The Sun

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der englischen Boulevardzeitung The Sun. Für die gleichnamige estnische Rockband siehe The Sun (Band).
The Sun
The Sun.svg
Beschreibung englische Tageszeitung
Verlag News Group Newspapers
Erstausgabe 1964
Erscheinungsweise täglich
Verkaufte Auflage
(2009[1])
2,9 Mio Exemplare
Reichweite (2009[2]) 8 Mio. Leser
Chefredakteur David Dinsmore
Weblink thesun.co.uk

The Sun ist eine täglich erscheinende englische Boulevardzeitung. Sie zählt zu den einflussreichsten Zeitungen des Landes.

Vergleichbar ist The Sun mit der Bild in Deutschland, der Kronen Zeitung in Österreich oder dem Blick in der Schweiz. Die Tageszeitung wird in London verlegt und hat mit etwa 2,9 Millionen Exemplaren (2009)[1] die höchste Auflage aller englischsprachigen Tageszeitungen in Europa. Herausgeber der Zeitung sind die News Group Newspapers der News International, ein Tochterunternehmen der News Corporation des Medienunternehmers Rupert Murdoch. Die Zeitung erscheint im kompakten Tabloid-Zeitungsformat (30 cm × 36,5 cm). The Sun erwirtschaftet schätzungsweise 100 Millionen Pfund jährlich.

Seit dem 26. Februar 2012 erscheint außerdem wöchentlich eine Sonntagsausgabe.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

1911 wurde der „Daily Herald“ als Gewerkschaftsblatt der Londoner Drucker veröffentlicht, ein Jahr später als sozialistische Tageszeitung vertrieben und 1922 vom Gewerkschaftsverband TUC (Trades Union Congress) übernommen. 1933 war der Daily Herald mit einer Auflage von 2 Millionen Exemplaren die am häufigsten verkaufte Tageszeitung der Welt. Nachdem die Auflage jedoch in der Nachkriegszeit zurückging, übernahm 1964 die Mirror Group of Newspapers den herausgebenden Verlag Odhams Press von TUC. Nach der Übernahme von Odham Press, George Newes und Amalgamated Press (später Fleetway Publications) änderte die Mirror Group of newspapers ihren Namen in International Publishing Corporation (IPC).

1964 wurde The Sun von IPC als Ersatz für den Daily Herald auf den Markt gebracht. Die Sun sollte nach Meinung von Marktforschern als Zeitung für die Arbeiterklasse, die kulturinteressiert und aufstrebend sei, eine neue Leserschaft bedienen. Das Motto der Zeitung lautete: „A paper born of the age we live in“, „geboren in dem Zeitalter, in dem wir leben“. Diese Leserschaft existierte jedoch nicht und die Auflage halbierte sich innerhalb von fünf Jahren auf 850.000. Die neuen Besitzverhältnisse brachten keine Verbesserung der Auflage, auch da IPC kein Konkurrenzblatt zum erfolgreichen hauseigenen Daily Mirror auf den Markt bringen wollte, so dass die Zeitung 1969 für £800,000 an Rupert Murdoch weiterverkauft wurde. Murdoch änderte das Zeitungsformat (Tabloid) und führte die Zeitung erneut ein, diesmal als freches, kompromissloses Boulevardblatt (Sex, Sport, Sensationen). Als eigentliche Geburtsstunde der Sun in ihrer heutigen Form wird das Jahr 1969 angesehen. Die Zeitung wurde von da an wochentags auf den Druckerpressen der Sonntagszeitung News of the World gedruckt, die Murdoch ein Jahr zuvor erworben hatte.

Die Auflage stieg 1970 innerhalb eines Jahres um 40 % auf 2,1 Millionen Ausgaben, insbesondere seitdem das Foto des Page Three girls (Bild: Seite Eins Mädchen) zum Jahrestag 1970 kein Glamour-Girl, sondern ein Pin-up-Girl zeigte. Das erste Pin-up-Girl auf der dritten Seite war 1970 die zwanzigjährige Deutsche Stephanie Rahn. Samantha Fox präsentierte sich 1984 sechzehnjährig und ist bis heute das bekannteste Page Three girl. Die „Dritte Seite“ war ursprünglich keine Rubrik der Zeitung. 1978 übertraf die Auflage der Sun die ihres ehemaligen Schwesterblattes The Daily Mirror bei der International Publishing Corporation (IPC), nicht zuletzt durch eine aggressive Werbekampagne des Schauspielers Christopher Timothy auf der Fernsehstation ITV. Seit 1981 nutzt The Sun Bingo als Vermarktungsinstrument, um die Auflage weiter zu erhöhen.

