FT-Notruf

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Als erstes Funken-Telegraphisches Notsignal (FT-Notruf) in der Geschichte der Seefahrt wurde von der britischen Marconi International Marine Communication Company die Buchstabengruppe CQD im Morsecode eingeführt.[1] Die Tochtergesellschaft der Marconi's Wireless Telegraph Company definierte das ab dem 1. Februar 1904 gültige CQD als Seenotsignal („signal of distress“) bzw. allgemeinen Hilferuf auf See.[1] CQ wird als englisches Akronym für „Seek you“ (an alle) gedeutet und das D stand für „distress“ (Not). Verbreitet wurde bzw. wird CQD auch als Backronym für „Come quick, Danger“, „Come Quickly: Distress“ oder „Come Quick—Drowning“ (Ertrinken) ausgelegt. Der Morsecode von CQD ist: −•−•  −−•−  −••.

(Anm.: Nach en:CQD bedeutet „CQ“ im Französischen „sécu“ für Sicherheit. Zudem erwähnt en.wiki weitere englische Auslegungen für "CQD".)

Erste Verwendung des CQD bei der Havarie der RMS Republic im Januar 1909[Bearbeiten]

CQD (−•−•  −−•−  −••) im Morsecode

Erstmals wurde der Notruf CQD am 23. Januar 1909 von dem britischen Passagierschiff RMS Republic ausgesendet, das im Nebel vor Nantucket von dem italienischen Dampfer Florida mittschiffs gerammt wurde.[2] Der Funkspruch lautete vollständig: „CQD! An alle! Seenot! ‚Republic‘ von unbekanntem Dampfer 26 Seemeilen südwestlich von Nantucket gerammt. [Positionsangabe].“ Kurz darauf der Zusatz: „Brauchen dringend Hilfe.“[3]

Die Republic wurde an der Backbordseite bis in Höhe der Passagierkabinen beschädigt und die Maschinen- und Kesselräume liefen voll. Auf beiden Schiffen kamen je drei Personen ums Leben. Die Republic konnte sich noch 39 Stunden über Wasser halten; in dieser Zeit wurden alle Menschen von Bord der beiden Havaristen auf die über Funk herbeigerufenen Schiffe übergesetzt. Bis heute zählt dieser Personentransfer auf offener See zu den größten Rettungsaktionen, die je stattgefunden haben. Während die Republic am Abend des nächsten Tages im Schlepp sank, konnte die Florida mit Hilfe von zwei Schleppern New York City erreichen und dort repariert werden.

Einführung Notruf SOS bei der Kaiserlichen Marine im Jahr 1904[Bearbeiten]

Morsezeichen des SOS-Signals
SOS-Signal

Im April 1904 wurde bei der deutschen Kaiserlichen Marine die Morsegruppe S O S ( · · · − − − · · · ) als Notzeichen eingeführt und war mit Wirkung vom 1. April 1905 auch für die deutsche Handelsschifffahrt vorgeschrieben.[4] Die Buchstabenkombination wurde wegen ihrer leichten Erkennbarkeit gewählt und erst im Nachhinein als Abkürzung für „save our souls“ oder „save our ship“ gedeutet.[5] Das auffällige SOS sollte solange allein gesendet werden, bis alle anderen Stationen das Funken eingestellt und auf Empfang waren. Erst dann mussten eigenes Rufzeichen, Position und Anlass des Notrufs übermittelt werden.

Internationaler Notruf SOS ab dem 1. Juli 1908[Bearbeiten]

Kurz nach der Jahrhundertwende konkurrierten in der neuen Kommunikationstechnologie des Telegrafen-Seefunks mittels Knallfunkensendern (ab 1908 auch Löschfunkensender) die beiden Duopolisten Marconi in Großbritannien und die 1903 gegründete deutsche Telefunken-Gesellschaft (ab 1911 in Form der DEBEG; Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H.) so heftig, dass es Schiffsfunkern – damals nicht Angestellte der Reederei, sondern stets der Funkgesellschaft – nicht erlaubt war, Funkrufe von fremden Funkstellen anzunehmen. Dies konnte zur Nichtbeachtung von Notrufen führen. Um diesen seerechtswidrigen Zustand zu beenden, wurde auf der Internationalen Funkkonferenz in Berlin am 3. Oktober 1906 beschlossen, das deutsche Notzeichen international zu übernehmen; es wurde nach der Bestätigung durch alle seefahrenden Nationen ab dem 1. Juli 1908 offiziell eingeführt.[6] Die USA erkannten das neue Zeichen SOS erst 1912 an.[3]

Das deutsche Notzeichen war einprägsam und auch für ungeübte Funker leicht aus anderen Signalen herauszuhören, setzte sich aber dennoch nur langsam durch. Nach der Kollision der Titanic mit einem Eisberg am 14. April 1912, fast vier Jahre nach der offiziellen SOS-Einführung, sendete Funker Jack Phillips, Marconi-Angestellter wie sein Kollege Harold Bride, zunächst den alten CQD-Notruf, bevor ihm Bride vorschlug, auch das neue Zeichen SOS zu verwenden.

Mit den Fortschritten in der Kommunikationstechnik und der Schaffung des Global Maritime Distress Safety Systems (GMDSS) wurde 1999 die Verwendung des Notrufs SOS abgeschafft.[7] Heute senden vollautomatisierte Systeme via Satellit die Identifikationsnummer (IMO-Nummer) des Schiffes, seine genaue Position und die Havarieursache an das Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC).[8]

Notruf „Mayday“ im Sprechfunk[Bearbeiten]

Im Unterschied zur Morsezeichen-Telegrafie wird im Sprechfunk­verkehr des See- und Flugfunks das Wort „Mayday“ benutzt. Es leitet sich von dem französischen „M’aidez“ („Helfen Sie mir“) ab.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b The Yearbook of Wireless Telegraphy and Telephony, 1913, S. 318-322: Distress signalling auf www.earlyradiohistory.us
  2. Morsen bis zum Untergang auf www.spiegel.de
  3. a b Saved by wireless auf eandt.theiet.org vom 21. April 2009
  4. Vorschrift für den Gebrauch der Funkentelegraphie im öffentlichen Verkehr, Amtsblatt des Reichs-Postamts, Berlin, 30. März 1905
  5. 100 Jahre SOS: Drei kurz, drei lang ... auf www.spiegel.de
  6. Bernd Januschke, Karl-Friedrich Warner: 1900–1909. Das neue Jahrhundert. In: Chronik des 20. Jahrhunderts, 1983. S. 96
  7. Untergang des Öltankers Erika im Dezember 1999 vor der französischen Atlantikküste auf www.spiegel.de
  8. Havarie des Kreuzfahrtschiffes Romantica 1997 vor Zypern auf www.spiegel.de