Demokratische Republik Kongo

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République Démocratique du Congo (Französisch)
Republiki ya Kongó Demokratiki (Kikongo)
Ditunga dia Kongu wa Mungalaata (Tschiluba)
Repubilika ya Kongo ya Dimokalasi (Lingála)
Jamhuri ya Kidemokrasia ya Kongo (Swahili)
Demokratische Republik Kongo
Flagge der Demokratischen Republik Kongo
Wappen der Demokratischen Republik Kongo
Flagge Wappen
Wahlspruch: « Paix, Justice, Travail »
französisch für „Friede, Gerechtigkeit, Arbeit“
Amtssprache Französisch
daneben Kikongo, Lingála, Swahili und Tschiluba als Nationalsprachen
Hauptstadt Kinshasa
Staatsform Republik
Regierungssystem Semipräsidentielles Regierungssystem
Staatsoberhaupt Präsident
Joseph Kabila
Regierungschef Premierminister
Augustin Matata Ponyo
Fläche 2.344.858[1] km²
Einwohnerzahl 71.712.867[1] (2011)
Bevölkerungsdichte 31,3 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +2,77 %[2] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (Nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (Nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2010[1]
  • 11,11 Mrd. US$
  • 21,75 Mrd. US$
  • 150 US$
  • 300 US$
Human Development Index 0,304 (186.)[3]
Währung Kongo-Franc (CDF)
Unabhängigkeit 30. Juni 1960[1] (von Belgien)
Nationalhymne Debout Congolais
Nationalfeiertag 30. Juni (Unabhängigkeitstag)[1]
Zeitzone UTC+1
UTC+2
Kfz-Kennzeichen CGO[4]
ISO 3166 CD, COD, 180[5]
Internet-TLD .cd[1]
Telefonvorwahl +243[1]
Ägypten Tunesien Libyen Algerien Marokko Mauretanien Senegal Gambia Guinea-Bissau Guinea Sierra Leone Liberia Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Nigeria Äquatorialguinea Kamerun Gabun Republik Kongo Angola Demokratische Republik Kongo Namibia Südafrika Lesotho Swasiland Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Sambia Malawi Simbabwe Botswana Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Mali Burkina Faso Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Madeira Spanien Kanaren Kap Verde Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Îles Éparses Madagaskar São Tomé und Príncipe Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Antarktika Südgeorgien (Vereinigtes Königreich) Paraguay Uruguay Argentinien Bolivien Brasilien Frankreich (Französisch-Guayana) Suriname Guyana Kolumbien Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Barbados Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgisistan RusslandDemocratic Republic of the Congo on the globe (Africa centered).svg
Über dieses Bild

Die Demokratische Republik Kongo (deutsch [ˈkɔŋgo], französisch [kɔ̃ˈgo]), von 1971 bis 1997 Zaire (frz. Zaïre), abgekürzt DR Kongo, Kongo (Kinshasa) bzw. Kongo-Kinshasa oder einfach der Kongo, ist eine Republik in Zentralafrika. Sie grenzt (von Norden im Uhrzeigersinn) an die Zentralafrikanische Republik, den Südsudan, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Angola, die Republik Kongo und an den Atlantik. Die DR Kongo ist an Fläche der zweitgrößte und an Bevölkerung der viertgrößte Staat Afrikas. Das Land wird vom Äquator durchzogen; es herrscht ein tropisches Klima. Große Teile des Staatsgebietes sind von tropischem Regenwald bedeckt.

Die etwa 70 Millionen Einwohner kann man in mehr als 200 Ethnien einteilen. Es existiert eine große Sprachvielfalt, die Lingua franca ist Französisch. Etwa die Hälfte der Einwohner bekennt sich zur katholischen Kirche, die andere Hälfte verteilt sich auf Kimbanguisten, andere christliche Kirchen, traditionelle Religionen und den Islam.

Das Gebiet des heutigen Staates kam 1885 unter belgische Kolonialherrschaft. Die Herrschaft des belgischen Königs Leopold II. gilt als eines der grausamsten Kolonialregimes. Nach der Unabhängigkeit 1960 wurde es nach mehrjährigen innenpolitischen Konflikten 32 Jahre lang von Mobutu Sese Seko diktatorisch regiert. 1997 wurde Mobutu von dem Rebellenchef Laurent-Désiré Kabila gestürzt. Auf den Machtwechsel folgte ein weiterer Bürgerkrieg, der aufgrund der Verwicklung zahlreicher afrikanischer Staaten als Afrikanischer Weltkrieg bekannt wurde. 2002 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet, im Osten des Landes finden aber bis heute weiterhin Kämpfe statt. Erstmals seit 1965 fanden 2006 freie Wahlen statt.

Trotz seines Rohstoffreichtums zählt der Staat, bedingt durch jahrzehntelange Ausbeutung, jahrelange Kriege und ständige Bevölkerungszunahme, heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Human Development Index der Vereinten Nationen nahm die Demokratische Republik Kongo im Jahr 2013 zusammen mit Niger den letzten Platz ein.[3]

Landesname[Bearbeiten]

Der Name der Demokratischen Republik Kongo änderte sich in der Vergangenheit mehrfach, zeitweise verwendete das Land die gleiche amtliche Bezeichnung wie der Nachbarstaat Republik Kongo. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die historischen Bezeichnungen:

Historische Namensgebung der Territorien des Kongo

Ehemalige Belgische Kolonie Ehemalige Französische Kolonie(A) Ehemaliges Portugiesisches Protektorat
ab 1877 kolonialisiert 1880er kolonialisiert(G) ab 1885 Portugiesisch-Kongo
ab 1885 Kongo-Freistaat ab 1903 Mittelkongo
ab 1908 Belgisch-Kongo 1910 Französisch-Kongo
ab 1958 Republik Kongo
Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 Unabhängigkeit am 15. August 1960
1960 Republik Kongo (genannt Kongo-Léopoldville)
1960 Proklamation der Freien Republik Kongo durch lumumbistische Aufständische (von 26 Staaten anerkannt, nach etwa einem Jahr von Regierungstruppen zerschlagen)
1960 Kongolesische Republik (genannt Kongo-Brazzaville) 1956 Portugiesisch-Kongo unter gemeinsamer Verwaltung mit Angola
1961 Bundesrepublik Kongo (genannt Kongo-Léopoldville)[1],[2]
1964 Proklamation der Volksrepublik Kongo durch Aufständische in Stanleyville (nur von 7 Staaten anerkannt, nach wenigen Monaten von Regierungstruppen zerschlagen)
1964 Demokratische Republik Kongo (genannt Kongo-Léopoldville) [3] 1965 Republik Kongo (genannt Kongo-Brazzaville)
1966 Demokratische Republik Kongo (genannt Kongo-Kinshasa)
1971 Republik Zaïre 1969 Volksrepublik Kongo 1974 Portugiesisch-Kongo von Angola besetzt
1991/92 (Kongo-Zaïre)
Verfassungsentwurf der von Mobutu suspendierten Nationalen Souveränen Konferenz
seit 1997 Kongo Demokratische RepublikDemokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo seit 1991 Kongo RepublikRepublik Kongo Republik Kongo seit 1975 Cabinda, Provinz (Exklave) von AngolaAngola Angola
(G) 1888–1910 auch Gabun Teil von Französisch-Kongo

Naturraum[Bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten]

Das Gebiet der Demokratischen Republik Kongo umfasst als zweitgrößter Staat Afrikas 2.344.885 km² und ist somit 6,6-mal so groß wie Deutschland und 76,9-mal so groß wie die Fläche der ehemaligen Kolonialmacht Belgien.

Der Nyiragongo, einer der Virunga-Vulkane

Es liegt in Zentralafrika am Äquator. Sowohl Flora als auch Fauna sind sehr vielfältig, damit besitzt es ein sehr hohes naturräumliches Potenzial. Deshalb ist die Meinung vieler Experten, dass die Demokratische Republik Kongo heute einer der führenden afrikanischen Staaten wäre, hätte es keine Kolonialausbeutung und ethnischen Konflikte gegeben.[6]

Rund 60 Prozent des Landes nimmt das Kongobecken mit seinen tropischen Regenwäldern ein. Es ist in allen Richtungen von Bergzügen von 500 bis 1000 Meter Höhe begrenzt. Im Süden wird es vom Shaba- oder Katanga-Bergland begrenzt, das Teil der Lundaschwelle ist. Im Süden und Osten des Landes steigen die Bergzüge zu Hochgebirgen auf, wie die Mitumba-Berge und die Kundelungu-Berge im Süden und die Zentralafrikanische Schwelle und Virunga-Vulkane im Osten. Sie erreichen Höhen von bis zu 4500 Meter und sind reich an Bodenschätzen wie Kupfer und Uran. Die höchste Erhebung ist mit 5109 Meter der Margherita Peak und befindet sich im Ruwenzori-Gebirge an der Grenze zu Uganda.

Der größte und längste Fluss, der durch die Demokratische Republik Kongo fließt, ist der Kongo mit 4374 Kilometern Länge. Er ist nach dem Nil der zweitlängste Fluss des afrikanischen Kontinents. Gemessen an seiner Wasserführung von 39.160 m³/s ist er sogar der größte Fluss Afrikas und der zweitgrößte Fluss weltweit. Der Kongo entspringt im Süden im Mitumbagebirge und fließt etwa 1000 Kilometer nach Norden, von wo er nach Westsüdwesten umgelenkt wird. Hier besteht auch ein Binnendelta. Anschließend bildet er die Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo, bevor er in den Atlantik mündet. Es gibt zahlreiche Flüsse, die im Kongo münden. Der mit einer Wasserführung von 9.873 m³/s bei weitem größte dieser Nebenflüsse ist der aus Angola kommende Kasai, der ebenfalls mehrere Nebenflüsse aufweist und in den Gebirgen im Süden entspringt. Dies trifft ebenfalls auf den Lomami zu, er hat sein Quellgebiet in der ehemaligen Provinz Katanga. Der größte von Norden kommende Zufluss des Kongos ist der Ubangi, der nahezu über seine gesamte Länge die Grenze zur Zentralafrikanischen Republik und zur Republik Kongo bildet. Die 40 Kilometer lange Küste nördlich der Kongomündung in den Ozean stellt die einzige Öffnung zum Atlantischen Ozean dar. An diesem nur 40 km langen Küstenstreifen befinden sich unter anderem Erdölvorkommen. Im Osten des Landes befindet sich die Seenkette des Großen Afrikanischen Grabens, die die Ostgrenze bildet. Dazu gehören unter anderem (von Nord nach Süd) der Albertsee, Eduardsee, Kiwusee und Tanganjikasee. Sie birgt darüber hinaus bedeutende Bodenschätze. Hier wurde beispielsweise Erdgas gefunden, im Osten und Nordosten auch Gold und Zinn.[7]

Die sogenannten Oxisolböden im Kongobecken sind oft stark verwittert und weisen nur geringe Fruchtbarkeit auf, während die höher gelegenen Gebiete im Norden und Süden fruchtbar sind und zum Ackerbau genutzt werden.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm (Kinshasa)
Klimadiagramm (Kisangani)

In der Demokratischen Republik Kongo herrscht aufgrund der geographischen Lage ein Äquatorialklima vor. In den meisten Landesteilen gibt es daher ein sehr warmes, tropisches Feuchtklima mit einer Durchschnittstemperatur von rund 20 °C in der Trockenzeit und rund 30 °C in der Regenzeit. Das Klima wird relativ wenig durch Jahreszeiten wie Trocken- und Regenzeit beeinflusst. Dennoch gibt es wegen der sehr großen Landesfläche regionale Disparitäten.[8]

Durch die nördliche Landesmitte, in welcher die Städte Mbandaka und Kisangani liegen, verläuft der Äquator. In diesem rund 300 Kilometer breiten Gebiet gibt es das ganze Jahr über heftige Regenfälle, die durchschnittlich rund 1500–2000 mm betragen, während die Temperatur konstant bei rund 26 °C bleibt.

Kinshasas Klima ist gekennzeichnet durch eine Jahresdurchschnittstemperatur von über 25 °C sowie einer Wechselfolge zwischen den Trockenzeiten (vier Monate insgesamt) und den Regenzeiten, welche ihre extremste Ausprägung in den Monaten November und April haben. Im ganzen Jahr fallen in Kinshasa insgesamt rund 1400 mm Regen.

Im Norden des Landes lässt der große Waldflächenanteil, der typisch für das Äquatorialklima ist, Platz für eine Baumsavanne. Dort beginnt die Trockenzeit, gegensätzlich zum Süden, meist zwei bis drei Monate vor dem Jahreswechsel und endet rund zwei bis drei Monate nach dem Jahreswechsel. Deshalb fallen hier rund 90 % der Jahresniederschläge in der Zeit zwischen März und November.[9]

Im Süden beginnt eine Zone des tropischen Klimas, die mit einer Trockenzeit (drei bis sechs Monate, meist Mai bis September) und einer Regenzeit (sechs bis neun Monate, meist Oktober bis April) ausgeprägte Jahreszeiten aufweist. So gibt es zum Beispiel in Lubumbashi in der Provinz Katanga sogar sechs Monate relativer Trockenheit und sehr ausgeprägte Tages-Nacht-Temperaturschwankungen.

Der gebirgige Ostteil der Demokratischen Republik Kongo ist von Höhenklima geprägt und deutlich kühler im Vergleich zu den anderen Gebieten. Da die Temperatur dort pro 80 Höhenmeter um durchschnittlich 1 °C sinkt, kann man namhafte klimatische und ökologische Unterschiede beim Anstieg der Gebirge im Nationalpark Virunga und der Gefälle des Ruwenzori-Gebirges feststellen. An den höchsten Punkten dieser Gebiete ist sogar Schneefall nicht ungewöhnlich. Hier fallen auch die meisten Niederschläge des Landes.

Es gibt auch eine kleine Zone maritimen Klimas. Im kleinen Küstengebiet im äußersten Westen, wo auch der Kongo-Fluss mündet, senkt der kalte Benguelastrom Temperatur und Niederschlagsmenge deutlich ab, sodass es beispielsweise in der Stadt Boma im Jahr durchschnittlich weniger als 800 mm Niederschlag gibt.[10]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Der Fluss Lulilaka im Nationalpark Salonga

In der Demokratischen Republik Kongo sind die größten noch existierenden Regenwaldgebiete Afrikas vorhanden. Rund zwei Drittel der Landesfläche sind von tropischem Regen- und Höhenwald bedeckt. In höheren Lagen in Äquatornähe gibt es vor allem Bergregenwald und Nebelwald. Hier findet man vorrangig Bäume und Pflanzen mit langen Stämmen, dünner Baumrinde und festen Blättern. Beispiele hierfür sind der Gummibaum und Hartholzpflanzen wie der Teakbaum und Mahagonigewächse. Außerdem gibt es dort Ölpalmen, Würgefeigen und Aufsitzerpflanzen wie Orchideen. Nördlich und südlich der Regenwaldregion befinden sich 200 und 500 Kilometer breite Streifen mit Feuchtsavanne. Diese Verteilung ist niederschlagsbedingt und gründet sich auf die innertropische Konvergenzzone (ITC). Eine im Feuchtsavannengebiet vorkommende Pflanzengattung ist die Wolfsmilch. Die Feuchtsavanne geht schließlich in die Trockensavanne mit Miombowaldgebieten über. Die typische Vegetation besteht dort hauptsächlich aus Akazien und Sukkulenten.

