Johann Friedrich Anton Fleischmann

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Joh. Friedr. A. Fleischmann Meininger Museen

Joseph bzw. Johann Friedrich Anton Fleischmann (* 19. Juli 1766 in Marktheidenfeld; † 30. November 1798 in Meiningen) war ein deutscher Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Fleischmann wurde als 10. Kind des ortsansässigen Schulmeisters Johann Friedrich Michael Fleischmann und dessen Frau Eva Maria in Marktheidenfeld geboren. Schon sein Vater trat als Komponist in Erscheinung und er förderte die musikalischen Neigungen seines Sohnes, so dass dieser schon mit acht Jahren als Klavierspieler öffentlich auftrat und schon früh zu komponieren begann. Die im Umkreis von Marktheidenfeld wirkenden Komponisten und Musiker, die Patres Franz Xaver Bitthäuser und Peter Dornbusch vom Augustinerchorherrenstift Triefenstein sowie Peregrin Pögl von der Benediktinerabtei Neustadt, waren neben dem Vater seine ersten Lehrer, Aus der örtlichen Schule wechselte er im Alter von elf Jahren an das Gymnasium in Mannheim, wo er von Ignaz Holzbauer und Abbé Vogler unterrichtet wurde. Ab 1782 studierte er an der Universität Würzburg, wo er 1783 zum Dr. phil. promovierte und dann weiter Jura studierte. Kurzfristig war er 1786/87 als Privatsekretär und Erzieher beim fürstlich Thurn- und Taxisschen Regierungspräsidenten von Welden in Regensburg tätig. In dieser Zeit war er auf vielen Reisen in Süddeutschland unterwegs. 1787/88 wohnte er in Hopferstadt bei Ochsenfurt, wo sein Bruder, der Pfarrer Bonifatius (Thurecht) Fleischmann seit 1786 als Pfarrer wirkte und wohin auch seine Eltern 1786 verzogen waren. Empfohlen nicht zuletzt durch seine musikalischen Arbeiten trat er im Jahre 1789 als "Cabinets-Secretaire" in den Dienst des Herzogs Georg I. von Sachsen-Meiningen. Auf Wunsch des Herzogs änderte er seinen ersten Vornamen in Johann um. Als Beamter nahm er wie damals üblich die Religionszugehörigkeit des Herzogs an. 1792 heiratete er in Themar Johanna Christiane Louise von Schultes (1771-1856), eine Tochter aus der ersten Ehe von Johann Adolf von Schultes). Das Ehepaar Fleischmann hatte vier Kinder, drei Töchter (Fanni, Carolina und Wilhelmine) und einen Sohn (Wilhelm Thurecht.

Neben seiner Tätigkeit als Kabinettssekretär war Friedrich Fleischmann in der fürstlichen Hofkapelle als Musiker und daneben als Komponist und Musiktheoretiker tätig. Viel zu früh verstarb er am 30. November 1798 in Meiningen im Alter von 32 Jahren.

Werke[Bearbeiten]

Seine Kompositionen erschienen überwiegend im Musikverlag André in Offenbach. Über sein kompositorisches Schaffen gibt Fleischmann selbst am 29. Juni 1796 in einem Brief an seinen Verleger Auskunft:

„Was ich bis an mein 24tes Lebensjahr niedergeschrieben habe, wurde alles als unbrauchbar und fehlervoll von mir cassirt. Nun erst fingen meine Produkte an grammaticalisch richtig zu seyn, und nun erst fasste ich den Muth, mit ihnen vor dem Publikum zu erscheinen. Von dieser Periode an habe ich mehrere Orchester Symphonien, Conzerte, Sonaten und Parthien für Blasinstrumente gesetzt, die nur zunächst dem hiesigen Publikum bekannt sind, auch einige Opern von Mozart für Blasinstrumente achtstimmig arrangiert.“

1796 schrieb er das Singspiel Die Geisterinsel. In der Forschung wird es mittlerweile für sehr wahrscheinlich gehalten, dass das Wiegenlied „Schlafe mein Prinzchen schlaf ein“, welches bisher Wolfgang Amadeus Mozart (KV 350) oder dem Berliner Arzt Bernhard Flies zugeschrieben wurde, tatsächlich von Fleischmann stammt (Untersuchungen von E. Goretzki):

„Fleischmann vertonte nach neueren Forschungen als erster das berühmte, ursprünglich Mozart zugeschriebene, Wiegenlied 'Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein'. Der erste Takt ist mit der Flies’schen Version identisch, der weitere Verlauf weist Ähnlichkeiten auf, so dass man Fleischmann als den Schöpfer der Urfassung ansehen darf.“

Werksverzeichnis[Bearbeiten]

