Fawlty Towers

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Seriendaten
Deutscher Titel Fawlty Towers
Originaltitel Fawlty Towers
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Jahr(e) 1975 und 1979
Länge 30 Minuten
Episoden 12
Genre Comedyserie
Idee John Cleese
Erstausstrahlung 19. September 1975 auf BBC Two
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
28. Februar 1978 auf Westdeutsches Fernsehen
Besetzung

Fawlty Towers (Alternativtitel: Fawltys Hotel, Zimmer frei, Ein verrücktes Hotel oder Das verrückte Hotel – Fawlty Towers) ist eine von John Cleese und seiner damaligen Ehefrau Connie Booth entwickelte britische Fernsehserie, die 1975 zwischen dem 19. September und dem 24. Oktober (Folgen 1–6) und 1979 zwischen dem 19. Februar und dem 24. Oktober (Folgen 7–12) auf BBC Two ausgestrahlt wurde. Regie führten John Howard Davies und Bob Spiers.

Die Serie handelt vom cholerischen und oftmals überforderten Hotelbesitzer Basil Fawlty (John Cleese), seiner resoluten Frau Sybil Fawlty (Prunella Scales), dem kaum des Englischen mächtigen spanischen Kellner Manuel (Andrew Sachs) und dem Zimmermädchen Polly (Connie Booth), das sich oft als Retterin des Hauses erweist.

Von Fawlty Towers existieren nur zwei Staffeln mit insgesamt zwölf Episoden; danach wurde die Serie eingestellt. Die Serie wird regelmäßig wiederholt und erfreut sich trotz der nur zwölf Folgen ungebrochener Beliebtheit.

Hintergrund[Bearbeiten]

Während eines Aufenthalts der Monty Python in Torquay wurde die Gruppe im Gleneagles Hotel untergebracht, das von dem vollkommen unfähigen Donald Sinclair betrieben wurde. Neben anderweitigen Mängeln an Hoteliersfähigkeiten besaß dieser Mensch auch eine bemerkenswert unhöfliche Art, die Cleese die Grundidee zu Fawlty Towers lieferte.

Beispielsweise mokierte sich Sinclair über Terry Gilliams Tischmanieren. Gilliam schnitt sein Essen mit Messer und Gabel, um dann das Messer wegzulegen und mit der Gabel in der rechten Hand das zerkleinerte Essen zum Mund zu führen, was in den USA, wo Gilliam geboren wurde, übliche Tischsitte ist. Dies kommentierte der Hotelier mit dem legendären Ausspruch: „We don’t eat like this in this country!“ („So essen wir in diesem Land nicht!“)

Eric Idle vergaß einmal seinen Koffer vor dem Eingang des Hotels und konnte ihn nach seiner Rückkehr nirgends finden. Auf Befragen erklärte Sinclair, er habe den Koffer über die Gartenmauer aufs Nachbargrundstück geworfen, da er darin auf Grund von Problemen mit seinen Mitarbeitern in jüngster Zeit eine Bombe vermutet hatte. Dabei handelte es sich lediglich um Idles tickenden Wecker, der sich darin befand.

Ein anderes Mal warf Sinclair einem seiner Gäste, der ihn nach den Busabfahrtszeiten gefragt hatte, die hoteleigene Fahrplantafel hinterher.

Alle bis auf John Cleese und seine Frau Connie Booth zogen in das wesentlich gastfreundlichere Imperial Hotel um. Die beiden blieben, um den „garstigsten Hotelier der Welt“ zu studieren.

Umsetzung[Bearbeiten]

Als Cleese nach drei Jahren die Monty-Python-Truppe verließ, war die BBC sehr an einer Serie mit ihm interessiert. Cleese schlug dem damaligen Unterhaltungschef Jimmy Gilbert vor, eine Serie für sich und seine Frau zu schreiben. Gilbert stimmte zu und so entstand Fawlty Towers.

Cleese schrieb zunächst die Dialoge der männlichen Darsteller und Booth die Dialoge der Frauen. Im Laufe der Zeit arbeiteten die beiden immer besser zusammen und schrieben später alle Dialoge gemeinsam. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Serie, in der von Folge zu Folge die Dialoge flüssiger und besser aufeinander abgestimmt wirken.

