Douglas Haig, 1. Earl Haig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Douglas Haig

Douglas Haig, 1. Earl Haig (* 19. Juni 1861 in Edinburgh; † 29. Januar 1928 in London) war britischer Feldmarschall und während des Ersten Weltkriegs von 1915 bis 1918 Oberbefehlshaber an der Westfront.

Leben[Bearbeiten]

Haig, der der bekannten Whiskydestillerfamilie entstammt, wuchs in Edinburgh auf, besuchte das Clifton College in Bristol, das Brasenose College an der University of Oxford und von 1884 an die Royal Military Academy Sandhurst. Er nahm seinen Dienst auf bei den „7. Queen’s Own Hussars“, der ihn in der Folge nach Indien führte, in den Sudan als Teilnehmer des Omdurman-Feldzuges und ins südliche Afrika als Teilnehmer des Burenkrieges. 1903 ging Haig erneut nach Indien, diesmal im Rang eines Oberst und „Inspektors der Allgemeinen Kavallerie“. Er wurde zum Generalmajor befördert und kehrte 1906 nach Großbritannien zurück, um die Leitung der Ausbildungsabteilung des Kriegsministeriums zu übernehmen.

Haig mit seinen Armeebefehlshabern und weiteren Offizieren am Tag des Waffenstillstands

Den gesamten Weltkrieg diente Haig an der Westfront, erst als Kommandierender General des I. Korps, als der er die Deutsche Offensive in der Ersten Ypernschlacht abwehrte. Anfang 1915 erhielt Haig das Kommando über die neu formierte 1. Britische Armee. Im Dezember dieses Jahres wurde er Nachfolger von John French als Oberbefehlshaber des Britischen Expeditionskorps (BEF). In den Schlachten an der Somme, 1916, bei Arras und in der Dritten Flandernschlacht (1917) und im letzten Kriegsjahr führte Haig die BEF. Am 1. Januar 1917 wurde er zum Feldmarschall ernannt. Während die französischen Verbündeten und die britische Regierung von einem Zusammenbruch Deutschlands 1919 oder 1920 ausgingen, war Haig 1918 überzeugt, diesen Punkt noch im laufenden Jahr zu erreichen. So setzte er sich vor allem gegen Ferdinand Foch durch und erreichte, dass die alliierte Offensive im August 1918 nicht als punktuelle, sondern als breit gespannte Operation angelegt wurde und dadurch die Deutschen zu Waffenstillstandverhandlungen zwang.

Haig ist bis heute umstritten. Ihm wird vorgeworfen, durch eine zu konservative Truppenführung unter weitgehender Nichtbeachtung der Fortschritte in der Militärtechnik enorme und unnötige Verluste verschuldet zu haben. Ferner wird ihm vorgeworfen, die Wirkung einzelner Waffensysteme falsch eingeschätzt zu haben. Als gelernter Kavallerist war er überzeugt, dass sich feindliche Maschinengewehrstellungen am besten durch schneidige, frontale Reiterangriffe erobern ließen, zumal eine Kugel „ein Pferd kaum aufzuhalten vermag“.[1] Für fragwürdig geringe Erfolge nahm er hohe Verluste seiner Truppen in Kauf. Nachdem die britische Armee in den ersten Tagen der Sommeschlacht die höchsten Verluste in ihrer Geschichte erlitten hatte, erhielt er den Beinamen „Butcher of the Somme“. Die Einwilligung für die ebenfalls verlustreiche Dritte Flandernschlacht gab Premierminister David Lloyd George erst auf massiven Druck Haigs.

Der amerikanische Historiker Paul Fussell beschrieb ihn aufgrund seines Wirkens im Ersten Weltkrieg als einen sturen Charakter ohne Sinn für Selbstkritik oder Innovationen. Er ging sogar so weit zu sagen, Haig habe durch sein Beispiel die kritische Einstellung vieler Intellektueller gegenüber militärischen und politischen Führungspersonen begründet.[2]

Nach dem Krieg wurde Haig am 29. September 1919 durch Verleihung des Titels Earl Haig in den erblichen Adelsstand erhoben.

Seine Tochter, Lady Alexandra Howard-Johnston, war in zweiter Ehe mit dem Historiker Hugh Trevor-Roper verheiratet. Seine Cousine Sybil Haig war die Mutter der Frauenrechtlerin Margaret Mackworth.

Zitat[Bearbeiten]

  • A dour scotsman and the dullest dog I ever had the happiness to meet.“ (dt.:„ Ein mürrischer Schotte und der größte Langweiler, dem zu begegnen ich je das Vergnügen hatte“) – Field Marshal Lord Chetwode über Haig.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Terraine: Haig. The Educated Soldier. Hutchinson, London 1963.
  • Philip Warner: Field Marshal Earl Haig. Bodley Head, London 1991.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Douglas Haig, 1st Earl Haig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adam Hochschild: Der Große Krieg. Der Untergang des Alten Europa im Ersten Weltkrieg 1914 - 1918. Klett-Cotta, Stuttgart 2013. ISBN 978-3-608-94695-6. S. 265ff.
  2. Paul Fussell : The Great War and Modern Memory. University Press, Oxford 1975, S. 12.
Vorgänger Amt Nachfolger
John French Oberbefehlshaber der British Expeditionary Force
1915–1918
Ende des Krieges
Titel neu geschaffen Earl Haig
1919–1928
George Haig