  • Air Variationen für Klavier B-Dur, 1787
  • Salve Regina, 1790
  • Opus 1 Konzert für Klavier und Orchester C-Dur, 1794
  • Opus 2 Sonate für Klavier zu vier Händen G-Dur, 1795
  • Opus 3 Konzert für Klavier und Orchester (oder Orgel) d-moll, 1796
  • Opus 4 Konzert für Klavier und Orchester D-Dur, 1797 (zur Feier des Friedens)
  • Opus 5 Sinfonie A-Dur (veröffentlicht 1800)
  • Opus 6 Sinfonie D-Dur (veröffentlicht 1807)
  • Opus 7 Ouvertüre zur "Geisterinsel" (veröffentlicht 1807)
  • Singspiel "Die Geisterinsel", 1798
  • Nr. 3 Partita für Klarinette und Fagott und 2 Hörner F-Dur
  • Nr. 4 Quartett für Klarinette und Fagott und 2 Hörner B-Dur
  • Nr. 5 Quartett für Klarinette und Fagott und 2 Hörner S-Dur
  • Nr. 6 Quartett für Klarinette und Fagott und 2 Hörner
  • Parthia - Sinfonie B-Dur

Lieder:

  • Einige Lieder, verfasst von der Fürstin von Neuwied mit Melodien von Friedrich Fleischmann (Maria, Aufforderung, Emma von Holdberg, Das Vorige, Im Grabe Ruhe, An die Guitarre, Erfahrungen), veröffentlicht 1798
  • Wiegenlied aus F.W. Gotters "Ester", veröffentlicht 1796 und 1800

Erst nach seinem Tod erschien 1799 die musiktheoretische Abhandlung: Wie muss ein Tonstück beschaffen seyn, um gut genannt zu werden? - Was ist erforderlich zu einem vollkommenen Componisten. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. Nr. 14 und 15, 1799

Nachfahren[Bearbeiten]

Friedrich Fleischmann hatte einen Sohn W. Thurecht Fleischmann (1794–1886). Dessen Sohn Alexander Fleischmann (1826–1891) Übersetzte den Roman „Looking Backward“ von Edward Bellamy „Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887“, Wiegand, Leipzig 1890, der binnen eines Jahres sieben Auflagen erlebte. Thurecht Fleischmann heiratete 1820 Antoinette Sophie von Schulthes (1798-1883), eine Tochter aus der Ehe von Johann Adolf von Schultes mit Friederike von Imhoff, "die Blonde" genannt (1768-1811). Letztere ist eine Cousine von Amalie von Imhoff.

B.A. Johanna Müller (Künstlername: Müller-Koburg, 1860–1947), Tochter von Alexander Fleischmann, war Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin; sie hat viele Landschaftsbilder mit Motiven von Ostsee, Berlin und Coburg hinterlassen. Sie malte u.a. auch in Ahrenshoop.

Quellen[Bearbeiten]

  • Thurecht Fleischmann: Biographie. Einige nähere Umstände aus dem Leben des am 30sten November 1798 verstorbenen Kabinets-Sekretairs Friedrich Fleischmann, in Meiningen. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. Nr. 27, 1799, Sp. 421
  • Ahnenforschung von Elfriede Goretzki (+), Bielefeld
  • Sammlung Fleischmann im Stadtarchiv Marktheidenfeld Dokumente zu Leben und Werk von Friedrich Fleischmann; Unterlagen von Elfriede Goretzki
  • Noten des kleines Werkverzeichnisses im Besitz von Ernst Gaidzik, Bielefeld

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Ludwig Gerber, in Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler. 2. Band, 1812-14, Sp. 144-146
  • Francois Fétis: Bibliographie universelle des musiciens et biographie générale de la musique. Paris 1874, S. 271
  • Musikalisches Conversationslexikon, H. Mendel, Berlin 1873 (online)
  • Ersch-Gruber: Allgemeine Enzyclopädie der Wissenschaften und Künste. Leipzig 1874, 1. Band, S. 164-165
  • Moriz Fürstenau: Fleischmann, Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 114.
  • Robert Eitner: Biographisch-bibliographisches Quellenlexikon. 3. Band. Leipzig 1900, S. 476-477
  • Oskar Kaul: Fleischmann, Johann Friedrich Anton. In: Musik in Geschichte und Gegenwart. 4. Band, 1955, Sp. 303-304
  • Leonhard Scherg: Beiträge zur Schul- und Musikgeschichte in Marktheidenfeld. In: Laurenzi-Festausgabe der Mainpost, August 1978
  • Thomas Grön: Untersuchungen zum Leben und Werk J.F.A. Fleischmanns. Hochschule f. Musik, Würzburg 1990
  • E. Goretzki, D. Krickenberg: Das Wiegenlied „von Mozart“. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum. Salzburg, Juli 1988, S. 114 ff.
  • Herta Müller: Zum Musikleben am Hofe Sachsen-Meiningen zwischen 1775 und 1803. In: Andrea Jakob: Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen. Ein Präzedenzfall für den aufgeklärten Absolutismus. Meininger Museen, Meiningen 2004, ISBN 3-910114-06-7, S. 207 ff.

Weblinks[Bearbeiten]