Gotha

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Gotha, zu anderen Bedeutungen siehe Gotha (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gotha
Gotha
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gotha hervorgehoben
50.94888888888910.718333333333300Koordinaten: 50° 57′ N, 10° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 69,52 km²
Einwohner: 44.325 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 638 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99867
Vorwahl: 03621
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 029
Stadtgliederung: 7 Stadtteile und
4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptmarkt 1
99867 Gotha
Webpräsenz: www.gotha.de
Oberbürgermeister: Knut Kreuch (SPD)
Lage der Stadt Gotha im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild
Gotha

Gotha ist die fünftgrößte Stadt des Freistaats Thüringen und Kreisstadt des Landkreises Gotha. Gotha war von 1640 bis 1918 die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha. Im Jahre 1820 wurde in der Stadt mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen begründet. Im Gothaer Tivoli gründete sich 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), die sich später in SPD umbenannte. Die Stadt war ein Zentrum des deutschen Verlagswesens, so wurden im Perthes-Verlag vor allem Landkarten erstellt.

In der Vergangenheit befand sich Gotha in der Rivalität zu Weimar, dem anderen Zentrum der ernestinischen Dynastie. Während Weimar das künstlerische Zentrum wurde, wurde Gotha sein naturwissenschaftliches Pendant, wovon heute unter anderem das Naturkundemuseum und die Sternwarte Gotha zeugen. Das barocke Schloss Friedenstein dominiert das Stadtbild. Es war früher Residenz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Coburg und Gotha.

Ein bekanntes Unternehmen aus Gotha war die Gothaer Waggonfabrik, die vor allem Straßenbahnen und Flugzeuge produzierte. In Gotha fährt heute mit der Straßenbahn Gotha bzw. der Thüringerwaldbahn eine der letzten Überlandstraßenbahnen Deutschlands (nach Waltershausen und Tabarz).

Geographie[Bearbeiten]

Blick vom Bürgerturm auf dem Krahnberg über das Stadtgebiet, 2009
Blick vom Schlossberg über die Wasserkunst auf den oberen Hauptmarkt
Schloss Friedenstein, Nordansicht, 2009
Der Gothardusbrunnen
Denkmal „Herzog Ernst, der Fromme“

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Übergang des Südrandes des Thüringer Beckens zu einer Vorlandregion des Thüringer Waldes, welche als Westthüringer Berg- und Hügelland bezeichnet wird.

Das Stadtgebiet erstreckt sich zwischen der Trügleber Höhe, dem Boxberg und dem Kleinen Seeberg, auf einer Fläche von über 6900 ha. Der Krahnberg im Nordwesten bildet mit 431,3 m über NN den höchsten Punkt im Stadtgebiet. Der tiefste Punkt befindet sich mit 269,4 m über NN im Heutal.[2]

Naturraum[Bearbeiten]

Die Stadt ist mit ihrem weiteren Umland zwischen dem Thüringer Wald und seinen Vorbergen im Süden und dem bewaldeten Bergrücken der Fahnerschen Höhen im Norden in das landschaftlich abwechslungsreiche Gebiet des durch Agrarwirtschaft geprägten Thüringer Beckens eingebettet.

Die größten Erhebungen sind der Krahnberg (431 m) sowie der Kleine und der Große Seeberg (406 m). Sie reichen im Nordwesten und Südosten bis an das bebaute Stadtgebiet heran. Sie wurden im 19. Jahrhundert als städtische Naherholungsgebiete aufgeforstet und bilden mit dem im Stadtkern sich erhebenden Schlossberg (331 m) das natürliche Grundgerüst der Stadt.

Die weithin sichtbare Schlossanlage auf dem Schlossberg beherrscht das Stadtbild. Die Altstadt am Nordhang des Schlossberges wird von den Talauen des Wiegwassers im Westen und dem Wilden Graben bzw. Flutgraben und der Ratsrinne im Osten begrenzt.

Gewässer[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet fließt von Süd nach Nord der Flutgraben. Im Stadtteil Siebleben entspringt die Rot, ein Zufluss der Apfelstädt.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Norden Bufleben, Goldbach und Remstädt, im Osten Friemar, Drei Gleichen und Tüttleben, im Süden Emleben, Günthersleben-Wechmar und Leinatal und im Westen Trügleben, Aspach und Hörselgau. Sämtliche Gemeinden gehören zum Landkreis Gotha.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtteil/
Ortsteil
Fläche
(km²)
Einwohner 2004 Einwohner 2010
Mitte 1,02 4.605 4.733
Nord 8,42 3.957 3.983
Ost 10,80 3.921 3.460
Oststadt 1,45 3.856 3.939
Süd 7,06 4.035 4.160
West 3,13 10.119 8.993
Weststadt 1,56 7.256 7.052
Gotha (Kernstadt) 33,44 37.749 36.320
Boilstädt 4,02 884 867
Siebleben 12,56 5.394 5.180
Sundhausen 11,94 1.576 1.435
Uelleben 7,37 777 727
Gotha (gesamt) 69,53 46.380 44.529

Quelle: Stadtverwaltung Gotha, Daten jeweils zum 31. Dezember des Jahres, Hauptwohnsitze

Neben diesen Stadtteilen gehören die beiden in der Neuzeit wiederbesiedelten, im Mittelalter aufgegebenen Orte Kindleben und Töpfleben zu Gotha.

Panorama Gotha, Blick von der Margarethenkirche in Richtung Weststadt

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Gotha wurde erstmals in einer am 25. Oktober 775 in Düren ausgestellten Urkunde erwähnt. Mit ihr übereignete Karl der Große dem Kloster Hersfeld unter anderem den Zehnt von den Ländereien, Wald und Wiesen der Villa Gothaha (= gutes Wasser). Die Beziehungen zu Hersfeld dürften auch der Grund für die Übernahme des Stadtheiligen St. Gothardus (siehe Wappen), eines ehemaligen Abtes von Hersfeld und späteren Bischofs von Hildesheim, gewesen sein. Eine ältere Siedlung ist jedoch anzunehmen. Das Gebiet von Gotha wurde, archäologisch nachgewiesen, bereits seit langem besiedelt.

Der bereits im 16. Jahrhundert bekannten Sage Die Goten als Stadtgründer nach verdankt Gotha sowohl seine Gründung, als auch seinen Namen dem Volksstamm der Goten.[4][5] Um das Jahr 510 sollen Krieger des Ostgotenkönigs Theoderichs des Großen nach Thüringen gekommen sein, als dessen Nichte Amalaberga den König der Thüringer, Herminafried, heiratete. Jene Ostgoten sollen sich unterhalb des heutigen Schlossberges angesiedelt und der Siedlung den Namen Gota gegeben haben. Diese Gründungssage spiegelt sich bis heute auch in der Gestaltung des aus der Renaissance stammenden Rathausportals wider: Da man den Goten einst die (christlichen) Symbole Lamm und Lindwurm zuschrieb, wurden die Reliefs dieser beiden Tiere 1574 am Portal angebracht samt dem Vers: ALS MAN ABBRACH DEN ALTEN DVRM (gemeint ist der Turm der 1567 abgebrochenen Jakobskapelle) DARAHN STVND DIS LAMB VND LINDWVRM: DAS LAMB DIE GOTTEN IN IHREN FAHNEN GEFÜHRT IN FRIEDENS ZEITENN, DEN LINDWVRM ABER WIDER IHREN FEIND IN KRIEG VND STREITENN.

