Nacht fiel über Gotenhafen

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Filmdaten
Originaltitel Nacht fiel über Gotenhafen
Produktionsland BR Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1960
Länge 99 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Frank Wisbar
Drehbuch Frank Wisbar
Victor Schuller
Produktion Deutsche Film Hansa GmbH & Co. (Alf Teichs)
Musik Hans-Martin Majewski
Kamera Willi Winterstein
Schnitt Martha Dübber
Besetzung

Nacht fiel über Gotenhafen ist ein Film, der 1959 unter der Regie von Frank Wisbar nach einem Tatsachenbericht der Zeitschrift Stern entstand. Der Film ist in der Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt und thematisiert die Flucht der deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen vor der Roten Armee und die damit verbundene Versenkung des überladenen Flüchtlingsschiffs Wilhelm Gustloff.

Handlung[Bearbeiten]

Kurz nach Kriegsbeginn heiratet die Rundfunkansagerin Maria ihren Kollegen Kurt Reiser. Sie wohnt, während ihr Ehemann im Krieg ist, bei dessen Eltern. Auf einer Silvesterparty lernt sie den Marineoffizier Hans Schott kennen und wird von ihm schwanger.

Sie weicht zu ihrer Freundin Edith auf ein Gut in Ostpreußen aus, wo sie mit ihrem Kind lebt. Edith wird von Rotarmisten getötet, Kurt kommt seiner Frau und ihrem Kind zu Hilfe. In einem Wagentreck erreicht Maria mit ihrem Kind und tausenden anderen Flüchtlingen Gotenhafen. Hier liegt das überfüllte Lazarett- und Flüchtlingsschiff „Wilhelm Gustloff“. Maria trifft erneut auf ihren inzwischen schwer verwundeten Ehemann.

Mit Schotts Hilfe, der auf dem Schiff Dienst tut, gelangen sie an Bord. In der ersten Nacht auf See wird das Schiff von einem sowjetischen U-Boot versenkt. Marias Kind und die Generalin gehören zu den wenigen Überlebenden.

Informationen zum Film[Bearbeiten]

Filmplakat von Helmuth Ellgaard

Nach dem kommerziell äußerst erfolgreichen ersten Marinekriegsfilm Haie und kleine Fische setzt sich Wisbar in diesem Film mit dem Untergang der Wilhelm Gustloff am 30. Januar 1945 auseinander, die nach einem sowjetischen Torpedoangriff vor der pommerschen Küste (heute Polen) sank und auf der mehr als 9.000 Menschen den Tod fanden. Die Gustloff, als reines Personenschiff konzipiert, hatte den Auftrag, Soldaten und Verwundete von der zusammenbrechenden Ostfront weg in westlichere Gebiete Deutschlands zu bringen. Flüchtlinge wurden im Rahmen der zur Verfügung stehenden Platzkapazitäten mitgenommen. Völkerrechtlich war die Wilhelm Gustloff ein Truppentransporter. Dass Wisbar diesen Stoff nach Haie und kleine Fische und Hunde, wollt ihr ewig leben bearbeitet hat, zeigt, dass die Darstellung der Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges und nicht die Suche nach Schuldigen im Vordergrund seines Nachkriegsschaffens stand.

Drehorte waren von Herbst 1959 bis Januar 1960 Berlin, Bilshausen, Bremerhaven, Cuxhaven, die Ostseeküste und die Gegend um Helgoland. Das im Film dargestellte ostpreußische Gut ist tatsächlich Schloss Oberzwieselau bei Lindberg im Bayerischen Wald. Die Außenaufnahmen wurden ebenfalls in der Gegend um Frauenau und Lindberg im Bayerischen Wald gemacht. Dabei wurde der Lokschuppen der Zwieselauer Waldbahn mit einigen ausgemusterten gedeckten Güterwagen der DB abgebrannt. Bei den Dreharbeiten nahm Heinz Schön als Überlebender, Fachberater und Drehbuchmitarbeiter teil. Die Uraufführung fand am 25. Februar 1960 in Hannover statt.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Filmdienst: „Ein in einzelnen Szenen überzeugend wirklichkeitsnah gestalteter Film, der aber keine Einsicht in die eigentlichen Ursachen der Katastrophe gibt.[1]
  • Reclams Lexikon des deutschen Films (1995): „Das dabei angeschnittene Thema der Vergangenheitsbewältigung mündet wie in der überwiegenden Vielzahl ähnlicher Kriegsabenteuerfilme dieser Zeit in der Aussage, daß Krieg zwar schrecklich, jedoch nicht abzuwenden sei, und daß menschliche Gefühle und Edelmut auch in den schrecklichsten Momenten Grund zur Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben.
  • Evangelischer Filmbeobachter: „Trotz einiger Milderungstendenzen in der Aussage und trotz überkonstruierter Spielhandlung immer noch ein eindringliches Mahnmal gegen leichtfertiges Spiel mit dem Krieg.[2]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=32666
  2. München, Kritik Nr. 182/1960

Weblinks[Bearbeiten]