Französische Gemeinschaft Belgiens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Französische Gemeinschaft Belgiens
Franse Gemeenschap van België (niederländisch)
Communauté française de Belgique (französisch)
Flagge
Gliedstaat des Königreichs Belgien
Institution (Art des Gliedstaates): Gemeinschaft
Amtssprache: Französisch
Verwaltungssitz: Brüssel
Einwohner: 4.200.000 (2006)
Feiertag: 27. September
Ministerpräsident: Rudy Demotte (PS)
Website: www.federation-wallonie-bruxelles.be
Lage
Luxemburg Niederlande Frankreich Nordsee Deutschland Brüssel Flandern Wallonische RegionCommunauté française in Belgium.svg
Über dieses Bild

Die Französische Gemeinschaft Belgiens (französisch Communauté française de Belgique, niederländisch Franse Gemeenschap van België) ist eine der drei Gemeinschaften des Königreichs Belgien und somit ein Gliedstaat des belgischen Bundesstaates. Die - allerdings von flämischer Seite nicht akzeptierte - Eigenbezeichnung lautet Föderation Wallonie-Brüssel (Féderation Wallonie-Bruxelles).

Die beiden anderen Gemeinschaften sind die Flämische Gemeinschaft und die Deutschsprachige Gemeinschaft.

Umbenennung[Bearbeiten]

Am 25. Mai 2011 wurde die Bezeichnung Französische Gemeinschaft Belgiens durch einseitigen Beschluss des Parlaments der Französischen Gemeinschaft Belgiens durch die Bezeichnung Fédération Wallonie-Bruxelles (Föderation Wallonie-Brüssel) ersetzt.[1] Durch die Umbenennung sollten sowohl die Eigenständigkeit Brüssels als Region als auch die Zusammengehörigkeit der frankophonen Einwohner Brüssels und der Wallonie betont werden. Insbesondere die Eigenständigkeit Brüssels ist von flämischer Seite im Vorfeld hinterfragt worden [2], da Brüssel historisch lange eine niederländischsprachige Stadt war und von flämischer Seite auch heute noch als flämisch beansprucht wird. Die Umbenennung rief die Kritik flämischer Politiker hervor, die in der ausdrücklichen Betonung Brüssels im neuen Namen einen Schritt hin zur Annexion Brüssels durch die Französische Gemeinschaft sahen. Der Ministerpräsident der Flämischen Region Kris Peeters verweigerte eine Anerkennung der Organe dieser Föderation, da sie keine verfassungsrechtliche Legitimation habe.[3] Die Umbenennung der Französischen Gemeinschaft Belgiens in Föderation Wallonie-Brüssel wird von ihren meist flämischen Kritikern oft als ein politisch-taktisches Instrument der französischsprachigen Politiker angesehen. Aus einer im März 2013 durchgeführten Umfrage, wonach sich 68 Prozent der Brüsseler im Falle der Aufspaltung Belgiens für ein unabhängiges Brüssel aussprachen, wohingegen sich nur 26 Prozent der befragten Brüsseler für eine Föderation mit der Wallonie erwärmen konnten, wird fehlender Rückhalt für die Umbenennung abgeleitet.[4][5]

Als Resultat der verfassungsrechtlichen Bedenken erscheint der Name Französische Gemeinschaft Belgiens zwar weiterhin in der Verfassung Belgiens, während in den Veröffentlichungen der Französischen Gemeinschaft der Name Föderation Wallonie-Brüssel durchgehend verwendet wird. Auch die Deutschsprachige Gemeinschaft verwendet die Bezeichnung Föderation Wallonie-Brüssel [6]. Gleichzeitig mit dem neuen Namen wurde auch ein neues Logo vorgestellt. Statt des roten Gockels auf gelben Grund soll in Zukunft ein Logo aus drei stilisierten Buchstaben (FWB) in den Farben Rot, Gelb und Blau zur Anwendung kommen.

Geographischer Zuständigkeitsbereich[Bearbeiten]

Die Französische Gemeinschaft Belgiens ist zuständig sowohl für den größten (französischsprachigen) Teil der Wallonischen Region als auch für den französischsprachigen Teil der Bevölkerung der Region Brüssel-Hauptstadt. Sie ist nicht zuständig für die Bewohner des Gebietes der Deutschsprachigen Gemeinschaft, welches in der Wallonischen Region liegt und sie ist ebenfalls nicht zuständig für den niederländischsprachigen Teil der Bevölkerung in der Region Brüssel-Hauptstadt.

Institutionen[Bearbeiten]

Die Französische Gemeinschaft Belgiens verfügt über ein Parlament (französisch Parlement de la Communauté française de Belgique) und eine diesem verantwortliche Regierung. Das Parlament der Französischen Gemeinschaft Belgiens (94 Abgeordnete) setzt sich aus den französischsprachigen Abgeordneten des Parlamentes der Wallonischen Region (75) und zusätzlich einer proportional der Bevölkerungszahl entsprechenden Gruppe von Abgeordneten des Parlamentes der Region Brüssel-Hauptstadt zusammen (19 von 72 Abgeordneten). Die deutschsprachigen Abgeordneten des Parlamentes der Wallonischen Region gehören dem Parlament der Französischen Gemeinschaft Belgiens nicht an, da die deutschsprachige Gemeinschaft über ein eigenes Parlament verfügt. Der Sitz der Institutionen der Französischen Gemeinschaft Belgiens ist Brüssel.

Ministerpräsidenten der Französischen Gemeinschaft
Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Partei
Philippe Moureaux (erstes Mal) 22. Dezember 1981 9. Dezember 1985 PS
Philippe Monfils 9. Dezember 1985 2. Februar 1988 PRL
Philippe Moureaux (zweites Mal) 2. Februar 1988 9. Mai 1988 PS
Valmy Feaux 11. Mai 1988 7. Januar 1992 PS
Bernard Anselme 7. Januar 1992 4. Mai 1993 PS
Laurette Onkelinx 6. Mai 1993 13. Juli 1999 PS
Hervé Hasquin 14. Juli 1999 18. Juli 2004 PRL/MR
Marie Arena 19. Juli 2004 20. März 2008 PS
Rudy Demotte 20. März 2008 amtierend PS

Rudy Demotte ist gleichzeitig Ministerpräsident der Wallonischen Region.

Zusammensetzung des Parlaments der Französischen Gemeinschaft (2009–2014)
Partei Sitze
Parti Socialiste (PS) 35
Mouvement Réformateur (MR) 25
Ecolo 18
Centre Démocrate Humaniste (CDH) 16
Total 94

Regierungsparteien sind mit einem Punkt gekennzeichnet. (•)

Kompetenzen[Bearbeiten]

In die Zuständigkeit der Gemeinschaften fallen in Belgien Kultur, Bildung, Sprache und Teile des Sozialwesens.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Umbenennung FWB (französisch)
  2. Link zur Umbenennung
  3. Kris Peeters erkennt die FWB nicht an. In: De Standaard, 25. Mai 2011 (niederländisch)
  4. Brusselaars liever onafhankelijk als België barst. In: De Standaard, 23. März 2013 (niederländisch)
  5. Brüssel lieber unabhängig. deredactie.be, 23. März 2013 (deutsch)
  6. [1]