Wormser Dom

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Dom St. Peter zu Worms, Blick auf Ostabschluss, Vierungsturm und Nordarm des Querschiffs
Südseite mit Nikolauskapelle
Ansicht von Westen
Die Stadt Worms mit ihrem Dom um 1900

Der Dom St. Peter zu Worms ist der kleinste der drei rheinischen Kaiserdome. Der Wormser Dom ist steiler und schlanker konzipiert als die Dome in Speyer und Mainz. Er wurde im Wesentlichen von 1130 bis 1181 erbaut.

Stellenwert des Wormser Doms[Bearbeiten]

Der Wormser Dom vor 1901

Der Wormser Dom, auf dem höchsten Punkt der Wormser Innenstadt gelegen, ist das bedeutendste Bauwerk der Wormser Romanik und eng mit dem Namen Bischof Burchards und der Blütezeit der Wormser Stadtgeschichte während des 12. und 13. Jahrhunderts verbunden.

Große Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem Dom standen, waren unter Anderem die Papstnominierung Leos IX. im Jahr 1048, das Wormser Konkordat im Jahr 1122, mit dem der Investiturstreit beendet wurde; die Hochzeit Kaiser Friedrichs II. 1235 mit Isabella von England und der Reichstag zu Worms 1521, während dessen sich Martin Luther vor Kaiser Karl V. verantworten musste, was den Bruch in der abendländischen Kirche zur Folge hatte.

Bis zur Säkularisation von Hochstift und Bistum Worms (1801/02) war der Dom St. Peter die Kathedrale des Bischofs von Worms. Seit 1802 ist der Wormser Dom eine katholische Pfarrkirche, die in Erinnerung an ihre frühere Bedeutung als Bischofskirche im Jahre 1862 von Papst Pius IX. zur Propsteikirche und 1925 durch Papst Pius XI. zur „Basilica minor“ erhoben wurde. Dieser päpstliche Ehrentitel, der Ehrenrechte für den Propst und das Gotteshaus einschließt, soll die Bedeutung einer Kirche für das Umland hervorheben.

Der Dom wurde 1130 bis 1181 erbaut, wobei parallel zum Neubau der Abriss einer frühromanischen Basilika aus dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts erfolgte. Nach neuesten Forschungen begann der Bau möglicherweise schon 1105 mit Sanktuarium und Querschiff.[1].

Die Hauptsynagoge in Straßburg, 1896–98 von Ludwig Levy errichtet und 1940–41 zerstört, empfand in ihrer Gestaltung den Wormser Dom explizit nach.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte des Doms[Bearbeiten]

Der Wormser Dom steht auf dem höchsten Hügel der Stadt. Da dieser Hügel vor Hochwassern sicher war, ließen sich dort seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend Menschen nieder. Auf die Kelten folgte der germanische Stamm der Vangionen. An sie erinnert noch der Name Wonnegau für den Wormser Raum. Sie wurden bald von den Römern unterworfen, die auf dem Hügel ein Verwaltungszentrum und einen Tempelbezirk errichteten. Der Niedergang des römischen Reiches erfasste im Jahr 401 auch Worms, als die römischen Garnisonstruppen abzogen. Zwölf Jahre später ließen sich die Burgunden in Worms nieder, sie wurden von den Römern angesiedelt mit der Aufgabe, die Grenzen des Reiches zu sichern. Als sie jedoch versuchten, die römische Oberherrschaft abzuschütteln, wurden sie 435 in einer Schlacht von den Römern geschlagen. Ein Jahr später brachen die Hunnen in die Rheinebene herein und vernichteten den größten Teil des burgundischen Volkes.

Erster Kirchenbau unter Brunichildis[Bearbeiten]

Nach der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern drängten die Franken in die Rheinebene und übernahmen die Macht im Wormser Raum. Gleichzeitig breitete sich das Christentum aus. Als das Frankenreich der Merowinger in drei Teile zerfiel, gehörte Worms zu Austrasien. Nachdem die Herrscher von Austrasien und Neustrien Schwestern geheiratet hatten, brach ein Familienkrieg aus, dem die beiden Könige und eine der beiden Schwestern zum Opfer fielen. Die überlebende austrasische Königswitwe Brunichildis residierte um 600 in Worms. Sie und ihr Nachfolger Dagobert I. ließen nach mittelalterlichen Quellen eine Kirche auf den Grundmauern des römischen Forums errichten. Diese Kirche gilt als der Vorläufer des Doms. Archäologische Belege für diese Überlieferung gibt es nicht. Die Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführten Grabungen unter dem Dom suggerieren vielmehr einen größeren, den Dimensionen nach wohl karolingischen Vorgängerbau. Ob dieser jedoch eine Erweiterung einer merowingischen Anlage war, ist aufgrund der geringen Befundlage nicht mehr zu klären.