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Stadt Gotha vor 1572
Der Kreuzgang im Augustinerkloster

Gotha entwickelte sich als zentraler Marktort und Etappenstation an einer Kreuzung der Via Regia bzw. Hohen Straße (West-Ost-Richtung),[6] und einer Verbindung von Mühlhausen über Bad Langensalza zu einem Übergang über den Thüringer Wald bei Oberhof (Nord-Süd-Richtung).[7] Unter den Ludowingern wurde die heute noch erkennbare planmäßige Stadtanlage geschaffen. Gotha erhielt etwa Mitte des 12. Jahrhunderts unter Landgraf Ludwig II. das Eisenacher Stadtrecht und wurde zu einer der Hauptmünzstätten der Landgrafen. Die Stadt entwickelte sich im Schutz der Burg Grimmenstein[8], einer ständig verstärkten Burg der Wettiner und der eigenen Stadtbefestigungsanlage, die aus Mauern, Stadttoren, Türmen, Erdwällen und Gräben aufgebaut war. Die städtische Militärorganisation der Zünfte brachte um 1442 die erste Schützenordnung hervor, diese regelt auch die Ausbildung und Bewaffnung der Bürgerwehr. Für das Jahr 1478 wurde das erste Vogelschießen vor dem Brühler Tor erwähnt, der beste Armbrustschütze erhielt vom Stadtmagistrat eine Schützenkette verliehen.[9] Über lange Zeit war der Waidhandel Basis eines gewissen Wohlstandes, bis in das 16. Jahrhundert gab es mehr als 300 Dörfer in der Gegend um Gotha, Erfurt und Arnstadt, die diese Waidpflanze anbauten. Als Schwerpunkte der handwerklichen Gewerbe lassen sich die Wolltuchproduktion und -veredelung, sowie die Herstellung von Schuhen und Lederwaren nennen. Im 16. Jahrhundert hatten sich auch Waffen- Huf- Nagel- Kupferschmiede und Schlosser, Schwertfeger, Nadler und Klempner in der Stadt mit eigenen Zünften herausgebildet, im Ledergewerbe finden sich nun als Spezialisten Sattler, Riemer, Beutler, Täschner, Gürtler und die Lohgerber.[10]

Ein großes Hemmnis für die weitere Stadtentwicklung war die Wasserversorgung. Die wenigen natürlichen Quellen im Stadtgebiet und die städtischen Brunnen reichten nur bedingt, daher wurde 1369 unter Landgraf Balthasar von Thüringen der Leina-Kanal angelegt. Dieses noch bestehende technische Denkmal der Wasserversorgung der Stadt führte über mehr als zwölf Kilometer Wasser vom Rand des Thüringer Waldes der Stadt zu, da es in Gotha keine natürlichen Flüsse gab. Laut einer erhaltenen Stadtordnung aus dem 14. Jahrhundert musste in jeder Gothaer Straße ein Brunnenmeister als Beauftragter für die Sauberhaltung und Reparatur der Wasserbauwerke gewählt werden.[11]

1526 trafen Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann von Sachsen in Gotha eine Vereinbarung, die später zum Schmalkaldischen Bund führte. Im Jahr 1545 zerstörte ein Stadtbrand fast die Hälfte der Wohngebäude. Weitere Zerstörungen gab es während der Belagerung der Stadt in den Jahren 1566 und 1567 durch kaiserliche Truppen unter dem Befehl des Kurfürsten August von Sachsen. Herzog Johann Friedrich II. wollte die verlorengegangene Kurwürde wieder erlangen und verbündete sich mit dem Ritter Grumbach, der unter kaiserlicher Reichsacht stand, gegen den Kaiser. Die kaiserlichen Truppen siegten schließlich. Die starke Festung Grimmenstein wurde während der Grumbachschen Händel geschleift.[12]

Frühe Neuzeit bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Gotha um 1730
Ansicht um 1850

Im 17. Jahrhundert wurde Gotha unter dem aufgeklärten protestantischen Herzog Ernst dem Frommen Residenz des Herzogtums Sachsen-Gotha (seit 1826 in Personalunion mit Sachsen-Coburg).[13] Die Herzöge von Sachsen-Gotha schufen einen in Verwaltung, Wirtschaft und Finanzen vorbildlichen Staat. Die Schulpflicht für Mädchen und Jungen und der Gothaer Schulmethodus des Pädagogen Andreas Reyher als erste Schulordnung wurden eingeführt, naturwissenschaftliche Sammlungen begonnen. Das Hoftheater (Ekhof-Theater zu Ehren seines Mitbegründers Conrad Ekhof) wurde in einen Ballsaal des Schlosses eingebaut und beeinflusste als erste Bühne mit festem Ensemble noch lange die Entwicklung des deutschen Theaters.[14]

Gotha mit Ortsteil Sundhausen war 1560-1671 von Hexenverfolgung betroffen. Vier Frauen und zwei Männer gerieten in Hexenprozesse, eine Frau wurde mit Landesverweis bestraft.[15]

Um 1740 erschien in Gotha eine vom Hof und insbesondere der Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Meiningen unterstützte preußen-feindliche Zeitung in französischer Sprache, die Gazette de Gotha. Obwohl sie nur lokal bekannt war, zog sie das Missfallen des preußischen Königshauses Friedrichs II. auf sich. Der preußische Kriegsrat Backhoff Freiherr von Echt bemühte sich im Dezember 1744 vergeblich um eine wahrheitsgemäße Darstellung der Ereignisse des Zweiten Schlesischen Kriegs in der Gazette de Gotha.[16]

Die verschiedenen Interessen der Herzöge begründeten den Ruf Gothas als eine Stadt der Naturwissenschaften und Künste. Bereits 1757 wurde in Gotha Porzellan hergestellt, die Porzellanmanufaktur gehörte somit zu den ältesten Europas.[17]

Durch den Ruf Gothas kamen namhafte Wissenschaftler und Künstler an den Hof (siehe auch unter → Persönlichkeiten). Unter Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg wurde die Schlossbefestigung aufgehoben. Ein Park nach englischem Vorbild entstand. Der Herzog finanzierte aus Privatmitteln eine moderne Sternwarte, die nach testamentarischem Wunsch als sein einziges Denkmal erhalten werden sollte. 1785 wurde der geographische Verlag Justus Perthes gegründet, in dem von 1785 bis 1944 der Gothaer Adelskalender (Der Gotha) erschien. Ernst-Wilhelm Arnoldi begründete durch die Gothaer Feuerversicherungsbank 1820 (heute: Gothaer Allgemeine Versicherung AG in Köln) und die Lebensversicherungsbank 1827 (heute: Gothaer Lebensversicherung AG in Köln) die moderne Versicherung auf Gegenseitigkeit. Aus ihnen entstand der Gothaer Konzern in Köln. Somit ist Gotha als Entstehungsort der heutigen deutschen Versicherungswirtschaft anzusehen.

1847 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz und der Bau des Gothaer Bahnhofs, (zunächst die Strecke Leipzig – Frankfurt (Main)). Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha vertrat konsequent die preußische Einigungspolitik. Als Fürsprecher bzw. Protektor der Sänger, Turner, Schützen, Jäger und studentischen Burschenschaften erlangte er Popularität. 1849 fand in Gotha das Nachparlament statt. Aus liberaler Überzeugung wurde eine fortschrittliche Verfassung zugelassen und verkündet, die „gesamtdeutsche“ Kongresse wie die Gründung des Deutschen Schützenbundes 1861 oder die Vereinigung der Arbeiterparteien von Ferdinand Lassalle und August Bebel zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, der späteren SPD, ermöglichten. Auf der Grundlage des Schulgesetzes des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha entstand durch August Köhler eine erste Ausbildungsstätte für Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen. Köhler gründete 1863 den Deutschen Fröbelverein für Thüringen, aus dem 1872 der Allgemeine Fröbelverein und ein Jahr später der Deutsche Fröbelverband hervorging. Alle beschäftigten sich mit den Lehren des deutschen „Urpädagogen“ Friedrich Fröbel. 1878 wurde in Gotha das erste deutsche Krematorium errichtet.

1900 bis 1945[Bearbeiten]

Begünstigt durch die guten Verkehrsbedingungen entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Standort des Maschinenbaus, der Druckindustrie und der Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe. Schon früh wurde die Fliegerei als sich rasant entwickelnder Zweig erkannt (Fliegerstadt Gotha). 1910 entstand bei Gotha am Südhang des Kleinen Seebergs ein Flugplatz mit Luftschiffhallen sowie ein Militärflugplatz. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg begann ein Betrieb mit der Herstellung von Flugzeugen. Die Gotha-Taube, ein Nachbau der Konstruktion von Rumpler, überquerte 1914 den englischen Kanal nach Dover. Die als GOTHAS bekannten Bombenflugzeuge führten dagegen ab 1917 die ersten Luftangriffe auf eine Großstadt (London) im Ersten Weltkrieg aus. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Abdankung des Herzogs im Rahmen der Novemberrevolution kam es zu einer politischen Radikalisierung, die 1920 (Kapp-Putsch) und 1923 (Reichsexekution) zu bewaffneten Kämpfen führte. Gotha war bereits 1918 und auch in den darauffolgenden Jahren als Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen-Gotha das Zentrum der Kämpfe zwischen linken und konservativen Kräften in Thüringen. Sie war eine der wenigen Städte Thüringens, in der es damals zu blutigen Gefechten kam. Mit Beginn der Wiederbewaffnung wurde die Flugzeugproduktion in der Gothaer Waggonfabrik wiederaufgenommen. Außerdem wurde das Kampfgeschwader 253 „General Wever“, später umbenannt in Kampfgeschwader 4, der Luftwaffe aufgestellt.

