Wau Holland

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Wau Holland, 2000

Wau Holland (eigentlich Herwart Holland-Moritz; * 20. Dezember 1951 in Kassel; † 29. Juli 2001 in Bielefeld) war ein deutscher Journalist und Computer-Aktivist.

Leben[Bearbeiten]

Holland wurde in Kassel geboren und zog mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren nach Marburg, wo er die Schule besuchte und an der Philipps-Universität ein Studium begann, aber nicht abschloss.[1] Holland gehörte 1981 zu den Gründern des Chaos Computer Clubs (CCC), eines der ältesten Hackerclubs. Ab 1983 arbeitete er als Kolumnist bei der Berliner Tageszeitung (taz), wo er regelmäßig über den entstehenden deutschen Computeruntergrund und die Mailboxszene berichtete.

1983 betreute Holland den Lichtsatz eines der frühen ganz auf dem Computer (Osborne 1) erstellten Bücher (Roland Jaeger, Cornelius Steckner: Zinnober – Kunstszene Hamburg 1919–1933. Hamburg 1983, ISBN 3-924225-00-1).

Holland war Mitbegründer des Hackermagazins des CCC Die Datenschleuder, das sich mit den Möglichkeiten globaler Informationsnetzwerke und schneller Computer beschäftigte und in den Anfangsjahren häufig Schaltpläne für selbstgebaute Modems enthielt. Das damalige Fernmeldeanlagengesetz verlangte, dass Modems eine Zulassung der Deutschen Bundespost besaßen; im Zweifelsfall wurde diese nur Modems erteilt, die die Bundespost selbst vermietete oder verkaufte. Billigere Hochgeschwindigkeitsmodems, wie sie beispielsweise in den USA gekauft werden konnten, waren verboten. „Das Anschließen eines Selbstbaumodems wurde härter bestraft als das fahrlässige Auslösen einer atomaren Explosion“, wie Wau Holland es im Rückblick ausdrückte.

Wau Holland war Funkamateur und führte das Amateurfunk-Rufzeichen DB4FA.[2]

Nicht zuletzt durch Hollands Arbeit erwarb der CCC Bekanntheit und Anerkennung. Holland hielt Vorträge über Informationskontrolle im Regierungsumfeld und im Privatsektor, er kämpfte gegen Kopierschutz und alle Formen von Zensur sowie für eine freie Informationsinfrastruktur. Die Zensurbestimmungen einiger Regierungen verglich er mit dem Verhalten der katholischen Kirche im Mittelalter, Kopierschutzmechanismen betrachtete er als Produktfehler. In seinen letzten Jahren verbrachte er viel Zeit in einem Jugendzentrum in Jena, wo er Kindern sowohl die technische als auch die ethische Seite des Hackens nahebrachte.

Holland wohnte nach der politischen Wende in Ilmenau und lehrte als Honorar-Professor an der Technischen Universität Ilmenau unter anderem Ethik in der Informatik.[3] Er war eng mit Bernd Fix befreundet.

Holland starb 49-jährig an den Folgen eines Schlaganfalls. Mit der im Januar 2004 als gemeinnützig anerkannten Wau Holland Stiftung (WHS) sollen das Lebenswerk des Namensgebers der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und Möglichkeiten geschaffen werden, die Projekte Hollands weiterzuführen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Daniel Kulla: Der Phrasenprüfer. Szenen aus dem Leben von Wau Holland. Mitbegründer des Chaos-Computer-Clubs. Pieper und The Grüne Kraft, Löhrbach 2003, ISBN 3-922708-25-0 (Der Grüne Zweig 241).

Multimediales[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://planatscher.net/wau/wau.html
  2. http://www.chaoswelle.de/Chaoswelle
  3. Interview CCC und Wau Holland, unter anderem Beitrag über sein Leben in Ilmenau