Dombau unter Bischof Burchard von Worms[Bearbeiten]

Berthulf war 614 der erste überlieferte Wormser Bischof. Grundlegend neu gebaut in den heutigen Größenmaßen wurde der Dom unter Bischof Burchard von Worms ab dem Beginn des 11. Jahrhunderts, denn Burchard I. wurde im Jahr 1000 Bischof von Worms und begann unverzüglich mit der kirchlichen Neuordnung der Stadt. Ihm gelang es, die Salier zur Aufgabe ihrer Burg zu bewegen, an deren Stelle ab 1002/1003 das Paulusstift errichtet wurde. Die alte Hauptkirche ließ er ebenfalls niederlegen und den Dom beginnen, der wohl noch heute die Konturen der Planung des 11. Jahrhunderts trägt: Eine kreuzförmige Basilika mit zwei halbrunden Chören, die in Ost-West-Richtung errichtet wurde. Bereits im Jahr 1018 konnte der Dom in Anwesenheit des Kaisers geweiht werden, doch stürzte der westliche Baukörper bereits zwei Jahre später ein und musste erneuert werden. Der Kirchenraum hatte eine flache Holzdecke. Nach Burchards Lebensbeschreibung aus der Zeit um 1030/1040 war der Wormser Dom prunkvoll ausgestattet. So ist von Säulen mit vergoldeten Kapitellen die Rede, die jedoch kaum die Hauptstützen der Kirche gewesen sein können. Vielmehr war der Burchard-Dom aller Wahrscheinlichkeit nach eine Pfeilerbasilika, denn nirgends wurden Reste von (ohnehin im 11. Jahrhundert schwerer zu beschaffenden) Säulen gefunden.

Erhalten blieben bei den folgenden Umbaumaßnahmen lediglich die Untergeschosse der Westtürme sowie die nördlich des Chores liegende Schatzkammer, die vermutlich vom Ende des 11. Jahrhunderts stammt.

Im Jahr 1110 wurde der Dom zum zweiten Mal geweiht. Möglicherweise waren größere Schäden aufgetreten, die beseitigt werden mussten und mit einer erneuten Weihe abgeschlossen wurden.

Dombau unter Bischof Burchard II. von Worms[Bearbeiten]

Der Neubau im 12. Jahrhundert entspricht im Wesentlichen dem heutigen Dom. Er konnte frühestens 1125 begonnen werden, nachdem sich gegen Ende des Investiturstreits der Kaiser mit dem papsttreuen Bischof ausgesöhnt hatte und diesem 1124 wieder erlaubte, die Stadt zu betreten. Der Dom entstand im spätromanischen Baustil, d. h. er ist vollkommen gewölbt und unter burgundisch-zisterziensischem Einfluss reich verziert. Viele Bauten in der Umgebung zeigen daraufhin ähnliche Zierformen, so dass man von einer "Wormser Bauschule" sprach. Außerdem gleicht der Aufriss dem der Kaiserdome in Speyer und Mainz. Der allmähliche Fortschritt des Neubaus ist durch Jahresringproben zu verfolgen, 1172 wurden Lampen für den Westchor gestiftet und 1192 Bischof Konrad II. dort bestattet.

Erweiterungsbauten unter Johannes von Dalberg[Bearbeiten]

Etwa einhundert Jahre nach der dritten Weihe wurde mit dem Neubau der Nikolauskapelle begonnen. Ein neues Südportal wurde eingebaut, östlich davon im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts zwei weitere Kapellen, die St. Annen- und die St. Georgskapelle. Als im Jahr 1429 ein Teil des Nordwestturmes einstürzte, wurde er - im Detail zwar eindeutig spätgotisch, in seinen Formen aber streng rekonstruierend - bis 1472 wieder aufgebaut, ein äußerst früher Fall von denkmalpflegerischer Ergänzung. An den östlichen Teil des nördlichen Seitenschiffes wurde 1480/85 die Ägidienkapelle (heute: Marienkapelle) angebaut.