Obwohl einige Säugetiere wie der Löwe, der Leopard, das Nashorn, der Elefant, das Zebra, der Schakal, die Hyäne sowie eine Reihe von Antilopenarten bevorzugt in den Savannenregionen leben, gibt es vor allem durch den hohen Waldanteil sehr viele verschiedene Säugetierarten – insgesamt 415 – im Land.[7] Insbesondere die fünf als UNESCO-Welterbe ausgezeichneten Gebiete Garamba, Kahuzi-Biéga, Salonga, Virunga (Nationalparks) und das Wildtierreservat Okapi stellen einen wichtigen Lebensraum für viele Säugetiere wie Bonobos, Östliche Gorillas, Okapis und Afrikanische Büffel dar. Besonders die Vielfalt an Menschenaffen ist bemerkenswert: Die Demokratische Republik Kongo beherbergt als weltweit einziges Land drei Menschenaffenarten: neben Gorillas und Bonobos auch Schimpansen. Diese sind dort allerdings kaum noch aufzufinden und akut vom Aussterben bedroht. Auch die Lage der Bonobos ist bedrohlich: Der Bestand der Tierart, welche man nirgendwo sonst weltweit in Freiheit beobachten kann, wird derzeit auf rund 3000 Tiere im Staatsgebiet geschätzt. Vor den 1980er Jahren lag diese Zahl bei über 100.000. Hauptgrund des Aussterbens der Menschenaffen sind Wilderer, welche das sogenannte Bushmeat als Delikatesse in den Städten verkaufen.[9]

Auch bei anderen Säugetieren besteht das Problem des Artensterbens. Doch im Gegensatz zu dem Affenfleisch werden andere bedrohte Tierarten vor allem aufgrund des immensen Proteinbedarfs der wegen der sehr hohen Fertilitätsrate der Frauen schnell wachsenden Bevölkerung gejagt. Oftmals ist das Jagen geschützter Tierarten für Landesbewohner überlebenswichtig. Doch auf diese Weise schrumpften die Bestände mancher Wildtierarten so sehr, dass einige Arten laut Forschungsprognosen schon in rund 50 Jahren ausgestorben sein könnten.[11]

Auch die anderen Tierklassen lassen sich in großer Zahl finden, es gibt 268 verschiedene Reptilien und je über tausend Fisch- und Vogelarten. Sehr groß ist auch die Anzahl von Insekten, so gibt es alleine über 1300 verschiedene Arten von Schmetterlingen. In keinem anderen Land weltweit ist dieser Wert größer.[12]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorkoloniale Geschichte[Bearbeiten]

Die Urbevölkerung des heutigen Staates bestand aus Pygmäen, welche heute nur noch eine kleine Minderheit darstellen. Über Jahrhunderte hinweg wanderten Bantuvölker ein, es entstanden verschiedene Gesellschaftsformen, von Jägern und Sammlern über Ackerbaubevölkerungen bis hin zu größeren Staatswesen.

Unter den dortigen Staaten trat insbesondere das im 14. Jahrhundert gegründete Königreich Kongo, eines der größten afrikanischen Staatswesen überhaupt, hervor.

Im 15. Jahrhundert erkundeten portugiesische Seefahrer das Gebiet der Kongomündung und nahmen 1491 diplomatische Beziehungen zum Kongoreich auf. Der König besuchte Portugal und trat zum Katholizismus über, und es begann eine kurze Phase annähernd gleichberechtigten Umgangs zwischen dem Kongo und Portugal. In der Neuzeit lieferte das Kongoreich Sklaven in die amerikanischen Kolonien, die Einnahmen aus dem Sklavenhandel ließen eine reiche Oberschicht in den afrikanischen Hafenstädten entstehen.

Vom 16. Jahrhundert an war das Kongoreich im Niedergang begriffen. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte die völlige Zerstörung des Königreiches sowie seine Ausbeutung und Plünderung durch Sklavenjäger, die nach dem Zerfall der portugiesischen Vorherrschaft durch Niederländer und Briten fortgeführt wurde. Am Anfang des 18. Jahrhunderts war das Kongoreich fast vollständig zerfallen. 1866 zogen die letzten Portugiesen ab.[J 1]

In den 1870er Jahren bereiste der Waliser Henry Morton Stanley als erster Europäer das Hinterland, sein Vorschlag, den Kongo dem britischen Kolonialreich anzugliedern, wurde von der britischen Regierung, die sich vor allem für die Nilquellen interessierte, aber abgelehnt.[J 2]

Belgische Kolonialzeit[Bearbeiten]

Leopold II. von Belgien

Der belgische König Leopold II. jedoch, von dem Gedanken an ein Kolonialreich seit langem fasziniert, wollte die Gelegenheit nutzen. 1885 vereinnahmte Leopold den Kongo im Nachgefolge der Kongokonferenz als seinen „Privatbesitz“. Dieser Status jenseits allen Völkerrechts war in der ganzen Kolonialgeschichte einzigartig. Da mit dem Kongo zugleich auch alle seine Bewohner als rechtloser Privatbesitz angesehen wurden, kam es bei der wirtschaftlichen Ausbeutung (Kautschukboom) zu solch grausamen Exzessen, dass sie als so genannte Kongogräuel 1908 international für Aufsehen und Empörung sorgten und Leopold zur Übergabe des Kongo als „normale“ Kolonie an den belgischen Staat zwangen.

Zwar verbesserten sich die Verhältnisse nun ein wenig, aber nach wie vor wurden der Kongo und seine Bevölkerung von der autoritären Kolonialmacht Belgien ausgebeutet. Mit den weltweit in den Kolonien zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen wuchs auch im Kongo der Druck nach staatlicher Selbstbestimmung. Nach ersten Unruhen in der Hauptstadt Léopoldville und unter dem Druck der Weltöffentlichkeit zog sich Belgien Anfang 1959 schlagartig aus dem Kongo zurück und hinterließ ein Chaos.

Am 30. Juni 1960 wurde die „Republik Kongo“ unabhängig. Joseph Kasavubu, Führer der Alliance des Bakongo (ABAKO), wurde Staatspräsident. Der bedeutende Panafrikanist und Führer der kongolesischen Unabhängigkeitsbewegung Patrice Lumumba wurde der erste Ministerpräsident des jungen Landes, das er allerdings aufgrund mangelnder Fachkräfte und angesichts sezessionistischer Bestrebungen, insbesondere in der Provinz Katanga, nicht zusammenzuhalten vermochte. Insbesondere die kontinuierlichen Interventionen Belgiens, der USA, aber auch der Sowjetunion führten zu einem allmählichen Zerreißen der jungen Nation. Lumumba wurde schließlich vom Militär abgesetzt und verhaftet. Zwar konnte er der Haft kurz entfliehen, wurde aber kurze Zeit später wieder ergriffen, seinem Gegner Moïse Tschombé – dem Sezessionistenführer in Katanga – ausgeliefert und anschließend ermordet. Eine persönliche Beteiligung der CIA sowie des belgischen Geheimdienstes wurde im Jahr 2000 bestätigt,[13] weswegen die belgische Generalstaatsanwaltschaft 2012 ein Ermittlungsverfahren eröffnete.[14]

Diktatur Mobutu[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zaire
Mobutu Sese Seko (1930–1997) (2. v. l.), neben ihm Richard Nixon

1965 putschte der frühere Assistent Lumumbas, Joseph Mobutu, und errichtete in den folgenden Jahrzehnten eine der längsten und korruptesten Diktaturen Afrikas. Moïse Tschombé konnte zeitweise über Teile des Kongos mit einer Söldnerarmee, die überwiegend aus Europäern bestand, herrschen. Ein Höhepunkt der Söldneraktivität im Kongo stellt die Besetzung von Bukavu durch Tschombés europäische Söldner von August bis November 1967 dar. Mobutu begann eine Afrikanisierung des Landes und versuchte, die europäischen Einflüsse im Land zu eliminieren. Europäische Unternehmen wurden verstaatlicht, 1971 das Land in Zaire umbenannt. Mobutu errichtete einen Einparteienstaat mit einem bizarren Personenkult, der erhebliche Unterstützung aus westlichen Ländern erhielt, und bekämpfte dafür den Einfluss der Sowjetunion in Afrika. 1977/78 wurde mit internationaler, unter anderem belgischer und französischer Militärhilfe für die Regierung Mobutu Sese Seko die Shaba-Invasion der Front de Libération Nationale du Congo – FLNC des Rebellenführers Nathaniel Mbumba aus Angola niedergeschlagen.

Kongokriege[Bearbeiten]

Machtbereiche im Kongo 2001
Hauptartikel: Erster Kongokrieg und Zweiter Kongokrieg

Unter dem Eindruck des Niedergangs der zairischen Wirtschaft und dem Ende des Ost-West-Konflikts stimmte Mobutu ab 1990 einer schrittweisen Demokratisierung des Landes zu, die aber zu keinem Erfolg führte. Das Ende der Diktatur Mobutus begann stattdessen mit dem Völkermord in Ruanda, in dessen Folge Hunderttausende der am Völkermord beteiligten Hutu nach Zaire flohen. Einer Allianz der neuen ruandischen Tutsi-Regierung und verschiedener Mobutu-Gegner gelang es schließlich innerhalb weniger Monate, ganz Zaire zu erobern und den schwer kranken und international mittlerweile isolierten Mobutu zu stürzen. Der Rebellenchef Laurent-Désiré Kabila wurde 1997 neuer Präsident und benannte Zaire wieder in Demokratische Republik Kongo um. Die einstigen Verbündeten hatten sich rasch zerstritten, und 1998 versuchten erneut von Ruanda gestützte Rebellenorganisationen von Osten aus das Land zu erobern. Eine Intervention von Angola und Simbabwe auf Seiten Kabilas konnte den Sturz der Regierung aber abwenden, und es entwickelte sich ein jahrelanger Stellungskrieg; das Land wurde schließlich in mehrere Machtbereiche aufgespalten. Langwierige Verhandlungen beendeten 2003 den Krieg, alle Kriegsparteien bildeten eine gemeinsame Übergangsregierung.

Der Kongokrieg hatte schwerwiegende sozioökonomische Auswirkungen auf das Land. Wirtschaft und Sozialsysteme, die bereits vor dem Krieg am Boden lagen, brachen völlig zusammen, ganze Landstriche wurden weitgehend entvölkert. Die Zahl der Opfer ist unbekannt, Hochrechnungen gehen von mehr als drei Millionen indirekter Kriegsopfer aus.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Flüchtlingslager in Bunia, Ituri (2004)

Bereits im Januar 2001 fiel Laurent-Désiré Kabila einem Attentat zum Opfer, und sein Sohn Joseph Kabila erbte seine Stellung als Staatspräsident.[15] Joseph Kabila gewann schließlich die im Friedensvertrag vorgesehene Wahl im Jahre 2006 und ist damit erster frei gewählter Präsident der Demokratischen Republik Kongo seit 1965. Mit Kabila führt zum ersten Mal seit 1960 ein Mann den Staat, der zu Gesprächen zur Befriedung und Stabilisierung der Region bereit ist.[16] Ihm im Wege steht dabei allerdings der fast vollständige Zerfall der Infrastruktur, Verwaltung und Wirtschaft des Landes und insbesondere die Ausplünderung der äußerst rohstoffreichen Ostprovinzen des Kongo, in denen die Zentralregierung fast völlig machtlos ist, durch Uganda, Ruanda und verschiedene lokale Machthaber.

Konflikt im Ostkongo[Bearbeiten]

Konfliktregion Ostkongo
Hauptartikel: Dritter Kongokrieg

In den Gebieten Kivu und Ituri im Osten findet auch nach Ende des zweiten Kongokrieges weiterhin ein bewaffneter Konflikt statt, weil die dortigen lokalen Milizen nicht an den Friedensverhandlungen beteiligt waren.

Zwischen August 2007 und Januar 2009 eskalierte der Konflikt: Im dritten Kongokrieg kämpften in Nordkivu die kongolesischen Streitkräfte, UN-Truppen der MONUC und Mai-Mai-Milizen gegen die Rebellen des Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes (CNDP) unter der Führung des Tutsi Laurent Nkunda, eines ehemaligen Generals der Rebellenorganisation RCD. Nkunda behauptete, die lokale Tutsi-Bevölkerung gegen die Hutu-Extremisten der Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas (FDLR) zu verteidigen, die auf kongolesischem Gebiet operieren und von Nkunda der Zusammenarbeit mit der kongolesischen Regierung bezichtigt werden.

Ende 2008 eroberte die CNDP immer größere Gebiete im Nordkivu, Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen unter Vermittlung der UN blieben erfolglos. Im Dezember 2008 schlossen die kongolesische Regierung und Ruanda ein Abkommen über eine gemeinsame Bekämpfung der FDLR. Ruandische Soldaten marschierten in den Kongo ein und verhafteten Nkunda, der wenige Tage zuvor von der CNDP für abgesetzt erklärt worden war. Im März 2009 unterzeichneten Regierung und CNDP ein Friedensabkommen. Hoffnungen, dass nach dem Ende der CNDP und der Zusammenarbeit zwischen kongolesischer Regierung und Ruanda im Kampf gegen die FDLR nun auch eine Befriedung der Ostprovinzen möglich sei,[J 3][17] erfüllten sich nicht.

