Günther Stapenhorst

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Günther Gustav von Stapenhorst (* 25. Juni 1883 in Gebweiler im Elsass; † 2. Februar 1976 in München) war ein deutscher Filmproduzent.

Leben[Bearbeiten]

Von Stapenhorst war Sohn eines Gymnasialdirektors und besuchte nach dem Gymnasium die Marineakademie und trat 1900 in die kaiserliche Marine ein. 1916 nahm er an der Skagerrakschlacht teil, 1917 wurde er dem Generalstab der Marine zugeteilt. Bei Kriegsende war er Korvettenkapitän und musste sich nach der Demobilisierung eine neue Existenz aufbauen.

1919 wurde er Bankangestellter, dann Exportkaufmann, 1922 Teilhaber an einer Hamburger Exportfirma. Durch den Export und Verleih von Filmen kam er in Kontakt mit der Filmbranche, in der er ab 1924 tätig war. Er beteiligte sich an Arthur Ziehms Gesellschaft International Film Exchange bis zu deren Konkurs und trat 1928 als Produktionsleiter bei der UFA ein. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche Produktionen, darunter die erste Erich Kästner-Adaption Emil und die Detektive.

Da die deutsche Filmindustrie immer mehr unter staatliche Kontrolle geriet, führte dies 1935 zu seiner Emigration nach England. Dort war er für Alexander Korda als Produktionsleiter der Gaumont British und der London Film tätig. Bei Kriegsbeginn ließ er sich in der Schweiz nieder. Für die kleine Elite-Film in Zürich produzierte er den Film Verena Stadler. Nach der Gründung der Gloriafilm am 19. November 1940 stellte er vier weitere Filme in der Schweiz her. Stapenhorst unterhielt weiterhin Kontakte zu Deutschland und bewarb sich 1941, 1942 und 1943 um einen Direktionsposten bei der UFA, was aber mit dem Hinweis auf seine Zusammenarbeit mit jüdischen Schauspielern abgelehnt wurde. In der Schweiz geriet er zunehmend unter Spionageverdacht. Im Frühjahr 1942 wurde ihm verboten, den Außenaufnahmen zu seinem Film Steibruch beizuwohnen. Nach finanziellen Verlusten trat er am 16. Juli 1943 aus dem Verwaltungsrat der Gloriafilm zurück, blieb aber bis Kriegsende in der Schweiz.

1948 kehrte er nach Deutschland zurück und gründete 1949 in München die Carlton-Film GmbH. „Stapi“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, produzierte in den fünfziger Jahren zahlreiche Unterhaltungsfilme, darunter drei Filme nach den Romanen Erich Kästners (Das doppelte Lottchen, Das fliegende Klassenzimmer und Die verschwundene Miniatur), wobei Kästner die Drehbücher schrieb.

Baron von Stapenhorst war seit 1911 mit Charlotte Gräfin von Brockdorff verheiratet. Von 1950 bis zu seinem Tod war die Schauspielerin Margot Rupp, die mit Willem Holsboer verheiratet war, seine Lebenspartnerin. 1962 überließ er die Leitung der Firma seinem Sohn Klaus Stapenhorst. Sein anderer Sohn Fritz wurde Cutter und Regisseur, seine Tochter Lore Drehbuchautorin.

Günther Stapenhorst ruht auf dem Friedhof Riem bei München.

Filmografie[Bearbeiten]

Produktionsleitung[Bearbeiten]

  • 1925: Ich hatt' einen Kameraden
  • 1926: Kreuzzug des Weibes
  • 1928: Der Tanzstudent
  • 1928: Die Yacht der sieben Sünden
  • 1928: Die blaue Maus
  • 1928: Ihr dunkler Punkt
  • 1929: Adieu Mascotte
  • 1929: Der Sträfling aus Stambul
  • 1929: Wenn Du einmal Dein Herz verschenkst
  • 1930: Der unsterbliche Lump
  • 1930: Hokuspokus
  • 1930: Ein Burschenlied aus Heidelberg
  • 1930: Das Flötenkonzert von Sanssouci
  • 1931: Der kleine Seitensprung
  • 1931: Emil und die Detektive
  • 1931: Ronny

Produktion[Bearbeiten]

  • 1941: Emil, me mues halt rede mitenand!
  • 1942: Menschen, die vorüberziehen...
  • 1942: Steibruch
  • 1943: Matura-Reise
  • 1949: So sind die Frauen / Der Dorfmonarch
  • 1950: Das doppelte Lottchen
  • 1952: Das weiße Abenteuer
  • 1952: Die Försterchristl
  • 1952: Alraune
  • 1952: Im weißen Rößl
  • 1953: Einmal keine Sorgen haben / Einen Jux will er sich machen
  • 1953: Der letzte Walzer
  • 1953: Das Lachkabinett
  • 1953: Der unsterbliche Lump
  • 1954: Meines Vaters Pferde (2 Teile)
  • 1954: Dieses Lied bleibt bei Dir / Kabarett

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]