Harpune

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Die Harpune ist ein mit Widerhaken ausgestatteter Wurfspieß oder Speer, der bei der Jagd auf Fische und beim Walfang verwendet wird. Harpune ist daher ursprünglich die Bezeichnung für einen Wurfspeer für den Walfang. Die Widerhaken verhindern, dass die aufgespießten Tiere wieder vom Speer rutschen und verloren gehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Schäftung siehe: Schäftung (Vor- und Frühgeschichte)

Die ältesten Harpunen wurden in Katanda am Semliki im afrikanischen Rift Valley im Kongo gefunden. Es sind ausgefeilte Harpunen aus Knochen mit einem indirekt abgeleiteten aber noch umstrittenen Alter von etwa 90.000 Jahren. Dieses Datum ergäbe als Folgerung: Bis dahin glaubt man, dass die Cro-Magnon-Menschen 50.000 Jahre später die ersten waren, die eine feine Schnitztechnik entwickelten. Doch die weitaus ältere Gruppe verfügte über ebenso großes handwerkliches Geschick. 35.000 Jahre alt ist ein Knochenstück, aus der Matja Kuru 2-Höhle in Osttimor, mit dem die Harpunenspitze am hölzernen Schaft angebracht wurde. Es ist das älteste Relikt für die komplizierte Verbindungstechnik, die in ganz Australien und Melanesien verbreitet ist.[1] [2]

Etwa vor 15.000 Jahren wurden in Europa die ersten ablösbaren Harpunenspitzen mit Widerhaken benutzt und stellen mit den seit mindestens 18.000 Jahren nachweisbaren Speerschleudern, die wahrscheinlich weit älter sind, in ihrer Dreigliederung – ablösbare Spitze mit Widerhaken, Schaft und Speerschleuder – den Höhepunkt jungpaläolithischer Jagderfindungen dar. Harpunen mit Widerhaken wurden aus Geweihspänen oder Knochen hergestellt. Harpunen sind streng genommen nur jene Wurf- oder Stoßwaffen, deren gezähntes Kopfstück sich vom Schaft ablöst, nachdem es in den Tierleib eingedrungen ist und deren Widerhaken das Lösen aus der Beute verhindern. Das Kopfstück bleibt entweder durch eine kurze Schnur (Riemen) mit dem Schaft oder mittels eines langen Riemens mit dem Jäger (Fischer) verbunden. Harpunen haben eine quer laufende Nute oder sind durchlocht, um die Schnur zu befestigen. Ist der Drehpunkt asymmetrisch zur Längsachse, stellt sich die Harpune infolge des Zuges der Schnur mehr oder weniger quer und wirkt wie ein Anker, der selbst bei starker Belastung in der Wunde bleibt.

Eine Sonderform ist die auf das Magdalénien beschränkte Harpunenspitze auf Wurflanzen. Unklar ist, ob sich die aus Rengeweih hergestellte Harpune beim Auftreffen löste oder mit dem Schaft verbunden blieb. Spätpaläolithische, mesolithische und neolithische Harpunen sind vorwiegend aus Hirschgeweih bzw. aus langen Spänen, hergestellt. Sie wurden für den Fischfang, die Seehundjagd und die Jagd auf Landtiere verwendet. Man unterscheidet ein-, zwei- oder dreireihige Harpunen je nachdem, auf wie vielen Seiten sich Widerhaken befinden.

Neuzeit[Bearbeiten]

Die Form der Harpune reicht vom einfachen Holzspeer mit einem oder mehreren Widerhaken bis zur Stahlharpune mit kürzerem Schaft und einer langen Leine oder einem Stahlseil zum Einholen der Beute. Das andere Ende der Leine ist an der Abschussvorrichtung befestigt. Kleine Harpunen für die Unterwasserjagd (Speerfischen) werden aus gewehrähnlichen Vorrichtungen abgeschossen, während Harpunen für die Waljagd von Kanonen abgeschossen werden, die fest auf Schiffen montiert sind (nachdem der Wal getroffen wurde, wird eine Explosionsladung gezündet, welche die Widerhaken ausfährt und das Tier tötet).

In der Typographie heißt das Zeichen ↾ "Harpune". Es bezeichnet die Zugehörigkeit einer Exklave zu seinem Territorium. Zwei Harpunen, deren Schäfte zueinander weisen, definieren die Beziehung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Hahn: Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefaken. Einführung in die Artefaktmorphologie (Archaeologica venatoria; Bd. 10). Institut für Urgeschichte, Tübingen 1993, ISBN 3-921618-31-2, S.345ff.
  • Emil Hoffmann: Lexikon der Steinzeit (Beck'sche Reihe; Bd. 1325). Beck Verlag, München 1999, ISBN 3-406-42125-3, S. 158.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Harpunen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Harpune – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S. O'Connor, G. Robertson, K.P. Aplin: Are osseous artefacts a window to perishable material culture? Implications of an unusually complex bone tool from the Late Pleistocene of East Timor in Journal of Human Evolution, 15. Januar 2014, abgerufen am 23. Januar 2014
  2. Süddeutsche Zeitung: Wissen: 35000 DIE ZAHL,23. Januar 2014, abgerufen am 23. Januar 2014