In den letzten Jahren operierten dutzende bewaffneter Gruppierungen in den Kivuprovinzen. Deren Stärken reichen von wenigen Dutzend bis zu mehreren tausend Kämpfern. An vielen Gruppen sind desertierte Soldaten der FARDC oder andere Sicherheitskräfte beteiligt. Zu den größten zählen die FDLR, die Raïa Mutomboki, die Alliance des patriotes pour un Congo libre et souverain und die Nyatura. Die Bewegung 23. März wurde im April 2012 von ehemaligen Mitgliedern der CNDP aus Unzufriedenheit über die Umsetzung des Friedensabkommens gegründet. Sie erlangte maßgeblich Kontrolle im Territorium Rutshuru und erregte großes Aufsehen durch die zwischenzeitliche Einnahme der Provinzhauptstadt Goma. Nach mehreren gescheiterten Verhandlungsrunden mit der Regierung und der Etablierung einer UN-Eingreiftruppe unterlag sie Anfang November 2013 schließlich militärisch.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Demografische Entwicklung von 1961 bis 2003 (nach FAO, 2004). Bevölkerung in tausend Einwohnern
Verteilung der Bevölkerungsdichte nach Provinz 2010. Einwohner pro km²:
  • > 100
  • 75-100
  • 50-75
  • 25-50
  • 15-25
  • < 15
Boulevard du 30 juin in Kinshasa, der mit Abstand größten Stadt des Landes

Die Demokratische Republik Kongo zählte im Juli 2010 etwas mehr als 68 Millionen Einwohner und ist damit der viertbevölkerungsreichste Staat Afrikas. Die Bevölkerungsdichte ist mit etwas mehr als 30,2 Einwohner pro km² eher gering. Das Bevölkerungswachstum zählt mit fast 3 % zu den höchsten der Welt; jede Frau bringt durchschnittlich 6,3 Kinder zur Welt.[18] Im weltweiten Vergleich hat das Land laut Fund For Peace die problematischste Demografieentwicklung aller Staaten.[19]

Eine Volkszählung fand zuletzt 1984 statt; seitdem hat sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelt. Der Kongo hat daher auch eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt: 46,9 % der Einwohner sind jünger als 15 Jahre, nur 2,5 % älter als 65 Jahre. Die Lebenserwartung liegt bei 52,9 Jahren für Männer und 56,6 Jahren für Frauen. Während der Bürgerkriege ab Mitte der 1990er Jahre kam es zu einer bis heute anhaltenden ausgeprägten Landflucht; zwischen 2005 und 2010 wuchs die Stadtbevölkerung jährlich im Mittel um 5,1 %, 2010 leben 34 % der Einwohner in Städten.[1][17]

Städteentwicklung[Bearbeiten]

Die mit Abstand größte Agglomeration des Landes ist die Hauptstadt Kinshasa mit knapp 10 Millionen Einwohnern. Damit konzentrieren sich 14 Prozent der Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo auf dieses Gebiet. Neben der Großregion Kinshasa konzentriert sich die Bevölkerung vor allem auf die Bergbauprovinzen Katanga, Kasai-Occidental und Kasai-Oriental.

Die Stadtbevölkerung steigt in fast allen Großstädten des Staates durch anhaltende Landflucht stark an. 2008 lebten 34 % der Einwohner in städtischen Gebieten, die Zuwachsrate betrug zwischen 2005 und 2010 mehr als 5 % jährlich.[1] Im Landesosten können die Einwohnerzahlen, bedingt durch Flüchtlingsbewegungen, erheblich schwanken, 2008 waren dort nach UN-Angaben zwischen 500.000 und einer Million Menschen auf der Flucht.[J 4]

Die größten Städte des Landes nach einem Stand von 2010:[20]

Rang

Stadt Einwohner (2013) Provinz
1 Kinshasa 9.757.236 Kinshasa
2 Lubumbashi 1.871.961 Katanga
3 Mbuji-Mayi 1.744.678 Kasai-Oriental
4 Kananga 1.111.413 Kasai-Occidental
5 Kisangani 971.474 Orientale
6 Bukavu 861.892 Sud-Kivu
7 Tshikapa 621.820 Kasai-Occidental
8 Goma 461.306 Nord-Kivu
9 Likasi 460.959 Katanga
10 Kolwezi 454.287 Katanga

Ethnien[Bearbeiten]

Während der Kolonionalzeit wurden auch im Kongo Ethnien konstruiert.[21] Einige dieser ethnischen Identitäten beruhen auf prämodernen Stammeszugehörigkeiten, andere, wie zum Beispiel die Baluba, wurden gänzlich neu konstruiert.[22] Heute existieren weit mehr als 200 Ethnien in der DRK. Von den Angehörigen dieser Ethnien verstehen sich etwa 80 % als Bantu. Die meisten Bewohner des Landes werden nur einigen wenigen Ethnien zugerechnet, davon die vier großen Bantuvölker: Die beiden größten Gruppen sind Bakongo (16 %) und Baluba (18 %), daneben sind auch die Mongo (13 %) und die Banjaruanda (10 %) zahlenmäßig stark.

Die restlichen 20 % der Landesbewohner setzen sich zu 18 % aus sudansprachigen Völkern, zu 2 % aus Niloten und aus 20.000 bis 50.000 Pygmäen zusammen.[17] Von den etwa 100.000 Europäern[J 5] (meist Belgier), die zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit im Land lebten, sind bis heute etwa 20.000 geblieben.[17]
Bereits vor der Unabhängigkeit schürte die belgische Kolonialmacht Rivalitäten zwischen den Volksgruppen; diese werden bis heute als maßgebliche Ursache für die Kriege und Konflikte im Land genannt.[23]

Sprachen[Bearbeiten]

Verbreitung der vier Nationalsprachen

In der Demokratischen Republik gibt es eine Sprachenvielfalt, die im Land ähnlich groß ist wie die Vielfalt an Volksgruppen: Insgesamt wird die Anzahl der Sprachen und Dialekte des Kongo mit 214 angegeben.[23] Aufgrund der kolonialen Vergangenheit nimmt das Französische den Rang der Amts-, Literatur- und Bildungssprache ein. Daneben gibt es vier offizielle Nationalsprachen: Lingála, Kikongo, Tschiluba und eine kongolesische Variante des Swahili. Auch diese wurden in der Kolonialzeit von Belgien festgelegt, um die Sprachenvielfalt zu begrenzen. Kikongo ist die Sprache des früheren Kongo-Reiches und ist auch in den Nachbarländern Republik Kongo und Angola verbreitet, während Tshiluba vor allem in den beiden Provinzen Kasai-Occidental und Kasai-Oriental gesprochen wird. Der Ursprung des Lingála befindet sich in dem Land selbst. Diese Sprache, die der Volksgruppe der Bangala zuzuordnen ist, breitete sich aus der Region Équateur entlang der Flüsse aus. Gefördert wurde diese Ausbreitung durch die Europäer, die es als Kommunikationssprache nutzten, später durch die Diktatur von Mobutu, der sich durch die Medien auf Lingala an sein Volk wandte, und heute durch die Popmusik. Swahili ist eine Verkehrssprache in ganz Ostafrika, welche, wenngleich sie im Kongo wenig Muttersprachler hat, diesen Status auch im Osten des Landes besitzt.[24] Außerdem wurde nach dem Ende des Mobutu-Regimes Swahili offizielle Armeesprache und dadurch im gesamten Landesgebiet zunehmend populärer.[6] Artikel 1 der Verfassung bestimmt neben Französisch als „offizieller Sprache“: «… langues nationales sont le kikongo, le lingala, le swahili et le tshiluba». Laut Artikel 142 sind alle Gesetze binnen 60 Tagen in diesen Sprachen zu veröffentlichen. Im Osten des Landes ist Swahili die vorherrschende Sprache der Kommunikation und wird auch in Schulen und auf Ämtern benutzt. Weitere Sprachen sind beispielsweise das mit Tschiluba nah verwandte Kiluba, Chokwe und Kituba.

In den nationalen Medien herrscht unter den vier Sprachen weitgehende Gleichverteilung; in den Regionalmedien wird jedoch die jeweilige Regionalsprache bevorzugt.[24] Schriftsprache ist weiterhin Französisch, doch in der jüngsten Vergangenheit werden oft französischsprachige Texte mit Wörtern der einheimischen Sprachen verknüpft, denen häufig die Funktion eines Stilmittels zukommt.[25]

Religionen[Bearbeiten]

Religionsgemeinschaft Bevölkerungsanteil[26]
Römisch-katholische Kirche 50 %
Protestantismus 20 %
Kimbangismus 10 %
Islam 10 %
Synkretismus und traditionelle Religionen 10 %
Anmerkung: Bei den Werten handelt es sich um Schätzungen des Auswärtigen Amtes, andere Angaben weichen teilweise deutlich von diesen ab.

Indigene Religionen[Bearbeiten]

Indigene Glaubenssysteme drehen sich meist um die Geister der Vorfahren und um Hexer und Zauberer (ndoki), die mit diesen kommunizieren können. Des Weiteren glaubt man an die Existenz von Geistern des Wassers, der Fruchtbarkeit und ähnlichen Mächten (mbumba), die entweder unsichtbar sind oder in Form von natürlichen Objekten (besonders geformten Felsen, Bäumen oder auch Menschen mit besonderen Eigenschaften wie Albinos) annehmen und die entsprechend verehrt werden. Die Vorstellung von Dämonen, vor denen man sich schützen muss, verlangt die Herstellung von Fetischen und anderen Objekten.[27]

Katholizismus[Bearbeiten]

Die dominierende Religion ist das Christentum. Bereits nach dem ersten Kontakt mit den portugiesischen Entdeckern unter Diogo Cão 1482 blieben Missionare im Land. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die ersten Schulen gebaut, und man überzeugte den König und seine unmittelbare Umgebung, sich taufen zu lassen. Die Region der Kongo-Mündung gehört somit neben Angola und Mosambik zu jenen Gebieten in Afrika, wo die Missionierungsbemühungen der Portugiesen am erfolgreichsten waren.[28]

Katholische Kirche in Lukolela
Kirche in der Stadt Kindu

Nach dem Zerfall des Königreichs gab es im 19. Jahrhundert eine zweite Phase der Missionierung. 1878 errichteten protestantische Missionare in der heutigen Hafenstadt Matadi einen ersten Posten. Die früheste katholische Mission dieser „zweiten Evangelisierung des Kongo“ entstand 1880 in Boma. Die Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens (Congregatio Immaculati Cordis Mariae, CICM) übernahm das 1886 gegründete „Apostolische Vikariat Belgisch-Kongo“ und errichtete Missionsstationen in Kwamouth (1888) und Leopoldville (1899). 1892 gründeten Jesuiten in Kwango ihre erste Missionsstation. Andere Orden folgten. 1906 sicherte eine Übereinkunft zwischen dem Vatikan und Leopold II. den katholischen belgischen Missionen je 100 bis 200 Hektar unbefristeten Landbesitz zu. Bedingung war, dass jede Missionsstation eine Schule unter staatlicher Aufsicht zur landwirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildung unterhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg betrieben 22 Missionsgesellschaften von Belgien aus die Kongo-Mission. Vor allem das Schulsystem war in katholischer Hand. 1926 wurden alle staatlichen Schulen im Kongo den katholischen Missionen anvertraut, wobei die Kolonialregierung beträchtliche Summen für den Betrieb zur Verfügung stellte. Nichtkatholische Schulen erhielten erst ab 1946 staatliche Unterstützung. Die Voraussetzung für den Schulbesuch der Kinder war die Taufe. 1930 gab es 640.000 Katholiken (zehn Prozent der Gesamtbevölkerung). 1959 waren es 5,5 Millionen (40 Prozent). Mit dem System der Missionsstationen, die Kirche, Schule und Krankenhaus an einem Ort zusammenführten, bildete die katholische Kirche im ganzen Land eine Infrastruktur aus, die sich bis heute erhalten hat. Sie wuchs damit zu einer mächtigen Kraft in der Gesellschaft.

Das Verhältnis von Kirche und Staat war bis zur staatlichen Unabhängigkeit von verschiedenen Tendenzen geprägt. Die ersten Missionare sahen durch ihre Nähe zur einheimischen Bevölkerung Unterschiede zwischen dem kolonialen System wirtschaftlicher Ausbeutung und einer Entwicklung gemäß christlich-sozialen Vorstellungen und standen dem Unternehmen König Leopolds II. häufig kritisch gegenüber. Die großen Missionsstationen nach dem Ersten Weltkrieg banden die Missionare jedoch enger in das koloniale System ein. Der Unabhängigkeitsbewegung stimmten führende Kirchenvertreter zunächst nur zögerlich zu.

Anfang der 1970er Jahre stellte sich Mobutu mit seiner Kampagne der „Authentizität“ auch gegen das Christentum und die katholische Kirche. Christliche Vornamen wurden verboten. Die katholischen Schulen und die katholische Universität wurden verstaatlicht. Später wurden die Schulen wieder an die Kirche zurückgegeben, da der staatliche Apparat mit deren Verwaltung und Führung überfordert war. In den 1970er Jahren entstanden einheimische Schwesternkongregationen. Mehr Schwarze wurden zu Priestern geweiht, Führungspositionen in der Kirche mit Afrikanern besetzt. Der Vatikan erkannte einen eigens entworfenen Zairischen Messritus offiziell an.

Bei der beginnenden Demokratisierung zu Beginn der 1990er Jahre spielte die katholische Kirche eine bedeutende Rolle. Laurent Monsengwo Pasinya, der damalige Erzbischof von Kisangani und heutige Erzbischof von Kinshasa, wurde zum Präsidenten der Nationalkonferenz (Conférence Nationale Souveraine) gewählt. Als Mobutu im Januar 1992 die Nationalkonferenz auflöste, protestierten weite Teile der Bevölkerung mit dem berühmten „Marsch der Christen“. Nach dem Sturz Mobutus und den anschließenden Kriegen riefen die Führer religiöser Gemeinschaften zum Frieden auf und forderten Demokratisierungsprozesse ein. Die Bischofskonferenz hat ein ständiges Büro eingerichtet, das den Demokratisierungsprozess unterstützt. Im Konflikt zwischen afrikanischen Staaten engagiert sich die katholische Kirche auf der Ebene der gemeinsamen Bischofskonferenz von Burundi, Ruanda und Kongo für Dialog und Versöhnung. Finanziell und teilweise auch personell ist sie noch immer vom Ausland abhängig.[29] Seit November 2010 stellt das Land mit Laurent Monsengwo Pasinya auch einen zum Konklave berechtigten Kardinal.