Trotz der Arbeitsverhältnisse in den 1970er-Jahren, den sogenannten Spanish Practices (dt. etwa: sich eingebürgerte laxe und inoffizielle Arbeitsmethoden) der Verlagsgewerkschaften, war die Sun sehr profitabel, was Murdoch ab 1973 ermöglichte, in die Vereinigten Staaten zu expandieren. 1986 schloss Murdoch die Betriebsgebäude der Sun und News of the World in der Londoner Bouverie Street (einer Seitenstraße der Fleet Street), entließ etwa 5000 streikende Drucker und zog auf ein neues Betriebsgelände im Wapping Komplex, Teil des Londoner Stadtbezirks Tower Hamlets in den Docklands. In den neuen Produktionsstätten wurden die Zeitungen im Offsetdruck statt wie vorher mit Linotypen gedruckt, was für die große Anzahl von Entlassungen entscheidend war. Die beiden Zeitungen wurden kurze Zeit von einer Rumpfbelegschaft produziert. Der wirtschaftliche Erfolg der zwei Zeitungen ermöglichte es Murdoch, die British Sky Broadcasting Satellitenfernsehkanäle in Betrieb zu nehmen und ab 1993 einen Preiskampf (Räuberische Preissetzung) der seit 1981 hauseigenen The Times vor allem mit dem Konkurrenzblatt The Independent zu starten.

Am Wochenende vom 11. bis 12. Februar 2012 wurden fünf führende Redakteure der Sun wegen des Verdachts der Bestechung von Polizisten und Beamten festgenommen. Unter anderem betroffen sind der Bildredakteur, der Chef-Auslandskorrespondent und der Chefreporter des Blattes. Rupert Murdoch gab eine Garantieerklärung für das weitere Bestehen der Zeitung ab.[4]

Politik[Bearbeiten]

Die anfangs loyal zur Labour Party stehende ehemalige Gewerkschaftszeitung gehört mit etwa 10 Millionen Lesern täglich zu den einflussreichsten Zeitungen des Landes. In den 1970er Jahren fand die Zeitung die „skilled working class“ (Social grade C2, Facharbeiter und Arbeiter) als neue Zielgruppe und bediente diese mit populistischen und sensationslüsternen Artikeln. Der Einfluss der Zeitung auf Wahlen gilt als umstritten. Inhaltlich ist die Zeitung rechtsorientiert, standhaft antieuropäisch und konservativ, obgleich sie Tony Blair und New Labour (siehe Labour Party) bei den Wahlen 1997, 2001 und 2005 unterstützte. Kritiker des Blattes bemängeln die Tendenz der Zeitung die konservativen politischen Ansichten Rupert Murdochs zu reflektieren. The Sun ist für eine offen-antieuropäische und insbesondere auch anti-deutsche Haltung bekannt (German Bashing). Ein beliebtes Thema der Sun ist die sogenannte „destruction of the British way of life“ (dt.: Zerstörung der britischen Lebensart) durch Europa und die EU.

Als die Labour-Regierung in den 1970er Jahren politische Schwächen offenbarte und an Popularität verlor, änderte die Zeitung ihre politische Haltung und sympathisierte mit den Konservativen. In den beiden britischen Unterhauswahlen des Jahres 1974 war die Einstellung des Blattes zur Labour Party „skeptisch“ (Roy Greenslade in Press Gang, 2003). Larry Lamb, Editorial Director der Sun und News of the Week war Labour zugeneigt, der Chefredakteur Anthony Shrimsley der Conservative Party, Murdoch entschied die Konservativen zu unterstützen.

  • „Vote for Maggie – to give you a better Britain“

Bei den Unterhauswahlen im Jahr 1979 bat die konservative Spitzenkandidatin der Opposition Margaret Thatcher die Sun um Unterstützung. Nach dem Sieg der Konservativen „belohnte“ Thatcher den damaligen Chefradakteur Larry Lamb mit der Erhebung in den Adelsstand. 1980 ermöglichten die Konservativen Murdoch den Kauf der Times und der Sunday Times.

