Gottfried Claes Carl Hagenbeck

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Gottfried Claes Carl Hagenbeck, um 1880

Gottfried Claes Carl Hagenbeck (auch Clas, * 13. März 1810 in Hamburg; † 3. Oktober 1887 dortselbst) war ein erfolgreicher Hamburger Fischhändler, Tierschausteller und Begründer eines Tierhandels, den sein Sohn Carl Hagenbeck (1844–1913) zu einem internationalen Familienunternehmen und einem Tierpark ausbaute.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Gottfried Claes Carl Hagenbeck wurde 1810 als unehelicher Sohn des flämischen Tapetenfabrikanten François Hagenbeck und der Louise Juliane Richersen in Hamburg geboren.[1] Er betrieb in der Großen Petersenstraße 16 (der heutigen Lincolnstraße) in Hamburg-St. Pauli eine Fischräucherei. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt nach den Napoleonischen Kriegen prosperierte auch Hagenbecks Fischhandel, so dass er Fischer unter Vertrag nahm, die ihm exklusiv ihre Fänge aus der Elbe und von hoher See ablieferten. Neben der Räucherei verarbeitete er den Laich der Störe, die im Frühjahr die Elbe heraufschwammen, zu sogenanntem „Elbkaviar“, der weitaus billiger zu haben war als der kostspielige russische. Gute Geschäfte machte Gottfried Hagenbeck zudem mit Aalen, die einer seiner Kunden, der Straßenhändler „Aalweber“ (der eigentlich Karl Weber hieß), vor dem Fischladen in Versen anpries, wodurch er seinen Spitznamen bekam. Der Schauspieler Friedrich Eduard Dannenberg, der bei Hagenbeck im Haus wohnte und sich etwas Geld damit verdiente, mit einer Glocke in der Hand städtische Verordnungen bekannt zu machen, warb bei der Gelegenheit auch für Hagenbecks Räucherfische.[2]

Nach Heinrich Leutemann: Bad der Seehunde des Gottfried Hagenbeck

Im Jahr 1848 fingen Fischer, die für Gottfried Hagenbeck arbeiteten, sechs Seehunde, die dieser in einem Bottich gegen Geld zur Besichtigung feilbot. Die Einnahmen veranlassten ihn, die Seehunde infolge in Berlin ebenfalls zur Schau zu stellen; er verkaufte sie anschließend an einen Schausteller, der die Tiere als „Seejungfrauen“ auftreten ließ. Hagenbeck, der eine kleine Menagerie besaß, zu der Ziegen und Hühner, aber auch – von Seeleuten mitgebracht - ein Affe und ein sprechender Papagei gehörten, begann, insbesondere zu Zeiten des Doms, des weihnachtlichen Jahrmarkts, Tiersensationen zur Anschauung zu bringen. So zeigte er zum Beispiel einen rasierten Eber als „nacktes Riesenschwein“[3] oder ein „Lama“, das indes ein Reh aus der Lüneburger Heide war.[4]

1852 wurde ihm vom Kapitän eines Walfängers ein ausgewachsener Eisbär angeboten, den er für 350 Taler erwarb. Er stellte das Tier zunächst in seiner Fischhandlung aus. Er pachtete 1856 von Theodor Hünemerder das „Lemlersche Karussell“ und das „Hundiussche Naturalienkabinett“ auf dem Spielbudenplatz[5], wo er den Eisbären unter anderem zusammen mit Hyänen, Waschbären, und Pavianen ausstellte und einen Recommandeur für den Bären Reklame laufen ließ. 1857 kaufte er dem österreichischen Forschungsreisenden Josef Natterer (1819–1862) wilde Tiere aus dem Sudan ab, darunter Löwen, Leoparden und Gazellen, die er von Wien nach Hamburg verfrachtete und an Zoos und Wandermenagerien weiterverkaufte. In Annoncen, die zur Schau und zum Verkauf einluden, firmierte das Unternehmen nunmehr als „C. Hagenbecks Handlungs-Menagerie St. Pauli“ auf dem Spielbudenplatz. [6]

Am 1. Januar 1866 übergab Hagenbeck das Geschäft an seinen Sohn Carl, der bereits seit 1859 dort mitgearbeitet hatte; Gottfried Claes Carl Hagenbeck starb 1887. Im Frühjahr hatte ein Sturm das erste Zelt von „Carl Hagenbeck's Internationaler Circus und Singhalesen-Karawane“ zerstört, in dem der Sohn seine Völkerschau ins Zirkusformat brachte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Hagenbeck: Von Tieren und Menschen. Erlebnisse und Erfahrungen. Vita, Berlin 1908.
  • Haug von Kuenheim: Carl Hagenbeck. Ellert & Richter, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8319-0182-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 85, 1999; S. 289
  2. Haug von Kuenheim: Carl Hagenbeck (2007), S. 17
  3. Carl Hagenbeck: Von Tieren und Menschen (1908), S. 38
  4. Haug von Kuenheim: Carl Hagenbeck (2007); S. 22
  5. Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 85, 1999; S. 289
  6. Haug von Kuenheim: Carl Hagenbeck (2007), S. 23-27