Hermann Röhrs

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Hermann Röhrs (* 21. Oktober 1915 in Hamburg; † 11. Oktober 2012 in Heidelberg) war ein deutscher Pädagoge und ordentlicher Universitätsprofessor der Universität Heidelberg.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Röhrs machte den Zweiten Weltkrieg in Russland als Infanterist mit. Er wirkte als vergleichender Erziehungswissenschaftler in Hamburg, Mannheim, Marburg sowie Heidelberg und arbeitete im Weltbund für Erneuerung in der Erziehung (WEE) mit. Er gilt als der geistige Vater der Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH) sowie Nestor der deutschen Friedenspädagogik.[1] In diesem Zusammenhang beschäftigte er sich auch mit den Gedanken des reformierten Theologen und Irenikers Johann Amos Comenius, der von 1613 bis 1614 an der Universität Heidelberg studierte und als einer der Begründer der Pädagogik zu Beginn der Neuzeit gilt.

Frieden bestimmte er als Ziel für einen anthropologisch-ethischen Prozess der Humanisierung des Schullebens, als einen Vorgang der Befriedigung des Zu-sich-selbst-Kommens im Sinne der Selbstübereinkunft, der zur Ich-Findung führt. Diese Befreiung steht im Zentrum seiner Philosophie: Sie ist an den anderen und die für ihn zu tragende Verantwortung gebunden, wenn der Mensch in einer Epoche des Weltfriedens ein friedensbereites, friedensfähiges und friedensfertiges Wesen werden soll. Wesentlich ist das dialogische Prinzip des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: "Auf den anderen zugehen" kennzeichnet für Röhrs die Grundeinstellung der Friedenserziehung. Friedenspädagogik und Erziehung zum Frieden sind zentrale Aufgabe von Schule.

Arbeitsschule, Erlebnispädagogik und die Reformpädagogik bilden sich für ihn zum Kern einer modernen Weltbildung aus. Mit Aloys Fischer, Georg Kerschensteiner und weiteren Erneuerern der pädagogischen Bewegung befürwortet er eine Vielfalt von gleichwertigen Studiengängen, Institutionen und Lehrerpersönlichkeiten, die dem Arbeitsunterricht und zugleich dem Erlebnischarakter der emotionalen Erfahrung und der Individualität der Schüler gerecht werden können.

Röhrs ist ferner bekannt durch seine mehrfach aufgelegten Schriften zu Jean-Jacques Rousseau und zur "Bildungsgeschichte und Philosophie" (Gesamtausgabe Bd. 13). Eine Gesamtausgabe liegt in abgeschlossener Buchform vor: Die "Allgemeine Erziehungswissenschaft" (Bd. l), "Die Schule in der modernen Gesellschaft" (Bd. 2), "Vergleichende und internationale Erziehungswissenschaft", (Bd. 3), "Friedenserziehung" (Bd. 4 und 8), "Sport und Spiel" (Bd. 5), "Die Pädagogik der Dritten Welt", (Bd. 9), "Die Reformpädagogik und innere Bildungsreform", (Bd. 12) und "Die Studien zur Pädagogik der Gegenwart" (Bd. 14).

Die "Erinnerungen und Erfahrungen - Perspektiven für die Zukunft" (Bd. 11) beginnen etwa 1925 mit der Kindheit, umfassen die Nachkriegszeit und Weimar, das Hitler-Regime, die Studienzeit und die Hochschulkarriere.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gesammelte Schriften. 15 Bände, darunter:
    • Band 12: Reformpädagogik und innere Bildungsreform. Weinheim (Deutscher Studien Verlag) 1998 ISBN 3-89271-825-3.
  • Die Schulen der Reformpädagogik heute. Handbuch reformpädagogischer Schulideen und Schulwirklichkeit. Berlin (Cornelsen-Verlag) 1994 ISBN 3-590-14480-7.
  • Die Reformpädagogik und ihre Perspektiven für eine Bildungsreform. Donauwörth (Auer-Verlag) 1991 ISBN 3-403-02103-3.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Webseite des Weltbundes für Erneuerung in der Erziehung

Weblinks[Bearbeiten]