  • „If Kinnock wins today will the last person to leave Britain please turn out the lights“
    „It was the SUN wot won it.“ (9. April 1992)

Bei den britischen Unterhauswahlen 1992 machte sich die Sun für den späteren Gewinner der Wahl, den konservativen John Major stark und votierte gegen Neil Kinnock. Die Zeitung bildete Neil Kinnocks Kopf in einer leuchtenden Glühbirne ab und titelte „Wenn Kinnock heute gewinnt, macht der letzte, der Großbritannien verlässt, bitte das Licht aus“. Nach der von John Major gewonnen Wahl titelte die Zeitung einen Tag später prahlerisch und in englischem Slang, „Es war die Sun, die die Wahl gewann“ (wot: eine Form von what).

  • „The Sun Backs Blair“ (16. März 1997)

Vor der Wahl 1997 reiste der neue Spitzenkandidat der Labour Party Tony Blair in Rupert Murdochs Heimatland Australien und warb für eine Unterstützung seiner New-Labour-Kampagne. Vier Tage vor der Wahl titelte die Sun „Die Sun unterstützt Blair“.

Boulevardblatt[Bearbeiten]

Da in der britischen Boulevardpresse ein hoher Konkurrenzkampf herrscht – höher als in der deutschen mit dem Marktführer Bild – versucht sich die Sun mit den lautesten und radikalsten Schlagzeilen zu profilieren („anti-establishment“). Der boulevardjournalistische Stil der Sun ist deshalb noch grobschlächtiger als der der Bild. Viele Schlagzeilen, die in der Bild stehen, standen tags zuvor bereits in The Sun. Boulevardblätter, als Vertreter der Unterhaltungsindustrie, veröffentlichen weniger harte Nachrichten als Meinungen, die als Nachrichten „verkleidet“ sind. Neben der Politik beruhen die Meldungen der Zeitung auf Geschehnissen aus dem Showbusiness, dem Hochadel (siehe: Regenbogenpresse), dem Sport oder den neusten Seifenopern. Die Autoren der Zeitung schreiben jedoch nicht nur über Personen des öffentlichen Lebens und deren Homestorys, sondern sind auch stets daran interessiert, über Berühmtheiten in persönlichen Krisen, heiklen Situationen oder leicht bekleidet, zu berichten. Die Sun bevorzugt Bilder in ihrer Berichterstattung und ist eine der Daseinsberechtigungen für Paparazzi und Abnehmer von deren Fotos. Weitere Themen der Sun sind die Zuwanderung, Missbrauch und Pädophilie. Die Auflage der Sun sinkt stetig. Neue Klatschmagazine (Hello!, OK!) und deren Nachahmer, Hefte für junge Männer (Nuts, Zoo) und nicht zuletzt der fast vollständige Text der Printausgabe in dem gelungenen Internetauftritt (4,5 Mill. Seitenaufrufe monatlich) bedrohen die Auflage. Fest gefügte Feindbilder des Blattes verschwimmen allmählich, und streitbare Haltungen wie etwa die für den Irakkrieg oder gegen die BBC, sowie missglückte Kampagnen, wie die gegen den Fußballnationaltorhüter David James, in dessen Folge Nationalspieler Interviews verweigerten, lassen die Zeitung nicht mehr so sicher wirken wie in vergangenen Jahren.

Die Sun hat eine Auflage von 3,2 Millionen Exemplaren, zum Vergleich, USA Today: 2,25; The Times of India: 2,14; Bild: 3,8. Weitere Boulevardblätter die in Großbritannien verlegt werden sind der Daily Express (900.000), die Daily Mail (2,4 Mill), der The Daily Mirror (1,8 Mill), der Daily Star, und Daily Sport. Die Sun verkauft knapp eine Million mehr Exemplare als der unmittelbare Konkurrent Daily Mail. Von diesen Zeitungen unterstützt einzig der Daily Mirror die Labour Party, die anderen sind konservativ orientiert. Das sonntägliche Equivalent der The Sun in Großbritannien war bis zu ihrer Einstellung am 10. Juli 2011 die News of the World, die Sunday Sun steht zu diesen beiden Zeitungen in keiner Beziehung und wird in Newcastle upon Tyne verlegt. Seit dem 26. Februar 2012 erscheint The Sun auch als Sonntagsausgabe.