Protestantische Kirchen[Bearbeiten]

1878 kamen die ersten protestantischen Missionare in die Kongo-Region. Während der Existenz des sogenannten Kongo-Freistaats (1885 bis 1908) veröffentlichten einige von ihnen die missbräuchliche Behandlung und Ausbeutung von einheimischen Arbeitern durch die Kolonialgesellschaften und die Kolonialverwaltung. Dies führte mit dazu, dass Leopold II. seinen „Freistaat“ an Belgien übergeben musste. Im Unterschied zur katholischen Kirche, die enger mit dem Staat und den Kolonialgesellschaften verbunden war, hatten die protestantischen Missionare zunächst weniger Vertrauen von Seiten der Regierung und bekamen staatliche Unterstützung für von ihnen betriebene Krankenhäuser und Schulen erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Kolonialstaat hatte den verschiedenen Missionsgesellschaften unterschiedliche Territorien zugewiesen. Zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung waren etwa 46 protestantische Gruppen aktiv, zumeist aus Nordamerika, Großbritannien und Skandinavien. Sie waren zunächst locker in einem Komitee verbunden. Später schlossen sie sich zur „Eglise du Christ“ („Kirche Christi“) zusammen. Dieser Verbund wurde stark von Diktator Mobuto kontrolliert. Seit der Unabhängigkeit gingen das Eigentum der Missionsgesellschaften und die internen Führungspositionen zunehmend in die Hände von Einheimischen über. Die Regierung Mobutu suchte durch enge Verbindungen zur Führung der „Kirche Christi“ ein Gegengewicht zur Kritik der mächtigen katholischen Kirche aufzubauen. Im Gegenzug half die Regierung dem protestantischen Kirchenbund, neue religiöse Bewegungen und Splittergruppen durch rechtliche und formale Hindernisse in deren Ausbreitung zu behindern.[30]

Afrikanische Kirchen[Bearbeiten]

Die Kimbanguistenkirche wird zu den afrikanischen Kirchen gezählt. Sie wurde während der Kolonialzeit von Simon Kimbangu gegründet, der sich als Erlöser der Schwarzen von der belgischen Unterdrückung ausgab. Die Kimbanguisten überstanden die Bekämpfung durch die Kolonialmacht und haben heute je nach Quelle zwischen 5 Millionen[31] und 10 Millionen Anhänger.[32]

Der bis nach Europa verbreitete pfingstlerische Combat Spirituel hat sein Zentrum im Kongo und allein in Kinshasa rund 50.000 Mitglieder. Staatspräsident Joseph Kabila ist der prominenteste Anhänger dieser Religionsgruppe. Der Combat Spirituel wird von der Öffentlichkeit kritisch gesehen, seitdem bekannt wurde, dass vereinzelte Mitglieder gewaltsame Exorzismusriten an Kindern ausführen. Die Leitung der Kirche distanziert sich zwar von diesen Vorfällen, bekennt sich allerdings zum grundsätzlichen Glauben an die Hexerei von Kindern.[33]

Seit der Unabhängigkeit haben sich zahlreiche weitere christliche Mikrokirchen und Sekten gebildet, deren Zahl von einem Dutzend in den 1960er Jahren auf über 1000 heute angestiegen ist. Sie bilden sich häufig um charismatische, wirtschaftlich erfolgreiche Personen, wobei magische Praktiken eine bedeutende Rolle spielen (z.B. Unverletzbarkeit von Kriegern mittels Verabreichung von Weihwasser).[34] Vielfach zeigt sich eine enge Verflechtung religiöser und erfolgsorientierter materieller Motive.

Soziale Situation[Bearbeiten]

Der Kongo zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Eine Untersuchung der kongolesischen Regierung von 2006 ergab folgende Zahlen: 76 % der Bevölkerung konnten ihre Kinder nicht zur Schule schicken, 79 % waren unterernährt, 81 % hatten keinen ausreichenden Wohnraum und 82 % keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Insgesamt 71 % der Bevölkerung lebten in absoluter Armut. Die Armut ist recht unterschiedlich verteilt, in der ärmsten Provinz Équateur oder in den besonders vom Krieg betroffenen Kivuprovinzen wurden die höchsten Werte festgestellt.[35]

Sozialsystem[Bearbeiten]

Das Sozialsystem des Landes zählt zu den schlechtesten der Welt. Theoretisch ist das seinerzeit vorbildliche, noch aus der Kolonialzeit stammende Sozialversicherungssystem weiterhin in Kraft.[36] Faktisch ist es aber nicht funktionsfähig, allein schon deshalb, weil es heute kaum feste Arbeitsverhältnisse gibt.[J 6] Ab 1992 stellte die Regierung jahrelang den Unterhalt der Sozialsysteme komplett ein. Staatsbedienstete erhielten keine Gehälter mehr.[J 7] Nach dem Sturz Mobutus versuchte die neue Regierung zwar, wieder Gehälter zu bezahlen. Dies geschah aber nur unregelmäßig und reichte nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.[J 8] Es bürgerte sich ein, dass jeder Bürger staatliche Dienstleistungen direkt bezahlte. Solche Zahlungen, die sowohl an Lehrer und Ärzte als auch an Beamte oder Polizisten erfolgen, werden im kongolesischen Französisch als la motivation bezeichnet.[J 9] Versuche der Regierung, diese Praxis zu verbieten und den Staatsbediensteten wieder Gehälter zu bezahlen, hatten wenig Erfolg: Weder Bürger noch Angestellte trauen der Regierung zu, dass diese regelmäßig gezahlt werden.[J 10]
Soziale Dienste werden vor allem von der katholischen Kirche betrieben, die unter anderem deswegen in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießt.[J 11]

Gesundheit[Bearbeiten]

Die medizinische Lage in der Demokratischen Republik Kongo ist sehr schlecht. Ein öffentliches Gesundheitssystem ist kaum vorhanden, viele der ohnehin kaum ausgebauten Einrichtungen wurden infolge des Krieges zerstört.[J 12] So gibt es nur einen Arzt pro 10.000 Menschen, in anderen Staaten ist dieser Wert teilweise 40-mal so hoch.[37] 2005 betrugen die Gesundheitsausgaben der Zentralregierung weniger als eine Million US-Dollar.[J 13] Laut den Daten der WHO betrugen die Gesundheitsausgaben im Jahr 2009 rund 2 % des Bruttoinlandsprodukts (circa 220 Mio. US-Dollar) oder umgerechnet etwa 3 US-Dollar pro Einwohner.[38]

Zur mangelhaften Versorgungssituation kommt auch das Problem, dass in den ländlichen Regionen nur 29 % und in den Städten 82 % der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.[39] Insgesamt beläuft sich die Zahl der Kongolesen ohne Trinkwasserzugang laut einer UN-Studie von 2011 auf rund 51 Millionen, obwohl der Staat über mehr als 50 % der Wasserressourcen Afrikas verfügt.[40] Außerdem besteht nur für ein knappes Drittel der Kongolesen die Möglichkeit, Sanitäreinrichtungen zu nutzen. Durch den dadurch hervorgerufenen Mangel an Hygiene treten häufig verschiedene Durchfallerkrankungen auf, ebenfalls weit verbreitet sind andere Infektionskrankheiten wie Typhus und Hepatitis A.[17] Der Kongo hat eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten (laut Angaben der Weltbank waren es 2012 ca. 167,7 Tote pro 1.000 Lebendgeborene unter fünf Jahren,[41] laut The World Factbook der CIA 76,63[42], Erhebungen aus dem Jahr 2010 kommen auf jährlich 540.000 gestorbene Kinder unter fünf Jahren[43]). Ebenfalls sehr hoch sind die Werte für Säuglings- (126 Todesfälle je 1.000 Geburten) und Müttersterblichkeit (580 Todesfälle pro 100.000 Geburten).[39] Laut Aussagen des Präsidenten der kongolesischen Kinderarztvereinigung von März 2013 gibt es im Kongo etwa 85 Kinderärzte, davon ca. 50 in der Hauptstadt Kinshasa und 20 in der Provinz Katanga.[44]

Weiterhin herrscht ganzjährig ein sehr hohes Malariarisiko im gesamten Land, während des Krieges soll allein diese Krankheit hunderttausende Tote pro Jahr gefordert haben, über ein Drittel davon Kinder unter fünf Jahren. Sehr verbreitet ist auch die Schlafkrankheit, von der 1999 fast zwei Prozent der Bevölkerung betroffen waren.[J 14] Bekanntheit erlangte auch das Zaire-Ebolavirus, mit einer Letalitätsrate von 60–90 % die gefährlichste Spezies des Ebolavirus, das seit 1976 immer wieder auftritt, aber vergleichsweise wenig Opfer fordert. Der bisher letzte Ausbruch fand von Dezember 2008 bis Januar 2009 statt, als sich 32 Menschen infizierten und 15 von ihnen starben.[45] Im Februar 2005 breitete sich in Bas-Uele im Nordwesten des Landes die Lungenpest aus, die WHO berichtete von 61 Toten. Eine weitere Ausbreitung konnte aber verhindert werden.[46] Im Juni 2006 wurden weitere 100 Pesttote im Distrikt Ituri gemeldet.[47]

2003 waren eine Million Menschen im Kongo mit HIV infiziert, was 4,2 % der Erwachsenen entspricht. Dieser Wert ist im weltweiten Vergleich zwar hoch, liegt verglichen mit den Daten anderer Staaten Subsahara-Afrikas jedoch knapp unter dem Durchschnitt. Die Krankheit forderte 2003 rund 100.000 Todesopfer in der Demokratischen Republik Kongo.[1]

Siehe auch: HIV/AIDS in Afrika

Bildung[Bearbeiten]

Die Alphabetisierungsrate von rund 67,2 % (Männer 80,9 %, Frauen 54,1 %, Zahlen von 2001) ist im Kongo weitaus besser als in Staaten wie Mali oder Niger.[1] Dennoch ist sie durch den Krieg und die damit verbundene Auflösung vieler staatlicher Strukturen seit Mitte der 1990er Jahre deutlich gesunken: Im Jahr 1995 konnten noch 77 % der Menschen lesen und schreiben.[9]

Schulen[Bearbeiten]

Formal ist zwar eine Grundbildung vorgeschrieben (6. bis 12. Lebensjahr) und staatlich garantiert, faktisch ist aber ein öffentliches Bildungssystem kaum existent. Die meisten Schulen erhalten keine staatliche Unterstützung. Daher müssen die Eltern die Lehrer direkt bezahlen. Bedingt durch den Krieg ging der Anteil der Kinder, die eine Schule besuchen, von rund 70 % auf nunmehr etwa 40 % zurück, weil für große Teile der Bevölkerung das Schulgeld unerschwinglich geworden ist.[J 15] Die Unterrichtsqualität wird generell als schlecht betrachtet, sodass die erworbenen Kenntnisse zumeist unzureichend sind und viele Schulabsolventen keine angemessenen Lese- und Schreibkompetenzen vorweisen können. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Lehrpersonal. 2008 kamen auf einen Lehrer 39 Schüler.[37] Aufgrund der demographischen Entwicklung ist mit einer weiteren Verschlechterung des Bildungswesens zu rechnen.[26]

Universitäten[Bearbeiten]

Bis zur Mitte der 1950er Jahre existierte im damaligen Belgisch-Kongo keine Universitätsausbildung. Es gab einige Ausbildungsstätten für Lehrer, für technische und medizinische Berufe, für Agrarwissenschaft und öffentliche Verwaltung sowie religiöse Seminare. Diese führten jedoch nicht zu anerkannten Studienabschlüssen. 1953 wurde in Kinshasa die Katholische Universität Lovanium gegründet. Sie war eng verbunden mit der Katholischen Universität von Löwen in Belgien. 1955 wurde in Lubumbashi eine staatliche Universität eröffnet. 1962 entstand unter protestantischer Schirmherrschaft eine dritte Universität bei Kisangani. Nach der Unabhängigkeit wurde eine Reihe von Fachhochschulen geschaffen.

Im August 1971 wurden die drei Universitäten zur Université Nationale du Zaire vereinigt mit separaten Standorten in Kinshasa, Lubumbashi und Kisangani. 1981 kam es wieder zur Aufteilung in selbständige Universitäten an diesen drei Orten.[48][49]

Die kongolesischen Universitäten gehörten einst zu den besten Afrikas. Heute ist die Unterrichtsqualität unzureichend. Es fehlt sowohl an Lehrmaterial als auch an qualifiziertem Lehrpersonal. Korruption ist auch hier anzutreffen. So werden Abschlüsse häufig durch Bestechung erworben.[26]

Arbeitsmarkt[Bearbeiten]

Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit war ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung in einem festen Arbeitsverhältnis. Bis in die 1990er Jahre sank dieser Anteil auf 15–20 %, wobei die Einkommen erheblich gefallen waren und nicht mehr zum Leben ausreichten. Seitdem ist fast jeder gezwungen, zusätzliches Geld im informellen Sektor zu verdienen, bereits in den 1980er Jahren war das reale Einkommen im Durchschnitt dreimal so hoch wie offiziell gezahltes Gehalt.[J 16] Die Zahl fester Arbeitsverhältnisse ging seitdem weiter zurück, während des Krieges betrug ihr Anteil nicht einmal mehr 5 %, ein Drittel der Bevölkerung verfügte über gar kein Geldeinkommen.[J 17]

Politik[Bearbeiten]

Politisches System[Bearbeiten]

Staatspräsident Joseph Kabila

Die Verfassung von 2006 definiert den Kongo als einen säkularen, demokratischen Rechtsstaat mit einem semipräsidentiellen Regierungssystem. Der Präsident wird vom Volk in allgemeinen, freien und gleichen Wahlen für fünf Jahre direkt gewählt. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Er ernennt den Premierminister und dessen Kabinett. Es gibt ein Zweikammersystem, bestehend aus Oberhaus (Senat) und Unterhaus (Nationalversammlung). Die 108 Mitglieder des Senats werden für fünf Jahre von den Provinzparlamenten gewählt, die Nationalversammlung mit 500 Abgeordneten wird vom Volk gewählt. 61 Sitze werden nach Mehrheitswahlrecht bestimmt, die übrigen nach Verhältniswahl in offenen Listen.