Gotische Reliefs aus dem abgebrochenen Kreuzgang

Gegen Ende des Jahrhunderts wurde unter Bischof Johannes von Dalberg der ursprünglich romanische Kreuzgang (westlich der Nikolauskapelle) erneuert, aus dem die sich heute im nördlichen Seitenschiff des Domes befindlichen monumentalen fünf spätgotischen Reliefs zum Leben Jesu stammen: Wurzel Jesse (1488), Verkündigung (1487), Geburt Christi (1515), Grablegung (um 1490) und Auferstehung (um 1490). Ein ursprünglich vorhandenes sechstes Relief, das die Kreuzigungsszene zeigte, wurde wohl Opfer der Zerstörungen von 1689. Im Stadtmuseum Worms befinden sich aus dem Kreuzgang vier große (88 cm Durchmesser), runde Wappen-Gewölbeschlussteine, gestiftet von Bischof Ruprecht II. von Regensburg, sowie von den Domherren Philipp von Flersheim, Erpho von Gemmingen und Wilhelm von Stockheim.

Reformation[Bearbeiten]

Die Bedeutung des Bistums und des Doms zu Worms nahm zur Zeit des Reichstags von Worms im Jahr 1521 ständig ab. Kurz nach dem Reichstag traten einige Wormser Kirchengemeinden zu der Lehre Martin Luthers über. Im Jahr 1556 folgten alle Pfarreien auf kurpfälzischem Boden.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Während des Dreißigjährigen Kriegs hielten schwedische Truppen die Stadt von 1632 bis 1635 besetzt, und im Dom hielt ein protestantischer Prediger Gottesdienste ab.

Pfälzischer Erbfolgekrieg[Bearbeiten]

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg verwüsteten auf Befehl des französischen Königs Ludwig XIV. dessen Truppen Heidelberg, Mannheim, Speyer und Worms. Kirchen wurden geplündert, doch die Versuche, den Dom zu sprengen, misslangen, allerdings brannte er völlig aus. Bischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg ließ den Dom 1698 wiederherstellen. Dadurch kamen einige barocke Elemente hinzu wie die Fenster der Silberkammer oder der Hochaltar von Balthasar Neumann.

Französische Revolution[Bearbeiten]

Wormser Dom, 1824

Der Wiederaufbau des Doms wurde von den Truppen der französischen Revolution zunichtegemacht. Ende des Jahres 1792 wurden Speyer, Worms, Mainz und Frankfurt von den Revolutionstruppen erobert. Der Dom diente jetzt als Pferdestall und Lagerhalle. Zwischen 1818 und 1830 wurde der Kreuzgang abgerissen und seine Steine versteigert.

Renovierung 1886 bis 1935[Bearbeiten]

Das Südportal, 1890
Saliergruft, linke Seite

Erst im Jahr 1886 begann eine gründliche Renovierung des Wormser Doms. Der Westchor musste auf Grund statischer Mängel und der beim Dombrand 1689 erlittenen erheblichen Schädigungen der inneren Mauerschale von den Grundmauern auf neu errichtet werden. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, möglichst viele originale Steine wiederverwenden zu können. Bei der äußeren Mauerschale war dies so umfassend möglich, dass auch heute noch bis auf einen kleinen Teil die alten Steine an ihren ursprünglichen Stellen sitzen. Auf der Innenseite mussten dagegen großflächig Steine ausgewechselt und originalgetreu rekonstruiert werden. Der kühne gekröpfte Dienstverlauf um das zentrale Rosettenfenster herum wurde allerdings nicht erneuert, da man ihn für die statischen Probleme mitverantwortlich machte. Heute verlaufen die Dienste senkrecht am Rand der Rosette und beschneiden diese deutlich. Die umfangreiche Renovierung, die auch die Neuerrichtung der Nikolauskapelle, die Sanierung des gesamten Fußbodens und die Einrichtung einer völlig neuen Krypta für die Saliergräber unter dem Hochchor umfasste, war erst im Jahr 1935 abgeschlossen.

2. Weltkrieg, 1945[Bearbeiten]

Bei den verheerenden Bombenangriffen am 21. Februar und 18. März 1945 wurde der Dom durch einen Fliegerangriff erheblich beschädigt, wobei die Innenausstattung allerdings nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, da zwar die Dächer abbrannten, die Gewölbe allerdings intakt blieben.

