Frank Wisbar

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Frank Wisbar bei den Dreharbeiten zum Film Hunde, wollt ihr ewig leben.
Illustration von Helmuth Ellgaard

Frank Bentick Wisbar, geboren als Frank Wysbar (* 9. Dezember 1899 in Tilsit; † 17. März 1967 in Mainz), gilt als bedeutender Filmregisseur des 20. Jahrhunderts, der sowohl mit deutschsprachigen Werken als auch mit amerikanischen Filmen und TV-Serien Erfolge feiern konnte. Er arbeitete mit zahlreichen Schauspielern zusammen, die den deutschen Nachkriegsfilm und das deutsche Fernsehen seit den 1950er-Jahren geprägt haben, darunter Dietmar Schönherr, Brigitte Horney, Horst Frank und Günter Pfitzmann. Zu seinen bekanntesten Werken gehört Hunde, wollt ihr ewig leben.

Leben[Bearbeiten]

Frank Wisbar wurde am 9. Dezember 1899 in Tilsit geboren. Über seine Jugend ist wenig bekannt. Seine musischen Neigungen äußerten sich anfänglich in einer intensiven Auseinandersetzung mit der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts. Nachdem er zunächst eine Karriere als Berufsoffizier angestrebt und die preußische Militärakademie besucht hatte, wandte er sich mit Ende Zwanzig dem Film zu und war zunächst als Regieassistent und Aufnahmeleiter tätig, bis er 1932 die Möglichkeit erhielt, seinen ersten Film mit dem Titel Im Banne des Eulenspiegels selbst zu inszenieren. Bereits im darauffolgenden Jahr geriet er erstmals mit Kulturfunktionären der Nationalsozialisten in Konflikt, da sein zweiter Film Anna und Elisabeth angeblich das „gesunde Volksempfinden“ verletzte. 1935 schuf er mit Fährmann Maria das wohl künstlerisch bedeutendste Werk seiner gesamten Laufbahn. In der Titelrolle des nur sparsam mit Dialogen versehenen, düsteren Legendenfilmes brillierte Sybille Schmitz, mit der Wysbar anschließend Die Unbekannte drehte.

Nach den Reichspogromnacht 1938 emigrierte er mit seiner nach den rassistischen nationalsozialistischen Gesetzen als nicht „arisch“ geltenden Ehefrau Eva, geb. Krojanker, in die USA,[1] wo er zunächst wieder in verschiedenen Funktionen an der Produktion von C-Movies beteiligt war. Hier änderte er die Schreibweise seines Namens von Wysbar in Wisbar. Versuche eines der großen Filmstudios für eine anspruchsvolle Produktion (unter anderem ein Drama über das Leben Mozarts) zu gewinnen, scheiterten. Erfolgreich wurde er in den Vereinigten Staaten erst, als er sich dem neuen Medium Fernsehen zuwandte und ein Pionier der TV-Show-Produktion wurde. Seine erste erfolgreiche Show, Fireside Theatre, ermöglichte Frank Wisbar den Aufbau einer eigenen Produktionsfirma, mit der er über 300 TV-Movies produzierte und die 125 Mitarbeiter umfasste.

Mitte der 1950er Jahre kehrte Wisbar als amerikanischer Staatsbürger in die Bundesrepublik zurück, wandte sich von der Massenproduktion ab und der Inszenierung anspruchsvollerer Kinofilme zu. Das Bedürfnis nach Ernsthaftigkeit und der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ließ ihn für den Rest seiner Laufbahn den Schwerpunkt seines filmischen Schaffens auf Kriegs- bzw. Antikriegsstoffe legen. 1959 wurde Wisbar mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet.

Frank Wisbar starb am 17. März 1967 in Mainz an einer Embolie und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf beerdigt.

Arbeitsweise[Bearbeiten]

Schauspieler wie Joachim Hansen und Günter Pfitzmann beschrieben seine späte Arbeitsweise als äußerst akribisch und um Authentizität bemüht. Wisbar pflegte sich während der Arbeit an einem Drehbuch intensiv mit den Aussagen von Zeitzeugen, Dokumenten und Literatur zu beschäftigen. Er soll regelmäßig den Kontakt zu Nachfahren historischer Persönlichkeiten aus seinen Filmen gesucht haben, um einzelne Formulierungen in Dialogen abzusprechen und sich deren Glaubwürdigkeit zu versichern. Joachim Hansen beschrieb ihn und seine Arbeitsweise als “unerbittlich”. Frank Wisbar über seine Art, Kino zu machen: „Es ist nutzlos, den nutzlosen Film zu machen. Wenn ich schon in Deutschland arbeite, will ich meinem Gewissen folgen. Und das befiehlt mir, Filme gegen den Krieg zu drehen.“

Filmographie (meist Regie)[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Informations- und Bonusmaterial diverser DVDs
  • Eva Wysbar, Detlef Garz (Hrsg.): Hinaus aus Deutschland, irgendwohin. Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933. Libelle Verlag, Lengwil 2000, ISBN 3-909081-30-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 670.
  2. Originaltitel in Deutschland. Das Fähnlein der sieben Aufrechten (nach der Novelle von Gottfried Keller) ist der Originaltitel in der Schweiz, Hermine und das Fähnlein der sieben Aufrechten ist ein Verleihtitel.