Girona

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Girona, für die nach der Stadt benannte Provinz siehe Provinz Girona.
Gemeinde Girona
Die Kathedrale von Girona über dem Fluss Onyar
Die Kathedrale von Girona über dem Fluss Onyar
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Girona
Girona (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Katalonien
Provinz: Girona
Comarca: Gironès
Koordinaten 41° 59′ N, 2° 49′ O41.9752.816666666666770Koordinaten: 41° 59′ N, 2° 49′ O
Höhe: 70 msnm
Fläche: 39,14 km²
Einwohner: 97.292 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.485,74 Einw./km²
Postleitzahl: 17001 - 17190
Gemeindenummer (INE): 17079 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Bürgermeister: Carles Puigdemont i Casamajó (CiU)
Daten der Generalitat: MuniCat
Sitze im Gemeinderat: Kommunalwahl 2011
Webpräsenz der Gemeinde
Lage der Gemeinde
Girona, Spain location.png

Girona [ʒiˈɾonə] (spanische Bezeichnung Gerona [xeˈɾona][2]) ist eine spanische Stadt im Nordosten Kataloniens. Sie hat 97.292 Einwohner (Stand 1. Januar 2013) und ist Hauptstadt der Provinz Girona und der Comarca Gironès.

Geographie[Bearbeiten]

Girona liegt am Zusammenfluss der vier Flüsse Onyar, Ter, Güell und Galligants.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Bewohner der Region waren vermutlich die Iberer. Später errichteten die Römer ein Kastell, das Gerunda genannt wurde. Die Westgoten herrschten über Girona, bis zur Eroberung durch die Mauren. Durch Karl den Großen wurde die Stadt 785 zurückerobert und zu einer der vierzehn ursprünglichen Grafschaften Kataloniens gemacht (siehe auch Grafschaft Girona). 793 wurde Girona von Hischam I., dem Emir von Córdoba, zerstört, gebrandschatzt und entvölkert. Wilfried I. schlug 878 Girona der Grafschaft Barcelona zu. Alfons II. verlieh Girona im 12. Jahrhundert die Stadtrechte.

Die frühere Grafschaft wurde 1351 zu einem Herzogtum, als König Peter IV. von Aragon den Titel des Herzogs an seinen erstgeborenen Sohn Johann weitergab. 1414 vergab König Ferdinand I. den Titel des „Prinzen von Girona“ an seinen erstgeborenen Sohn, Alfons. Der Titel wird derzeit von Kronprinz Felipe von Spanien geführt.

Das maurische Badehaus

Im 12. Jahrhundert lebte eine große jüdische Gemeinde in Girona. Hier war der Sitz einer der wichtigsten kabbalistischen Schulen in Europa. Der Rabbiner von Girona, Nachmanides, wurde zum Oberrabbiner Kataloniens. Die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft Gironas endete 1492, als die katholischen Könige mit dem Alhambra-Edikt alle Juden aus Spanien vertrieben. Das jüdische Ghetto Gironas (genannt Call) ist eines der besterhaltenen in ganz Europa und ist eine der bekanntesten touristischen Attraktionen.

Mehrfach fanden um die Festung Girona Kämpfe mit Frankreich während des 17. und 18. Jahrhunderts statt. Napoleon eroberte die Stadt 1809 nach einer siebenmonatigen Belagerung. Die Stadtmauern wurden geschleift, was im 19. Jahrhundert die Vergrößerung der Stadt ermöglichte.

Die Zeit vor dem Spanischen Bürgerkrieges war geprägt von den sozialen Verwerfungen der Weltwirtschaftskrise, so dass Offiziere der Garnison Gerona den Staatsstreich des Generals Francisco Franco vom 19. Juli 1936 unterstützten. Nach der Niederschlagung des Staatsstreiches in Barcelona verweigerten am 22. Juli 1936 die Soldaten der Garnison den Offizieren den Gehorsam. Von den damals rund 30.000 Einwohner Geronas waren 6.000 in der syndikalisten Gewerkschaft C.N.T organisiert, die nach der unblutigen Niederschlagung des Staatsstreiches in Gerona die Verwaltung der Stadt übernahm. Die eingeleiteten syndikalisten Reformen umfassten, neben der Verbesserung der hygienischen Verhältnisse durch die Sanierung des Abwassersystems, auch die Kollektivierung von Unternehmen. Zur Verteidigung der Republik zogen insgesamt 2.000 Geroneser an die Front.[3]. Nach der Einnahme Barcelonas durch die Truppen Francos am 26. Januar 1939 floh der Ministerpräsident Negrin über Gerona nach Frankreich, so auch viele republiktreue Einwohner Geronas. Am 4. Februar 1939 besetzten die Truppen Francos die Stadt. Während des Krieges erlitt die Stadt Verwüstungen durch die Kämpfe und die Belagerung durch die Truppen Francos.