Der seither als verschollen gegoltene Grundstein des Kreuzgangs aus dem Jahr 1484 wurde Ende Februar 2014 beim Aufräumen im Domlapidarium wieder aufgefunden.[2]

Architektur[Bearbeiten]

Grundriss des Wormser Doms (ohne Seitenkapellen)

Der Wormser Dom ist eine doppelchörige Pfeilerbasilika im gebundenen System mit einem Querschiff. Ein Zentralturm befindet sich auf der Vierung, ein weiterer auf dem westlichen Chor. Beide Choranlagen sind flankiert mit je zwei runden Treppentürmen. Das Langhaus ist verschieden eingewölbt. Im Hauptschiff befindet sich ein Kreuzrippengewölbe, in den Seitenschiffen ein Kreuzgratgewölbe. Die Apsis am westlichen Chor hat die Form eines Achtecks und ist mit verschiedenen Rosettenfenstern versehen.

Glasfenster[Bearbeiten]

Die Verglasung des Domes ist heute recht vielfältig. Neben einfacher klarer oder Milchglasverglasung in den Querschiffen wurden besonders in den Kapellen anspruchsvolle moderne Bildfenster geschaffen, so die farbigen Glasfenster von Heinz Hindorf in der Marienkapelle, die das Marienleben und die 14 Nothelfer zum Thema haben oder das sog. Geschichtsfenster in der Georgskapelle. In 20 Szenen wird hier die Wormser Bistumsgeschichte dargestellt vom ersten angenommenen Bischof Victor 345 bis zur Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Eine ungewöhnliche politische Stellungnahme findet sich in der Darstellung des Kernkraftwerks Biblis als "Turmbau zu Bablis" in einer Reihe von Beispielen menschlicher Sündhaftigkeit.[3]

Der Dom als Grablege[Bearbeiten]

Vier Saliergräber waren bereits im Altarraum des fränkischen Domes vorhanden und wurden überbaut; fünf weitere folgten bis zum Jahre 1046. Es handelt sich um Vorfahren und Angehörige von Kaiser Konrad II.:

  1. Konrad der Rote, Herzog von Lothringen (Urgroßvater) † 955,
  2. Judith, Herzogin von Kärnten (Großmutter) † 991,
  3. Heinrich, Graf im Speyergau (Vater) † 990/991,
  4. Judith (Schwester) † 998,
  5. Konrad I., Herzog von Kärnten (Onkel) † 1011
  6. dessen Gemahlin Mathilde † 1031/32,
  7. Mathilde (Tochter) † 1034 (1046 nach Worms überführt),
  8. Konrad II., Herzog von Kärnten (Cousin, Sohn von Konrad I.) † 1039,
  9. Bischof Azecho, Nachfolger Bischof Burchards, † 1044.

Die Sarkophage stehen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in einer eigens dafür geschaffenen, zugänglichen Gruft.

Weil das Fußbodenniveau des Querhauses und des Ostchores über sechs Meter aus dem Erdreich herausragt, muss man davon ausgehen, dass eine Krypta vorhanden war.

Nikolauskapelle[Bearbeiten]

Anstelle eines frühromanischen, erheblich kleineren Kapellenbaues von 1058 wurde zwischen 1280 und 1315 die zweischiffige gotische Nikolauskapelle unmittelbar westlich des Hauptportales an das südliche Seitenschiff angebaut. Es gibt Hinweise auf Nikolausreliquien, die angeblich von Kaiserin Theophanu aus Byzanz anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. im Jahre 972 gestiftet wurden. In dieser Zeit, als Bischof Nikolaus noch in Myra bestattet war, verbreitete sich die Nikolausverehrung im Abendland. Dies könnte die ungewöhnliche Größe der Kapelle und ihre Qualität erklären. Die Kapelle war ursprünglich Teil des unmittelbar westlich anschließenden Kreuzganges und wurde in ihrer Länge von diesem zur Hälfte verdeckt. Als die Reste des Kreuzganges 1830 endgültig abgerissen wurden, geriet die Statik der Kapelle aus dem Gleichgewicht, so dass sie schließlich, ähnlich wie wenige Jahre zuvor der Westchor, 1920/27 vollständig abgetragen, neu fundamentiert und wieder neu aufgebaut werden musste. Bei dieser Gelegenheit versuchte man auch, die Proportionen der Kapelle, die ohne den Kreuzgang als Kontext eher unansehnlich wirkte, zu korrigieren, indem man sie nach Westen um ein halbes Joch verlängerte und die Fenster ergänzte. Auch das heutige (südliche?) Eingangsportal der Kapelle stammt aus dieser modernen Zeit, sein Tympanon stammt allerdings aus dem Portal, das früher aus dem Kreuzgang in die Kapelle führte.

