Höhlen von Postojna

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Höhle von Postojna
Der Stalagmit Brilliant, ein Wahrzeichen der Höhlen von Postojna

Der Stalagmit Brilliant, ein Wahrzeichen der Höhlen von Postojna

Lage: Postojna, Slowenien f3
Geographische
Lage:
45° 46′ 58,2″ N, 14° 12′ 14″ O45.7828214.20388Koordinaten: 45° 46′ 58,2″ N, 14° 12′ 14″ O
Höhlen von Postojna (Slowenien)
Höhlen von Postojna
Typ: Tropfsteinhöhle
Besucher aktuell: 548.442 (2008)[1]
Besonderheiten: besucherstärkste Schauhöhle Europas
Website: Offizielle Seite
Schild am Eingang der Besucherhöhle
Die Adelsberger Grotte nach einer Zeichnung von Michael Sachs (1885)
Haus am Eingang zur Grotte

Die Höhlen von Postojna (slowenisch: Postojnska jama, italienisch: Grotte di Postumia, deutsch: Adelsberger Grotte) liegen in der Nähe der slowenischen Stadt Postojna (deutsch: Adelsberg, italienisch: Postumia). Im dortigen Karstgebiet befinden sich die zweitgrößten für Touristen erschlossenen Tropfsteinhöhlen der Welt (nach der Jeita-Grotte im Libanon). Der erschlossene und ganzjährig für den Tourismus geöffnete Teil umfasst über 20 km an Höhlengängen und wird zum Teil mit einem Zug befahren.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Höhlensystem besteht aus drei Hauptebenen – auf der untersten fließt noch heute der Fluss Pivka. Mit der Höhle von Postojna durch den unterirdischen Lauf der Pivka zu einem Höhlensystem verbunden sind Pivka Jama, Otoska Jama, Magdalena Jama, Črna Jama und Planinska Jama. In der Nähe des Höhlensystems von Postojna befinden sich noch zahlreiche andere Tropfsteinhöhlen, hier sind hervorzuheben die von der UNESCO als Weltnaturerbe geschützten Höhlen von Škocjan und in Italien die Grotta Gigante bei Triest.

In einem Becken im Eingangsbereich waren bis 2008 einige Exemplare des Grottenolms (Proteus anguinus) zu besichtigen; dieser blinde Schwanzlurch kommt natürlicherweise nur in der Karstwelt des Dinarischen Gebirges vor, so auch in der Höhle von Postojna. Inzwischen wurden die in dem Becken gehaltenen Tiere in das „Vivarium Proteus“ überführt, welches sich 100 Meter vor dem Höhleneingang befindet.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Höhlensystem von Postojna ist der obere Teil des stark durch den Karst geprägten Einzugsgebietes der Ljubljanica und ist mindestens seit dem frühen Pleistozän durch die Pivka, den Hauptabfluss des Pivka-Beckens und ihre unterirdischen Zuflüsse geschaffen worden.[2] Datierungen der im Höhlensystem abgelagerten Sedimente ergaben ein Alter von bis zu 0,9 Millionen Jahren.[3] Die Entstehung der Höhlen hängt damit zusammen, dass am Südwestrand des Pivka-Beckens der wenig wasserdurchlässige eozäne Flysch im Untergrund des Beckens gegen mächtige Kalksteinschichten der Kreide grenzt, die einen oft sehr reinen Kalkstein aufweisen, der ungleich stärker durch Wasser aufgelöst wird als die Sandsteine und Tonsteine des Flyschs.

Das zunächst oberflächlich abfließende Wasser drang entlang von Klüften und Störungszonen in das Kalkgestein vor und führte zur Entstehung von Höhlen, die eine Verlagerung des Gewässernetzes in den Untergrund erlaubten. Unterstützt wurde dieser Ablauf durch tektonische Vorgänge, die zum Absinken und Aufsteigen der geologischen Einheiten gegeneinander führten, so dass das Wasser sich ständig neue Wege suchen musste. Die jeweils aktiven Höhlenabschnitte wurden darüber hinaus durch die von der Pivka und ihren Vorgängerflüssen mitgeführten Sand-, Kies- und Geröllmassen erweitert.[2]

Der Verlauf der Höhlengänge des Postojna-Höhlensystems zeigt zwei Hauptrichtungen. Ein großer Teil der Gänge verläuft deutlich in Nordwest-Südost-Richtung und damit parallel zu tektonischen Störungen im Höhlengebiet. Ein zweiter Teil steht etwa senkrecht dazu und ist stärker verzweigt als der andere Teil.[4]

Erschließung und Nutzung der Höhlen[Bearbeiten]