In der Republik Irland wird eine irische Version der Sun, The Irish Sun verlegt. Die Ausgabe enthält neben den gleichlautenden Inhalten der britischen Hauptausgabe irische Nachrichten und Meinungen und irische Werbung. Die irische Sun hat ein leicht größeres Papierformat und kostet 0,80 €.

Berüchtigte Schlagzeilen und Berichte[Bearbeiten]

  • „Gotcha“ (4. Mai 1982)

Die bis heute berühmteste Schlagzeile der Sun lautete „Gotcha“ (dt.: Erwischt), als während des Falklandkrieges 1982 der argentinische Kreuzer General Belgrano versenkt wurde (323 Tote). Der Redakteur Kelvin MacKenzie, der die Schlagzeile drucken ließ, änderte sie zwar kurzfristig zu „DID 1,200 ARGIES DROWN?“, dennoch erreichte die Ausgabe einige Leser. Die Schlagzeile wurde von anderen Zeitungen aufgegriffen um den Blutdurst der Sun zu zeigen.[5]

  • „Freddie Starr Ate My Hamster“ (13. März 1986)

Freddie Starr war ein sehr populärer Komiker in Großbritannien. Die Schlagzeile „Freddie Star hat meinen Hamster gegessen“ wurde im Artikel als Behauptung einer jungen Frau relativiert. Der Satz ist heute in Großbritannien ein geflügeltes Wort um etwas Unwahrscheinliches auszudrücken.

  • „Up Yours, Delors“ (1. November 1990)

Premierministerin Thatcher hielt 1990 vor dem britischen Unterhaus eine aggressive Rede gegen den ECU und den Versuch der Europäischen Kommission, Großbritannien durch die „Hintertür in die EWU (Europäische Währungsunion)" zu führen.
In Anlehnung an die Rede wurde dem EG-Kommissionspräsidenten Jacques Delors von der Sun „der Finger“ gezeigt. Einen Tag nach dem Artikel trat der Außenminister Großbritanniens, Sir Geoffrey Howe, zurück. Etwa 14 Tage später hielt Howe seine berühmte Rede zur Europapolitik Thatchers, die allgemein als der Anfang des Untergangs der Regierung Thatcher angesehen wird.

  • „Our Boys“

Die Unterstützung der kämpfenden britischen Armee, bezeichnet als „Our Boys“ (dt.: Unsere Jungs), ist unmissverständlich. Die Zeitung unterstützte in vollem Umfang den Irak-Krieg.

  • „The Truth“, „Some fans picked pockets of victims“; „Some fans urinated on the brave cops“; „Some fans beat up PC giving kiss of life“ (19. April 1989)

Die Sun wurde für ihre Berichterstattung über die Hillsborough-Katastrophe (96 Tote, 730 Verletzte) im Sheffielder Fußballstadion 1989, in der sie Fans des FC Liverpool vorverurteilt hatte (z. B. Taschendiebstahl bei den Opfern, Urinieren auf Polizisten und Leichen) öffentlich kritisiert. Mehrere andere Zeitungen brachten die gleichen Vorwürfe, die jedoch auch auf falschen Aussagen eines einzelnen Polizisten beruhten. Im Gegensatz zu den anderen Zeitungen verdiente sich die Sun besondere Schmach für die übergroße Schlagzeile „The Truth“ (dt.: die Wahrheit). Die Zeitung wurde daraufhin in Liverpool boykottiert. Erst am 7. Juli 2004, 15 Jahre nach der Katastrophe, druckte die Sun eine von Vielen als eigennützig bezeichnete ganzseitige „Entschuldigung“. Die Entschuldigung kam auch zustande, da der für den Liverpooler Verein FC Everton spielende und gebürtige Liverpooler Wayne Rooney seine Biographie an die Sun verkauft hatte, die Zeitung aber kritisierte. Der Versuch der Sun, mit der Biographie Rooneys in Liverpool Boden gutzumachen, scheiterte, und Rooney wurde schließlich von der Sun als Bordellgänger bloßgestellt.

