Hackerethik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Hackerethik der Hacker am MIT. Für Ethik im Bereich der Computersicherheit siehe Hackermanifest und White Hat

Die Hackerethik bezeichnet eine Sammlung ethischer Werte, die für die Hackerkultur ausschlaggebend sein sollen. Für diese Ethik gibt es mittlerweile verschiedene Definitionen. Zentrale Werte in den verschiedenen Aufstellungen sind Freiheit, Kooperation, freiwillige und selbstgewählte Arbeit sowie Teilen.

Steven Levy prägt den Begriff in seinem Buch Hackers von 1984, und stellte eine erste Sammlung von Grundsätzen der Hackerethik auf. Sie dokumentierte nach Levy den Eindruck über die Werte der frühen Hackerszene am MIT. Diese Hackerethik ist nach der Interpretation des Jargon File die Überzeugung, dass das Verbreiten von Software und technischer Dokumentation gut und richtig ist; die ethische Pflicht eines Hackers besteht darin, sein Wissen durch das Schreiben von Software und technischer Dokumentation weiterzugeben.[1]

Definition von Levy[Bearbeiten]

Levy beschrieb in seinem Buch Hackers die Jugendlichen, die in den 1960ern am MIT eine neue – um Computer zentrierte – Subkultur entwickelten. Diese spiegelte zum einen die Faszination der Technik wider, den Elitegedanken des MITs sowie ein starkes Freiheitsstreben. Diese Hackerethik betonte die Freiheit sich selbst auszudrücken, und jede Technik zu erforschen, und zum Besseren zu verändern, die einem in die Finger kam. Sie betonte Werte von Austausch und Zusammenarbeit.[2] Levy leitete aus den Werten der Hacker mehrere Grundsätze ab:[3]

  1. Der Zugang zu Computern soll grenzenlos und total sein.
  2. Alle Informationen sollen frei sein.
  3. Autorität sollte misstraut werden, Dezentralisierung ist zu bevorzugen.
  4. Hacker sollten nur nach ihrer Fähigkeit zu hacken beurteilt werden, nicht nach Kriterien wie Rasse, Klasse, Alter, oder Stellung.
  5. Computer können benutzt werden, um Kunst und Schönheit zu schaffen.
  6. Computer können Dein Leben zum Besseren wenden.

Spätere Entwicklungen[Bearbeiten]

Verbreitung fand der Begriff der Hackerethik, und Diskurse, die sich auf die von Levy aufgestellten Grundsätze bezogen, seit Mitte der 1980er.[3] Während die ursprüngliche Hacker-Ethik sich am MIT entwickelte, begannen in den 1980ern die Grundsätze der Hackerethik auf die weitere Welt anzupassen. Anhänger einer solchen Ethik bezogen sich ebenso auf die Grundsätze von Freiheit, Offenheit, und Zusammenarbeit, luden diese aber oft stärker politisch und kulturell auf.[2]

Teilen und Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Die frühen Hacker am MIT hatten an universitätseigenen Maschinen gearbeitet, die größtenteils durch das ARPA finanziert wurden. Erste Computerclubs in Kalifornien waren meist von Hobbyisten gegründet, die mit ihrem Hobby keine finanziellen Absichten verbanden. Als sich in den frühen 1980ern abzuzeichnen begann, dass Mikrocomputer und Software für diese ein erfolgversprechendes Marktsegment würden, und sich die Kommodifizierung von Hard- und Software abzuzeichnen begann, änderten sich die Rahmenbedingungen der Hackerethik. Viele ehemalige Mitglieder der Szene standen plötzlich im Wettbewerb miteinander; die Verhaltensweise, Informationen nicht weiterzugeben und Geheimnisse zu bewahren, konnte sich zumindest kurzfristig finanziell auszahlen.[4]

Computersicherheit[Bearbeiten]

Sie wurde auch von der Hackerszene im Bereich der Computersicherheit aufgegriffen, in diesem Kontext neu interpretiert, teilweise erweitert und als Arbeitsethik aufgefasst, die sich mit dem moralischen Umgang mit Informationen, wie in der Informationsethik auseinandersetzt. Wenn auch nicht als Hackerethik bezeichnet, stammen den Mitte der 1980ern theoretische Ansätze, die sich deutlich aus dieser Herleiten: das Hackermanifest von 1986, die Maxime Information wants to be free von 1984 von Stewart Brand oder das Genocide2600 Manifesto.[3]

Die Hackerethik[5] nach Wau Holland und dem CCC stellt eine Erweiterung der von Steven Levy dokumentierten Punkte dar und eine Uminterpretation im Kontext der Computersicherheit. Danach soll das Eindringen in Computersysteme zum Zweck des Vergnügens und der Wissenserweiterung akzeptabel sein, solange keine Daten gestohlen oder verändert werden.