In der Zeit des Nationalsozialismus leisteten auch einige Gothaer Einwohner Widerstand gegen das Regime. Der sozialistische Redakteur der Thüringer Volkszeitung Otto Geithner wurde von den Nazis verhaftet, im KZ Buchenwald interniert, erlebte aber die Befreiung. Nach ihm wurde die Otto-Geithner-Straße benannt. Im Büro der Bekennenden Kirche in der Gartenstraße 29 war der evangelische Pfarrer Werner Sylten tätig, der Hilfe für jüdische Christen organisierte. Er wurde in der „Euthanasie“-Anstalt Hartheim (Österreich) ermordet. An ihn erinnert die Werner-Sylten-Straße. Im Rosengarten unterhalb des Schlosses stand seit 1969 ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus. Es wurde 2011 abgerissen. In der Pogromnacht von 1938 wurde die Gothaer Synagoge von der SA in Brand gesteckt. Seit 1988 erinnert an sie ein Mahnmal am ehemaligen Standort in der Moßlerstraße. Zwischen 1934 und 1943 wurden 207 Männer und 475 Frauen Opfer von Zwangssterilisierungen. Von September 1939 bis April 1945 mussten 6778 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten Ländern hauptsächlich in Gothaer Rüstungsbetrieben (z. B. Gothaer Waggonfabrik) Zwangsarbeit verrichten. Auf dem Hauptfriedhof sind 215 Opfer der Zwangsarbeit bestattet. An sie erinnert ein Gedenkstein.[18]

Luftangriffe im November 1944 sowie im März und am 3. April 1945 fügten der Stadt erheblichen Schaden zu. Die Margarethenkirche wurde stark getroffen (1952 wurde das Äußere in alter Form wieder aufgebaut, das Innere stark verändert). Das Landestheater brannte aus (die erhaltenen Umfassungsmauern wurden 1958 abgetragen). Die Bahnhofshalle von 1848 wurde zerstört und später vereinfacht wieder aufgebaut. Eine Reihe zerstörter wertvoller Bürgerhäuser wurde nicht wieder errichtet. Leichtere Schäden erlitten u. a.: die Augustinerkirche, die Friedrichskirche, Schloss Friedenstein (nur Hauptportal schwer beschädigt), Schloss Friedrichsthal, Orangerie, Parktempel und Haus Königsaal (Brühl). Diese Schäden wurden relativ bald nach Kriegsende wieder beseitigt.[19] Insgesamt wurde Gotha zu fünf Prozent zerstört.[20]

Gadolla-Gedenktafel am Schloss Friedenstein

Bei Annäherung amerikanischer Verbände am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden durch ein Kapitulationsangebot des Stadtkommandanten Josef Ritter von Gadolla eine weitere schwere Zerstörung der Stadt und unnötige Verluste verhindert. Nach Kriegsende war die Stadt zunächst für drei Monate von amerikanischen Truppen besetzt, bevor im Juli 1945 entsprechend der Beschlüsse der Konferenz von Jalta die Übernahme der Stadt durch sowjetische Truppen erfolgte und Gotha Teil der Sowjetischen Besatzungszone wurde.

1946 bis 1989[Bearbeiten]

Am 7. April 1946 fand in Gotha, unter Druck der sowjetischen Besatzungsmacht, die Vereinigung von KPD und SPD in Thüringen zur SED statt.

Nach der Verwaltungsreform in der DDR war Gotha Kreisstadt im Bezirk Erfurt. Nach Demontage und Wiederaufbau blieb das Profil der Stadt als Industriestadt (insbesondere Fahrzeugbau, Druckereien (insbes. Kartografie), Gummiindustrie, Lebensmittel) erhalten.

Gotha war an den Unruhen in der DDR am 17. Juni 1953 und an den Tagen danach beteiligt. So wurde im VEB Lowa-Waggonbau gestreikt. Vorbereitungen zu einem Demonstrationszug in die Stadt wurden durch SED-Agitatoren unterbunden. Der Streik im gleichen Werk am 18. Juni wurde mit politischen Forderungen durchgeführt: Sturz der DDR-Regierung und Freie Wahlen. An diesem Tag konnte nur noch die Sowjetarmee unter Ausrufen des Ausnahmezustands verhindern, dass sich aus dem Betrieb heraus Demonstrationen in die Stadt hinein entwickelten. In der folgenden Nacht wurden „Provokateure“ verhaftet. Am 19. Juni forderten weiterstreikende Arbeiter die Freilassung der Verhafteten. Unter Androhung von Schußwaffengebrauch verhinderten Sicherheitsorgane ein Verlassen des Werks in Richtung Stadt. Der VP-Unterleutnant Günter Schwarzer aus Gotha wurde am 19. Juni hingerichtet, weil er sich geweigert hatte, gegen die Streikenden vorzugehen.[21][22][23]

An die Tradition als nichtuniversitäres Bildungszentrum von überregionaler Bedeutung (gesamte DDR) konnte angeknüpft werden (Fachschulen für Finanzen, Transportbetriebstechnik, Bauwesen, Ingenieurpädagogen, Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern).

Die Museen (Schloss-, Regionalkunde-, Naturkundemuseum), die Landes- und Forschungsbibliothek, Archive und wichtige Sehenswürdigkeiten blieben erhalten oder wurden wieder eröffnet. Es war jedoch zum Verlust von Hunderten von Kunstwerken unter der amerikanischen Besatzung gekommen und 1946 zur Überführung des gesamten Restes der Gothaer Kunstsammlungen, des Münzkabinetts und der Herzoglichen Bibliothek als Beutegut in die UdSSR. Der Hauptteil der Bibliothek (über 90 %), das Münzkabinett und die meisten Kunstwerke kehrten 1958 aus der Sowjetunion zurück.[24]

2011 richtete Gotha erstmals den Thüringentag aus.

Mit Studenten wurde zeitweise eine Bevölkerungszahl von etwa 60.000 Einwohnern, dem historischen Höchststand, erreicht.

Im Dezember 1979 ereignete sich in der Stadt mit dem Kunstraub von Gotha, einem Diebstahl von fünf Gemälden aus der Ausstellung im Schloss Friedenstein, der schwerwiegendste Kunstraub in der Geschichte der DDR.

Seit der Nachkriegszeit ist es in Gotha zu großen Verlusten an historischer Bausubstanz gekommen, besonders in der späten DDR-Zeit. Dazu gehörte der Abbruch des Quartiers westlich vom Marktplatz einschließlich Bürgeraue, sowie der meisten Häuser der Moßler- und der Großen Fahnen-Straße.[25]

Ab 1990[Bearbeiten]

Die deutsche Wiedervereinigung wurde in Gotha aktiv durch Montagsdemonstrationen, ausgehend von Friedensgebeten, herbeigeführt. Höhepunkte waren der Auftritt von Willy Brandt auf dem Hauptmarkt vor tausenden Zuhörern und die friedliche Besetzung der Kreisdirektion der Staatssicherheit.

