Freeride (Wintersport)

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Skifahrer im freien Gelände
Typisches Freeride-Gelände am Arlberg

Als Freeriden (von engl. free ‚frei‘ und ride ‚fahren‘), dt. Fahren im freien Gelände bzw. Variantenfahren, auch Backcountry und off-piste-Fahren, bezeichnet man das Skifahren und Snowboarden durch unberührten Schnee abseits der markierten und kontrollierten Skipisten. Das sichere Beherrschen des Tiefschneefahrens und Kenntnisse der Lawinenkunde sind Grundvoraussetzungen für das Freeriden.

Der Ausdruck entstand durch die Entwicklung neuer Geräte wie dem Snowboard, und entspricht der Abfahrtstechnik der Skitourengeher bzw. allgemein dem Skifahren vor Erfindung der präparierten Skipiste Mitte der 1960er Jahre.

Material[Bearbeiten]

Freeriden ist weder eine Sportart noch ein besonderer Fahrstil, sondern die Bezeichnung für den Trend, sich abseits von Skipisten zu bewegen. Der Trend ist durch die Entwicklung des Snowboards und spezieller Skier für das Freeriden begünstigt worden. Da Freeride-Boards und auch Freeride-Ski eigens für diesen Einsatz entwickelt und konstruiert sind, eignen sie sich sowohl für das offene Gelände als auch für präparierte Pisten. Freeride-Skier können ihr Leistungsspektrum am besten im Tiefschnee zur Geltung bringen. Für die Piste eignen sich die schmaleren Ausführungen, Nachteile im Vergleich zu Carving-Ski sind aber in Kauf zu nehmen.

Im Allgemeinen haben Freeride-Sportgeräte deutlich mehr Fläche und somit einen besseren Auftrieb, ähnlich dem traditionellen Tourenski. Zudem werden v. a. bei Freeride-Ski die Bindungen weiter hinten als üblich montiert, um ein Absinken der Schaufel zu verhindern und das Fahren zu erleichtern. Um bei Sprüngen eine gesteigerte Variabilität zu erreichen, haben viele Modelle, die Twintips, deutlich aufgebogene Enden, mit denen auch rückwärts fahren und rückwärts landen möglich ist, wie die Trickski der 1970er. Für das Freeriden ist mittlerweile auch eine eigene Bindung mit Gehfunktion – ähnlich einer Tourenbindung– entwickelt worden.

Formen[Bearbeiten]

Traditionell zerfällt das Skifahren seit der Entwicklung des Skilifts in zwei Sparten, das Pistenskifahren, und das freie Skifahren im Rahmen von Skitouren oder des Heliskiing. Der Ausdruck Freeriden ist im Snowboardsport geprägt worden. Generell wird das Verlassen der Skipiste als off-piste-Fahren bezeichnet, abseits der markierten und kontrollierten Skipisten spricht man von Backcountry. In den 1990ern kam das Variantenfahren, also Aufstieg mit Lift, aber Abfahrt im freien Gelände, auf. Um diesem Trend nachzukommen, wurde die Skiroute weiterentwickelt, eine markierte, aber nicht präparierte Piste, wie sie heute in vielen Skigebieten angeboten wird. Eine besondere Form des Freeridens ist das Extremskifahren in besonders steilem und unwegsamem Gelände.

Dabei hat sich auch der Stil des freien Fahrens deutlich verändert. Die Kurvenradien haben sich im Snowboarden deutlich vergrößert und auch die Geschwindigkeit ist entsprechend gestiegen. Auch Skifahrern ermöglicht modernes Material (z.B. Rocker-Ski, hohe Mittelbreiten der Ski) größere Radien abseits der Pisten im Vergleich zum klassischen Wedelschwung. Neben Tiefschnee lassen sich mit modernen Sportmitteln auch ungünstige Schneearten (wie Harsch und windgepresster Schnee) viel besser befahren.

Zum Freeriden gehört nicht nur die Abfahrt, sondern in zunehmendem Maße auch Sprünge in verschiedensten Variationen und andere Gimmicks, wie sie in den 1970er Jahren von damaligen Trickski-Fahrern entwickelt wurden. Als Absprungrampen nutzen Freerider natürliche Geländeformen wie Felsen (Cliffs) oder Wechten.

Orte[Bearbeiten]

Durch die zunehmende Beliebtheit des Freeridens haben in den vergangenen Jahren einige Wintersportgebiete diese Zielgruppe aktiv beworben und sich als Freeride-Zentren etabliert. In den Alpen zählen dazu Chamonix und La Grave in Frankreich, Alagna Valsesia in Italien, Andermatt, Arosa, Engelberg und Zermatt in der Schweiz, der Arlberg, Dachstein/Krippenstein und das Kitzsteinhorn in Österreich sowie Mittenwald (Dammkar) in Deutschland.