In der Praxis erfüllt der Staat, abgesehen von der erfolgreichen Wahl 2006, in keiner Weise die Merkmale einer Demokratie und eines Rechtsstaates. Eine Gewaltenteilung existiert nur in der Theorie, es gibt praktisch keine unabhängige Justiz, und Gesetze werden nicht durchgesetzt. Alle staatlichen Institutionen sind hochgradig korrupt und unzuverlässig, und es ist seit Jahrzehnten allgemein üblich, dass Posten in staatlichen Institutionen und Betrieben zur persönlichen Bereicherung ausgenutzt werden. Der Staat steht auf dem weltweiten Demokratieindex auf dem 155. von 167 Plätzen und wird der Kategorie Autoritäres Regime zugeordnet.[50]

Die territoriale Souveränität der Regierung ist insbesondere im Osten des Landes nicht mehr gegeben. Aufgrund ihrer Instabilität wird die Demokratische Republik Kongo als gescheiterter Staat bezeichnet, gleichwohl keine der zahlreichen Rebellengruppen, die seit der Unabhängigkeit existierten, je die Legitimität des Staates in Frage oder sezessionistische Forderungen stellten.[51]

Siehe auch: Liste der Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo

Verfassung[Bearbeiten]

Am 16. Mai 2005 beschloss das 2003 ernannte Übergangsparlament den Entwurf einer neuen Verfassung.[J 18] Die Macht des Präsidenten wird darin eingeschränkt. Der Premierminister ist nun nicht mehr dem Präsidenten verantwortlich, sondern der Mehrheitsfraktion im Parlament. Am 27. Oktober 2005 sollte das Volk über die neue Verfassung abstimmen.[J 19]

Der Abstimmung ging eine langwierige, von EU und UN unterstützte Wählerregistrierung voraus. Jeder Wähler erhielt einen fälschungssicheren Personalausweis, und trotz diverser Boykottaufrufe ließen sich insgesamt 25.650.751 Wähler registrieren, von geschätzt 28 Millionen prinzipiell Wahlberechtigten. Nachdem die Wählerregistrierung erheblich länger als geplant gedauert hatte (in abgelegenen Gebieten Équatuers und Bandundus wurden die letzten Wähler erst im Februar 2006 registriert), wurde die Abstimmung schließlich verschoben.[J 20]

Am 18. und 19. Dezember 2005 stimmten 84,3 % der Wähler bei einer Wahlbeteiligung von 62 % in einem Verfassungsreferendum für die Annahme der neuen Verfassung. Die Zustimmung war je nach Landesteil unterschiedlich verteilt, in Kinshasa stimmten aufgrund der dortigen Boykottkampagnen nur etwas mehr als 50 % dafür, in den Kivuprovinzen lag sie bei über 90 %.[J 21] Am 18. Februar 2006 trat die neue Verfassung in Kraft.[1]

Wahlen 2006 und 2011[Bearbeiten]

Wahlsieger des ersten Wahlgangs 2011 nach Region:

Am 30. Juli 2006 fanden die Wahlen für das Präsidentenamt und das Parlament statt. Es war die erste freie Wahl im Kongo seit 1965. Es gab 43 Bewerber für das Präsidentenamt, darunter zahlreiche frühere Rebellenführer, und über 60 Parteien für das Parlament. Unterschiedliche Programme hatten die Kandidaten nicht zu bieten, es ging lediglich um die Frage, wer das Land zukünftig regieren durfte. Der Wahlkampf war von Gewalt, willkürlichen Verhaftungen und Hetzkampagnen der Presse überschattet. Für den Fall, dass die ehemaligen Kriegsherren die Ergebnisse nicht anerkennen würden, wurden schwere Unruhen bis hin zu einem erneuten Ausbruch des Bürgerkriegs befürchtet. Zu Absicherung der Wahl entsandte die EU zusätzlich zur UN-Mission MONUC eine eigene Militärmission, die EUFOR RD Congo.[J 22]

Der Wahltag selbst verlief dann weitgehend friedlich. Im ersten Wahlgang erhielt Kabila 44,8 %, Jean-Pierre Bemba 20,0 % und Antoine Gizenga 13,1 %, die Anteile aller anderen Kandidaten lagen bei weit unter 10 %. Die Ergebnisse der Parlamentswahl verhielten sich ähnlich: Die PPRD (Kabila) erhielt 111 von 500 Sitzen, die MLC (Bemba) 64 und die PALU (Gizenga) 34, der Rest ging an zahlreiche kleine Parteien und unabhängige Kandidaten. Die Ergebnisse waren wie schon bei dem Verfassungsreferendum sehr unterschiedlich verteilt, in den Ostprovinzen, die während des Krieges unter Rebellenkontrolle standen, erzielte Kabila sehr hohe Ergebnisse, während im Westen die Stimmen breiter verteilt waren. Die befürchteten Unruhen blieben weitgehend aus, es kam lediglich zu begrenzten Gefechten zwischen den Truppen Bembas und Kabilas in Kinshasa.[J 23]

Da keiner der Kandidaten für das Präsidentenamt eine absolute Mehrheit erreicht hatte, fand am 29. Oktober 2006 eine Stichwahl statt, die Kabila mit 58,05 % der Stimmen gewann. Die Ergebnisse waren wieder ungleich verteilt, die westlichen Provinzen Équateur, Bas-Congo, Kinshasa und Kasai fielen Bemba zu, der Osten Kabila.[J 24]

Die nächste Wahl fand am 27. November 2011 statt. Im Vorfeld dieser Wahlen gab es Auseinandersetzungen um eine Verfassungsänderung, die nach Auffassung der Opposition eindeutig die Wiederwahl Kabilas begünstigte. Am 12. Januar 2011 stimmte die Nationalversammlung und am folgenden Tag auch der Senat als zweite Parlamentskammer für eine Abschaffung der Stichwahl um das Präsidentenamt. Demnach reicht die einfache Mehrheit im ersten Wahlgang.[52] In der Wahl, bei der es in Einzelheiten Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bzw. Wahlbetrug gab, wurde Kabila mit 48,95 % wiedergewählt, sein wesentlicher Konkurrent Étienne Tshisekedi erhielt 32,33 %.

Regierung[Bearbeiten]

Premierminister Augustin Matata Ponyo

2006 bis 2012[Bearbeiten]

Nach den Wahlen wurde am 30. Dezember 2006 Antoine Gizenga, der alte Lumumbistenführer der 1960er Jahre, zum Premierminister ernannt, am 7. Februar stand die neue, aus 60 Ministern und Vizeministern bestehende Regierung. Erstmals seit Jahrzehnten gab es wieder eine Regierung, die eine gute Regierungsführung zumindest versuchte.[J 25] Die Erfolge der neuen Regierung blieben gering, der alte Gizenga war der Situation nicht mehr gewachsen, die Macht im Land blieb bei Präsident Kabila und beim Militär. Am 25. September 2008 reichte Gizenga altersbedingt seinen Rücktritt ein,[J 26] Nachfolger wurde am 10. Oktober 2008 Haushaltsminister Adolphe Muzito. Er gehört ebenfalls der PALU an, dies war wegen eines Koalitionsabkommens zwischen den Regierungsparteien PPRD, PALU und UDEMO eine der Bedingungen bei der Neubesetzung des Postens.[53] Zusammen mit Muzito wurden 16 Minister neu ernannt. Die Mehrheit der Minister der Koalition hält Kabilas PPRD.[17]

Seit 2012[Bearbeiten]

Muzito trat am 7. März 2012 zurück. Nachfolger als Premierminister wurde am 18. April 2012 der bisherige Finanzminister Augustin Matata Ponyo. Er stellte am 28. April sein neues Kabinett vor. Vizepremier blieb Daniel Mukoko Samba, der auch den Posten des Haushaltsministers übernahm. Weitere Kabinettsmitglieder sind Louise Munga Mesozi, Alexandre Luba Ntambo (auch zweiter Vizepremier), Richard Mujey Magez, Raymond Tshibanda, Wivine Mumba Matipa, Céletin Vunabandi, Kinkiey Mulumba, Christostome Vahamwiti, Jean-Claude Kibala, Martin Kabwelulu, Lambert Mende, Remy Musungayi Bampale und Nemoyato Begepole[54]

Menschenrechte[Bearbeiten]

Der Kongo ist eines der Länder, in denen die Menschenrechte wenig geachtet werden. Dies trifft insbesondere auf die Kriegsgebiete zu, wo die Kriegsparteien kaum Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen.

Vergewaltigung war und ist in der Demokratischen Republik Kongo eine Kriegswaffe. In den Jahren 2006 bis 2009 wurden allein von dem Hilfswerk „Heal Africa“ 12.000 vergewaltigte Frauen betreut. Die Organisation geht von der zehnfachen Zahl an Vergewaltigungen aus.[55] Laut einer Studie sind rund 39 % aller Frauen und 24 % aller Männer im Land mindestens einmal in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung geworden.[56] Immer wieder gibt es Berichte über Massenvergewaltigungen, etwa 2010 in Luvungi.

Sowohl Angehörige bewaffneter Gruppen als auch staatliche Sicherheitskräfte verübten routinemäßig Folterungen und Misshandlungen, insbesondere gegen vermeintliche politische Gegner. Zu den Foltermethoden gehörten Schläge, Verletzungen durch Messerstiche, Vergewaltigungen und das Aufhängen von Personen an Gitterstäben. In den meisten Hafteinrichtungen und Gefängnissen herrschten derart harte Bedingungen, dass sie grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gleichkamen. In Berichten hieß es regelmäßig, dass Gefangene an Unterernährung und behandelbaren Krankheiten starben.

Ein weiterer humanitärer Krisenschwerpunkt ist die Nordost-Region der Provinz Orientale, wo die aus Uganda stammenden Lord’s Resistance Army (LRA) im Gefolge einer gescheiterten gemeinsamen Militäraktion von der Demokratischen Republik Kongo, Sudan und Uganda seit Dezember 2008 wiederholt grausame Attacken auf die Zivilbevölkerung verübt. Die LRA wird für den Tod von über 1.200 Menschen und die Entführung von über 600 Kindern seit September 2008 verantwortlich gemacht.[57]

2008 verurteilten Militärgerichte mindestens 50 Menschen zum Tode, darunter auch Zivilisten. Es wurden allerdings keine Hinrichtungen gemeldet – so Amnesty International. Sicherheitskräfte der Regierung und bewaffnete Gruppen überfielen und entführten Menschenrechtsverteidiger, schüchterten sie ein und bedrohten sie mit Mord. In Nord-Kivu mussten viele, die sich für die Menschenrechte einsetzten, untertauchen oder fliehen. Andere wurden zur Zielscheibe, weil sie an der Aufarbeitung politisch brisanter Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren. Im Jahr 2008 befanden sich Schätzungen zufolge immer noch 3000–4000 Kinder in den Reihen bewaffneter Gruppen.[58]

In einem im Dezember 2009 von Human Rights Watch veröffentlichten Bericht wird detailliert die gezielte Tötung von mehr als 1400 Zivilisten zwischen Januar und September 2009 während zwei aufeinander folgender kongolesischer Militäroperationen gegen die ruandische Hutu-Miliz „Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas“ (FDLR) dokumentiert.[59] Sowohl kongolesische Regierungssoldaten als auch FDLR-Rebellenmilizen haben Zivilisten angegriffen, ihnen vorgeworfen, mit dem Gegner zu kollaborieren, und sie „bestraft“, indem sie mit Macheten zu Tode gehackt wurden. Beide Seiten haben darüber hinaus Zivilisten bei Fluchtversuchen erschossen oder sie absichtlich in ihren Häusern verbrannt. Einige Opfer wurden gefesselt, bevor ihnen, einem Zeugen zufolge, die Kehlen „wie Hühnern durchgeschnitten“ wurden. Die Mehrheit der Opfer waren Frauen, Kinder und ältere Menschen.[60]

Am 1. Oktober 2010 veröffentlichte das Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) einen ausführlichen Bericht über schwerste Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen internationalen humanitären Rechts auf dem Territorium der Demokratischen Republik Kongo im Zeitraum von März 1993 bis Juni 2003.[61] Die Regierung von Ruanda hatte vor der Veröffentlichung dieses Berichts vergeblich Änderungen verlangt. Hintergrund war, dass einige der schwersten dokumentierten Verbrechen von Angehörigen der Rwandan Patriotic Army (RPA) und der mit ihnen verbündeten Alliance des forces démocratiques pour la libération du Congo-Zaïre (AFDL) begangen worden waren. Sie könnten nach Aussage des Berichts möglicherweise als Genozid bezeichnet werden.[62]

Mitgliedschaft in internationalen Organisationen[Bearbeiten]

Die Demokratische Republik Kongo gehört einer Reihe von politischen und wirtschaftlichen Vereinigungen an:[1]

  • AEC (Afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft)
  • AKP (Gruppe der Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifik)
  • AU (Afrikanische Union)
  • BAD (Afrikanische Entwicklungsbank)
  • COMESA (Gemeinsamer Markt für das Östliche und Südliche Afrika)
  • G33 (Zusammenschluss verschiedener Entwicklungsländer)
  • SADC (Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft)
  • UN (Vereinte Nationen)

Militär[Bearbeiten]

Kongolesische Soldaten werden von US-Militärberatern ausgebildet

Die kongolesischen Streitkräfte (frz. Forces Armées de la République Démocratique du Congo — FARDC) entstanden in ihrer heutigen Form nach dem Zweiten Kongokrieg, als die Regierungsarmee mit den verschiedenen Rebellenstreitkräften zusammengelegt wurde. 2003 meldeten Regierung und Rebellen über 300.000 Soldaten für die Eingliederung in die neuen Streitkräfte, nach einer unabhängigen Schätzung waren es aber allenfalls 200.000 Soldaten. Die Sollstärke der FARDC sollte bei etwa 120.000 Mann liegen. Bis 2008 waren aber erst etwa 45.000 Mann in 15 Brigaden einsatzbereit.[J 27] Bei Aufstellung der neuen Streitkräfte wurden „gemischte“ Einheiten gegründet, das heißt in der FARDC dienen Soldaten verschiedener Bürgerkriegsparteien in ein und derselben Einheit.[J 28]

Der Neuaufbau der Armee ist noch lange nicht abgeschlossen, die alten Strukturen der Rebellen bestehen weiter fort, zehntausende Soldaten befinden sich außerhalb der regulären Befehlsstrukturen unter dem Kommando ehemaliger Bürgerkriegsgeneräle. Dies ist vor allem im Osten des Landes, in den Kivuprovinzen der Fall, in der bis heute verschiedene lokale Milizen die Macht ausüben.[J 29]

Die FARDC hat sowohl mit starken Organisations- als auch Moralproblemen zu kämpfen. Die Soldaten sind unzureichend ausgebildet und ausgerüstet, der Sold wird nur unregelmäßig ausbezahlt und reicht nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.[63] Die Moral der Truppe ist entsprechend schlecht und die Desertationsrate hoch. Bei Kämpfen im Kivu kam es immer wieder zu Massendesertationen tausender Soldaten.[J 30] Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen gehen auf Kräfte der FARDC zurück, regelmäßig kommt es zu Übergriffen auf Zivilisten mit Plünderungen und Vergewaltigungen[64] seitens der Angehöriger der FARDC.[J 31]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

In der Demokratischen Republik Kongo herrscht traditionell eine streng zentralistische Verwaltung. Das Land ist in zehn Provinzen und den Hauptstadtdistrikt gegliedert. Die 2005 beschlossene Verfassung sah eine Dezentralisierung vor, bei der die 11 Gebietskörperschaften in 26 neue Provinzen mit eigenen Parlamenten aufgeteilt werden sollten. 40 % der auf dem Gebiet einer neuen Provinz eingenommenen Steuern sollten künftig dort verbleiben. Diese Verwaltungsreform sollte erst 2011 komplett umgesetzt worden sein.[J 32] Im Januar 2011 wurde die Neuaufteilung des Landes jedoch durch eine Verfassungsänderung abgesagt.[65]

Die folgende Tabelle gibt die derzeitigen Provinzen des Landes mit Fläche und Einwohnerzahl an. Kinshasa wird offiziell nicht als Provinz, sondern als Hauptstadtdistrikt bezeichnet.

Kasai-Occidental Kinshasa Bas-Congo Kasai-Oriental Maniema Nord-Kivu Sud-Kivu Katanga Orientale Équateur Bandundu Kamerun Gabun Ruanda Burundi Tansania Uganda Südsudan Zentralafrikanische Republik Republik Kongo Angola (Cabinda) Angola Sambia Äquatorialguinea
Darstellung der seit 1997 existenten Provinzen der Demokratischen Republik Kongo

Nr.