Die Innenaufnahmen wurden in den BBC Studios gedreht, während für die Außenaufnahmen das Gebäude des Wooburn Green Country Clubs in Bourne End, Buckinghamshire genutzt wurde. Das Gebäude wurde Jahre später, im März 1991, durch ein Feuer zerstört, abgerissen und durch eine Neubausiedlung ersetzt. Es kann heute also nicht mehr besichtigt werden.

Die Serie errang 1975 den British Academy Award als beste Comedyserie. 1976 erhielt Cleese für Fawlty Towers den Programme Award der Royal Television Society.

Bis zum Jahre 1978 wurde die Serie an 45 Fernsehsender in 17 Ländern verkauft.

Die erste Staffel[Bearbeiten]

Erstausstrahlung UK BBC-Originaltitel DFF-Titel RTL-Titel Sat.1-Titel
1 19. September 1975 A Touch of Class Ein Hauch von Adel Die besseren Kreise Ein Hauch von Klasse
2 26. September 1975 The Builders Die verschwundene Tür Handwerker Baumaßnahmen
3 3. Oktober 1975 The Wedding Party Unmoral Die gute Moral Die Hochzeitsfeier
4 10. Oktober 1975 The Hotel Inspectors Basils beste Seite Hotelinspektion Die Hotel-Tester
5 17. Oktober 1975 Gourmet Night Ein Feinschmecker-Abend Feinschmecker-Paradies Gourmet-Abend
6 24. Oktober 1975 The Germans - Die Deutschen kommen! Die Deutschen

Die erste Folge A Touch of Class wurde auf BBC2 am Freitag, dem 19. September 1975 um 21 Uhr ausgestrahlt. Die ersten Reaktionen von Presse und Zuschauern waren durchwachsen, von der heutigen Begeisterung für die Serie war noch nichts zu spüren. Während der Erstausstrahlung schaffte es keine Folge in die Top Ten der Einschaltquoten. Allerdings nahm die Beliebtheit der Serie von Folge zu Folge stark zu. Nach der Ausstrahlung der letzten Folge der ersten Staffel waren die Zuschauer regelrecht begeistert. Dies führte bei der BBC zu der Entscheidung, die sechs Folgen sogleich nochmals auszustrahlen. Die zweite Ausstrahlung erzielte höhere Einschaltquoten als die erste, ein Phänomen, welches auch etwa von der Fernsehserie Raumschiff Enterprise bekannt ist, deren Erstausstrahlung ein Flop war.

Die wohl bekannteste Episode ist The Germans, in der Cleese sich mit der Einstellung vieler seiner Landsleute auseinandersetzt, dass sie mit Deutschland fast ausschließlich Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg verbänden. Der Befehl Basil Fawltys an seine Mitarbeiter, den deutschen Gästen gegenüber bloß nicht den Krieg zu erwähnen („Don’t mention the war!“), ist seither ein geflügeltes Wort, das u.a. von der deutschen Botschaft in London unter Mitwirkung von John Cleese im Rahmen einer Essay-Competition anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 aufgegriffen worden ist. Während des WM-Turniers 2010 bediente sich auch das britische Boulevardblatt The Sun dieser Vorlage und titelte „Don't mention the four!“ in Anspielung auf die vier Gegentore Englands im Achtelfinalspiel gegen Deutschland. Inzwischen existiert auch ein Buch über die Beziehungen von Deutschen und Briten unter diesem Titel.[1]

Die zweite Staffel[Bearbeiten]

Erstausstrahlung UK BBC-Originaltitel DFF-Titel RTL-Titel Sat.1-Titel
7 19. Februar 1979 Communication Problems Kleine Mißverständnisse Ein Dieb geht um! Kommunikationsprobleme
8 26. Februar 1979 The Psychiatrist Studienmaterial für den Psychiater Basil geht fremd!? Der Psychiater
9 5. März 1979 Waldorf Salad Der Waldorfsalat Die Amerikaner Waldorfsalat
10 12. März 1979 The Kipper and the Corpse Wohin mit der Leiche? Ein Toter im Hotel Räucherhering und eine Leiche
11 26. März 1979 The Anniversary Die fremde Frau im Bett Hochzeitstag Der Hochzeitstag
12 24. Oktober 1979 Basil the Rat - Die Ratten Basil, die Ratte

Die BBC und auch die Öffentlichkeit drängten Cleese und Booth, eine zweite Staffel zu drehen. Die beiden arbeiteten hart daran, die Atmosphäre und das Besondere der ersten Staffel auch in der zweiten zu erhalten. Während dieser Arbeiten ging die Ehe der beiden in die Brüche, aber sie arbeiteten trotzdem weiter miteinander. Es dauerte vier Jahre, die zweite Staffel auf die Schirme zu bringen: Am Montag den 19. Februar 1979 wurde die erste Folge auf BBC2 ausgestrahlt.