Nach der Wende 1990 wurden repräsentative Bauwerke, wie Schloss, Winterpalais, Rathaus, die Kirchen, die Wasserkunst und das Großherzogliche Museum wieder instandgesetzt. Auch viele Wohngebäude konnten mit den neuen Möglichkeiten saniert werden. Andererseits verfielen zunehmend leerstehende, auch denkmalgeschützte Gebäude. So kam es 2014 zum Abbruch einer ganzen Häuserzeile am Brühl, darunter vier Häuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, ein Renaissance-Bau und das älteste Haus von Gotha.[26]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

In einer Schenkungsurkunde vom 18. Mai 874 werden Unsolteyleba (Uelleben), Kintileba (Kindleben) und Bufileba (Bufleben) nebst anderen 114 Orten in Thüringen als dem Stift Fulda zehntpflichtig erwähnt. Erzbischof Liubert zu Mainz als auch der Abt Sigehard zu Fulda machten das Recht der Zehnterhebung für sich geltend. Den Streit darüber entschied König Ludwig der Deutsche (840-876) am Hofe zu Ingelheim zu Gunsten der Abtei Fulda.[27]

Im Zuge der Gebietsreform in Thüringen wurden am 1. Juli 1994 die Gemeinden Boilstädt und Uelleben eingemeindet. Die ehemals selbstständigen Dörfer Siebleben und Sundhausen waren bereits 1922 respektive 1974 eingemeindet worden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nach Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnzahl der Stadt aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung kontinuierlich. Einen Einbruch gab es allerdings durch den Ersten Weltkrieg.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hielten sich in der Stadt etwa 12.000 Umsiedler und Evakuierte auf. Dies führte zu einem weiteren Anstieg der Einwohnerzahlen. Im Jahre 1975 erreichte die Bevölkerungszahl mit fast 60.000 ihren historischen Höchststand. In den 1970er Jahren wurde ein Anstieg auf 70.000 Einwohner bis in das Jahr 2000 prognostiziert. Jedoch stagnierte die Einwohnerzahl Ende der 1980er Jahre auf einem Wert zwischen 57.000 und 58.000.

Nach der Wiedervereinigung 1990 kam es zu einem raschen Bevölkerungsverlust. Dieser lässt sich auf den stark negativen Geburtensaldo der Nachwendejahre und einen negativen Wanderungssaldo zurückführen. Der Wegzug zu Beginn der 1990er Jahre bezog sich großteils auf die Umlandgemeinden Gothas, in denen sich umfangreiche Wohngebiete entwickelten. Ein Beweis dafür ist die Bevölkerungszunahme im Landkreis Gotha im gleichen Zeitraum. Zum Ende der 1990er Jahre und um die Jahrhundertwende nahm jedoch die Abwanderung in die alten Bundesländer aus wirtschaftlichen Gründen zu.

In den letzten Jahren konnte die negative Wanderungsbilanz der Stadt Gotha kontinuierlich gesenkt werden, sodass Zu- und Abwanderung nun beinahe ausgeglichen sind. Durch die negative Geburtenbilanz (etwa -200 pro Jahr) sinkt jedoch die Einwohnerzahl weiterhin.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. 1818 handelt es sich um eine Schätzung, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1818 12.000
1. Dezember 1834 ¹ 13.155
3. Dezember 1861 ¹ 16.600
3. Dezember 1864 ¹ 18.000
3. Dezember 1867 ¹ 19.100
1. Dezember 1871 ¹ 20.600
1. Dezember 1875 ¹ 22.900
1. Dezember 1880 ¹ 26.525
1. Dezember 1885 ¹ 27.802
1. Dezember 1890 ¹ 29.134
2. Dezember 1895 ¹ 31.700
1. Dezember 1900 ¹ 34.651
1. Dezember 1905 ¹ 36.893
Jahr Einwohner
1. Dezember 1910 ¹ 39.553
1. Dezember 1916 ¹ 36.256
5. Dezember 1917 ¹ 36.102
8. Oktober 1919 ¹ 39.500
16. Juni 1925 ¹ 45.780
16. Juni 1933 ¹ 47.848
17. Mai 1939 ¹ 54.830
1. Dezember 1945 ¹ 55.528
29. Oktober 1946 ¹ 57.639
31. August 1950 ¹ 57.414
31. Dezember 1955 57.809
31. Dezember 1960 56.278
31. Dezember 1964 ¹ 57.192
Jahr Einwohner
1. Januar 1971 ¹ 57.010
31. Dezember 1975 58.761
31. Dezember 1981 ¹ 57.573
31. Dezember 1985 57.591
31. Dezember 1988 57.365
31. Dezember 1990 54.525
31. Dezember 1991 53.400
31. Dezember 1992 53.000
31. Dezember 1993 52.300
31. Dezember 1994 52.400
31. Dezember 1995 51.505
31. Dezember 1996 50.530
31. Dezember 1997 49.753
Jahr Einwohner
31. Dezember 1998 49.055
31. Dezember 1999 48.814
31. Dezember 2000 48.376
31. Dezember 2001 47.922
31. Dezember 2002 47.695
31. Dezember 2003 47.158
31. Dezember 2004 47.142
31. Dezember 2005 46.896
31. Dezember 2006 46.497
31. Dezember 2007 46.247
31. Dezember 2008 45.928
31. Dezember 2009 45.736
31. Dezember 2010 45.593
Jahr Einwohner
31. Dezember 2011 45.564
31. Dezember 2012 44.371
31. Dezember 2013 44.325

¹ Volkszählungsergebnis

Einwohnerentwicklung der Stadt Gotha

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Dem Stadtrat von Gotha gehören 36 Mitglieder an. Die Kommunalwahlen seit 1994 führten zu folgenden Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2009
[28]
Sitze
2009
[28]
%
2004
[29]
Sitze
2004
[29]
%
1999
[30]
Sitze
1999
[30]
%
1994
[31]
Sitze
1994
[31]
Kommunalwahl 2009[28][29]
 %
40
30
20
10
0
31,0 %
24,3 %
19,3 %
11,4 %
5,7 %
4,8 %
3,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+13,7 %p
-6,6 %p
-5,4 %p
-1,6 %p
+1,3 %p
-0,3 %p
-1,0 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2004: PDS
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 31,0 11 17,3 7 26,8 10 31,0 14
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,3 9 30,9 12 30,7 12 30,1 13
LINKE
(bis 2004: PDS)
Die Linke
(bis 2004: Partei des Demokratischen Sozialismus)
19,3 7 24,7 10 19,7 7 17,5 8
FWG Freie Wählergemeinschaft 11,4 4 13,0 5 7,6 3 7,1 3
FDP Freie Demokratische Partei 5,7 2 4,4 2,3 3,2
BI Bürgerinitiative Gotha/Sundhausen, Uelleben, Boilstädt 4,8 2 5,1 2 11,1 4
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 3,5 1 4,5 1,8 7,9 4
STATT STATT Partei DIE UNABHÄNGIGEN 2,3
DSU Deutsche Soziale Union 0,8
gesamt 100,0 36 100,0 36 100,0 36 100,0 42
Wahlbeteiligung in % 47,5 40,6 48,9 66,0
Das historische Rathaus auf dem Hauptmarkt, 2009
Neues Rathaus, Sitz der Stadtverwaltung, 2009
Der Marstall, 2009

Neben den Fraktionen der CDU, der Linken und der FWG bilden die Vertreter der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen sowie von FDP und BI jeweils eine gemeinsame Fraktion. Stadtratsvorsitzende ist Astrid Gehb (SPD).

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der derzeitige Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) wurde am 7. Mai 2006 gewählt. Die bisherigen (Ober-)Bürgermeister – von der Zeit des Nationalsozialismus über die Zeit der SED-Diktatur zwischen 1949 und 1990 bis zu den demokratisch gewählten Amtsinhabern seit dem Zusammenbruch der DDR – werden im sog. „Roten Rathaus“ (diese Bezeichnung ist auf die Wandfarbe zurückzuführen) unkommentiert mit Einzelporträts „gewürdigt“.

Wappen[Bearbeiten]

Der Hauptschild des Wappens besteht aus zwei Feldern, das obere Feld in Gold, das untere Feld ist vierfach von Schwarz und Rot geteilt. Auf der Herzstelle des Hauptschildes befindet sich der Heilige Gotthard im Bischofsornat, auf der mit Löwenköpfen und -beinen verzierten goldenen Kathedra sitzend. Der Thronsessel ruht auf einem Podest in Weiß.

Über der purpurnen Kasel trägt er das weiße Pallium mit dem über die Brust herabhängenden Streifen, auf dem vier schwarze Kreuze eingewebt sind. Die auf dem vom Heiligenschein umgebenen Haupte des Bischofs aufgesetzte Mitra ist mit liturgischen Attributen versehen; in der rechten Hand hält er den Krummstab, in der Linken einen Kodex, die Bibel.