Name Hauptstadt Fläche Einwohner (2010)[66]
1 Bandundu Bandundu 295.658 km² 8.062.463
2 Bas-Congo Matadi 053.920 km² 4.522.942
3 Équateur Mbandaka 403.292 km² 7.501.902
4 Kasai-Occidental Kananga 154.742 km² 5.366.068
5 Kasai-Oriental Mbuji-Mayi 170.302 km² 6.556.917
6 Katanga Lubumbashi 496.871 km² 5.608.683
7 Kinshasa Kinshasa 009.965 km² 8.900.721
8 Maniema Kindu 132.250 km² 2.049.300
9 Nord-Kivu Goma 059.483 km² 5.767.945
10 Orientale Kisangani 503.239 km² 8.197.975
11 Sud-Kivu Bukavu 065.070 km² 4.614.768

Wirtschaft[Bearbeiten]

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der DR Kongo.

Auslandsschulden und Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Mrd. US-$[1][6]

Jahr BIP Auslandsschulden
1960 1,3
1970 4,0 0,3
1980 11,3 4,7
1990 8,6 9,8
1997 5,5 12,7
1998 7,0 12,9
2000 5,2 11,7
2001 5,2 11,4
2002 5,7 10,3
2007 10,0
2009 11,1 13,5

Jahrzehntelange Misswirtschaft, extreme Korruption und jahrelange Bürgerkriege machten den Kongo, der kurz nach der Unabhängigkeit eines der wirtschaftlich am höchsten entwickelten Länder Afrikas war und über die größten Naturreichtümer des Kontinents verfügt, zu einem der ärmsten Länder der Welt, das in allen Entwicklungsindikatoren weit hinten angesiedelt ist.

Das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt etwa 25,44 Milliarden US-Dollar[67] (etwa 15,8 Milliarden Euro), das BIP pro Einwohner ungefähr 375 US-Dollar[68] (etwa 270 Euro). Die Frauenerwerbsquote liegt bei etwa 71%.[69]

Die Inflationsrate ist beständig hoch und betrug 2011 13,3 %,[70] seit Jahrzehnten dient daher der US-Dollar als Zweitwährung und Wertaufbewahrungsmittel.[J 33]

Charakteristisch für das Land ist der große informelle Sektor, der nicht in die Berechnung des BIP einfließt. Bereits in den 1980er Jahren soll die informelle Wirtschaft dreimal so groß wie die offizielle gewesen sein.[J 34] Grund für diese Entwicklung war und ist die extreme Korruption und die mangelnde Effektivität staatlicher Organe, die ein solides Wirtschaften enorm erschwert. Von staatlicher Seite werden erst in jüngster Zeit Anstrengungen unternommen, den Zustand zu ändern.[J 35][1]

Seit Abschaffung einer Einheitsgewerkschaft 1990 besitzt das Land nun zwar mehrere unabhängige Gewerkschaften, welche aber kaum noch Einfluss auf die Unternehmen haben.[26]

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten]

Industrieanlage in Élisabethville (heute Lubumbashi), 1917

Die Wirtschaft des Landes erlebte in den vergangenen Jahrzehnten eine wechselvolle Entwicklung. In vorkolonialer Zeit war das heutige Staatsgebiet eine bedeutende Quelle für Sklavenhändler. Die von Sansibar aus operierenden islamischen Sklavenhändler, die von lokalen Herrschern und Milizen unterstützt wurden, beuteten das Land weit schwerwiegender aus als die Europäer im Westen des Landes.[J 36] Die europäische Kolonialisierung ab 1876 setzte sich die Beendigung des Sklavenhandel zum Ziel, der Widerstand der Sklavenhändler wurde blutig niedergeschlagen.

Nach Errichtung des Kongo-Freistaats durch Belgien begann eine in der Kolonialgeschichte beispiellose Ausplünderung des Landes. Der Bevölkerung wurde Zwangsarbeit auferlegt, um Elfenbein, Palmöl und vor allem Kautschuk zu exportieren. Mit Gründung von Belgisch-Kongo 1908 rückte allmählich der Bergbau zum Hauptwirtschaftszweig auf, es wurden vor allem Kupfer und Diamanten abgebaut. Die Landbevölkerung wurde gezwungen, Exportprodukte wie Baumwolle und Palmöl zu produzieren. Es entstand ein modernes, dichtes Straßennetz und ein effizientes Gesundheitssystem, welches auch den Lebensstandard der Einheimischen hob.[J 37][71] In den letzten Jahren vor der Unabhängigkeit zählte die Kolonie zu den wirtschaftlich am höchsten entwickelten afrikanischen Staaten, der Wohlstand war jedoch extrem zugunsten der immer zahlreicher werdenden belgischen Siedler verteilt: Die Hälfte des Volkseinkommens lag bei den 1 % Europäern, von gesellschaftlicher und politischer Teilhabe blieben die Kongolesen weitgehend ausgeschlossen.[J 38]

Die Wirren nach der Unabhängigkeit und die Ausreise vieler Belgier hatten zunächst einen wirtschaftlichen Einbruch zur Folge, von dem sich das Land aber innerhalb weniger Jahre erholte. Von hohen Rohstoffpreisen getragene teilweise zweistellige Wachstumsraten Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre ermöglichten große, aber unrentable Bauprojekte wie den Inga-Staudamm und die HGÜ Inga-Shaba. Es wurde erwartet, dass sich das Land innerhalb weniger Jahre zur Industrienation entwickeln würde.[J 39]

Als infolge der Ölkrise ab 1973 die Rohstoffpreise zu sinken begannen, begann auch der Niedergang der zairischen Wirtschaft. Die immer weiter ausufernde Korruption Mobutus und seiner Herrschaftclique sorgte dafür, dass Exporteinnahmen nicht mehr reinvestiert wurden und die Wirtschaftsbetriebe verfielen.[J 40] Während der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre befand sich die Wirtschaft im freien Fall, zwischen 1990 und 1994 hatte sich das Bruttoinlandsprodukt fast halbiert, die Kupferproduktion war um über 90 % gesunken, die Inflationsrate dreistellig. Immer größere Teile der Wirtschaft wanderten in den informellen Sektor ab. Zwar stabilisierte sich die Lage kurzzeitig wieder,[J 41] aber die Kriege ab 1996 führten zu einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Nach Kriegsende begann, getragen durch hohe Rohstoffpreise und internationale Investitionen im bedeutenden Bergbausektor, ein erneuter Aufschwung. Der Ausbruch der Finanzkrise 2008 belastet mit sinkenden Rohstoffpreisen und weniger Investitionen auch die kongolesische Wirtschaft außerordentlich stark.[J 42]

Rohstoffe[Bearbeiten]

Bergbau[Bearbeiten]

Artisanaler Bergbau im Kongo

Der Kongo zählt zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt, Bergbauprodukte sind daher seit Jahrzehnten Hauptexportgut, wichtigster Devisenbringer des Landes und Haupteinnahmequelle des Staates.[J 43] Gefördert werden vor allem Diamanten (Kasai), Gold (Kivu, Ituri), Kupfer (Katanga), und Coltan (Kivu).[1] Besondere Bekanntheit hat der Abbau des Erzes Coltan erlangt. Er enthält die begehrten Metalloxide Columbit und Tantalit, aus denen Niob und Tantal gewonnen werden. Tantal ist für die Produktion elektronischer Geräte von großer Bedeutung, Niob dient als Bestandteil verschiedener Legierungen wie Ferroniob zur Herstellung hitzebeständiger Bauteile in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Die noch aus der Kolonialzeit und den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit entstandenen Förderanlagen sind mangels Instandhaltung heute weitgehend zerfallen, der Wiederaufbau kommt nur schleppend voran.[1][J 44] Artisanaler Bergbau, der weitgehend ohne maschinelle Unterstützung erfolgt, stellt heute daher den wichtigsten Wirtschaftszweig mit den meisten Erwerbstätigen, dem größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt und an den Exporten dar. Diese Wirtschaftsform entzieht sich weitgehend staatlicher Kontrolle.[J 45]

Während des Krieges war der Verkauf von Bodenschätzen wichtigste Einnahmequelle sowohl für Regierung als auch die Rebellen, auch die Nachbarstaaten und private Gesellschaften waren an der jahrelangen systematischen Ausplünderung des Landes beteiligt.[72]

Nach wie vor wird der Osten des Landes, in dem sich die meisten Bodenschatzvorkommen befinden, nicht von der Regierung, sondern zu großen Teilen von aufständischen Milizen kontrolliert. Die Schürfer müssen ihre Erze zu Preisen, die weit unter Weltmarktpreisen liegen, an Exporthändler verkaufen, die von den lokalen Machthabern konzessioniert sind. Dieses System beschert den Bewaffneten stetige Einnahmen und ermöglicht damit die Finanzierung des Kriegs.[J 46] Zukünftig soll ein Zertifizierungssystem für kongolesische Rohstoffe dafür sorgen, dass diese legal gehandelt werden.[73]

Der Import kongolesischen Coltans steht in den Industriestaaten seit Jahren in der Kritik, weil damit westliche Unternehmen indirekt maßgeblich zur Aufrechterhaltung des Kriegszustandes beitragen. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen organisierten immer wieder Boykottkampagnen gegen Coltan aus dem Kongo, ließen dabei aber außer Acht, dass der Coltanexport Haupteinnahmequelle der Bevölkerung des Kivu ist.[J 47]

Um die Geldquellen der Profiteure dieser Geschäfte trockenzulegen, verhängte die Regierung am 11. September 2010 einen totalen Stopp sämtlicher Bergbauaktivitäten für die Provinzen Nord-Kivu, Sud-Kivu und Maniema im Osten des Kongos, das Schürfer, Händler, Exporteure und Inhaber von Abbaurechten betraf.[74] Dadurch konnten die Bergbauaktivitäten jedoch nicht gestoppt werden, sondern wurden stattdessen in den illegalen Bereich gedrängt. Während kriminelle Unternehmen profitierten, brach die sonstige Wirtschaft in der Kivu-Region fast vollständig zusammen. Deshalb wurde das Bergbauverbot im März 2011 wieder aufgehoben.[75]

Erdöl[Bearbeiten]

Die Erdölreserven im gesamten Staatsgebiet werden auf 180 Millionen Barrel geschätzt, im Jahr 2009 wurden täglich rund 16.360 Barrel Erdöl gefördert.[1] Die Regierung forciert die Erdölförderung, missachtet aber dabei häufig Umwelt- und Sicherheitsbedenken. Im Jahr 2010 erhielten SOCO International, Dominion Petroleum und das Staatsunternehmen Cohydro die Konzession für Ölbohrungen im Nationalpark Virunga, der zum Weltnaturerbe zählt und mitten in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet liegt.[76] Auf Druck von EU-Kommission, UNESCO und zuständigen UN-Stellen wurde die Genehmigung des Projekts jedoch im März 2011 von der Regierung zurückgenommen.[77]

Das Land besitzt Erdgasreserven von 991,1 Millionen Kubikmetern, derzeit findet jedoch noch keine Förderung statt.[1]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft im Kivu

Während der Kolonialzeit wurde die Landbevölkerung zum Anbau von Feldfrüchten für den Export gezwungen,[J 48] in den Jahren vor der Unabhängigkeit entstanden auch von Europäern geleitete Agrargroßbetriebe. Seit 1960 ging die landwirtschaftliche Produktion stetig zurück, besonders die Verstaatlichung ab 1973, in der viele produktive Betriebe enteignet wurden, verursachte einen deutlichen Einbruch. Seitdem wird die Landwirtschaft vor allem zugunsten des lukrativeren artisanalen Bergbaus vernachlässigt.[J 49] In den meisten ländlichen Regionen herrscht heute Subsistenzwirtschaft vor, ein Transport der Ernte in die Städte wäre aufgrund fehlender Verkehrswege ohnehin kaum möglich.[78]

Nur knapp drei Prozent der Landfläche wird landwirtschaftlich genutzt, dennoch macht die Landwirtschaft mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus und beschäftigt fast zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung. Die Produktion von Nahrungsmittel reicht für den Eigenbedarf nicht aus, das Land muss solche importieren.[1][78]

Typische Agrarprodukte sind Maniok, Zuckerrohr, Kaffee, Palmöl, Kautschuk und Bananen. Ebenfalls besteht eine nennenswerte Holzwirtschaft.[1]

Industrie[Bearbeiten]

Der industrielle Sektor konzentriert sich heute auf die Verarbeitung der vorhandenen Bodenschätze. Während des Wirtschaftsbooms um das Jahr 1970 wurde zwar mit dem Aufbau einer importsubstituierenden Industrie begonnen, diese war aber gegenüber Importen nicht konkurrenzfähig und verschwand bis in die 1990er Jahre fast völlig. Industrielle Großbetriebe bestehen heute kaum noch. Die verarbeitende Industrie besteht heute aus Kleinbetrieben, die verschiedene Konsumgüter wie Textilien, Schuhe oder Zigaretten produzieren bzw. in der Lebensmittelverarbeitung tätig sind.[1][78]

Außenhandel[Bearbeiten]

2007 exportierte das Land Waren im Wert von 6,1 Milliarden US-Dollar, die Hauptexportprodukte sind Diamanten, Gold, Kupfer sowie Holz und Kaffee. Die Exporte gingen im Jahr 2009 fast zur Hälfte (46,8 %) in die Volksrepublik China, es folgten die USA mit 15,4 % und Belgien mit 10,7 % sowie Sambia (5,8 %) und Finnland (4,4 %).