Eric S. Raymond definierte 1996 die Hackerethik über zwei Grundsätze: Zum einen sei dies die Verpflichtung, Informationen zu veröffentlichen und weiterzugeben. Zum anderen sei es der Glaube, dass das Eindringen in und Hacken von Systemen gerechtfertigt sei, solange damit kein Schaden angerichtet werde. Während der erste Grundsatz in der Hacker-Szene unumstritten war, und sich beispielsweise durch Freie Software verbreitete, sei der zweite keineswegs unumstritten akzeptiert worden.[6]

Himanen[Bearbeiten]

Der finnische Autor Pekka Himanen versuchte sich 2001 im gleichnamigen Buch an einer Neuformulierung der Hackerethik. Himanen definiert einen Hacker als jemand, der seiner Leidenschaft folgt, in der er sich selbst erfüllen kann, und der dabei etwas Gutes für alle schafft. Für Himanen ist die Hackerethik eine neue Arbeitsethik, die die Protestantische Arbeitsethik in Frage stellt. Im Gegensatz zur Kontrolle, die die protestantische Arbeitsethik betont, steht in der Hackerethik Austausch und Freiheit, die zu Wohlstand für alle führen.[7]

Himanen führt die Hackerethik auf Platon und die Werte der wissenschaftlichen Gemeinschaft zurück. Er bezieht sich dabei auf Platons Aussage, dass sich wahre Erkenntnis plötzlich ergibt und nur dann, wenn man zusammenlebt und oft und familiär miteinander kommuniziert. Für Himanen ähnelt der Codex der Hacker sehr dem Idealbild der Wissenschaft, das sich historisch als überlegen zur Wissensgenerierung und Weitergabe erwiesen hat.[8]

Rezeption[Bearbeiten]

Die Vereinbarkeit der Interpretation der von Levy dokumentierten Hackerethik durch den CCC und der Interpretation, die das Jargon File vertritt, ist umstritten.[9]

Der Softwareentwickler Richard Stallman behauptet, dass das Hacken und Ethik zwei getrennte Angelegenheiten seien.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pekka Himanen: Die Hacker-Ethik und der Geist des Informations-Zeitalters. Riemann, München 2001, ISBN 3-570-50020-9.
  • Markos Themelidis: Open Source – Die Freiheitsvision der Hacker. Books on Demand, 2005, ISBN 3-8334-2883-X
  • Steven Levy: Hackers. 1984, ISBN 0-440-13405-6
  • Boris Gröndahl: Hacker. Europäische Verlagsanstalt / Rotbuch Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-434-53506-3
  • Christian Imhorst: Die Anarchie der Hacker – Richard Stallman und die Freie-Software-Bewegung. Tectum Verlag, Marburg 2004, ISBN 3-8288-8769-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. catb.org
  2. a b Douglas Thomas: Hacker Culture. University of Minnesota Press, 2003, ISBN 0-8166-3346-0, S. 15
  3. a b c Jason Whittacker: The cyberspace handbook. Routledge, 2004, ISBN 0-415-16835-X
  4. Douglas Thomas: Hacker Culture. University of Minnesota Press, 2003, ISBN 0-8166-3346-0, S. 19
  5. ccc.de
  6. Eric S. Raymond: The new hacker’s dictionary. MIT Press, 1996, ISBN 0-262-68092-0, S. 234
  7. Petra Steinmair-Pösel: Passions in economy, politics, and the media. LIT Verlag, Münster, 2005, ISBN 3-8258-7822-8, S. 333
  8. Petra Steinmair-Pösel: Passions in economy, politics, and the media. LIT Verlag, Münster, 2005, ISBN 3-8258-7822-8, S. 334
  9. heise.de
  10. Die Hacker-Community und Ethik: Ein Interview mit Richard M. Stallman, 2002 (englisch)