Friedrich Wilhelm Gotter

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Friedrich Wilhelm Gotter

Friedrich Wilhelm Gotter (* 3. September 1746 in Gotha; † 18. März 1797 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker.

Familie[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Gotter wuchs in einer angesehenen Gothaer Beamtenfamilie auf. Sein Vater war der Legationsrat Heinrich Ernst Gotter (1703–1772), sein Großvater der bekannte Kirchenlieddichter und Jurist Ludwig Andreas Gotter. Über seinen Urgroßvater, den Oberhofprediger und Generalsuperintendenten Johann Christian Gotter (1607–1677), ist er auch mit dem Diplomaten Gustav Adolf von Gotter verwandt.

Friedrich Wilhelm Gotter heiratete 1780 die Gothaerin Luise Stiege (1760–1826). Der Ehe entsprossen drei Töchter, deren bekannteste Angelica Pauline Amalie ist, welche die zweite Ehefrau von Friedrich Wilhelm Schelling wurde.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Gotter erhielt frühzeitig Privatunterricht. Bereits in früher Jugend folgten die ersten dichterischen Versuche.

Im Jahr 1763 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen. In dieser Zeit begann er sich für die Schauspielkunst zu interessieren und gründete selbst eine Schauspielgruppe. Für diese schrieb und dichtete er auch. Gemeinsam mit Heinrich Christian Boie begründete Gotter den Göttinger Musenalmanach, der erstmals 1770 bei Johann Christian Dieterich erschien.

Nach Beendigung seines Studiums ging Gotter nach Gotha zurück, wo er zunächst die Stellung eines Archivars am Hofe Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg bekleidete. Später wurde er Legationssekretär am Reichskammergericht in Wetzlar und daraufhin Geheimsekretär am Gothaer Hof.

Parallel dazu blieb Friedrich Wilhelm Gotter weiterhin schriftstellerisch tätig und unterhielt enge Kontakte zu Theatergruppen. Weiterhin pflegte er enge Beziehungen zu Theaterdirektoren und Schauspielern wie z.B. August Wilhelm Iffland, Conrad Ekhof und Karl Theodor von Dalberg.

Die literarischen Werke Friedrich Wilhelm Gotters sind sehr umfassend und vielfältig. Er schrieb u.a. mehr als vierzig Theaterstücke. Diese Werke machten ihn zu Lebzeiten zu einem der meistgespielten Schriftstellern an deutschen Bühnen. Er wirkte weiterhin auch als Schauspieler und Regisseur bei der Aufführung seiner Werke mit. Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Vorlagen für Singspiele (Libretti) sowie Dramen und Gedichte.

Am bekanntesten ist sicherlich sein Gedicht “Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein!” aus dem Schauspiel “Esther”, das von Johann Friedrich Anton Fleischmann und in Anlehnung an dessen Komposition auch von Bernhard Flies vertont wurde. Fälschlicherweise wurde diese Komposition lange Mozart zugeschrieben (KV350).

Johann Friedrich Wilhelm Gotter

Das ironische Gedicht "Das unbefangene Mädchen" (Ich bin ein Mädchen, fein und jung...) ist typisch für Gotters Stil und wurde Mitte der 1990er Jahre in einem der ersten Fernsehwerbespots (in gesprochener Version) für einen Mobilfunkanbieter eingesetzt. Es wurde von Corona Schröter (1751-1802), später auch von Franz Biebl (1906-2001) vertont.


Unbefangen ...
Ich bin ein Mädchen, fein und jung,
Und bin gottlob noch frei;
Ich weiß nichts von Romanenschwung
Und haß' Empfindelei.
Leicht fließt mein Blut. Ich liebe Scherz,
Ich liebe Sang und Tanz.
Mein Reichtum ist ein frohes Herz,
Mein Schmuck ein Blumenkranz.

Ich schlage nicht aus Evens Art,
Leichtgläubig, eitel, schwach;
Und Neugier, liebe Neugier ward
Mein Erbteil siebenfach.

Auch flieh' ich nicht der Männer Spur;
Mir sagte die Mama,
Wir armen Mädchen wären nur
Um ihretwillen da.

Drum schleicht in meinen schlichten Sinn
Kein blöder Stolz sich ein.
Wohl mir, daß ich ein Mädchen bin!
Laßt andre Engel sein!

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Singspiele
    • Medea. Ein mit Musik vermischtes Drama. Karlsruhe, 1779. (Digitalisat in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern)
    • Walder
  • Schauspiel Esther
  • Gedichte
    • Blaubarth war ein reicher Mann
    • Ich bin ein Mädchen, fein und jung
  • Theaterstücke
  • Opernlibretto
    • Die Geisterinsel

Sonstiges[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Gotter fand seine letzte Ruhestätte auf dem Gothaer Friedhof I (auch Alter Gottesacker genannt) zwischen Werderstraße (heute Bohnstedtstraße) und Eisenacher Straße. Bei der 1904 erfolgten Beräumung des Friedhofs für den Bau von Stadtbad und Arnoldischule verschwand sein Grabstein.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Friedrich Wilhelm Gotter – Quellen und Volltexte