Den Ausfuhren stehen Importe im Wert von 5,2 Milliarden US-Dollar gegenüber. Es handelt sich bei den Einfuhren zumeist um Maschinen und Fahrzeuge aller Art sowie Nahrungsmittel und Treibstoffe. Die Produkte kommen vorwiegend aus Südafrika (18,2 %), Belgien (10,2 %), China (8,3 %), Sambia (7,8 %), Frankreich (7,3 %) und weiteren afrikanischen und europäischen Staaten.[1]

Die Außenhandelsbilanz des gesamten Landes ist zumeist nahezu ausgeglichen, allerdings bestehen innerhalb des Landes hohe Ungleichgewichte, denn nahezu alle Exportgüter werden in nur wenigen Landesteilen produziert. Lokale Handelsbilanzdefizite werden zumeist durch informellen Handel, der in den Statistiken nicht auftaucht, ausgeglichen.[J 50]

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2010 Ausgaben von umgerechnet 4 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 4,31 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 2,4 % des Bruttoinlandsprodukts.[1]

Die Staatsverschuldung betrug 2010 3,87 Mrd. US-Dollar oder 29,5 % des BIP. 2010 wurden der Demokratischen Republik Kongo Staatsschulden in Höhe von ca. 12 Milliarden US-Dollar erlassen; 2009 entsprach die Staatsverschuldung noch 138,3 % des BIP und war damit, gemessen an der Wirtschaftsleistung, eine der höchsten der Welt.[1][79]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Infrastruktur[Bearbeiten]

Schematische Darstellung der Verkehrsinfrastruktur im Kongo
Unbefestigte Straße bei Kisangani
Wiedereröffnung der Bahnstrecke Lubumbashi-Kindu
Karte der Eisenbahnstrecken im Land, welche allerdings nicht mehr alle vollständig betrieben werden
Boote auf dem Kongo
Die Inga-Staudämme
geplanter Staudamm Grand Inga mit geplantem Staubecken nach Umleitung des Kongo

Die Demokratische Republik Kongo steht großen Herausforderungen gegenüber, was die Infrastruktur betrifft. Die bewaffneten Konflikte der näheren Vergangenheit haben dazu geführt, dass die Einrichtungen entweder direkt beschädigt oder ihr Erhalt vernachlässigt wurden. Somit ist mehr als die Hälfte der Anlagen dringend erneuerungsbedürftig. Um auf den Stand eines durchschnittlichen Entwicklungslandes zu kommen, müsste die Demokratische Republik Kongo jährlich etwa 5,3 Milliarden US-Dollar bzw. 75 % ihres Bruttoinlandsproduktes von 2006 aufwenden, gleichzeitig geht aktuell jährlich fast eine halbe Milliarde US-Dollar durch ineffiziente Infrastruktur verloren.[81]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Der Kongo erbte bei seiner Unabhängigkeit ein teils sehr gutes Straßennetz von über 100.000 Kilometern Länge, das sich über das gesamte Land erstreckte. Unzureichende Wartung während der Herrschaft Mobutus sorgte dafür, dass in den 1990er Jahren nur noch etwa 10.000 Kilometer Straße befahrbar waren, die Überlandstraßen waren fast vollständig verschwunden.[J 51] Die Länge des Straßennetzes wird heute mit rund 150.000 Kilometer angegeben, von denen nur rund 3000 Kilometer asphaltiert sind;[1] es gibt in der Welt kaum ein Land, das ein so dünnes Straßennetz hat wie die Demokratische Republik Kongo. Auf 1000 km² kommen im Schnitt gerade 1 km befestigter und 14 km unbefestigter Straße. Weniger als die Hälfte des Straßennetzes befindet sich in annehmbaren Zustand und die Wiederherstellung vernünftiger Straßenverbindungen zwischen den Ballungsräumen des Landes gehört zu den dringendsten Aufgaben der Regierung. Die niedrige Bevölkerungsdichte, das Klima und die Topographie lassen den Unterhalt eines gut ausgebauten Straßennetzes aber sehr teuer werden, so dass das Land etwa 5 % seines Bruttonationalproduktes jährlich allein für den Unterhalt seiner Verkehrsinfrastruktur ausgeben müsste. Das ist ein Vielfaches dessen, was für öffentliche Investitionen in den letzten Jahren zur Verfügung gestanden ist. Als Konsequenz des Ganzen kostet es dreimal so viel, Güter auf der Straße wie auf dem Wasserweg zu transportieren, der Straßentransport ist in der Demokratischen Republik Kongo dreimal so teuer wie in seinen Nachbarländern.[82]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

In der Kolonialzeit wurde der Ausbau eines Eisenbahnnetzes vorangetrieben, vorrangig zur effizienteren Ausbeutung der Rohstoffe, die per Bahn schneller aus dem Landesinneren an die Küste gelangen konnten. Heute verfügt die Demokratische Republik Kongo auf dem Papier über rund 5100 Kilometer Gleis[9] in mehreren voneinander unabhängigen Netzen. Die Chemin de Fer Matadi-Kinshasa (CFMK) betreibt eine 366 km lange Verbindung zwischen Kinshasa und dem Hafen Matadi. Diese eingleisige, elektrifizierte Strecke ist nur 30 Jahre alt und in relativ gutem Zustand. Die Société Nationale des Chemins de fer du Congo (SNCC) betreibt ein weitaus größeres Netz mit Zentrum im Südosten des Landes, wobei die wichtigste Verbindung zwischen Kolwezi und der Grenze zu Sambia verläuft. Über die SNCC verlassen Rohstoffe, vor allem Kupfer, das Land. Die SNCC ist von Ilebo über den Fluss Kongo mit Kinshasa und damit der CFMK verbunden. Im Moment wird in Angola die Benguelabahn wiedererrichtet und wird auch mit dem Netz der SNCC verbunden sein, was Kupferexporte über Lobito ermöglichen wird. Die SNCC hat eine sehr alte Infrastruktur in sehr schlechtem Zustand, so dass mehr und mehr Rohstoffe über die Straße befördert werden.[83] Die Uelle-Bahnen werden größtenteils schon lange nicht mehr bedient, jedoch wurde der Abschnitt zwischen Bumba und Aketi im Jahr 2005 wiederhergestellt.[84]

Im Vergleich mit den Eisenbahnnetzen seiner Nachbarländer verkehren auf den Schienen des Kongo sehr wenige Züge, die Indikatoren für Effizienz und Zuverlässigkeit sind deutlich schlechter und die Preise für die Güter- wie Personenbeförderung deutlich höher.[83]

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Der Hafen von Matadi ist mit 2,5 Millionen Tonnen Kapazität der wichtigste Seehafen der Demokratischen Republik Kongo. Er liegt nahe der Kongo-Mündung, hat jedoch den Nachteil, dass er aufgrund der geringen Tiefe des Flusses nur von kleinen Schiffen erreicht wird, womit er vom Umlad in Pointe-Noire abhängt. Während Matadi für den Westteil des Landes von hoher Bedeutung ist, liegen die Häfen für die Städte im Osten der Demokratischen Republik Kongo an der afrikanischen Ostküste: Mombasa für den Nordosten, Dar-es-Salaam und Durban für den Südosten.[85]

Der Hafen von Matadi ist auch im afrikanischen Kontext ineffizient bei gleichzeitig hohen Kosten, darüber hinaus muss er regelmäßig ausgebaggert werden. Dies gilt auch für die kleineren Häfen Boma und Banana. Der direkte Zugang zum Tiefseehafen Pointe-Noire ist für die Demokratische Republik Kongo durch den desolaten Zustand der Bahn- und Straßeninfrastruktur in der benachbarten Republik Kongo versperrt.[85]

Angesichts der schlechten Straßen und Gleise hat der Schiffsverkehr auf den Flüssen die größte Bedeutung für das Land. Mehr als 15 000 km des Kongo und seiner Nebenflüsse sind schiffbar.[86] Schlechte Wartung der Schiffe und nicht mehr funktionierende Leitsysteme führen jedoch immer wieder zu Unglücken mit zahlreichen Todesopfern.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Aufgrund des schlechten Straßensystems und der geographischen Größe des Landes kommt dem Luftverkehr erhebliche Bedeutung zu. Während des Krieges waren viele Städte nur per Flugzeug erreichbar, Reisen auf dem Landweg waren durch die Rebellenpräsenz zu gefährlich.[J 52] Von großer Bedeutung ist der Luftfrachtverkehr, die abgebauten Bodenschätze werden vor allem im Osten des Landes auf dem Luftweg abtransportiert, weil die Straßen unter Rebellenkontrolle stehen.[J 53] Im Land gibt es fast 200 Flugplätze, aber nur 26 mit befestigter Landebahn.[1] Größter Flughafen ist der Flughafen Ndjili in Kinshasa, weitere internationale Flughäfen befinden sich in den Städten Lubumbashi, Bukavu, Goma und Kisangani.

Aufgrund schlechter Wartung und mangelnder Sicherheitskontrollen kam es in Kongo wiederholt zu Flugzeugunglücken, weshalb alle rund 50 kongolesischen Fluggesellschaften auf der schwarzen Liste der EU-Kommission stehen. Die einstmals größte Linie Hewa Bora[87] musste 2011 nach einem Absturz ihren Betrieb einstellen. Viele Inlandsflüge werden von Kongolesen als Umsteigeverbindungen über das Ausland gebucht, um die einheimischen Luftlinien zu umgehen. Somit ist die Schaffung einer effizienten Aufsichtsbehörde über den Luftverkehr von oberster Dringlichkeit.[87]

Energie- und Wasserversorgung[Bearbeiten]

Die Demokratische Republik Kongo gewinnt elektrische Energie fast ausschließlich aus Wasserkraft.[88] Die beiden größten Kraftwerke sind die zwei Inga-Staudämme am Unterlauf des Kongo. Sie gingen 1972 (Inga I) bzw. 1982 (Inga II) in Betrieb und versorgen sowohl die Hauptstadt Kinshasa als auch Bergbaubetriebe in Katanga mittels der HGÜ Inga-Shaba mit Strom.

Die Demokratische Republik Kongo hat das größte Wasserkraft-Potenzial Afrikas. Es beträgt 100 GW, ist kostengünstig zu erschließen und könnte neben dem Kongo selbst auch die Exportmärkte im südlichen Afrika versorgen. Bis dato ist das Potenzial jedoch weit gehend ungenutzt, im Jahr 2009 waren nur 2,4 GW Leistung installiert, die Vernachlässigung während der Bürgerkriege hat jedoch dazu geführt, dass nur 1 GW überhaupt einsatzbereit ist.[89] Der im Mai 2013 angekündigte Ausbau der Inga-Staudämme kann als Schritt in Richtung der Entwicklung des riesigen Potenzials verstanden werden.[90]

In der Demokratischen Republik Kongo haben etwa 30 % der Bevölkerung Zugang zu Leitungswasser, meist öffentlich oder auch im eigenen Haus. Fast ein Viertel der Bevölkerung ist jedoch auf Oberflächen-Wasser angewiesen. Besorgniserregend ist, dass dieser Anteil im Steigen begriffen ist. Der Anteil der Bevölkerung, die nicht einmal Zugang zu einer Latrine hat, liegt bei einem Sechstel, auch dieser Anteil ist am Steigen. Der öffentliche Wasserversorger heißt Regideso, er agiert bei weitem weniger effizient als seine Pendants in anderen afrikanischen Staaten. 40 % des Wassers gehen in seinem Netz verloren und nur 70 % des konsumierten Wassers wird bezahlt.[91]

Telekommunikation[Bearbeiten]

Das Telefonnetz des staatlichen Betreibers OCPT ist unzuverlässig und unzureichend, es gibt daher nur rund 10.000 Festnetzanschlüsse im ganzen Land. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen hat sich die Mobiltelefonie in der Demokratischen Republik Kongo schnell entwickelt. Im Jahr 2006 waren 65 % der Bevölkerung von einem GSM-Signal abgedeckt; aufgrund der schwierigen Topographie des Landes sind aber etwa 20 % ohne Subvention nicht wirtschaftlich erschließbar. Im Jahre 2009 hatten etwa drei von 100 Einwohnern der Demokratischen Republik Kongo einen Mobilfunk-Vertrag. Der lebhafte Wettbewerb zwischen den vier Anbietern führt zu niedrigen Preisen, wie auch in den Nachbarländern. Die Demokratische Republik Kongo ist nicht an ein Unterseekabel angeschlossen, wodurch Internetzugang sehr teuer ist. Als Ergebnis dessen liegt der Anteil der Internet-Benutzer in der Demokratischen Republik Kongo weit unter dem afrikanischen Durchschnitt.[87]

Kultur[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

Pressefreiheit[Bearbeiten]

Trotz der in der Verfassung des Landes garantierten Informations- und Pressefreiheit ist die Pressefreiheit im Land laut „Reporter ohne Grenzen“ derzeit in einer „schwierigen Situation“. Die Organisation führt die Demokratische Republik Kongo im weltweiten Medienindex 2013 auf dem 142. von 179 Plätzen.[92]

Die Medien im Land sind zum überwiegenden Teil im Besitz oder unter dem Einfluss politischer Gruppierungen. Die Journalisten sind finanziell von ihren Auftraggebern abhängig, eine Situation die unabhängige Berichterstattung auch ohne direkte staatliche Interventionen einschränkt. Die Qualität der Berichterstattung ist allgemein schlecht. Die Journalisten sind unzureichend ausgebildet, schlecht bezahlt, korrupt und durch ihre Auftraggeber in der Berichterstattung eingeschränkt. Kritische Journalisten werden bedroht, erpresst, verhaftet und gelegentlich ermordet, sodass Selbstzensur weit verbreitet ist. Urheberrechte werden selten beachtet.[93]

Nachrichtenagenturen[Bearbeiten]

Das Land hat drei bedeutsame Nachrichtenagenturen:

Radio[Bearbeiten]

Das Radio ist das reichweitenstärkste Medium des Landes und ist auch im ländlichen Raum sehr verbreitet. 2007 gab es im Land zwei staatliche Radiostationen und über 200 private, lokale Sender. Die UNO betreibt das landesweit empfangbare Radio Okapi; daneben sind die ausländische Sender BBC World Service und Radio France Internationale[94] zu empfangen. RFI musste 2009 zeitweilig den Betrieb im Kongo einstellen, nachdem der Sender Kritik an der kongolesischen Armee geübt hatte.[93] Ende 2012 wurde zeitweilig die Ausstrahlung von Radio Okapi unterbunden, laut Mutmaßungen infolge eines Interviews mit dem Präsidenten der Bewegung 23. März, offiziell jedoch aus administrativen Gründen.[95]

Fernsehen[Bearbeiten]

Das Fernsehen wurde 1978 eingeführt und verbreitete anfangs Mobutus Propaganda, der sich als vom Himmel auf die Erde herabschwebender Halbgott darstellen ließ.[J 54] Heute gibt es neben dem staatlichen Radio-Télévision nationale congolaise (RTNC) bis zu 50 weitere, zumeist lokale, Privatsender wie Radio Télévision Groupe L’Avenir (RTG@). Generell ist das Programm aus Geldknappheit qualitativ eher schlecht, so werden zumeist Musik, Wiederholungen oder politische Reden ausgestrahlt.[93]

Printmedien[Bearbeiten]

Zeitungen sind mit einem Preis von etwa einem US-Dollar für die meisten Kongolesen unerschwinglich und daher wenig verbreitet. Grund für die hohen Preis ist der fehlende Anzeigenmarkt, wodurch sich die Zeitungen fast vollständig über den Verkaufspreis finanzieren müssen. Der Zeitungsmarkt konzentriert sich fast nur auf die Landeshauptstadt Kinshasa, der Vertrieb auf dem flachen Land ist mangels Infrastruktur zu teuer. In Kinshasa gibt es neun regelmäßig erscheinende Zeitungen, von denen sechs der Opposition und drei der Regierung zugewandt sind. Im ganzen Land dürfte es über 200 Zeitungen geben, die allerdings mitunter nur sehr unregelmäßig erscheinen.[93]

Internet[Bearbeiten]

Das Internet ist wenig verbreitet; 2011 nutzten es nur geschätzte 1,2 % der Kongolesen.[96] Die Kosten von ca. 1 US-Dollar pro Stunde sind für die meisten Kongolesen zu hoch und die Infrastruktur zu schlecht. Eine Internetzensur besteht nicht.[93]

Küche[Bearbeiten]

Eine kongolesische Frau trägt Bananen

Das Hauptnahrungsmittel in der Demokratischen Republik Kongo ist Maniok, dessen Wurzeln gekocht, gebraten, zu Brot oder Fufu-Brei verarbeitet oder als Atiéké konsumiert werden, weiters Taro, Mais und Reis; letztere vor allem in Kasai und Katanga. Die Blätter der Maniok-Pflanze werden ebenfalls konsumiert: Pondu ist ein im ganzen Land verbreitetes, häufig an Festtagen zubereitetes Gericht, bei dem feingeschnittene Maniok-Blätter gekocht und dann in Palmöl geschmort werden. Dazu isst man häufig gestampfte Erdnüsse.