  • „Are we being run by a gay mafia?“ (9. November 1989)

Kontrovers wird auch der vermeintliche Heterosexismus des Blattes gesehen. Dieser begann, als in den 1980ern die Greater London Council (Vorgängerin der Greater London Authority) unter der Leitung von Ken Livingstone damit anfing, Homosexuellenorganisationen mit geringen Beträgen finanziell zu unterstützen. Einige Tage nachdem der Labourabgeordnete Peter Mandelson von Mattew Paris, einem homosexuellen Politiker und Journalisten, in der Fernsehsendung Newsnight im Oktober 1989 als homosexuell geoutet wurde, fragte die Zeitung, ob Großbritannien von einer „Gay Mafia“ (dt.: Schwulen-Mafia) regiert werde. Eine Auflistung von homosexuellen Abgeordneten wurde am nächsten Tag aufgrund der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit von der Zeitung revidiert. So waren beispielsweise Chris Smith, Nick Brown und Mandelson in keiner Weise liiert.

  • „Queen Seeks Damages From Paper Over a Speech“ (3. Februar 1993)

Königin Elisabeth II. verklagt die englische Boulevardzeitung The Sun auf Schadensersatz für den verfrühten Druck ihrer Weihnachtsrede. Die britische Krone akzeptierte das Entgegenkommen der Boulevardzeitung auf Zahlung von $284,000 an Hilfbedürftige und sozial schwache Menschen. Damit einigten sich beide Parteien auf eine außergerichtliche Klärung des Streites.

  • „Is THIS the most dangerous man in EUROPE?“ (25. November 1998)

Der ehemalige deutsche Finanzminister Oskar Lafontaine wurde im Zuge einer Kampagne gegen die europäische Einheitswährung als „gefährlichster Mann Europas“ hinterfragt. Im Artikel war zu lesen, Lafontaine sei die größte Gefährdung des British way of life seit 1945.

  • „Le worm“ (20. Februar 2003)

Ausländische Staatsoberhäupter werden oft in ungeschminkter Manier mit Ausdrücken betitelt. Jacques Chirac, der Präsident Frankreichs etwa wurde im Vorfeld des Irakkriegs für seine ablehnende Haltung gegenüber einer Invasion mit dem Begriff „le Worm“ (dt.: der Wurm) verspottet. In einem Editorial am nächsten Tag hieß es weiter: „The French President is an unscrupulous, conniving, preening, lying, cheating hypocrite“ (dt.: Der französische Präsident ist ein skrupelloser, intriganter, herausgeputzter, lügender und betrügender Heuchler). In Paris wurde eine kostenlose französische Spezialausgabe verteilt mit der Schlagzeile „Chirac est un ver“ (dt.: Chirac ist ein Wurm).

  • „From Hitler Youth to Papa Ratzi“ (20. April 2005)

Zur Wahl des 78-jährigen deutschen Kardinals Joseph Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. 2005 titelte The Sun „Von der Hitler-Jugend zum Papa Ratzi“'. 1945 zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Benedikt XVI. 18 Jahre alt.

  • „Tyrant’s in his Pants“ (20. Mai 2005)

Die Sun sowie die auch zu Rupert Murdochs News Corp. gehörende New York Post bildete auf der Titelseite ein etwa ein Jahr altes Foto ab, das den seit Dezember 2003 inhaftierten Saddam Hussein nur mit einer weißen Unterhose bekleidet zeigt (weitere Fotos im Artikel). Die nach der dritten Genfer Konvention garantierte Würde von Kriegsgefangenen wurde dadurch verletzt. Die Quelle der Fotos sei laut Sun im US-Militär zu suchen, die Fotos seien ein Versuch, Saddam Hussein zu demystifizieren.

  • „One down ... three to go“ (23. Juli 2005)

Zur Erschießung des 27-jährigen Brasilianers Jean Charles de Menezes, den Polizisten irrtümlich für einen Selbstmordattentäter hielten.

