Gaston (Comic)

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Gaston Lagaffe bricht durch die Berliner Mauer an der East Side Gallery, 1991

Gaston heißt eine Comic-Reihe und deren Hauptfigur aus dem Magazin Spirou. Gezeichnet wurde sie von André Franquin ab Februar 1957 bis zu seinem Tod im Jahr 1997. Im französischsprachigen Original heißt die Figur mit vollem Namen Gaston Lagaffe. La gaffe bedeutet auf Deutsch „der Schnitzer“, „das Ungeschick“, „der Ausrutscher“ oder „die Entgleisung“.

Inhalt[Bearbeiten]

Gaston ist ein Bürogehilfe in der Redaktion des (real existierenden) Verlages Dupuis bzw. in der deutschen Ausgabe des Kauka Verlages bzw. des Carlsen-Verlages. Bei seinen ersten Auftritten stand er einfach herum und verwirrte damit die Angestellten. Später tauchte er in einzelnen Szenen der Serie Spirou und Fantasio auf, um dann eine eigene Serie zu erhalten. In der Serie wird der Alltag der Redaktion persifliert.

Seine Vorgesetzten Demel und Fantasio versuchen ständig, mit dem Geschäftspartner Bruchmüller zum Abschluss von enorm wichtigen Verträgen zu kommen, doch immer, wenn ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt zu sein scheinen, macht ihnen Gaston auf vielerlei Art und Weise unabsichtlich einen Strich durch die Rechnung.

Gaston fällt durch seine ausgefallenen, meist missglückten Experimente und Basteleien und durch seine Faulheit auf. Er wird als liebenswerter Chaot und verkanntes Genie dargestellt. In seiner Freizeit spielt er gerne Musikinstrumente, unter anderem Gitarre, Posaune und das absurd laute, von ihm erfundene „Gaffophone“ (deutsch: „Gastophon“ oder auch „Brontosaurophon“).

Im Laufe der Geschichten hat er mehrere Haustiere: einen Igel, eine Katze, eine Lachmöwe mit Namen Har-Har, einen Goldfisch mit Namen Blubblub und eine Mäusefamilie, die in einem Aktenordner wohnt. In einer Folge gewinnt er sogar eine Kuh, für die er sein Büro grün anstreicht. In einer anderen rettet er in einem Restaurant einen Hummer vor dem Kochtopf. All diese Tiere stiften Wirbel und Chaos in der Redaktion. In einer weiteren Folge wird ihm der Papagei seiner Tante anvertraut und sogar eine Schildkröte, die aus dem 6. Stock des Carlsen-Verlags dem streifegehenden Wachtmeister Knüsel unverletzt auf den Kopf fällt.

Auch mit Wachtmeister Knüsel hat Gaston viel zu tun. Meist wird er als Polizist dargestellt, der nur darauf aus ist, an Gaston Strafzettel und dergleichen zu verteilen. Teils hat Gaston das Nachsehen, aber auch Knüsel bekommt sein Fett ab, z. B. als Gastons Möwe in letzter Sekunde noch eine Münze in den Parkautomaten schmeißt.

Charaktere[Bearbeiten]

  • Herr Carlsen (im Original: Monsieur Dupuis), der Chef des Verlags, der allerdings nur entweder per Telefon in Erscheinung tritt, oder von dem man nie das Gesicht sieht (erster körperlicher Auftritt in Sketch Nr. 207)
  • der Redakteur Fantasio (im Original ebenfalls Fantasio), welcher nach Sketch Nr. 480 aus der Serie ausscheidet (interne Begründung, er sei nun im Außendienst)
  • der Vorgesetzte Demel (im Original: Léon Prunelle), welcher in Sketch Nr. 481 Fantasio als Redaktionschef ablöst (erster Auftritt Sketch Nr. 207)
  • der cholerische Geschäftspartner Herr Bruchmüller (Aimé de Mesmaeker) (erster Auftritt Sketch Nr. 109)
  • Fräulein Trudel (Mademoiselle Jeanne), die in Gaston verliebt ist, ihn bewundert und verehrt (erster Auftritt Sketch Nr. 224)
  • der Zeichner Krause (Yves Lebrac) (erster Auftritt Sketch Nr. 207)
  • der Buchhalter Herr Bolte (Joseph Boulier) (erster Auftritt Sketch Nr. 195)
  • Polizist Knüsel (Joseph Longtarin) (erster Auftritt Sketch Nr. 191)
  • Alfons (Jules-de-chez-Smith-en-face), ein Kumpel von Gaston, der sein Büro direkt auf der anderen Straßenseite hat (erster körperlicher Auftritt Sketch Nr. 458)
  • Felix Pannemann/Knoop (Bertrand Labévue), Gastons Cousin, der (wie Franquin) zu Depressionen neigt (erster Auftritt Sketch Nr. 347)

Veröffentlichungsgeschichte[Bearbeiten]

In Deutschland wurden die Gaston-Comics zuerst vom Kauka Verlag in Fix und Foxi abgedruckt. Gaston hieß dort Jo-Jo, und ihm wurde ein starkes Stottern angedichtet. Ab Anfang der 80er Jahre erschien Gaston im Carlsen Verlag (zeitweise in der Sparte Semic), diesmal mit korrekter Übersetzung. Nachteilig war an dieser Veröffentlichung das völlige Durcheinander in der Chronologie. Dieses Problem wurde schließlich mit der Neuauflage Gesammelte Katastrophen ab 1993 behoben. Die letzte deutsche Ausgabe dieser Auflage erschien bis 2001 bei Carlsen-Comics.

Seit Juli 2008 veröffentlicht der Carlsen Verlag nunmehr die einzelnen Bände im Monatsrhythmus neu. Dabei wurde die Übersetzung noch einmal überarbeitet, um sie näher an das Original heranzubringen und die Namen, welche teilweise in der Serie durcheinander gingen, zu vereinheitlichen. Zudem wurde noch einmal der Inhalt überarbeitet. So sind einige Sketche, welche bei vorherigen Auflagen nur in neu gezeichneten Versionen zu sehen waren, nun in den Originalversionen restauriert worden; das Zusatzmaterial, teilweise nie in Deutschland veröffentlicht, wurde an die chronologisch korrekten Stellen gesetzt und die Kolorierung überarbeitet sowie das Lettering vereinheitlicht.

Bände[Bearbeiten]

  • Gaston 2 Bände (Carlsen, 1981)
  • Gaston 10 Bände mit lila Einband (Carlsen/Semic, 1982-1984)
  • Gaston 16 Bände mit gelben Buchrücken (Carlsen, 1985-1993)
  • Carlsen Pocket Band 1, 14, 24, 28, 33 (Carlsen 1990-1991)
  • Gaston - Gesammelte Katastrophen 19 Bände, Hardcover mit roten Buchrücken (Carlsen, 1993-2001)
  • Gaston - Gesammelte Katastrophen 19 Bände, Softcover mit gelben Buchrücken (Carlsen, 1998-2001)
  • Gaston - F.A.Z. Comic-Klassiker, Band 18 Broschiert (FAZ, 2005)
  • 40 Jahre Carlsen Comics: Gaston Jubläums-Sonderausgabe (Carlsen, 2007)
  • Gaston - Gesammelte Katastrophen - Neuauflage (auch Gaston New Look) 19 Bände, Softcover mit gelb-rotem Buchrücken (Carlsen, ab Juni 2008)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Comic-Serie wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk des Internationalen Comic Salons Erlangen.

siehe auch: Die 100 Bücher des Jahrhunderts von Le Monde (Platz 98)

Weblinks[Bearbeiten]