Kathedrale Santa Maria[Bearbeiten]

Die Kathedrale von Girona
Grundriss der Kathedrale

Girona hat einen außerordentlichen Reichtum an imponierenden Monumenten in unvergleichlicher Dichte. Die bekannteste Kirche der Stadt ist die Kathedrale Santa Maria, an der jahrhundertelang gearbeitet wurde. Ihre Fassade stammt aus dem Barock (1659 bis 1793), die Freitreppe aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert. Die Kirche selber wurde um 1300 begonnen. Das Gewölbe war erst im 17. Jahrhundert vollendet. Die Chorbildung orientiert sich an der Kathedrale von Barcelona.

1417 gab es eine Planänderung: Das Langhaus wurde jetzt als Saalbau konzipiert – mit einem Kreuzrippengewölbe über einer Breite von 23 Metern bei einer Höhe von 34 Metern. Damit ist er der weiteste Saal des gesamten europäischen Mittelalters. Kleine Seitenkapellen wurden zwischen den Strebepfeilern eingezogen.

Die Kapitelle des Kreuzgangs aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zeigen große Feinheit der Ausführung, u. a. die Geschichte Jakobs.

Der Schöpfungsteppich[Bearbeiten]

Der Schöpfungsteppich

Der Tapís de la creació (‚Schöpfungsteppich‘) ist um die Wende des 11. Jahrhunderts sehr wahrscheinlich in Girona entstanden. Nach dem Verlust des unteren Randes und eines Seitenstreifens misst er noch 4,15 × 3,65 Meter. Er zeigt farbige Seidenstickerei auf Leinwand. Im Mittelpunkt steht der Weltenherrscher, der Pantokrator, als Schöpfergott. Von diesem zentralen Medaillon strahlen die acht Sektoren des äußeren Kreises aus, die vor allem in ihrem unteren Teil mit einer Fülle überaus reizvoll-naiver Details die Geschöpfe der Luft und des Meeres, die Erschaffung Evas aus der Rippe Adams und die Szene schildert, in der Adam den Tieren ihren Namen verleiht.

Außerhalb dieser bildlich vergegenwärtigten, nach innen wie nach außen durch Spruchbänder mit Zitaten aus der Genesis umwundenen Kosmogonie vermitteln die symbolischen Gestalten der vier Winde den Übergang vom Kreis zum Rechteck, das seinerseits außen durch eine Reihe kleinerer, fast quadratischer Bildfelder mit liebenswürdigen Darstellungen der Monate, der Jahreszeiten und (in der Mitte des oberen Streifens) des Jahres abgeschlossen wird. Schließlich ist der unterste, nur fragmentarisch erhaltene Bildzyklus, durch den kräftig-roten Untergrund von den im Übrigen vorherrschenden Pastelltönen abgehoben, der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die Kaiserin Helena in Jerusalem gewidmet.

Die Gestaltung des Teppichs geht von christlich adaptierten Vorbildern aus, vor allem von Mosaiken aus der spätrömischen Zeit.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Die Universität Girona hat 14.000 Studierende.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Girona hat einen internationalen Flughafen den Flughafen Girona der als Ausweichflughafen der Billigfluggesellschaften für Barcelona benutzt wird.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz René Allemann / Xenia von Bahder: Katalonien und Andorra. Köln [1980] 4. Auflage 1986. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 114, Abb. 20–27. Farbtafel 9,10
  • Marcel Durliat: Romanische Kunst. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1983. Farbtafel 157 (Teppich) Abb. 284–285
  • Alain Erlande-Brandenburg: Gotische Kunst. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1984, Abb. 856
  • Nikolaus Pevsner: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 3. Auflage 1973, S. 200

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Girona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Ley 2/1992, de 28 de febrero, por la que pasan a denominarse oficialmente Girona y Lleida las provincias de Gerona y Lérida Spanisches Gesetz zur Benennung der Provinzen Girona und Lleida vom 28. Februar 1992. (Spanisch)
  3. Augustin Souchy: Nacht über Spanien. Anarcho-Syndikalisten in Revolution und Bürgerkrieg 1936–39. Seite 124. Ein Tatsachenbericht (1955). Neuauflage Alibri Verlag, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-900-8.