Gosau-Gruppe

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Die Gosau-Gruppe ist eine lithostratigraphische Gruppe in den Nördlichen Kalkalpen und in den östlichen Zentralalpen. Typlokalität ist Gosau im oberösterreichischen Salzkammergut. Die Gosausedimente wurden nach dem ersten Höhepunkt der Gebirgsbildung in der Mittelkreide diskordant über den Decken- und Faltenbau abgelagert.[1]

Der Muttekopf in den Lechtaler Alpen bei Imst, das mit 2774 m höchstgelegene Gosauvorkommen

Die Gosausedimente sind das Ergebnis eines Transgressionszyklus, der in der Oberkreide nach einer Schichtlücke im Turonium im Coniacium eingesetzt hat. Die Sedimente der Gosau-Gruppe reichen im Paläogen bis ins untere Eozän. Die Ablagerungen der Gosau-Gruppe sind in der Zeit der Gebirgsbildung in der Kreidezeit, der sogenannten Kreideorogenese entstanden, die den Ostalpenraum erfasst hatte. Große Bereiche der archipelartigen Landschaft ragten damals aus dem Meer und deshalb bedecken die Sedimente nur Teile der Nördlichen Kalkalpen. Gosauische oder damit verwandte Sedimente finden sich neben den Nördlichen Kalkalpen und vereinzelt in den östlichen Zentralalpen laut Alexander Tollmann auch in den Karpaten, Südalpen, Dinariden und noch weiter südöstlich im mediterranen Raum. Entsprechend der Bildung in verschiedenen Becken schwankt die Mächtigkeit der Gosausedimente stark, bei Gosau erreichen sie eine Mächtigkeit von 2600 Metern, bei Gams und bei Grünbach ist die Gosau-Gruppe bis zu 2200 Meter mächtig.[2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Gosau als stratigraphischer Begriff wurde 1782 von J. Bohadsch eingeführt. Die britischen Geologen A Sedgwick und R. J. Murchison erstellten 1829 eine erste grobe Gliederung der Gosau in ihren beiden Arbeiten On the Overlying Deposits of the Vale of Gosau in the Salzburg Alps und On the Tertiary Formations which range along the Flanks of the Salzburg and Bavarian Alps; being a continuation of the memoir "On the Valley of Gosau". In den Jahren 1930 und 1931 folgte dann noch ihre Arbeit A Sketch of the Structure of the Eastern Alps; with Sections through the Newer Formations on the Northern Flanks of the Chain, and through the Tertiary Deposits of Styria, &c. &c- With Supplementary Observations, Sections, and a Map. Aufbauend auf die Arbeiten der beiden Briten veröffentlichte August Emanuel von Reuss seine Beiträge zur Charakteristik der Kreideschichten in den Ostalpen, besonders im Gosauthale und am Wolfgangsee.[5][6]

Vorkommen[Bearbeiten]

Gosauvorkommen in den Nördlichen Kalkalpen gibt es im Bereich der Lechtaler Alpen westlich von Imst, die sogenannte Muttekopfgosau, im Tiroler Unterland im Bereich des Brandenberger Tales, im Raum Wörgl und bei Kössen, im Raum der Stadt Salzburg bis Bad Reichenhall sowie im Bundesland Salzburg im Bereich des Wolfgangsees, in Oberösterreich bei Gosau im Salzkammergut, im Raum Windischgarsten, bei Laussa bis Großraming im Reichraminger Hintergebirge, in der Steiermark bei Wörschachwald am Südrand des Toten Gebirges, bei Mariazell und bei Gams bei Hieflau. In Niederösterreich gibt es Gosauvorkommen unter anderem bei Grünbach am Schneeberg sowie bei Gießhübl. Daneben gibt es noch zahlreiche kleine und kleinste Gosauvorkommen. Im zentralalpinen Bereich gibt es westlich von Graz die Kainacher Gosau und in Kärnten die Krappfeldgosau. Aufgrund von tektonischen Vorgängen und Erosion entsprechen die heutigen Gosauvorkommen nicht mehr ihrer ursprünglichen Ausbreitung.

Untergliederung[Bearbeiten]

Die Sedimentation der Gosausedimente in verschiedenen Becken erschwert eine lithostratigraphische Zuordnung der verschiedenen Einheiten, die außerdem oft zu verschiedenen Zeiten abgelagert wurden. So gibt es Formationen, die sich nur auf eine oder wenige Gosauvorkommen beschränken, andere Formationen hingegen, wie die konglomeratische Kreuzgraben-Formation oder die am Beckenabhang entstandene Nierental-Formation sind in mehreren Gosauvorkommen ausgebildet.

Die Gruppe wird in eine Untere Gosau-Subgruppe und eine Obere Gosau-Subgruppe unterteilt.

Am Beginn der gosauischen Transgression, meist im Coniacium bildete sich ein Basiskonglomerat, die Kreuzgraben-Formation. An einigen Lokalitäten, wie etwa bei Grünbach, erfolgte die erste Transgression später, im Santonium. Auf diese Konglomerate folgen dann meist fossilreiche Sandsteine, Mergel und Kalke einer Flachwasserfazies. Teilweise sind auch Kohleflöze zu finden, wie in der Gosau von Grünbach. Nach einer kurzzeitigen Phase der neuerlichen Heraushebung und Erosion, der sogenannten Intragosauischen Phase, kam es im oberen Campanium zu einem raschen Absinken der Kalkalpen. Die Sedimente der Oberen Gosau wie die Zwieselalm-Formation, die Gießhübl-Formation oder die Brunnbach-Formation, sind damit häufig Tiefwasserbildungen, die teilweise unter der Calcit-Kompensationstiefe gebildet wurden.[7] Für die obere Gosau wird daher manchmal die Bezeichnung Flyschgosau verwendet, häufig liegt die obere Gosau diskordant auf der unteren Gosau.