  • „I'm Big in the Bumdestag“ (Bum, dt. Po) (17. April 2006)

Die amtierende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde im Osterurlaub auf der italienischen Insel Ischia beim Umkleiden von einem Paparazzo fotografiert. Die Sun druckte ein Foto mit dem entblößten Gesäß der Kanzlerin. Im Artikel lobte die Zeitung die deutsche Wirtschaft und bestätigte ihr eine „much improved bottom line“ (dt.: eine stark verbesserte Grundlage). Die Sun beschrieb Merkel als „the cheeky chancellor“ (dt.: die vorwitzige Kanzlerin) und „the Iron Frau“ (dt.: die eiserne Frau). Die Kanzlerin verzichtete auf eine Anzeige, um dem Artikel nicht noch weitere Aufmerksamkeit zu verschaffen (vergl. Streisand-Effekt).

  • „School Wars“

Nach dem Amoklauf von Erfurt im April 2002 wurde von der britischen Zeitung „The Sun“ berichtet, der Attentäter Robert Steinhäuser sei durch einen Slipknot-Song namens „School Wars“ zu seinem Amoklauf inspiriert worden. Eine vermeintlich daraus zitierte Textzeile des Songs lautete „Shoot your naughty teachers with a pump gun“ (dt: Knall deinen frechen Lehrer mit einer Pump Gun ab). Ein solcher Song der Band existiert jedoch nicht.

Chefredakteure[Bearbeiten]

  • Sidney Jacobsen (1964–1965) (vor dem Namenswechsel des Daily Herald)
  • Dick Dinsdale (1965–1969)
  • Lary Lamb (1969–1972) (Lamb war Chefredakteur der 'Sun' und der News of the Week)
  • Anthony Shrimsley (1972–1975)
  • Lary Lamb (1975–1980) (Lamb musste sich ein halbes Jahr beurlauben lassen (Sabbatical) bevor er von Murdoch entlassen wurde)
  • Kelvin MacKenzie (1981–1994)
  • Stuart Higgins (1994–1998)
  • David Yelland (1998–2003)
  • Rebekah Wade (2003–2009)
  • Dominic Mohan (2009–2013)
  • David Dinsmore (2013–)

Eine frühere Chefredakteurin und erste Frau in dieser Stellung war Rebekah Wade. Am 3. November 2005 wurde Wade für 8 Stunden wegen Körperverletzung an ihrem Ehemann, dem britischen Schauspieler Ross Kemp, verhaftet und ohne Anklage wieder freigelassen. In den vorausgegangenen Wochen hatte die Zeitung eine Kampagne gegen häusliche Gewalt geführt.

Siehe auch: Liste von Zeitungen in Großbritannien

Aktuelle Redakteure[Bearbeiten]

Pete Bell, Victoria Raymond, Emily Smith (US editor), George Pascoe-Watson, Alex Kasriel, Corinne Abrams, Victoria Newton, Frank Praverman, Robin Amlot, John Coles, James Clench, David Wooding (whitehall editor), Richard White, Gary OShea, Andrew Parker, Dave Masters, Veronica Lorraine, Lucy Hagan, Jamie Pyatt, Jerome Starkey, Ian King (business editor), Jon Gaunt, Jane Moore, Fergus Shanahan

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruce Page, Elaine Potter: The Murdoch Archipelago. Pocket Books, 2004, ISBN 0-7434-6793-0, Rezension.
  • P. Chippindale, C. Horrie: Stick it up your Punter! The rise and fall of the Sun. Heinemann, London 1990, ISBN 0-434-12624-1 (englisch).
  • Die dunkle Seite der Sonne, "The Sun", Großbritanniens größte Zeitung, ist 40 Jahre alt, aber zum Feiern ist ihr nicht zumute, Frankfurter Rundschau, 25. September 2004, Rubrik Medien, S. 18

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Sweney, Mark: Sun drops below 3m again. In: guardian.co.uk. Januar 2009
  2. Mohan, Dominic: Facts & Figures: The Sun. In: Newspaper Marketing Agency. 2009
  3. Polly Toynbee: Sonnenkönig der Schmutzpresse. In: derFreitag. 26. Februar 2012, abgerufen am 27. Februar 2012.
  4. Johannes Leithäuser: Nur Nacktes ist Wahres. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. Februar 2012, abgerufen am 13. Februar 2012 (deutsch).
  5. Peter Chipendale: GOTCHA' SHE YELLED-AND A FRONT PAGE WAS BORN, Mail on Sunday, 26. September 1999, S. 61

Weblinks[Bearbeiten]