Die Ausstattung der Kapelle besteht heute aus Stücken, die sämtlich nicht ursprünglich für diesen Raum bestimmt waren. Der gotische Schnitzaltar stammt aus Süddeutschland und wurde erst vor wenigen Jahrzehnten angekauft. Der spätgotische Taufstein befand sich ursprünglich in der im 19. Jahrhundert abgerissenen Johanniskirche, der fast lebensgroße gotische Dreijungfrauenstein im nicht weit entfernten Bergkloster. Die intensiv blau-rot gefasste moderne Verglasung taucht den Kapellenraum in ein fast mystisch wirkendes Dämmerlicht.

Im stark erhöhten Dach der Nikolauskapelle sind die Sammlung ausgetauschten Bauschmucks und dessen Abgüsse untergebracht, der Keller beherbergt die Zentralheizung des Doms.

Die ursprünglichen Nikolaus-Reliquien sind bei den Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg verloren gegangen. Zu Ende des 20. Jahrhunderts konnte dann eine neue Nikolausreliquie beschafft werden. Die Nikolauskapelle dient heute insbesondere als Taufkapelle des Doms und für Werktagsgottesdienste.

Hochaltar[Bearbeiten]

Der Mainzer Kurfürst und Fürstbischof von Worms Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg hinterließ in seinem Testament genügend Geld, um einen neuen Hochaltar bauen zu lassen. Sein Nachfolger, Fürstbischof Franz Georg von Schönborn, bat seinen Bruder Friedrich, den Bischof von Würzburg, ihm den Baumeister Johann Balthasar Neumann zur Verfügung zu stellen. Dieser schuf den neuen Hochaltar aus vergoldetem Holz und verschiedenfarbigem Marmor.

Erweiterungsbauten[Bearbeiten]

Um 1300 entstand unter dem Einfluss der Straßburger Münsterbauhütte das gotische Südportal mit seinem reichen Figurenzyklus und die anschließende Nikolauskapelle. Unter Bischof Johann von Dalberg (1482–1503) wurde der Domkreuzgang in spätgotischen Formen neu errichtet und mit Sandsteinreliefs ausgeschmückt.

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten]

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde der Dom innen total zerstört. In den folgenden Jahrzehnten wurde eine neue, barocke Innenausstattung geschaffen mit barocken Altären und Chorgestühl. Am auffälligsten ist der Hochaltar von Balthasar Neumann. Die Seitenaltäre des kurmainzer Hofstuckateurs Johann Peter Jäger entstanden zwischen 1749 und 1751. In den Jahren von 1755 bis 1759 wurde das Chorgestühl von Franz Anton Hermann im Rokokostil geschaffen.

Orgeln[Bearbeiten]

Hauptorgel (Klais 1985)[Bearbeiten]

Schwalbennestorgel von Klais

Die Firma Klais erbaute 1985 eine Orgel auf drei Manualen und 34 Registern als sogenannte Schwalbennestorgel, die 2007 durch die Erbauerfirma geringfügig umdisponiert und neu intoniert wurde. Das Instrument verfügt über eine mechanische Spieltraktur, die Registertraktur ist elektrisch.

I Rückpositiv C–a3
1. Praestant 8′
2. Gedackt 8′
3. Principal 4′
4. Rohrflöte 4′
5. Gemshorn 2′
6. Larigot 11/3
7. Sesquialter 2′
8. Scharff V
9. Krummhorn 8′
II Hauptwerk C–a3
10. Praestant 16′
11. Principal 8′
12. Spitzflöte 8′
13. Octave 4′
14. Hohlflöte 4′
15. Quinte 22/3
16. Superoctave 2’
17. Cornet V 8′
18. Mixtur VI 2′
19. Trompete 8′
III Schwellwerk C–a3
20. Rohrflöte 8′
21. Gamba 8′
22. Vox coelestis 8′
23. Blockflöte 4′
24. Principal 2′
25. Quinte 11/3
26. Hautbois 8′
27. Trompette harm. 8′
Pedal C–f1
28. Principal 16′
29. Subbass 16′
30. Octave 8′
31. Bourdon 8′
32. Tenoroctave 4′
33. Trompete 8′
34. Posaune 16′

Chororgel (Oberlinger 1996)[Bearbeiten]