Auf Grund eines Streiks der Belegschaft der BBC wurde die letzte Folge der zweiten Staffel erst ein halbes Jahr nach der fünften erstausgestrahlt. Da zu diesem Zeitpunkt die Mitarbeiter der Konkurrenz von ITV streikten, konnte diese Folge einen Quotenrekord für sich verbuchen.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Zu Beginn jeder Episode, mit Ausnahme von The Germans, erscheint der Name des Hotels auf einem Schild vor dem Gebäude. Die Buchstaben sind ab der fünften Folge jedoch stets neu zusammengestellt - ein Streich, der offenbar auf den Zeitungsjungen zurückzuführen ist - und bilden jeweils kuriose Beinahe-Anagramme des Hotelnamens. So heißt Fawlty Towers (korrekter Name, Folge 7) plötzlich entweder Warty Towels (warzige Handtücher, Folge 5), Watery Fowls (wässrige Hühner, Folge 8), Flay Otters (Zieht Ottern das Fell ab, Folge 9), Fatty Owls (fettige Eulen, Folge 10), Flowery Twats (blumige Schwuchteln, Folge 11) oder sogar Farty Towels (befurzte Handtücher, Folge 12).
  • Fawlty wird genauso ausgesprochen wie das englische Eigenschaftswort faulty (dt.: fehlerhaft, gestört, defekt).
  • Die Namen der beiden Hauptpersonen (Basil und Sybil) erinnern an die Figuren des Malers Basil Hallward und der jungen Schauspielerin Sibyl Vane des Romans Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde.
  • Anders als im Original spielt im deutschen Vorspann als Titelmelodie Walk of Life von den Dire Straits.

Ausstrahlung in Deutschland[Bearbeiten]

In Westdeutschland waren die ersten fünf Episoden der Serie zwischen Februar und Juni 1978 im Westdeutschen Rundfunk zu sehen - nicht synchronisiert, sondern im englischen Original mit deutschen Untertiteln. Die komplette - und nach wie vor unsynchronisierte - Serie wurde gegen Ende der 1980er Jahre im Vorabendprogramm der ARD wiederholt.

Erst das Fernsehen der DDR strahlte von Mai bis Juli 1987 zehn synchronisierte Episoden (1–5 und 7–11) aus. Im Privatfernsehen waren alle zwölf Folgen ab 1990 auf RTL und ab 1996 auf SAT.1 synchronisiert zu sehen. Jeder Sender gab eine neue Synchronfassung in Auftrag; auch die Episodentitel variieren.

Deutsches Remake[Bearbeiten]

Im Jahr 2001 produzierte RTL den Pilotfilm für eine deutsche Fassung von Fawlty Towers unter dem Namen Zum letzten Kliff. Jochen Busse übernahm den Part des Hotelbesitzers, während seine Ehefrau von Claudia Rieschel gespielt wurde. Die Handlung wurde auf die Insel Sylt verlegt, doch inhaltlich lehnte man sich stark an die erste Folge von Fawlty Towers A Touch of Class an. Die geplante Serie, die sich an den Pilotfilm anschließen sollte, wurde bisher nicht verwirklicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Cleese, Connie Booth: Fawlty Towers. Three Epidodes, hrsg. v. Reinhard Gratzke (= Universal-Bibliothek, Bd. 9042), Stuttgart 1997 (ISBN 3-15-009042-3).
  • Herbert Schwaab: Fawlty Towers - Das verrückte Hotel. In: Thomas Klein, Christian Hißnauer (Hrsg.): Klassiker der Fernsehserie. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-019025-8, S. 96-101.
  • Fawltys Hotel. Sämtliche Stücke. Deutsche Übersetzung aus dem Englischen von Ruth Keen, Gertraude Krueger, Henner Löffler und Karsten Singelmann. Mit einem Nachwort von Eike Harms. Haffmans, Zürich 1995, ISBN 3-251-00273-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Ramsden: Don't mention the War. The British and the Germans since 1890. Little Brown, London 2006, ISBN 978-0-316-86122-9.