Für das Jahr 1213 ist der erste Besuch in der Höhle belegt. Im 16. Jahrhundert erreichten die Besuche einen ersten Höhepunkt. Im Jahre 1689 beschrieb Johann Weichard von Valvasor die Höhle in seinem Werk „Die Ehre dess Hertzogthums Crain“. 1818 wurde das erste Licht installiert, Wege wurden angelegt und neue Teile der Höhle entdeckt. Im Jahre 1819 besuchte der Habsburger Erzherzog Ferdinand die Höhle. Im Jahre 1824 fanden die ersten Tanzveranstaltungen in der „Kongresna Dvorana“ („Kongresshalle“) statt. Seit der Fertigstellung der Eisenbahn Wien–Laibach–Triest im Jahre 1857 erhöhte sich die Zahl der Besucher beträchtlich. Die erste Höhlenbahn wurde im Jahre 1872 angelegt. Im Jahre 1884 wurde elektrisches Licht installiert, das in den Jahren 1901 und 1928 modernisiert wurde. Im Jahre 1914 wurden Lokomotiven mit Verbrennungsmotor eingesetzt, die 1959 durch eine elektrische Bahn ersetzt wurden.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Grotte ein Postamt errichtet. Im März 1915 wurde dieses offizielle Postamt durch das k.u.k. Feldpostamt 81 ersetzt. Zur Erinnerung an dieses Postamt wurde im Jahr 2013 von der österreichischen und der slowenischen Post eine Gemeinschaftsbriefmarke herausgegeben.[5]

Im Ersten Weltkrieg wurde die so genannte „Russische Brücke“ von russischen Kriegsgefangenen zur Erschließung weiterer Höhlenbereiche gebaut. Der Berliner Komponist Helmuth Sommer (1911–1993) schrieb während der Kriegsgefangenschaft im damaligen Jugoslawien das Werk Jugoslawische Skizzen. Im ersten Satz (s. Weblink) gelingt es ihm eindrucksvoll, die Stimmung in der Grotte wiederzugeben.

In den 1960er-Jahren fanden in den Höhlen Dreharbeiten zu den Kinofilmen Winnetou 2. Teil und Die Nibelungen statt. Am 12. September 1965 wurde der IV. Internationale Speläologische Kongress in der „Kongresna Dvorana“ abgehalten. 1968 wurden die heute noch bestehenden Wege angelegt.

Im Jahr 2008 lag die Besucherzahl bei 548.442.[1]

Im Jahr 2013 wurde zum 800. Jahrestag der Besuche in den Höhlen eine 2-Euro-Gedenkmünze herausgegeben.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matjaž Berčon (Hrsg.): Die Höhlen von Postojna – Touristenführer. Postojnska jama, turizem AG, Postojna 2007, ISBN 978-961-6466-15-8.
  • Alfred Serko, Ivan Michler: Die Grotte von Postojna (Adelsberger Grotte) und sonstige Sehenswürdigkeiten des Karstes, zweite, ergänzte Auflage, Verlag des Unternehmens Postojnska jama, Ljubljana 1958 (slowenisch 1952).
  • Peter von Radics: Adelsberg und seine Grotten. Eine historisch-topographische Schilderung des Ortes, seiner Grotte und der nächsten, in seiner Umgebung befindl. Sehenswürdigkeiten. Literarisch-Artistische-Abtheilung des Österreichischen Lloyd, Triest 1861
  • Adolf Schmidl: Zur Höhlenkunde des Karstes. Die Grotten und Höhlen von Adelsberg, Lueg, Planina und Laas. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, Wien 1854 (Mit Beiträgen von A. Pokorny, J.R. Schiner und W. Zippe) (Google Books)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Die beliebtesten Sehenswürdigkeiten Sloweniens. Abgerufen am 20. November 2010.
  2. a b France Šušteršič: Relationships between deflector faults, collapse dolines and collector channel formation: some examples from Slovenia. In: International Journal of Speleology. Bd. 35, Nr. 1, Januar 2006, S. 1-12.
  3. Stanka Šebela, Ira D. Sasowsky: Age and Magnetism of Cave Sediments from Postojnska jama cave system and Planinska jama cave, Slovenia. In: Acta carsologica. Bd. 28, Nr. 2 1999, S. 293-305.
  4. Francois Zahlen (Hrsg.): Vulnerability and Risk Mapping for the Protection of Carbonate (Karst) Aquifers. European Commission, Directorate General, Science, Research and Development, 2003. Karte des Höhlensystems auf S. 10
  5. Eintrag zu Sondermarkenblock „Adelsberger Grotte, Höhlenpostamt 1899“ in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (als Briefmarkendarstellung) abgerufen am 16. Februar 2013
  6. Banka Slovenije: 800th anniversary of visits to Postojna Cave (englisch) Abgerufen am 4. Februar 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Postojnska jama – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien