeiteten rund 50.000 Apotheker in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichtliches
1231 wurde vom Stauferkaiser Friedrich II. ein von zahlreichen Gelehrten zusammengestelltes Gesetzeswerk initiiert, das als „Liber Augustalis“ (auch „Constitutiones regni utriusque Siciliae“ – Bestimmungen für das Königreich beider Sizilien) auf dem Hoftag in Melfi (Basilicata) beraten wurde und ab September 1231 Gültigkeit erlangte. In den folgenden Jahren gab es zahlreiche Nachträge, darunter um 1241 als „Edikt von Salerno“ mehrere Paragraphen, die das Medizinalwesen betrafen. In einem dieser Nachträge wird der Arztberuf von dem des Apothekers abgegrenzt: Ärzte dürfen keine Apotheke besitzen oder daran beteiligt sein; Arzneimittelpreise wurden gesetzlich festgeschrieben um Preistreiberei zu verhindern; der Apotheker musste einen Eid leisten. Es ist davon auszugehen, dass es Arzneibereiter/Apotheker (dort confectionariis genannt) in diesem Gebiet bereits gab, denn einer gesetzlichen Regelung bedarf nur etwas, für das es auch Regelungsnotwendigkeit, beispielsweise durch Überschneidung von Berufsbildern, gibt. Auch wenn das Datum 1241 als „Gründungsdatum“ des Apothekerstandes gilt: Das Liber Augustalis hatte ausschließlich im Königreich Sizilien Gültigkeit. Es beeinflusste aber eine Reihe von Rechtsverordnungen auch nördlich der Alpen, wurde letztlich zum Vorbild der Apothekengesetzgebung in ganz Europa.
Heute erfährt der Apotheker in einem vierjährigen Studium eine umfassende Ausbildung unter anderem zu den Themen: Arzneimittel, Arzneimittelherstellung, Arzneimittelwirkung, Arzneimittelwechsel- und -nebenwirkung - viele dieser Punkte fehlten in der Mediziner-Ausbildung bis vor kurzem fast völlig. Seit Anfang der 1990er- Jahre wird der Beratungsaspekt immer mehr in den Vordergrund gerückt. Dies bedingt, dass aus dem früheren „Pillendreher“ immer mehr ein „Gesundheitsmanager“ wird, bei dem der Kunde im Mittelpunkt steht und nicht wie früher das Arzneimittel und seine Herstellung.
Durch die Kostenexplosion im Gesundheitswesen der letzten Jahre gerät der Apotheker ob seiner kaufmännischen Eigenschaften immer mehr unter Beschuss, obwohl er infolge gesetzlicher Regelungen nur einen geringen aktiven Anteil an der Verteuerung oder Mehrverbrauch von Arzneimitteln hat.
[Bearbeiten] Ausbildung und Weiterbildung (Deutschland)
[Bearbeiten] Ausbildung
Die gesetzliche Grundlage der pharmazeutischen Ausbildung in Deutschland bilden die Bundes-Apothekerordnung und die Approbationsordnung für Apotheker. Die Ausbildung beginnt mit dem Studium der Pharmazie an einer Universität und umfasst insgesamt acht Semester (vier Jahre). Es folgt für den zukünftigen Apotheker das Praktische Jahr (PJ). Nach dem Ablegen des dritten Staatsexamens kann die Approbation beantragt werden, die zur Berufsausübung berechtigt.
[Bearbeiten] Weiterbildung
Nach Abschluss des Studiums bzw. nach dem Eintritt in das Berufsleben ergeben sich vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten.
- An einigen Universitäten kann nach Abschluss des zweiten Staatsexamens (also z. B. im Rahmen des praktischen Jahres) eine Diplomarbeit bearbeitet werden. Diese dauert 6 Monate und schließt mit dem Titel Diplom-Pharmazeut ab.
- Außerdem kann nach Abschluss des zweiten Staatsexamens eine Promotion zum Dr. rer. nat. (in Frankfurt am Main: Dr. phil. nat.) begonnen werden. Die Promotion dauert in der Regel 3–5 Jahre und verbessert die Chance, einen Arbeitsplatz in der pharmazeutischen Industrie zu bekommen.
- Im Anschluss an die Approbation kann eine Weiterbildung zum Fachapotheker erfolgen. Die Weiterbildung gibt es etwa zum Apotheker für Offizin-Pharmazie (auch Allgemeinpharmazie genannt), Klinische Pharmazie, Arzneimittelinformation, Pharmazeutische Technologie oder Pharmazeutische Analytik. Die Weiterbildungszeit beträgt in der Regel drei Jahre. Den Abschluss bildet ein Fachgespräch.[1]
- Beim „Working Professional Doctor of Pharmacy“ (WPPD)-Programm, der mit dem Abschluss zum Doctor of Pharmacy beendet wird, wird die klinische Pharmazie seit neuestem auch in den Mittelpunkt gestellt. Das 3-jährige Fernstudium ist z. B. an der University of Florida in Gainesville (USA) absolvierbar.
[Bearbeiten] Tätigkeitsfelder von Apothekern
Die meisten Apotheker arbeiten in der öffentlichen Apotheke.