Chororgel von Oberlinger

Daneben besteht eine Chororgel mit mechanischer Spiel- und Registertraktur im Stile der Chororgeln Aristide Cavaillé-Colls, erbaut 1996 durch die Firma Oberlinger. Das besondere am Entwurf dieser Orgel ist, dass sie für die Größe ihrer Disposition extrem kompakt gebaut ist und zusätzlich durch eine besondere von Oberlinger entwickelte Konstruktion zum Stimmen der Pfeifen ca. 50 cm von der Wand abgerückt werden kann. Diese kompakte Bauweise war notwendig und gewünscht, damit die Orgel für den Besucher nicht den vollen Blick aus dem Kirchenschiff zum wertvollen Hochaltar einschränkt. Eine besondere Bauweise der Windladen war erforderlich, um diese Kompaktheit zu erreichen. Der Entwurf der Orgel entstand durch den Orgelbaumeister und Architekten Wolfgang Oberlinger in enger Absprache und Beratung mit der Diözesanbauabteilung und der Diözesandenkmalpflege. Die Orgel wurde in Zusammenarbeit mit der Werkstatt Oberlinger, Windesheim und Daniel Roth disponiert. Intoniert wurde das Instrument unter Mitarbeit von Jean-Pierre Swiderski, der ausgewiesener Experte für die Klanggestaltung von Aristide Cavaillé-Coll ist.

I Grand-Orgue C–
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Flûte harmonique 8′
4. Bourdon 8′
5. Prestant 4′
6. Fourniture
7. Bombarde 16′
8. Trompette 8′
II Récit C–g3
9. Cor de nuit 8′
10. Gambe 8′
11. Voix celeste 8′
12. Flûte octaviante 4′
13. Octavin 2′
14. Trompette harm. 8′
15. Hautbois 8′
Tremblant
Pédale C–f1
16. Soubasse 16′
17. Bourdon 8′
18. Bombarde 16′
  • Koppeln: II/I, II/P, I/P, Sub II/I, Sub II/II, Sub II/P.
  • Spielhilfen: Appel-Tritte Grand Orgue, Recit und Pédale.

Glocken[Bearbeiten]

Im Südostturm hängen drei Glocken aus einem Ersatzmetall, der sogenannten „Briloner Sonderbronze“ (zinnfreie Kupfer-Silizium-Legierung).[4] Das verhältnismäßig kleine Geläut ist das Fünfte in Folge; das letzte Vierergeläut von 1831 in der Schlagtonfolge h0–dis1–fis1–gis1 wurde im Zweiten Weltkrieg vernichtet.[5]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
1 Petrus und Paulus 1949 Albert Junker, Brilon 2218 c1 −4
2 Maria 1949 Albert Junker, Brilon 1114 e1 −2
3 Bruder Konrad 1949 Albert Junker, Brilon 653 g1 −1

Literarisches[Bearbeiten]

Der Wormser Dom in der Nibelungensage[Bearbeiten]

Mit dem Königinnenstreit spielt eine Schlüsselepisode aus der Nibelungensage am Portal des Wormser Doms. Die Rivalinnen Brünhild und Kriemhild streiten sich der Sage nach, welcher ihrer Ehemänner rangmäßig die höhere Stellung einnimmt und welche von den beiden Königinnen demzufolge als Ranghöhere zuerst den Dom betreten darf.

Das im Nibelungenlied erwähnte Portal befand sich auf der Nordseite des Doms und war bis zu der Zerstörung im Jahr 1689 wesentlich aufwendiger gestaltet.

In Anknüpfung an den Königinnenstreit finden die Wormser Nibelungenfestspiele seit 2002 auf einer Freiluftbühne vor dem Dom statt.

Johann Nikolaus Götz[Bearbeiten]

Der Anakreontiker Johann Nikolaus Götz schreibt über die „Wiedererblickung seiner Vaterstadt“ im November 1743:

„Mein Worms ergötzt mich schon von Ferne.“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt F. de Swaaf: Wormser Dom: Historiker entreißen den Steinen ihr Geheimnis (www.spiegel.de) 19. August 2009
  2. wormser-zeitung.de: "Anno domini 1484..." - Grundstein des Wormser Doms gefunden. Wormser Zeitung, 28. Februar 2014, Sandra Dörr (2. März 2014)
  3. Information des Wormser Dombauvereins
  4. Vollgeläut auf YouTube
  5. Motette (Hg.): Glocken-Landschaft Bistum Mainz, Motette-Verlag, Düsseldorf 2005, S. 34.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wormser Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.6301666666678.3597888888889Koordinaten: 49° 37′ 49″ N, 8° 21′ 35″ O