Im Oberfeld des Hauptschildes sind dargestellt: Eine über der Gestalt des Heiligen schwebende fünftürmige rote Mauerkrone und der Duktus des Schutzpatrons; in drei Zeilen stehen rechts die Buchstaben S. GOTE, links die Buchstaben HARDVS (S. Gotehardus).

(Auszug aus der Hauptsatzung der Stadt Gotha, § 3 Wappen, Flaggen, Dienstsiegel)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Herzogliches Museum, bis 2010 Museum der Natur (2009)
Kulturhaus mit Theatercafe (2009)
Hospital Maria Magdalena, 2009
Schloss Friedenstein (2005)
Schloss Friedrichsthal
Orangeriegarten (2009)
Tivoli, Gründungsstätte der deutschen Sozialdemokratie (2009)
Innungshalle am unteren Hauptmarkt (2009)
Englischer Garten im Schlosspark
Schloss Mönchshof mit Park in Gotha-Siebleben
Tanzvorführung beim Barockfest (2008)
Marktstraße
Margarethenkirche auf dem Neumarkt
Gotha, Bahnhofsvorplatz (2009)
Gotha, ÖPNV-Terminal (2009)

Theater[Bearbeiten]

Im Westflügel des Schlosses Friedenstein befindet sich das Ekhof-Theater als ältestes vollständig erhaltenes Schlosstheater der Welt mit originaler barocker Bühnenmaschinerie.

Das Gothaer Stadttheater, ein nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels errichteter klassizistischer Theaterbau, befand sich am östlichen Rand der Innenstadt am Theaterplatz (seit 1991 Ekhof-Platz). Das Gebäude brannte 1945 durch Kriegseinwirkung aus. Die Ruine wurde 1958 gesprengt, obwohl das Theater hätte wieder aufgebaut werden können. Bis zum Frühjahr 2011 erinnerte ein Gedenkstein des Altstadtvereins am einstigen Standort an die Spielstätte.

Im Gothaer Kulturhaus finden das ganze Jahr über Veranstaltungen statt. Das heutige Kulturhaus wurde ursprünglich als Kino gebaut und 1940 mit dem Operettenfilm „Rosen aus Tirol“ eröffnet. Bis 1972 als Lichtspielhaus genutzt, folgte eine einjährige Umbauphase. Mit neuem Heizhaus, Bühnenhaus, Theater-Café und modernisiertem Innenausbau wurde es 1973 als Kreiskulturhaus wiedereröffnet. Zehn Jahre später erhielt es den Namen „Johannes R. Becher“. Seit 1990 ist es als Gothaer Kulturhaus bekannt. Die vorhandene Theaterbühne mit Drehbühne sowie die moderne Ton- und Lichttechnik ermöglichen Aufführungen aller Art. So ist das Haus mit seinen 785 Plätzen Spielstätte für Oper, Operette, Musical, Konzerte, Schauspiel und Show Der Saal bietet durch seine Holzvertäfelung eine intime Atmosphäre und eine sehr gute Akustik. Das Kulturhaus ist Gastspielhaus, bietet aber Veranstaltern auch die Möglichkeit der Einmietung.

Kino[Bearbeiten]

In der Stadt befinden sich zwei Kinos der Cineplex-Gruppe. Das ist einmal das Capitol - Filmtheater und das KIK - Kino im Kulturhaus.

Museen[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Wahrzeichen von Gotha ist der größte frühbarocke Feudalbau in Deutschland, das Schloss Friedenstein mit dem ältesten Englischen Garten auf dem europäischen Kontinent und den begehbaren Kasematten. Am Schlosspark befinden sich die Orangerie, die von 1950 bis 2014 auch die Stadtbibliothek beherbergte (seit März 2014 im Winterpalais), mit dem Schloss Friedrichsthal, das Winterpalais, das Prinzenpalais sowie das Herzogliche Museum (von 1951 bis 2010 Museum der Natur).

Vom Schloss aus gelangt man auf historischem Pflaster an der Nordseite des Schlossberges, entlang der Wasserkunst, in die historische Altstadt und trifft auf den von zahlreichen gut erhaltenen Kauf- und Patrizierhäusern umgebenen Markt mit dem repräsentativen Rathaus.

Im 17. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Stadtbefestigung durch später wieder entfernte Festungsbauten ersetzt. Dort befindet sich heute eine Ringstraße, die die Altstadt von den Vorstädten trennt. Vom rechtwinklig angelegten mittelalterlichen Straßennetz blieben am Westrand durch moderne Überbauung kaum Spuren erhalten, hingegen blieb der östliche Teil der Altstadt weitgehend erhalten. Die Straße am Brühl führt zum Maria-Magdalena-Hospital. Am Hauptmarkt sieht man bereits die Stadtkirche St. Margarethen auf dem Neumarkt. Die zweite große Kirche Gothas ist die gotische Augustinerkirche mit barocker Ausstattung, in der Martin Luther mehrmals predigte. An die Kirche schließt sich das älteste Augustinerkloster Thüringens an.

Im 19. Jahrhundert erhielt Gotha als Residenz und Herkunftsort von Prinz Albert eine großzügige städtebauliche Förderung. Zahlreiche schlossartige Verwaltungsgebäude, der Gothaer und Reinhardsbrunner Bahnhof und die Pferderennbahn in Boxberg bezeugen dies. Für das Gothaer Großbürgertum wurde die Bahnhofstraße zur ersten Adresse für ihre Villen.

Das auf der Grundlage von Schinkels Entwürfen 1839 am Ekhofplatz erbaute ehemalige herzoglich sächsische Hoftheater zu Gotha und spätere Gothaer Stadttheater brannte kurz vor der Einnahme der Stadt durch amerikanische Truppen im Zweiten Weltkrieg durch Kriegseinwirkung aus. Unter dem SED-Regime wurde der oft versprochene Wiederaufbau solange hinausgezögert, bis die Bausubstanz nur noch einen Abbruch zuließ. Das in der benachbarten ehemaligen Mohrenvorstadt gelegene ehemalige Volkshaus zum Mohren beherbergte unter anderem Goethe und Napoléon und war 1917 Gründungsort der USPD. Es wurde 2007 allerdings zu Gunsten der zukünftigen Verkehrsplanung in diesem Stadtteil gegen den Widerstand der Bevölkerung abgerissen.

Die ehemalige Gaststätte Tivoli südwestlich der Altstadt war das Gründungshaus des unmittelbaren Vorläufers der SPD und wurde saniert. Es beherbergt eine Ausstellung.

Nördlich der Altstadt befinden sich die Gründungsstätte des Deutschen Schützenbundes mit dem denkmalgeschützten Schützenhof und der Friedhof mit dem ältesten Krematorium Europas. Gotha verfügt auch über eine Vielzahl von denkmalgeschützten Industriebauten der Gründerzeit.

Mit der Thüringerwaldbahn gelangt man zur Pferderennbahn auf dem Boxberg und weiter nach Waltershausen, Schnepfenthal, Reinhardsbrunn, Friedrichroda und Tabarz.

Auf dem Krahnberg bei Gotha stand fast 150 Jahre der von der Familie Arnoldi der Stadt gegen die Verpflichtung zur Erhaltung übergebene Arnoldi-Turm, der in der DDR-Zeit 1972 abgerissen wurde. Er bot als beliebtes Ausflugsziel einen Ausblick auf den Thüringer Wald. An den Standort erinnert seit 2003 eine Stele. Bekanntestes Mitglied der Familie Arnoldi war Ernst Wilhelm Arnoldi. Unweit des früheren Arnoldi-Turms wurde auf dem Galberg am Inselsbergblick im Juni 2009 der Bürgerturm Gotha eingeweiht, den engagierte Bürger mit Hilfe von Spenden errichtet haben. Der 35 m hohe Aussichtsturm auf dem fast 400 m hohen Berg überragt den Wald erheblich, bietet einen hervorragenden Ausblick über das Gothaer Land und ist rund um die Uhr kostenlos begehbar.[32]

Die unter Denkmalschutz stehenden Baudenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Gotha aufgeführt.

