Fensterrose

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Fensterrose oder Radfenster in der Bristol Cathedral

Als Fensterrose (auch einfach: Rose) oder Rosette wird in der Architektur ein kreisrundes verglastes Fenster mit Maßwerkfüllung bezeichnet. Fensterrosen sind vor allem an gotischen Kirchen zu finden.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Wenn auf der Rosette wie bei einem Speichenrad Säulchen oder Profile um einen zentralen Punkt oder Ring angeordnet sind, wird sie Radfenster oder Katharinenrad (nach der Heiligen Katharina) genannt. Radfenster sind bereits in der Romanik bekannt wie das „Glücksrad“ am Basler Münster, welches die Wechselhaftigkeit des irdischen Glücks symbolisiert. Eine kreisrunde oder ovale Fensteröffnung ohne jede Füllung heißt dagegen Ochsenauge oder Oculus. Viele gotische Rosenfenster orientieren sich deutlich und noch lange Zeit an den Grundideen der Radfenster, von denen sie sich erst in den Flamboyant-Rosen der Spätgotik eindeutig abgrenzen.

Fensterrosen[Bearbeiten]

Maßwerkrosen mit zum Teil sehr großen Abmessungen (über 13 Metern Durchmesser) entstanden in der Gotik. Sie sind in der Regel mittig über dem Hauptportal auf der Westseite oder in den Querhausfassaden eingebaut und können sogar die gesamte Fassadenbreite einnehmen wie z. B. an den Querhäusern der Kathedrale Notre-Dame de Paris.

Symbolik[Bearbeiten]

Die zentrierte Lage der Fensterrose hat eine starke, suggestive und meditative Wirkung. Sie wirkt überaus prächtig (besonders, wenn farbiges Glas eingesetzt wird), machtvoll, schön, beruhigend und harmonisch. Sie regt auf Grund ihrer idealen Kreisform immer wieder zu symbolischen Deutungen an. Sie kann die Vollkommenheit der sich nach allen Seiten verbreitenden Liebe des Göttlichen verkörpern. Die kunstvolle architektonische Struktur der Rose spielt häufig mit Elementen der Zahlen- und Kreissymbolik, um die Allgegenwart Gottes in der Welt oder den Lebenszyklus visuell erfahrbar zu machen. Die radiale Ausstrahlung der Maßwerkbahnen erinnert an die Sonne und veranlasst auch hier zu weitergehenden Interpretationen. Diese Anordnung gab dem französischen Stilbegriff für die Hochgotik, „rayonnant“ (d. h. strahlend, franz. rayon = Strahl) den Namen.

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ellen Judith Beer: Die Rose der Kathedrale von Lausanne und der kosmologische Bilderkreis des Mittelalters. Benteli, Bern 1952 (Berner Schriften zur Kunst 6, ZDB-ID 519240-7), (Zugleich: Bern, Univ., Diss., 1952).
  • Painton Cowen: Die Rosenfenster der gotischen Kathedralen. 2. Auflage. Herder, Freiburg (Breisgau) 1984, ISBN 3-451-18629-2.
  • Helen J. Dow: The Rose-Window. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes. 20, 1957, ISSN 0083-7180, S. 248–297.
  • Friedrich Kobler: Fensterrose. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 8. München 1982, Sp. 65–204, Onlineversion.
  • Wiltrud Mersmann: Rosenfenster und Himmelskreise. Mäander, Mittenwald 1982, ISBN 3-88219-195-3.
  • Theodore Rieger: Roses romanes et roses gothiques dans l'architecture religieuse alsacienne. In: Cahiers alsaciens d'archéologie, d'art et d'histoire. 22, 1979, ISSN 0575-0385, S. 67–105.
  • Robert Suckale: Thesen zum Bedeutungswandel der gotischen Fensterrose. In: Karl Clausberg, Dieter Kimpel u. a. (Hrsg.): Bauwerk und Bildwerk im Hochmittelalter. Anschauliche Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte. Anabas-Verlag, Gießen 1981, ISBN 3-87038-082-9, S. 259–294 (Kunstwissenschaftliche Untersuchungen des Ulmer Vereins, Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften 11).

Weblinks[Bearbeiten]