Havasupai

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Heutiges Indianerreservat (oben) und traditionelles Stammesgebiet (unten) im Bereich des Grand Canyon

Die Havsuw’ Baaja (‘Blue Water People’ - ‘Volk des blau-grünen Wassers’) - auch Ahabasugapa, Havasooa Pa’a, Yavasupai, Supai genannt - sind ein Hochland-Yuma sprechender Indianerstamm aus der Cochimí-Yuma-Sprachen und leben im nordwestlichen Arizona, USA. Der heute meist gebräuchliche Name Havasupai ist eine Verfremdung ihres Eigennamens Havsuw’ Baaja. Die Walapai und Yavapai zählen zu den verwandten Stämmen, mit denen sie zusammen die Gruppe der Hochland-Yuma bilden.

Wohngebiet[Bearbeiten]

Sie bewohnen seit Jahrhunderten den Cataract Canyon (heute meist Havasu Canyon genannt), einen Seitenarm des Grand Canyon. Noch heute sind sie der isolierteste Indianerstamm in den Vereinigten Staaten. Ihr Reservat und das Hauptdorf Supai im Havasu Canyon kann man nur zu Fuß oder auf dem Pferderücken über zwei lange Trails erreichen, die vom Rand des Canyons hinabführen. 1882 wurde das Reservat im Havasu Canyon (2 km²) für den Stamm eingerichtet. Die Havasupai verzichteten auf ein größeres Stück Land in dem Glauben, dass mehr Grundbesitz zum Ärger mit den Amerikanern führen würde; ein winziges Reservat würde die meist landhungrigen Weißen nicht in Versuchung führen. Doch 1975 wurden dem Stamm sein altes Jagdgebiet von 185.000 Acres (748 km²) wieder zuerkannt.

Verhältnis zu den Walapai[Bearbeiten]

Ethnisch sind die Havasupai und Walapai (Hualapai) ein Volk (oder Stammesgruppe), obwohl - als Folge der willkürlichen Konzentration von Gruppen in Reservaten durch die US-Regierung - heute beide separate, politisch eigenständige Stämme bilden und eine eigene Identität entwickelt haben. Die Hualapai (Pa'a oder Pai - ‘Volk’) bestanden aus drei Großgruppen (oder Unterstämmen) - den Middle Mountain People, Plateau People und Yavapai Fighters (McGuire; 1983). Diese Großgruppen unterteilten sich in sieben Gruppen (engl. bands) (Kroeber; 1935, Manners; 1974), die wiederum aus dreizehn Lokalgruppen (engl. regional bands or local groups) bestanden (Dobyns und Euler; 1970).[1] Diese Lokalgruppen setzten sich aus mehreren oder einer großen Familiengruppe (engl. extended family groups) zusammen, die jeweils in kleinen Siedlungen (rancherias) lebten.[2] Die Havasooa Pa'a-Lokalgruppe war die nordöstlichste, isolierteste und zugleich größte Lokalgruppe der Walapai, gehörte jedoch genauso wie die Yi Kwat Pa'a (“Peach Springs band”) und Ha'kasa Pa'a (“Pine Springs band”) der Nyav-kapai-Gruppe (‘Östliches Volk’) an, die zum Unterstamm der Plateau People zählten.[3] Daher werden die Walapai oft als Western Pai (‘Westliche Pai’) und die Havasupai als Eastern Pai (‘Östliche Pai’) bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

In früheren Zeiten bewohnten die Havasupai den Canyonboden nur in den Frühlings- und Sommermonaten, um auf ihren winzigen Gärten Mais, Bohnen, Kürbisse (auch Flaschenkürbisse), Sonnenblumen, Baumwolle und Tabak anzubauen. Nach Kontakt mit den Spaniern bauten sie zudem Melonen, Wassermelonen sowie Obstbäume an. Nach der Ernte im Herbst zogen sie in ihre Winterquartiere auf dem Plateau, wo sie Hirsche, Antilopen und Wüsten-Dickhornschafe jagten. In den Wintermonaten wurde das Flusstal kalt und dunstig, weil die steilen Canyonwände den Sonnenschein nicht hereinließen. Die Havasupai lebten traditionell in kegelförmigen strohbedeckten Wickiups.

Trotz ihrer Isolation hatten die Havasupai Handelsbeziehungen zu den Hopi, Hualapai, Diné (auch Navajo) und Mohave, mit denen sie Felle, Salz und rote mineralische Farbe gegen landwirtschaftliche Produkte, Textilien (wie z.B. fein geflochtene Körbe, die als Wasserbehälter dienten) und braune, unbemalte Töpferware tauschten. Besonders enge Kontakte unterhielten sie hierbei mit den Hopi, von denen sie viele kulturelle und religiöse Zeremonien übernahmen. Traditionelle Verbündete der Havasupai waren die Hopi sowie die Hualapai, die oft gemeinsam gegen die Yavapai, die verschiedenen Gruppen der Westliche Apache, besonders den Tonto Apache und den Südlichen Paiute vorgingen.[4] Pater Francisco Garcés war der einzige Spanier, der diesen Stamm im Jahre 1776 besuchte. Pläne zur Missionierung des Stammes wurden nicht verwirklicht. Die Kontakte zu Amerikanern, die erst in den 1850er Jahren begannen, waren ebenso unbedeutend. Die isolierte Heimat der Havasupai, so scheint es, fand niemand begehrenswert.