Parks[Bearbeiten]

Der Schlosspark Gotha liegt mitten im Stadtgebiet und umgibt die gewaltige Schlossanlage des Friedenstein. Er ist der älteste englische Landschaftsgarten auf dem europäischen Festland. In seinen Grundzügen präsentiert sich der Park noch wie vor 200 Jahren. Eine spätere Ergänzung ist der Tannengarten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der zu Beginn der 1930er Jahre angelegte Rosengarten wurde 2011 beseitigt und existiert nur mehr dem Namen nach.

Die Orangerie mit ihren historischen Kalthäusern und dem Treibhaus ist Teil des Schlossparks, in dem sich eine Vielzahl geschichtsträchtiger und bedeutender Bauwerke und Denkmale befindet. Das sind neben dem Schloss z. B. das Schloss Friedrichsthal, die Ausstellungshalle, das Herzogliche Museum, das Teeschlösschen und der Merkurtempel.

Im südlichen Teil des Schlossparks befinden sich ein kleiner und ein großer Parkteich. Auf der Begräbnisinsel im Großen Parkteich liegen u. a. die letzten drei Herzöge des Hauses Sachsen-Gotha-AltenburgErnst II., August und Friedrich IV. – sowie die letzte Herzogin von Sachsen-Gotha-Altenburg, Karoline Amalie, begraben.

Im westlichen Teil des Parks steht seit 1991 ein Gedenkstein für das Infanterie-Regiment Nr. 95, das von 1907 bis 1945 existierte. Leitspruch auf der Inschrift: „fideliter et constanter“ (treu und beständig).

Der Tierpark Gotha ist ein sechs Hektar großer zoologischer Garten am Fuß des kleinen Seebergs.

Der Mönchspark im Ortsteil Gotha-Siebleben mit romantischem Jagdschloss, alten Baumbeständen und Teichanlagen ist ein verstecktes und für viele Besucher unbekanntes Kleinod.

Die bis ins Stadtgebiet hineinreichenden Grünzüge Krahnberg und Seeberg sind bei der Bevölkerung als Naherholungsgebiete sehr beliebt.

Die unter Denkmalschutz stehenden Parkanlagen sind der Liste der Kulturdenkmale in Gotha zu entnehmen.

Sport[Bearbeiten]

Der bekannteste Fußballverein ist der FSV Wacker 03 Gotha. Die Mannschaft spielt derzeit in der Oberliga Nordost (Staffel Süd). Das Basketballteam Oettinger Rockets Gotha spielt seit dem Gewinn des Finales 2012 der ProB-Liga in der ProA (2. Basketballbundesliga). Die 1. Männermannschaft des Volleyball Club Gotha spielte seit der Saison 2006/2007 in der 2. Bundesliga Süd und seit der Saison 2010/2011 in der 1. Bundesliga. Die 1. Damenmannschaft des Vereins spielte in der Saison 2005/2006 in der 2. Bundesliga Süd und 2006/07 in der Regionalliga.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das wichtigste Fest der Stadt ist das jeweils am ersten Maiwochenende gefeierte Gothardusfest, das dem Stadtpatron St. Gotthard gewidmet ist. Das Fest setzt eine mittelalterliche Tradition, die bereits 1442 in einer Schützenordnung beurkundet ist, fort. Das Fest dauert drei Tage mit vielfältigen Veranstaltungen wie Märkte und Konzerte. So wird beispielsweise zu Beginn des Festes an einem Freitag ein großes Höhenfeuerwerk an der Orangerie veranstaltet und die Wasserkunst auf dem Hauptmarkt wird nach winterlicher Pause wieder in Betrieb genommen. Am darauffolgenden Tag findet traditionell ein Festumzug statt, bei dem sich Vereine aus Gotha und der Umgebung dem Publikum vorstellen. „Hauptakteure“ des Gothardusfestes sind der heilige Gothardus und der Landgraf Balthasar, die von Gothaer Bürgern dargestellt werden.

Das zweite große Stadtfest ist das Barockfest. Seit 2001 lebt jeweils am letzten Augustwochenende im historischen Ambiente des Schlosses Friedenstein und der Orangerie die glanzvolle Epoche des Spätbarocks wieder auf: Rund 200 Laiendarsteller schlüpfen für zwei Tage in Kostüme, der Darsteller Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg nimmt mit seinem Hofstaat Wachparaden ab, hält Audienzen, unternimmt Ausfahrten in die Stadt und lustwandelt durch den Orangeriegarten.

Von Juni bis August findet im Ekhof-Theater auf Schloss Friedenstein das Ekhof-Festival mit szenischen Aufführungen und Konzerten statt.

Jedes Jahr im September treffen sich mitten in der Altstadt Schmiede und Metallgestalter zum Internationalen Metallgestaltertreffen „Gotha glüht“. Gleichzeitig dazu findet in der Innenstadt der Herbstmarkt im mittelalterlichen Flair statt. Die Schmiedeergebnisse der Metallgestalter werden jedes Jahr für einen guten Zweck meistbietend versteigert.

Am dritten Adventswochenende findet in der Orangerie der Orangerie-Weihnachtsmarkt statt. Hinter dem Lorbeerhaus wird vor allem traditionelles und regionaltypisches Handwerk präsentiert, das Kulturprogramm der beiden Tage ist in erster Linie auf Familien und Kinder ausgerichtet.

Von 1997 bis 2008 fand auf dem Boxberg südlich von Gotha das christlich-alternative Festival Freakstock statt.

Seit 2009 wird jeweils am Silvestervorabend im Kulturhaus der Sketchklassiker Dinner for One in Gothaer Mundart aufgeführt. Die Adaption nimmt für sich in Anspruch, die eigentliche Urfassung des Sketches zu sein.[33] Darin feiert Herzogin Sophie Karoline Amalie von Sachsen-Gotha-Altenburg ihren Geburtstag im Gothaer Winterpalais mit ihren verstorbenen Freunden, die allesamt berühmte Gothaer Persönlichkeiten waren: Verleger Justus Perthes, Unternehmer Ernst-Wilhelm Arnoldi, Oberst Maximilian Franz Karl Ritter von Gadolla und Historiker Johann Georg August Galletti. Ihr Diener Schluder stolpert dabei über ein Knut genanntes Eisbärenfell. Der Text ist gespickt mit zahlreichen lokalen Anspielungen, auch Essen und Getränke sind echt goth’sch bzw. typisch thüringisch, u. a. gibt es Gotano-Wermut, Aromatique, Thüringer Klöße und Gothaer Kranz (eine lokale Kuchenspezialität). Wie der Roman Dinner for One auf Goth’sch erzählt, soll die Geschichte vom seltsamen Geburtstagsritual der Herzogin im Jahre 1845 über Sophie Karoline Amalies Enkel Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha nach Großbritannien gekommen sein, wo sie der Theaterautor Lauri Wylie in den 1930er Jahren zufällig wiederentdeckte und für die Bühne adaptierte.[34] Die einstige Residenzstadt nimmt damit für sich in Anspruch, der „wahre“ Ursprungsort des Dinner for One zu sein.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Der seit Jahrzehnten bekannte Gothaer Kranz ist eine kranzförmige Tortenspezialität, für die das Rezept des bekannten Frankfurter Kranzes variiert wird. Im Gegensatz zum hellen Frankfurter Original wird beim dunklen Gothaer Pendant die Buttercreme mit Schokolade verrührt, die fertige Torte mit einer Schokoladenglasur überzogen und ggf. noch mit Schokostreuseln bestreut.

Gotano ist ein Wermut, der bis 2009 in der Stadt hergestellt wurde (zuletzt von der Thüringer Weinkellereien Gotha GmbH) und der meistverkaufte Wermut in der DDR war. Aus der 1962 entwickelten Bezeichnung Gotha-Wermut wurde Ende der 1960er Jahre zunächst Gothano und dann Gotano. Seit 2010 wird die traditionsreiche Spirituose jedoch in Stadtilm hergestellt und hat mit ihrer Ursprungsstadt nurmehr den Handelsnamen gemein.

Musik und Unterhaltung[Bearbeiten]

Mundart[Bearbeiten]

In der Stadt wird eine von den Einheimischen als Goth'sch bezeichnete Variante des Zentralthüringischen gesprochen. Gekennzeichnet ist sie durch einen zumeist gemächlichen und leicht „singenden“ Tonfall. Bevorzugt werden die Vokale gedehnt und dunkel gesprochen sowie vornehmlich die weichen Konsonanten gebraucht. Zahllose Lautumstellungen, Verkürzungen und Verlängerungen von Silben dienen der Sprachflüssigkeit.

Nachdem die Mundart in Gotha über Jahrzehnte öffentlich nicht gepflegt und zumeist abwertend betrachtet wurde, erfährt sie seit Ende der 1990er Jahre eine Renaissance. Ihre zunehmende Wahrnehmung als kulturgeschichtlich bedeutendes Erbe drückt sich unter anderem darin aus, dass mit dem Kleinen Wörterbuch Goth'sch (1998), dem Kleinen goth'schen Schimpfwörterbuch (2001) und den Goodschn Saachn (Die Gothaer Sagen, 2005) mittlerweile drei Bücher ausschließlich zum Thema Mundart vorliegen. Die erste populärwissenschaftliche Abhandlung über die sprachgeschichtliche Herkunft der Mundart erschien 2003.[35]

Seit 2009 existiert eine goth'sche Mundartfassung des Silvesterklassikers Dinner for One[36], zudem werden seit 2010 von den Darstellern der beiden fiktiven Gothaer Originale Hänser & Schluder[37] Stadt- und Kneipenführungen ausschließlich in Mundart angeboten.

Die Gothaer bezeichnen sich selbst zumeist als Goth'sche (sprich: Goodsche). Für Alteingesessene, die sich sowohl ihrer Heimatstadt als auch deren Geschichte und Mundart sehr verbunden fühlen, ist – quasi als Steigerung – die Bezeichnung (echter) goth'scher Lappenhöger (sprich: echder goodscher Labbmhööcher) üblich. Zugezogene (goth'sch: Biegeschwemmde, von beigeschwemmt) hingegen können trotz aller Assimiliationsversuche niemals echte goth'sche Lappenhöger werden. Abgeleitet ist der ursprüngliche Spottname von der im Volksmund Lappenhög (Hög = Hügel, kleiner Berg) genannten Straße Hoher Sand, in der früher eher arme Leute wohnten.

Bis um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren die Gothaer in Thüringen allgemein auch als Goth'sche Hähne bekannt. Heute ist dieser alte Spottname außer Gebrauch und so gut wie vergessen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Liniennetzplan der Straßenbahn Gotha

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnverkehr

Im nach dem Zweiten Weltkrieg nur provisorisch wiedererrichteten Gothaer Bahnhof laufen aus vier Richtungen Eisenbahnstrecken ein: in Ost-West-Richtung verläuft die Thüringer Bahn, auf der die ICEs von Dresden/Berlin in Richtung Frankfurt am Main (zweistündlicher Halt) sowie die in Gotha haltenden ICs von Berlin über Halle und Kassel nach Düsseldorf verkehren. Nach Norden zweigt die Bahnstrecke Gotha–Leinefelde ab, an der der Gothaer Ostbahnhof liegt. In südlicher Richtung führt die Ohrabahn über Ohrdruf nach Gräfenroda (dort besteht Anschluss in Richtung Würzburg).

Neben den genannten ICE- und IC-Linien verkehren über den Bahnhof Gotha folgende Regionalexpress- bzw. Regionalbahnlinien:

Der Betrieb auf der Ohratalbahn von Gotha über Ohrdruf nach Gräfenroda wurde im Dezember 2011 eingestellt.

Öffentlicher Personennahverkehr

Die Stadt und ihr engeres Umland verfügen über ein Straßenbahnsystem, zu dem auch die Thüringerwaldbahn gehört. Im Stadtgebiet bedienen drei Straßenbahnlinien auf einem etwa acht Kilometer langen Schienennetz 17 Haltestellen und stellen damit das Rückgrat des städtischen ÖPNV dar. Eine 22 km lange Überlandlinie der Thüringerwaldbahn verbindet die Stadt Gotha mit den Städten Friedrichroda, Waltershausen und der Gemeinde Tabarz am Fuße des Thüringer Waldes.

In den Jahren 2005 bis 2007 erfolgte die umfangreiche Sanierung des Bahnhofsvorplatzes in Gotha. Mit einem Investitionsvolumen von 12,3 Millionen Euro wurde das gesamte Bahnhofsareal neu geordnet. Das Gebiet, das bis dahin durch Gewerbebrachen und Verfall gekennzeichnet war, wurde komplett beräumt und verkehrstechnisch neu erschlossen. Die Stadt lobte einen Wettbewerb zur Schaffung eines modernen ÖPNV-Terminals, als Verknüpfungspunkt zwischen Bahn, Stadtbus, Regionalbus und Straßenbahn, aus. Dieser neue Verknüpfungspunkt für den öffentlichen Verkehr wurde im Oktober 2007 eingeweiht und erhielt für seine Gestaltung und städtebauliche Einordnung einen Architekturpreis.

Straßenverbindungen
Luftverkehr

Der nächste Verkehrsflughafen ist der Flughafen Erfurt etwa 15 km östlich.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Eines der bedeutendsten Unternehmen der Stadt war die Gothaer Waggonfabrik, die ab 1898 zunächst Straßenbahnwagen und ab 1913 auch Flugzeuge produzierte, zu DDR-Zeiten als VEB Gothaer Fahrzeugwerk wieder Straßenbahnen und Fahrzeugteile für den PKW Wartburg. Im Jahre 1989 hatte das Werk etwa 2150 Beschäftigte und 1992 noch 900. Danach spaltete sich das Unternehmen 1997 in die Schmitz Gothaer Fahrzeugwerke und die Gothaer Fahrzeugtechnik auf.

Die Schmitz-Gotha Fahrzeugwerke, im Jahr 1998 durch Ausgliederung der Sparte Fahrzeugbau aus der ehemaligen Gothaer Fahrzeugbau GmbH entstanden, ist eine Tochter der Schmitz Cargobull AG, des größten Herstellers von Lkw-Aufliegern in Europa. Schmitz Cargobull hat bereits in den vergangenen Jahren mehr als 40 Millionen Euro in seine Gothaer Betriebsstätte investiert. Im Geschäftsjahr 2008/2009 soll die jährliche Produktionskapazität auf 18.000 Fahrzeuge gesteigert werden. In Gotha beschäftigt Schmitz derzeit einschließlich Leiharbeitern rund 800 Mitarbeiter im Gewerbegebiet Gotha-Ost.

Die Gothaer Fahrzeugtechnik ist einer der größten Betriebe Gothas. Bis 1997 ein Treuhandbetrieb für Mobil- und Raupendrehkräne mit zunächst 85 Mitarbeitern, hat sich das Unternehmen auf die Fertigung von Kranmastenspitzen spezialisiert und hat etwa 400 Mitarbeiter.

Ein wichtiges Unternehmen ist die Gothaer Brauerei, die zur Oettinger-Gruppe gehört. Mit einem Ausstoß von 1,7 Millionen Hektolitern ist sie mit weitem Abstand der größte Bierproduzent in Thüringen. Die Belegschaft ist auf 312 Mitarbeiter angewachsen.

Aus dem 1924 gegründeten Getriebewerk (DDR: VEB Getriebewerk Gotha) entstand 1992 das Hurth Getriebewerk Gotha. 1995 wurde der Betrieb von der ZF Friedrichshafen AG übernommen und in ZF Gotha GmbH umbenannt. Der Betrieb gehörte von 1995 bis 2011 zum Geschäftsbereich der ZF Passau GmbH mit (2009) 177 Mitarbeitern und produzierte Systeme für Stapler. Seit 2011 erfolgt in Gotha ausschließlich die Montage von Achsantrieben für allradgetriebene PKW und SUVs wie den Porsche Cayenne. Das Werk ist heute eine Betriebsstätte der ZF Friedrichshafen AG und ist organisatorisch dem Bereich Antriebstechnik PKW in Saarbrücken zugeordnet.

Die Firma Avery Dennison, ein Produzent von Selbstklebeprodukten im Gewerbegebiet Gotha-Süd, hat etwa 160 Mitarbeiter.

Die Beyeler Maschinenbau GmbH hat am Standort Gotha mit ihrem Kompetenzzentrum für Abkantpressen etwa 200 Beschäftigte.

