Frederick Maurice

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Frederick Barton Maurice, 1. Baronet GCB GCMG GCVO DSO (* 19. Januar 1871 in Dublin; † 19. Mai 1951 in Cambridge) war ein britischer General im Ersten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Generalmajors John Frederick Maurice entschied sich wie sein Vater für die militärische Laufbahn (sein Großvater Frederick Denison Maurice war ein Christlicher Sozialist und Gründer des Working Men's College). Frederick Maurice absolvierte die St. Paul's School und die Royal Military Academy Sandhurst und trat 1892 ins Derbyshire Regiment ein.

Zwischen 1897 und 1898 diente Frederick Maurice im Stab seines Vaters. Im Burenkrieg wurde er lobend erwähnt und im Alter von 29 Jahren zum Major ernannt. Nach seiner Rückkehr in die Heimat gehörte er unter anderem dem Stab von Sir Douglas Haig im War Office an.

1913 wurde Frederick Maurice, so wie zuvor sein Vater, Lehrer am Staff College in Camberley und befreundete sich dort mit William Robertson.

Aufstieg und Fall im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Maurice nahm an der Schlacht von Mons teil, wurde aber von Sir William Robertson, als dieser 1915 zum Chef des Imperialen Generalstabs aufstieg, zu führenden Positionen in dessen Umfeld berufen. 1916 wurde Maurice zum Generalmajor ernannt, im Januar 1918 erhielt er den Ritterschlag. Zwei Monate später aber war seine militärische Laufbahn zu Ende. Am 9. April 1918 informierte nämlich Premierminister David Lloyd George das House of Commons, dass trotz schwerer Verluste im Jahre 1917 die Britische Armee in Frankreich stärker sei als zu Anfang des genannten Jahres. Lloyd George nannte auch detaillierte Zahlen zur Mannschaftsstärke der britischen Truppen im vorderen Orient. Frederick Maurice, zu dessen Aufgabe die Führung der einschlägigen Statistiken gehörte, wusste, dass die Angaben Lloyd Gorges unrichtig waren und dieser das Parlament damit irreführte. Maurice war der Meinung, dass Lloyd George die Westfront bewusst ausdünnte, um so die Position von Sir Douglas Haig zu unterminieren. Sir William Robertson war bereits durch Sir Henry Wilson abgelöst worden und Maurice befürchtete, dass Haig als nächster abgesetzt würde.

Maurice schrieb an Wilson einen Brief, in dem er auf Lloyd Georges unzutreffende Zahlen verwies, erhielt aber keine Antwort. Daraufhin traf Maurice die Entscheidung, die korrekten Zahlen publik zu machen. Er wusste, dass damit seine militärische Laufbahn zu Ende sein würde. In einem Brief an seine Tochter Nancy rechtfertigte sich Maurice damit, als „Gerechter“ im Sinne der christlichen Aufgabe zu handeln. (I am persuaded that I am doing what is right, and once that is so, nothing else matters to a man. That is I believe Christ meant when he told us to forsake father and mother and children for his sake.)

Maurices Brief wurde am 7. Mai 1918 von den führenden britischen Zeitungen veröffentlicht und wurde zur Sensation. Maurice wurde sofort seines Dienstes enthoben. Im Parlament kam es am 9. Mai zur Vertrauensabstimmung über den Premierminister. Obwohl viele Mitglieder des Hauses die Vorwürfe von Maurice für zutreffend hielten, wollte die Mehrheit nicht in einer kritischen Phase des Krieges die dynamische Führerfigur Lloyd George verlieren. Der Premier gewann die Abstimmung mit deutlicher Mehrheit.

Maurice wurde wegen seiner Disziplinwidrigkeit aus der Armee entlassen. Das von ihm angestrebte Kriegsgerichtsverfahren, in dem er sich hätte rechtfertigen können, wurde ihm verweigert.

Beitrag zur Dolchstoßlegende[Bearbeiten]

Maurice wurde in der Folge Militärkorrespondent des Daily Chronicle, dessen Chefredakteur Robert Donald zuvor ein enger Freund von Lloyd George gewesen war. Lloyd George ließ daraufhin im Oktober 1918 die Zeitung von einer Gruppe seiner Freunde unter Führung von Sir Henry Dalziel kaufen. Robert Donald und Frederick Maurice mussten das Blatt verlassen.

In der Folgezeit arbeitete Maurice als Militärkorrespondent bei der Daily News. Sein Artikel vom 12. November 1918 führte zu jenem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung vom 17. Dezember 1918, der als Ausgangspunkt der von Hindenburg, Ludendorff und der deutschen Rechten in der Zwischenkriegszeit vertretenen "Dolchstoßlegende" gilt. Maurice verwahrte sich allerdings stets dagegen, die Formulierung vom Dolchstoß ("stabbed in the back") verwendet zu haben.

Maurice schrieb in der Folge einige Bücher über den Ersten Weltkrieg, etwa Intrigues of the War (1922)[1], Governments and War (1926)[2], British Strategy (1929)[3] und The Armistices of 1918 (1943)[4].

In Fortsetzung der sozialen Tradition seines Großvaters fungierte Maurice als Direktor des Working Men's College (1922-1933) sowie des East London College (1933-44). 1926 wurde er zum Professor of military studies der London University ernannt. Der hoch geschätzte Vortragende unterrichtete auch lange Jahre am Trinity College der Universität Cambridge. Maurice war auch einer der Mitgründer und von 1932 bis 1948 Präsident der karitativen Veteranenorganisation The Royal British Legion. Maurice war der Vater der bekannten Cambridge-Ökonomin Joan Robinson.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Intrigues of the War. Startling revelations hidden until 1922. Important military secrets now disclosed. Loxley, London 1922 (Erschien zuerst in einer Artikelreihe in der Westminster Gazette, Juni 1922, ISSN 0307-7519).
  2. Governments and War. A Study of the Conduct of War. Heinemann, London 1926.
  3. British Strategy. A Study of the Application of the Principles of War. Constable, London 1929.
  4. The Armistices of 1918. Oxford University Press, London u. a. 1943.

Weblinks[Bearbeiten]