Die bekannteste Abfahrt außerhalb gesicherter Skigebiete, die mit Aufstiegshilfen erreicht werden kann, ist das Vallée Blanche bei Chamonix in Frankreich.

Risiken[Bearbeiten]

Freeriden setzt neben dem Können auch noch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein voraus. Für die eigene Sicherheit, aber auch die Sicherheit von anderen Personen ist es wichtig, die Verhaltensregeln beim Skifahren abseits der gesicherten Pisten zu kennen und einzuhalten. Insbesondere das Lawinenrisiko ist zu beachten.

Freerider sind üblicherweise in kleinen Gruppen unterwegs. Weil die Sportler sich im Hochgebirge bewegen und dort alpinen Gefahren ausgesetzt sind, ist die Anleitung eines Skiführers ratsam.

Zur Ausrüstung eines Freeriders gehören ein LVS-Gerät („Lawinenpieps“), eine Lawinensonde sowie eine Lawinenschaufel, um im Fall des Verschüttens durch einen Lawinenabgang schnelle Hilfe leisten zu können. Zusätzlich gibt es auch sogenannte Airbag-Rucksäcke: Bei einem Lawinenabgang zieht der Freerider an einer Reißleine am Schultergurt und mit Hilfe einer Pressluftpatrone werden Luftkissen am Rucksack aufgeblasen, die ein Verschütten in der Lawine verhindern sollen, indem der Gestürzte oberhalb der Schneemassen bleibt und sozusagen mit der Lawine „schwimmt“.

Freerider schützen sich üblicherweise durch einen Sporthelm und einen Rückenprotektor gegen mögliche Verletzungen an verborgenen Felsen. Viele tragen außerdem weitere Protektoren unter der Kleidung.

Ökologische Aspekte[Bearbeiten]

In Bezug auf den Naturschutz in den Bergen ist das Freeriden kritisch zu betrachten:

  • Tiefschneefahrer können Tiere in ihren Rückzugsgebieten stören und aufscheuchen. Im Winter, wenn kaum Nahrung vorhanden ist, kann der dadurch verursachte Energieverbrauch und Stress die Tiere in eine lebensbedrohliche Lage bringen.
  • Pflanzen unter der Schneedecke können durch die Kanten oder den Druck der Skier oder Snowboards zerstört werden, insbesondere, wenn die Schneedecke dünn ist. Beim Fahren durch Wald oder durch Buschwerk können Äste oder kleinere Büsche und Bäume von Skiläufern abgerissen werden.

Die Betreiber von Skigebieten reagieren auf diese Problematik zum einen durch das Ausweisen von Sperrgebieten für Wild- und Naturschutz, in denen das Ski- und Snowboardfahren verboten ist, und zum anderen spezieller Skiabfahrten, die kontrolliert, aber nicht präpariert werden und die somit für Mensch und Natur sicheres Tiefschneefahren erlauben.

In Österreich etwa ist generell das Betreten und Befahren des Jungwaldes bis 3 m Wuchshöhe, also den meist reizvollen offenen Schlägen, streng verboten.[1] In Engelberg in der Schweiz gibt es dazu ein Besucherlenkungskonzept und Wildschutzgebiete.

Wird das Freeriden mit Tourengehen kombiniert, erfolgt der Aufstieg also aus eigener Kraft, ist der Freerider im Vergleich zum Lifte- und Infrastruktur-nutzenden Pistenskifahrer jedoch mit einer besseren Ökobilanz unterwegs, sofern er sich der Natur gegenüber rücksichtsvoll verhält. Das Naturerlebnis kann darüber hinaus für generelle Probleme beim Thema Skisport sensibilisieren. [2]

Trivia[Bearbeiten]

  • Am 17. Februar 2012 wurde der niederländische Prinz Friso von Oranien-Nassau beim Freeriden von einer Lawine verschüttet und nach einiger Zeit ausgegraben (Näheres hier). Dies verschaffte den Risiken des Freeridens viel Aufmerksamkeit.[3]
  • Das Snowboardspiel Stoked Rider beschäftigt sich intensiv mit den Risiken und dem Prinzip des Freeridens.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forstgesetz §33
  2. http://www.deutscherskiverband.de/ueber_uns_umwelt_fragen_verh_de.print
  3. Frisos Unfall: Diskussion um Tiefschnee-Gefahr