Eines der zahlreichen Traditionsunternehmen war die bis 2009 existierende Thüringer Weinkellereien Gotha GmbH, die den Namen Gothas vor allem durch ihren Gotano-Vermouth bekannt machte.

Weitere größere Unternehmen sind die C & P Stahlmöbel GmbH & Co. KG, das Spanplattenwerk Gotha GmbH, die Pero AG, die Durable Hunke & Jochheim GmbH & Co. KG, die Gothaplast GmbH, Weidemann-Maschinenbau GmbH Gotha sowie die THÜRINGER LAND Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH & Co. KG.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Einrichtungen des Bundes:

  • Bundeswehr: Friedenstein-Kaserne: Aufklärungsbataillon 13, 3./ und 4./Logistikbataillon 131, Sanitätsstaffel Gotha, Teile Bundeswehrdienstleistungszentrum Erfurt

Einrichtungen des Landes:

Einrichtungen des Landkreises Gotha:

Bildung[Bearbeiten]

Durch Herzog Ernst dem Frommen wurde im 17. Jahrhundert die Schulpflicht für Fünf- bis Zwölfjährige eingeführt und die Gründung des Gothaer Gymnasiums vollzogen. Das Herzogtum übernahm dadurch eine Vorreiterrolle im Bildungswesen des damaligen Deutschlands.

Die heutige Schullandschaft in Gotha setzt sich wie folgt zusammen:

  • 7 staatliche Grundschulen: „Brüder Grimm“, Gotha-Siebleben, „Andreas Reyher“, „Ludwig Bechstein“, „Erich Kästner“, „Peter Andreas Hansen“, „Josias Friedrich Löffler“
  • 4 staatliche Regelschulen: Oststadt Gotha, „Andreas Reyher“, „Friedrich Myconius“, „Conrad Ekhof“
  • 1 kooperative Gesamtschule: „Herzog Ernst“
  • 3 Gymnasien: Arnoldischule, Ernestinum, „Gustav-Freytag“
  • 3 Berufsschulen: Berufschulzentrum Gotha-West einschl. Berufliches Gymnasium, Gewerblich-Technische Berufsbildende Schulen, Private Medizinische Berufsfachschule in Gotha („Gobi“)
  • 1 evangelische Grundschule
  • 1 evangelische Regelschule (Diese hat im Herbst 2009 den Schulbetrieb aufgenommen.)

Des Weiteren gibt es ein regionales Förderzentrum („Regenbogenschule“), das staatliche Förderzentrum Gotha sowie die Volkshochschule und Musikschulen.

Es gibt 17 Kindereinrichtungen in städtischer oder freier Trägerschaft.

Schulen mit überörtlicher Bedeutung sind:

  • Staatliche Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr Gotha (Diese ist die einzige Schule Thüringens, die direkt dem Freistaat und keinem Schulamt untersteht.)[38]
  • Bildungszentrum der Thüringer Steuerverwaltung Gotha
  • Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung
  • Thüringer Landesvermessungsamt Abt. Ausbildung

Altstadterhaltung[Bearbeiten]

Der Verein für Stadtgeschichte und Altstadterhaltung Gotha e. V. von 1990 steht in der Tradition des Vereins für Gothaische Geschichte und Altertumsforschung (1895–1945). Der Altstadtverein ist gleichzeitig seit 1992 zusätzlich der Förderverein des Museums für Regionalgeschichte und Volkskunde Gotha.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Georg August Galletti: Geschichte und Beschreibung der Stadt Gotha. Gotha 1779 (Digitalisat)
  • Udo Hopf: Burg Grimmenstein zu Gotha. Stadtverwaltung Gotha, Referat für Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Städtepartnerschaft und Kultur, Gotha 2012, ISBN 978-3-939182-48-1
  • Kamen Pawlow: Das sehenswerte Gotha. Verlag Pawlow, Gotha 2006, ISBN 3-00-019345-6
  • Heiko Stasjulevics: Gotha, die Fliegerstadt. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2001, ISBN 3-934748-69-4
  • Manfred Strumpf: Gothas astronomische Epoche. Horb am Neckar 1998, ISBN 3-89570-381-8
  • Hans Walther: Straßenchronik der Stadt Gotha - einschließlich der Vororte Siebleben, Sundhausen, Beilstedt, Uelleben. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2005, 2. Auflage, ISBN 3-934748-26-0
  • Stadt Gotha - Stadtplanungsamt (Hrsg.): Gotha - 20 Jahre Stadtsanierung - 20 Years Urban Regeneration. 116 Seiten, in Deutsch und Englisch, Gotha 2011, ohne ISBN

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gotha – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gotha – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Geographie Gothas auf der offiziellen Webseite der Stadt
  3. TK 25000, Thüringer Landesvermessungsamt
  4. Andreas M. Cramer: Die Gothaer Sagen. Gotha 2005, S. 10
  5. Die Goten als Stadtgründer auf www.echt-gothsch.de
  6. Heutige B 7
  7. Heutige B 247
  8. Udo Hopf: Burg Grimmenstein zu Gotha, Gotha 2012
  9.  Katja Vogel, Thomas Huck, Gothaer Museum für Regionalgeschichte (Hrsg.): Geschichte des Gothaer Landes. Ausstellungsführer. Gotha 1997, ISSN 0863-2421, S. 31–33. (als Digitalisat) (PDF; 2,8 MB)
  10.  Vogel, Huck (1997): ebenda. S. 34.
  11.  Vogel, Huck (1997): ebenda. S. 35.
  12.  Vogel, Huck (1997): ebenda. S. 41–42.
  13.  Vogel, Huck (1997): ebenda. S. 43–44.
  14.  Vogel, Huck (1997): ebenda. S. 44–45.
  15. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 235, 237, 250f.
  16. Ludwig Salomon: Geschichte des Deutschen Zeitungswesens. Erster Band, S. 153, Oldenburg, Leipzig 1906
  17.  Vogel, Huck (1997): ebenda. S. 51.
  18. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 86 ff., ISBN 3-88864-343-0
  19. Gotha von Rudolf Zießler. In Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2, S. 486–488
  20. Deutscher Städtetag: Statistisches Jahrbuch deutscher Gemeinden, S. 369. Braunschweig 1952
  21. Heinz Mestrup: Volksaufstand und Umsturz in Zur Geschichte des Bezirkes Erfurt (1952–1990). Hrsg.: Landeszentrale für Politische Bildung Thüringen, Erfurt 2004
  22. Der Schrei nach Freiheit. 17. Juni 1953 in Thüringen. Katalog zu der Ausstellung der Stiftung Ettersberg zum 50. Jahrestag des 17. Juni 1953. Zuletzt gezeigt im Juni 2012 im Thüringer Landtag
  23. Geheimbericht der Bezirksbehörde der Volkspolizei Erfurt zum 17. Juni (vom 29. Juni 1953)
  24. Verlust und Rückgabe. Hrsg. Deutsch-Russischer Museumsdialog. Berlin 2008. S. 26
  25. Ingrid und Manfred Pfeiffer:Die ältesten Häuser müssen jetzt weichen. Thüringische Landeszeitung, 2. Juli 2014
  26. Ingrid und Manfred Pfeiffer:Die ältesten Häuser müssen jetzt weichen. Thüringische Landeszeitung, 2. Juli 2014
  27. Guido Reinhardt: Geschichte des Marktes Gräfentonna, Langensalza 1892.
  28. a b c Ergebnis der Kommunalwahl 2009
  29. a b c Ergebnis der Kommunalwahl 2004
  30. a b Ergebnis der Kommunalwahl 1999
  31. a b Ergebnis der Kommunalwahl 1994
  32. Karsten Heuke: „Wendeltreppe überragt Baumwipfel“. Thüringische Landeszeitung 6. Juni 2009
  33. Dinner for One auf Goth’sch
  34. Andreas M. Cramer: Dinner for One auf Goth’sch, Gotha 2011, S. 74 f.
  35. Die Ursprünge der Gothaer Mundart
  36. Dinner for One auf Goth'sch
  37. Hänser & Schluder - Zwei goth'sche Guschen
  38. Offizielle Webseite der Staatliche Fachschule für Bau, Wirtschaft und Verkehr Gotha