Neben der Offizinapotheke gibt es weitere Berufsfelder wie die Krankenhausapotheke, die öffentliche Verwaltung, die Krankenkassen und die Pharmaindustrie.
In der pharmazeutischen Industrie sind die Aufgabenbereiche für Apotheker vielfältig. Traditionell umfassen sie die Bereiche der Forschung und Entwicklung von neuen Arzneimitteln und der Arzneimittelherstellung und der Arzneimittelprüfung. Eine besondere Verantwortung kann der Apotheker in der Funktion der so genannten sachkundigen Person (engl.: qualified person, QP) innehaben. Die hierfür gesetzlich festgelegte Eignung verlangt zusätzlich zu einer zweijährigen Tätigkeit in der Arzneimittelprüfung die Approbation als Apotheker (alternativ möglich ist ein Hochschulstudium der Chemie, Biologie, Human- oder Veterinärmedizin plus dem Nachweis umfangreicher Kenntnisse in den verschiedensten pharmazeutischen Grundfächern, was sozusagen einem zusätzlichen Pharmaziestudium gleichkommt). Die sachkundige Person ist in letzter Stufe dafür verantwortlich, dass jede Produktionscharge eines Arzneimittels entsprechend den gesetzlichen Vorschriften hergestellt und geprüft wurde. Sie hat die Einhaltung dieser Vorschriften für jede Arzneimittelcharge in einem fortlaufenden Register oder einem vergleichbaren Dokument vor deren Inverkehrbringen zu bescheinigen. Im Marketing, im Bereich der regulatorischen Angelegenheiten und in der Funktion als Informationsbeauftragter erschließen sich dem Apotheker zusätzliche Tätigkeitsfelder.[2]
[Bearbeiten] Durchschnittliches Gehalt in Deutschland
In der öffentlichen Apotheke beträgt das monatliche Anfangsgehalt für einen approbierten angestellten Apotheker 2982 Euro brutto. Ab dem 11. Berufsjahr beträgt das Tarifgehalt 3618 Euro bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche.[3] Außertarifliche Gehälter insbesondere bei Filialapothekern sind frei verhandelbar.
Höhere Gehälter werden in Krankenhausapotheken gezahlt, in der Pharmaindustrie sind Einstiegsgehälter von 40.000 Euro/Jahr (ohne Promotion), bzw. 50.000 Euro/Jahr (mit Promotion) üblich. Die Arbeitszeiten belaufen sich dort auf etwa 37 Stunden pro Woche.
[Bearbeiten] Schutzpatron
Die Heiligen Zwillingsbrüder Cosmas und Damian sind, aufgrund ihres Arztberufs unter anderem auch Schutzpatrone der Apotheker.
[Bearbeiten] Bekannte Apotheker
Mit der erstmaligen Isolierung des Alkaloids Morphin als (haupt-)wirksamem Inhaltsstoff von Opium gelang Friedrich Wilhelm Sertürner um 1805 ein großer Fortschritt hin zur Präzisierung der Schmerztherapie. Dr. August Oetker (1862–1918): Erfinder des gebrauchsfähigen Backpulvers („Backin“) und Gründer der Nährmittelfabrik „Dr. Oetker“. Max von Pettenkofer (1818–1901), Apotheker und Arzt, Begründer des Pettenkofer Instituts für Hygiene und Mikrobiologie in München. Die Gründer vieler deutscher Pharmaunternehmen wie Ernst Schering, Heinrich Emanuel Merck, Friedrich Pascoe oder Carl Leverkus (Gründer des Vorläuferunternehmens der Bayer AG und Namensgeber der Stadt Leverkusen) waren Apotheker wie auch John Pemberton, der Erfinder der Coca-Cola-Rezeptur. Andere bekannte Apotheker sind der „Vater der Raufasertapete“ Heinrich Wilhelm Hugo Erfurt (1834–1922) und der „Zementmischer“ Dr. Ernst Gustav Leube (1808–1881) sowie der Brite John Langdon Hydon Langdon-Down (1828–1896), nach dem das Down-Syndrom benannt ist. Magdalena Meub studierte als erste Studentin an der TU Karlsruhe Pharmacie und war nach dem Examen um 1905 die erste Apothekerin Deutschlands.[4]
Ein weiterer bekannter Apotheker war der österreichische Lyriker Georg Trakl (1887–1914), der allerdings durch die Beschäftigung in der Apotheke immer mehr dem Rauschmittelkonsum verfiel, der auch schon vorher sein Leben prägte und dann auch in den Tod trieb.
Einige Apotheker sind als Schriftsteller bekannt geworden (Ludwig Bechstein, Theodor Fontane), andere als Maler (Carl Spitzweg). Besondere Verdienste um die Ausbildung der Apotheker im 19. Jahrhundert hatte Johann Bartholomäus Trommsdorff.
[Bearbeiten] Weblinks
- Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)
- ABDA-Organigramm
- Gesundheitsportal der deutschen ApothekerInnen
- Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland - Infos zum Pharmaziestudium
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ LAK
- ↑ Broschüre der DPhG: Tätigkeiten außerhalb der Apotheke
- ↑ Gehaltstarif des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheker und der Apothekengewerkschaft ADEXA, gültig ab 1. Januar 2009.
- ↑ Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Foto von M.M. 04.05.12= A12)