Weiters sind die Kongolesen relativ große Konsumenten von Fleisch, neben Rindfleisch (vor allem in Kivu) sowie Geflügel-, Schweine- und Hammelfleisch kommen auch häufig Wildtiere wie Krokodil, Büffel, Schlange oder Insekten (Bushmeat) auf den Tisch. Bedingt durch die große Anzahl von Flüssen wird auch viel Fisch konsumiert, häufig getrocknet oder gesalzen. In der Regel ist das Essen scharf gewürzt, wobei Gewürze wie Chili, Ingwer, Knoblauch und Pfeffer, manchmal auch Koriander, Kümmel, Sesam, Muskat oder schwarzer Kardamom zum Einsatz kommen. Als Zwischenmahlzeit dienen oft Früchte wie Ananas, Bananen, Papayas, Mangos und Kokosnüsse.

Fremde Küchen haben auf die Kochkunst des Kongo wenig Einfluss gehabt; zu nennen ist hier jedoch der von den Portugiesen übernommene gesalzene Stockfisch.[97]

Kunst[Bearbeiten]

Yombe-Skulptur (19. Jahrhundert), im Pariser Louvre

Das Kunstzentrum des Landes ist Kinshasa, dort befindet sich Zentralafrikas einzige Kunstakademie universitären Niveaus, die Académie des Beaux-Arts de Kinshasa. Die bekanntesten Künstler des Landes unterrichten hier. Neben der Galerie der Akademie wird Kunst im französischen und belgischen Kulturzentrum und in der Galerie Symphonie des Arts präsentiert, ebenso wie in den privaten Studios der größeren Künstler wie Claudy Khan, Henri Kalama Akulez und Lema Kusa.

Musik[Bearbeiten]

Die Musik des Landes war schon immer sehr vielfältig. Sie hat einen langen Entwicklungsprozess zu ihrer heutigen Form hinter sich:

In der präkolonialen Zeit gab es in der Demokratischen Republik Kongo sehr viele verschiedene Arten der traditionellen afrikanischen Musik, welche von Region zu Region variierten und sich meist in religiösen Gesängen ausdrückten. Diese besaßen Tonsysteme mit fünf-, sechs- und siebentönigen Tonleitern.

Während der Kolonialzeit bildete sich dann in den 1920er Jahren eine größere Musikszene in der Koloniehauptstadt Léopoldville (heute Kinshasa). Sie bestand sowohl aus Kongolesen als auch aus westafrikanischen Ausländern wie den Hausa und französischen und US-amerikanischen Soldaten. So bildete sich nach und nach der Soukous-Musikstil heraus, welcher auch heute noch typisch für die Kongoregion ist. Neben dem Gesang waren die damals wichtigsten Instrumente Gitarre, Schlagzeug, Akkordeon und Klarinette. Nach und nach kamen Saxophone, Trommeln und später E-Gitarren hinzu. Es entstand auch ein Soukous-Tanz, welcher vor allem vom Rumba-Tanz inspiriert wurde. Der bekannteste kongolesische Sänger der 1950er Jahre war Wendo. Er veröffentlichte den Hit Marie-Louise, der von vielen als Ausgangspunkt für die moderne kongolesische Musik gesehen wird.

Die Gruppe Staff Benda Bilili 2010 in Frankfurt am Main

Nach der Unabhängigkeit des Landes 1960 entstanden immer mehr kleinere Musikgruppen in Léopoldville, die das Musikgeschäft stetig wachsen ließen. Bands wie African Jazz und OK Jazz erreichten europaweite Bekanntheit und tourten vor allem durch Belgien. In den 1970er Jahren begann aber die Phase der sogenannten Zaiko-Generation, welche vor allem gitarrenlastig war und von Musikern wie Papa Wemba oder der Musikgruppe Madilu System vertreten wurde.

Auch heute noch treten die bekanntesten Musikgruppen des Landes auch international auf, doch der Musikstil hat sich weiter gewandelt: Neben der besonders in kongolesischen Diskotheken beliebten schnellen Soukous-Variante N’dombolo, zu der sehr körperbetont getanzt wird, gibt es erfolgreiche kongolesische Weltmusik-Gruppen. Zu ihnen zählt beispielsweise die Band Staff Benda Bilili, welche 2009 auf der World Music Expo den Künstler-Preis für Weltmusik gewann. Die Gruppe wurde wie das Orchestre Symphonique Kimbanguiste durch einen Dokumentarfilm bekannt. Beim Orchestre Symphonique Kimbanguiste handelt es sich um das einzige Symphonieorchester Zentralafrikas. Einem breiteren Publikum in Europa ist der kongolesische Sänger und Tänzer Jessy Matador bekannt, seit er für Frankreich beim Eurovision Song Contest 2010 auftrat. Er verkörpert die moderne kongolesische Popmusik.

Kino[Bearbeiten]

Erste Filmstudios entstanden bereits in der Zeit der belgischen Kolonialherrschaft. Aufgrund des Mangels an finanziellen Mitteln und technischer Ausrüstung sind Filmproduktionen in der DR Kongo so gering geblieben, dass sie nicht einmal im afrikanischen Kontext eine Rolle spielen. Lediglich zwei kongolesische Regisseure konnten beim Panafrikanischen Film- und Fernsehfestival eine Auszeichnung gewinnen, nämlich Kwamy Mambu Nzinga und Mwenze Ngangura.[98]

Sport[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Der dominierende Sport in der Demokratischen Republik Kongo ist der Fußball. Obwohl die Stadien häufig in einem sehr schlechten Zustand sind, sind Fußballspiele in der Lage, eine große Anzahl an Zuschauern anzuziehen. Die größten Erfolge der Nationalmannschaft des Landes liegen indes schon weit zurück: Die Auswahl gewann die Afrikameisterschaften von 1968 und 1974; 1974 war das damalige Zaire zudem der erste schwarzafrikanische Teilnehmer bei einer Fußballweltmeisterschaft, blieb dort aber chancenlos. Angesichts der wenigen Aufstiegsmöglichkeiten versuchen die kongolesischen Fußballer, im Ausland bei einem Club anzuheuern. Zu jenen, die dabei Glück und Erfolg hatten, gehörten Muntubile Santos und Eugène Kabongo in den 1980er Jahren. Eine nationale Fußballliga gibt es in der Demokratischen Republik Kongo nicht. Der Versuch, eine landesweite Liga zu etablieren, wurde in den 1980er Jahren zwar unternommen, nach zwei Spielzeiten jedoch aufgegeben. Die Infrastruktur erwies sich als zu schwach, die Distanzen zu groß und die finanziellen Möglichkeiten zu gering. Der Landesmeister wird deshalb in regionalen Ligen ermittelt, deren beste Mannschaften im K.O.-System gegeneinander um die Coupe du Congo spielen. Der derzeit mit Abstand erfolgreichste Fußballverein des Kongo ist Tout Puissant Mazembe aus Lubumbashi. Der Club, der Mois Katumbi, dem reichen Gouverneur der Provinz Katanga, gehört, gewann in den Jahren 2009 und 2010 die CAF Champions League und zog 2010 als erste afrikanischer Fußballmannschaft überhaupt ins Finale der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft ein.[99] Außer Mazembe konnten der AS Vita Club und der Daring Club Motema Pembe die CAF Champions League gewinnen. Andere bekannte Vereine sind der FC Bilima, FC Saint Eloi Lupopo und Lubumbashi Sport. Das mit einer Kapazität von 80.000 Plätzen mit Abstand größte Stadion des Landes ist das Stade des Martyrs. Dort tragen die Hauptstadtvereine Daring Club Motema Pembe und Inter Kinshasa Fußballspiele aus.

Andere Sportarten[Bearbeiten]

Weitere Sportarten spielen eine sehr untergeordnete Rolle. International konnte die Basketballmannschaft der Damen auf sich aufmerksam machen. Des Weiteren genießen Boxen und Catchen eine gewisse Popularität.[100]

1968 nahmen erstmals Athleten Zaires an den Olympischen Sommerspielen teil. Danach kam es 1984 wieder zu einer Teilnahme. Seitdem nehmen Athleten der DR Kongo und ihrer Vorgängerstaaten ununterbrochen an den Sommerspielen teil, ohne allerdings dabei eine Medaille errungen zu haben.

In der Zeit der Diktatur von Mobutu Sese Seko wurden Sportereignisse auch zu Propagandazwecken benutzt, um die Macht Mobutus zu stärken und dem Staat Zaire internationale Anerkennung zu sichern. Hierfür ist vor allem der berühmte Boxkampf Rumble in the Jungle zwischen George Foreman und Muhammad Ali zu nennen, der 1974 im Stade Tata Raphaël in Kinshasa stattfand. Es war das erste große Sportereignis auf afrikanischem Boden.

Feiertage[Bearbeiten]

Zur Erinnerung an die Unabhängigkeit von Belgien 1960 wird am 30. Juni der Jour de l’Indépendance gefeiert.[26] Dies ist der Nationalfeiertag der Demokratischen Republik Kongo, insgesamt gibt es aber neben diesem eine Reihe weiterer gesetzlicher Feiertage, an denen die meisten öffentlichen Institutionen und Geschäfte geschlossen bleiben:[101]

Datum

Name Deutscher Name Anmerkungen
1. Januar Jour de l’An Neujahr
4. Januar Tag der Märtyrer Erinnerung an die Unruhen in Léopoldville am 4. Januar 1959
1. Mai Fête du travail Tag der Arbeit
20. Mai Tag der Partei
24. Mai Tag der Fischer
30. Juni Jour de l’Indépendance Unabhängigkeitstag Nationalfeiertag
1. August Tag der Eltern
14. Oktober Tag der Jugend
25. Dezember Noël Weihnachtsfeiertag

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Demokratische Republik Kongo – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Demokratische Republik Kongo

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Demokratische Republik Kongo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Demokratische Republik Kongo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: Demokratische Republik Kongo – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac The World Factbook
  2. http://www.wolframalpha.com/input/?i=Demokratische Republik Kongo
  3. a b Human Development Report 2013 (PDF; 5,9 MB), abgerufen am 27. Mai 2013.
  4. http://plaque.free.fr/
  5. Statoids.com
  6. a b c Medard Mpiana Kabanda: Nichtregierungsorganisationen als Herz der Zivilgesellschaft und Säule der Demokratie in Zentralafrika? Verlag Dirk Koentopp, Osnabrück 2006, ISBN 3-938342-13-7.
  7. a b Länder-Lexikon.de: Kongo (ehem. Zaire) (Demokratische Republik) aufgerufen am 5. Dezember 2010.
  8. Auswärtiges Amt: Länderinformationen Demokratische Republik Kongo aufgerufen am 11. Februar 2011.
  9. a b c d Meyers Großes Länderlexikon. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus, Mannheim 2009, ISBN 978-3-411-07432-7, S. 346–349.
  10. Kongo-Kinshasa.de: Klima aufgerufen am 11. Februar 2011.
  11. Sueddeutsche.de: Umweltschutz im Kongo: Gefährliche Tiere im Topf aufgerufen am 12. Dezember 2010.
  12. Greenpeace.de: Das Kongobecken — Schatzkammer der Artenvielfalt aufgerufen am 5. Dezember 2010.
  13. Thomas Giefer: Mord im Kolonialstil. In: Heribert Blondiau (Hrsg.): Tod auf Bestellung, Ullstein, München 2000, ISBN 3-550-07147-7, S. 143–174.
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  15. Deutschlandfunk: Kein Krieg, kein Frieden aufgerufen am 8. August 2011.
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  21. Bruce J. Berman: Ethnnicity, patronage and THE AFRICAN STATE: THE POLITICS OF UNCIVIL NATIONALISM. In: African Affairs. 97, Nr. 388, 1. Juli 1998, S. 305-341.
  22. University of California Press: The Invention of ‚the Luba‘ in the Belgian Congo. aufgerufen am 21. Januar 2012.
  23. a b Chiari, Bernhard und Kollmer, Diether H.: Wegweiser zur Geschichte – Demokratische Republik Kongo, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-75745-6, S. 127ff.
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  25. Johannes Reese: Demokratische Republik Kongo, 21. Juni 2009, besucht am 11. September 2010, via Archive.org
  26. a b c d e auswaertiges-amt.de
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  28. Jean-Jacques Arthur Malu-Malu: Le Congo Kinshasa. Ed. Khartala, Paris 2001, ISBN 2-84586-233-4, S. 68.
  29. Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte: Demokratische Republik Kongo. 3., überarb. Auflage. Schöningh, Paderborn u.a. 2008, ISBN 978-3-506-75745-6, S. 149 ff.
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  47. Pestausbruch im Kongo
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  55. Frankfurter Rundschau: Besuch im Kongo: Herr Niebel und die Realität aufgerufen am 8. September 2010.
  56. Stern, Ausgabe 49/2010 vom 2. Dezember 2010, S. 24/25.
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  63. Konrad-Adenauer-Stiftung: Ein schwerer Weg – Zur Reform der Streitkräfte in der DR Kongo aufgerufen am 11. Dezember 2010.
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  101. GEO-Reisecommunity: Informationen vom Bernhard-Nocht-Institut aufgerufen am 29. Dezember 2010.
  1. S. 13ff.
  2. S. 18.
  3. S. 157–171.
  4. S. 166.
  5. S. 29.
  6. S. 111.
  7. S. 47.
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  9. S. 110.
  10. S. 182.
  11. S. 111f.
  12. S. 108.
  13. S. 176.
  14. S. 108.
  15. S. 111.
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  18. S. 144.
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  20. S. 145, 147.
  21. S. 147.
  22. S. 150f.
  23. S. 152f.
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  27. S. 171f.
  28. S. 143, 159.
  29. S. 171f.
  30. S. 143, 146.
  31. S. 172.
  32. S. 179.
  33. S. 52.
  34. S. 55.
  35. S. 55.
  36. S. 16.
  37. S. 27ff.
  38. S. 29.
  39. S. 43.
  40. S. 46f.
  41. S. 53, 55.
  42. S. 201.
  43. S. 188f.
  44. S. 191ff.
  45. S. 188ff.
  46. S. 190.
  47. S. 130.
  48. S. 28.
  49. S. 57.
  50. S. 188.
  51. S. 28, 54, 56, 57, 90.
  52. S. 106.
  53. S. 190.
  54. S. 45.

-2.333333333333322.8Koordinaten: 2° S, 23° O