Abfolge der Gosaugruppe an einigen Lokalitäten:

Typlokalität Gosau[Bearbeiten]

Salzburg - Bad Reichenhall[Bearbeiten]

  • Basale rote Konglomerate (Kreuzgraben-Formation)
  • Sandsteine und sandige Mergel (Glanegger Schichten)
  • detritäre Karbonate (Untersberg-Formation)
  • Mergel mit Tempestiten (Grabenbach-Formation)
  • Tiefwassersedimente (Nierental-Formation)[9]

Laussa - Großraming[Bearbeiten]

Gastropodenreicher Sandstein in einem kleinen Gosauvorkommen im Seebachtal bei Lunz am See

Fossilführung[Bearbeiten]

Bekannt geworden ist die Gosau-Gruppe nicht zuletzt durch ihren teilweise außerordentlichen Fossilreichtum. So ziert nach dem Fund eines fast einen Meter großen Riesenammoniten Parapuzosia seppenradensis im Jahr 1971 seit dem Jahr 1979 ein Ammonit das Gemeindewappen von Gosau.[11]

Neben Ammoniten kommen Actaeonellen, Nerineen und andere Gastropoden sowie auch verschiedene Korallen besonders häufig als Fossilien vor. Muscheln wie Rudisten, vor allem Hippuritoidea, kommen zum Teil in einem riffbildenden Ausmaß vor. Wertvolle Mikrofossilien hinsichtlich einer Zonengliederung sind Foraminiferen.[12]

Ein Zeuge des ehemaligen Steinkohlebergbaus in Grünbach am Schneeberg

Bodenschätze[Bearbeiten]

An der Basis der Gosaugruppe befindet sich an einigen Orten Bauxit, der sich unter tropischen Bedingungen im Turonium bildete. Am bekanntesten ist das Bauxitvorkommen bei Unterlaussa, das bis 1964 abgebaut wurde.

In Regressionsphasen bildete sich an einigen Orten in den Nördlichen Kalkalpen aber auch in den Zentralalpen Kohle. Die gosauische Kohle von Grünbach bildete die wichtigste Steinkohlelagerstätte Österreichs[13] und wurde von etwa 1825 bis 1965 abgebaut.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Faupl: Historische Geologie, 2. Auflage, Verlag UTB 2009, ISBN 3-8252-2149-0, Seite 185.
  2. Alexander Tollmann: Analyse des klassischen nordalpinen Mesozoikums. Stratigraphie, Fauna und Fazies der Nördlichen Kalkalpen, Teil II der Monographie der Nördlichen Kalkalpen, Verlag Deuticke, Wien 1976, ISBN 3-7005-4412-X, Seite 400ff.
  3. O. Adrian Pfiffner: Geologie der Alpen, Haupt Verlag, Bern 2009, ISBN 978-3-8252-8416-9, Seite 284.
  4. Geologische Kartierung der Gosaumulden von Rigaus und Schorn; Tennengau/ Salzburger Land; abgerufen am 8. August 2009.
  5. Harald Lobitzer: Die Erforschung des Gosau-Vorkommens von Rußbach am Paß Gschütt vom 18. Jh. bis heute. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt, Bd.72. 2008. PDF-File
  6. Alexander Tollmann: Analyse des klassischen nordalpinen Mesozoikums. Stratigraphie, Fauna und Fazies der Nördlichen Kalkalpen, Teil II der Monographie der Nördlichen Kalkalpen, Verlag Deuticke, Wien 1976, ISBN 3-7005-4412-X, Seite 400ff.
  7. Peter Faupl, Historische Geologie, 2. Auflage UTB 2009, ISBN 3-8252-2149-0, Seite 185ff.
  8. Stratigraphische Tabelle von Österreich 2004 PDF-File
  9. Michael Wagreich: The Grabenbach Formation (Gosau Group, Santonian - Lower Campanian) in the Lattengebirge (Germany): lithostratigraphy, biostratigraphy and strontium isotope stratigraphy. In: Werner E. Piller: Stratigraphia Austria, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3180-1, Seite 141.
  10. Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000, Blatt 69, Großraming, Geologische Bundesanstalt 1999.
  11. Die Bergung des Riesenammoniten von Gosau; abgerufen am 12. August 2009.
  12. Alexander Tollmann: Analyse des klassischen nordalpinen Mesozoikums. Stratigraphie, Fauna und Fazies der Nördlichen Kalkalpen, Teil II der Monographie der Nördlichen Kalkalpen, Verlag Deuticke, Wien 1976, ISBN 3-7005-4412-X, Seite 413ff.
  13. R. Oberhauser, F. K. Bauer: Der Geologische Aufbau Österreichs, Springer-Verlag, Wien 1980, ISBN 978-3-211-81556-4, S. 549. PDF-File; abgerufen am 9. August 2009.
  14. Geschichte des Grünbacher Bergbaus PDF-File; abgerufen am 10. August 2009.