Göllingen (Kyffhäuserland)

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51.34388888888911.013611111111170Koordinaten: 51° 20′ 38″ N, 11° 0′ 49″ O

Göllingen
Wappen von Göllingen
Höhe: 170 m ü. NN
Fläche: 10,74 km²
Einwohner: 709 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 31. Dezember 2012
Postleitzahl: 06567
Vorwahl: 034671
Karte

Lage des Ortsteils im Kyffhäuserland

Dorfkirche
Klosterruine

Göllingen ist ein Ortsteil der Gemeinde Kyffhäuserland im thüringischen Kyffhäuserkreises.

Göllingen liegt im Tal der Wipper zwischen den Bergrücken der Windleite und der Hainleite, unweit der Kreisstadt Sondershausen. Zwei Kilometer weiter flussabwärts der Wipper befindet sich in Seega der so genannte Wipperdurchbruch, bei der sich die Wipper durch den Kamm der Hainleite schneidet.

Geschichte[Bearbeiten]

Ersterwähnung und Besonderheiten[Bearbeiten]

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Göllingen in einem Verzeichnis der von Erzbischof Lullus († 786) von Mainz für das Kloster Hersfeld von Freien verliehenen Gütern erstmals urkundlich als Gellinge erwähnt. Die Geschichte Göllingens ist verbunden mit dem im 11. Jahrhundert gegründeten Benediktinerkloster Göllingen. Bis 1918 gehörte der Ort zur Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten Kriegsgefangene aus Frankreich sowie 40 Frauen und Männer aus Polen und der Sowjetunion auf der Domäne und bei Bauern Zwangsarbeit verrichten.[1]

Am 31. Dezember 2012 schloss sich die Gemeinde Göllingen mit weiteren Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Kyffhäuser zur Gemeinde Kyffhäuserland zusammen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde Göllingen (31. Dezember):

  • 1994: 941
  • 1995: 933
  • 1996: 921
  • 1997: 897
  • 1998: 914
  • 1999: 893
  • 2000: 860
  • 2001: 845
  • 2002: 844
  • 2003: 836
  • 2004: 822
  • 2007: 781
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Karl-Heinz Fritze aus Niederorschel gestaltet. Es stellt den ehemaligen Klosterbau dar.

Bauwerke und Gewässer[Bearbeiten]

Kloster[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kloster Göllingen

Bekannt ist Göllingen durch das Kloster Göllingen mit seiner 16-Säulen-Krypta. Experten gehen davon aus, dass man ähnliche Gebäude nur in südlichen Ländern findet. Das Benediktinerkloster geht bis in das 11. Jahrhundert zurück. Es wurde circa 1012 von der Abtei Hersfeld gegründet, weshalb Göllingen später eine hessische Exklave wurde. 1606 wurde das Kloster von den hessischen Landgrafen aufgehoben, nachdem diese die Reformation eingeführt hatten. Es diente dann bis zur Übergabe des Gebietes von Hessen an Schwarzburg im Jahre 1816 als kurhessische Domäne. Während dieser Zeit verfiel die Klosteranlage mehr und mehr zur Ruine. Jährlich im Herbst findet regelmäßig das Klosterturmfest statt. Der Turm und die Krypta können besichtigt werden.

Kirche[Bearbeiten]

Unweit des Klosterturmes befindet sich die evangelische Kirche, die 1722 als barocker Saalbau errichtet wurde. Auf dem Kirchhof findet man zahlreiche historische Grabsteine, zum Teil aus dem 11. und 12. Jahrhundert.

Hauptartikel: St. Michael (Göllingen)

Wipper-Tunnel[Bearbeiten]

Die Kleine Wipper, ein Flussarm der Wipper, wurde von damaligen Mönchen auf einer Länge von 430 Metern durch einen Tunnel geleitet. Sie wurde 1404 erstmals urkundlich erwähnt.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jedes Jahr findet am zweiten Wochenende im September das Klosterturmfest in Göllingen statt. Das dreitägige Dorffest findet zu Fusse des Klosterturms, im historischen Zentrum von Göllingen, statt. In einem Festzelt und auf einer Freilichtbühne werden verschiedene musikalische Beiträge geboten. Das kulinarische Angebot umfasst typische Grillspezialitäten, wie die berühmte Thüringer Roster oder lokale Spezialitäten, wie Fettbemmen mit Kräutersalz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Betriebe[Bearbeiten]

Vorherrschend sind Landwirtschaft und Handwerk. Göllingen ist ein ehemaliger Bergarbeiterort der Kaliindustrie, allerdings von untergeordneter Bedeutung (ehemalige Gewerkschaft Günthershall). Zu DDR-Zeiten gab es hier den überregional bedeutenden Volkseigenen Betrieb (VEB) Inducal Göllingen. Seit 2012 befindet sich auf dem westlich des Ortes gelegenen und bis dahin ungenutzten Gewerbegebiet ein Solarpark.

Verkehr[Bearbeiten]

Bis zum 10. Dezember 2006 besaß der Ort einen Haltepunkt an der Kyffhäuserbahn. Hier wurde der Personenverkehr inzwischen eingestellt. Am 9. August 2012 wurde eine Ortsumgehung südlich des Ortes der Landesstraße 2290 eröffnet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Göllingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945, (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 168.