Seit den 1980er-Jahren machen die Havasupai durch ihren Kampf gegen den Uranabbau auf ihrem Land von sich reden. Nach jahrzehntelangen Debatten um die Nutzung der Vorkommen erließ im Januar 2012 das Innenministerium der Vereinigten Staaten ein Moratorium des Uranabbaus auf einer Fläche von rund 4000 km² für 20 Jahre.[5]

Lebensweise[Bearbeiten]

Das Leben bei den Havasupai war einfach. Eine rigorose soziale und politische Organisation war für eine Gruppe von weniger als 300 Stammesmitgliedern kaum nötig. Die religiösen Aktivitäten lagen in den Händen von Medizinmännern, die das Wetter und Krankheiten beeinflussen konnten und für Erfolg bei der Jagd und dem Gartenanbau sorgten. Ein Erntetanz im Herbst war mehr eine soziale Zusammenkunft als eine religiöse Zeremonie. Das Verbrennen der Toten und die Vernichtung von deren persönlichem Eigentum (einer von mehreren bei den Yuma üblichen Bräuchen) wurde bis 1895 praktiziert, bis das Bureau of Indian Affairs diesen unzivilisierten Brauch untersagte.

Junges Havasupai-Mädchen, circa 1900

Obwohl sie von dem flüchtigen Besucher oft als Shangri-la (verstecktes Paradies) bezeichnet wird, ist das Reservat für die dort Lebenden bedeutend weniger idyllisch. Die Landwirtschaft, einst die wichtigste Lebensgrundlage des Stammes, dient heute nur als Ergänzung zum auswärts verdienten Arbeitslohn. Einige Havasupai bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Transport (Pferde und Mulis) und der Versorgung der wenigen Besucher ihres Canyons.

In zwei verschiedenen Techniken gefertigte Körbe (Zwirnbindung und Wulstflechttechnik) werden heute noch von den Havasupai in sehr begrenzten Mengen hergestellt.

Sprache[Bearbeiten]

Havasupai wird zu den Pai-Sprachen der Cochimi-Yuma-Sprachgruppe gerechnet und ist ein Dialekt des Hochland-Yuma. Heute wird sie von ca. 600 Personen in der Havasupai Indian Reservation sowie im und rund um den Grand Canyon gesprochen und stellt somit die einzige indianische Sprache in den Vereinigten Staaten von Amerika dar, die zu 100 % von allen Stammesmitgliedern gesprochen wird. Havasupai unterscheidet sich nur minimal vom fast identischen Hualapai, und ist somit nur eine weitere Dialektvariante des Hochland-Yuma, obwohl die beiden Stammesgruppen sozial sowie politisch eigenständig sind (Kendall 1983:5) - zudem werden beide Dialektvarianten unterschiedlich schriftlich wiedergegeben. Auch die Sprecher von Havasupai und Hualapai betrachten ihre Sprachen trotz der großen Ähnlichkeiten und der gegenseitigen Verständlichkeit als eigenständige Sprachen. Größere Abweichungen bestehen jedoch zwischen dem Havasupai-Hualapai und den ebenfalls zum Hochland-Yuma zählenden vier Dialektgruppen des Yavapai.

Demografie[Bearbeiten]

James Mooney schätzte die Havasupai im Jahre 1680 auf etwa 300 Angehörige. Auch 1869 wurden 300 Angehörige gezählt, während 1902 von 233, 1905 nur von 174, 1910 von 174, 1923 von 184 und 1937 von 208 Havasupai berichtet wurde. Der US-Zensus 2000 zählte 634 Angehörige, von denen 404 noch die traditionelle Stammessprache beherrschten.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. People of the Desert, Canyons and Pines: Prehistory of the Patayan Country in West Central Arizona, P. 27 The Hualapai (PDF; 10,6 MB)
  2. John R. Swanton: The Indian Tribes of North America, ISBN 978-0-8063-1730-4, 2003
  3. THE UPLAND YUMANS
  4. Donna Hightower-Langston, Hightower: The Native American World , Verlag: John Wiley & Sons Inclusive, 2002, ISBN 978-0471403227
  5. New York Times: U.S. to Block New Uranium Mines Near Grand Canyon, 6. Januar 2012

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Havasupai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien