Hinterbänkler

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Hintere Sitzreihen im deutschen Bundestag

Als Hinterbänkler (engl. backbencher) werden Abgeordnete bezeichnet, die innerhalb des Parlaments weniger herausgehobene Funktionen besitzen. Solche Abgeordneten sitzen „auf den hinteren Bänken“ oder in den hinteren Reihen. Der Begriff wurde abgeleitet aus der Praxis des britischen Unterhauses, das bis heute mit Bänken (engl. benches) ausgestattet ist: Auf den jeweils vorderen Bänken sitzen sich dort die Regierungsmitglieder und Oppositionsführer gegenüber, die Vorderbänkler (engl. frontbencher); jeweils dahinter, „auf den hinteren Bänken“, sitzen die übrigen, weniger bedeutenden Parlamentarier.

Der abfällige Beiklang des deutschen Begriffs (Hinterbänkler als vermeintlich unbedeutende Abgeordnete) übersieht häufig, dass ein Parlamentarier nicht nur im Plenum arbeitet. Auf den hinteren Bänken sitzen möglicherweise Politiker, die sich auf die Arbeit in Arbeitskreisen und Bundestagsausschüssen konzentrieren. Dies traf beispielsweise auch für den zeitweilig über 100 Abgeordnete zählenden rechten Flügel der SPD-Fraktion (die sog. Kanalarbeiter) zu, der fast ausschließlich aus Hinterbänklern bestand.[1]

Im Deutschen Bundestag wird die Hierarchie zum Beispiel auch dadurch verdeutlicht, dass nur die Abgeordneten in den vorderen Sitzreihen eigene Tische, unter anderem mit Telefon, an ihren Plätzen im Plenarsaal haben. Dort sitzen stets die Vorsitzenden der Fraktionen. Die Hinterbänkler haben jedoch die gleichen Rechte wie alle anderen Abgeordneten.

Die Mitglieder des Bundestages haben im Gegensatz zu manch anderen Parlamenten seit 1986 keine festen Plätze im Plenarsaal. Vor dem Umzug in das Bonner Wasserwerk 1986 hatten jedoch auch die hinteren Plätze Tische. Im Grunde genommen kann ein Abgeordneter also seinen Sitzplatz (innerhalb der Plätze seiner Fraktion) frei wählen: Bei Debatten über sehr komplexe Themen, an denen nur wenige, mit der Thematik vertraute Abgeordnete teilnehmen, sitzen diese dann in den vorderen Reihen. Bei Grundsatzdebatten mit großer Öffentlichkeitswirkung nehmen dort hingegen prominente Politiker wie beispielsweise die Fraktionsvorsitzenden Platz. Insofern ist der Begriff Hinterbänkler im Zusammenhang mit dem Deutschen Bundestag nur im übertragenen Sinne zu verwenden.

Im Gegensatz dazu sitzen im Schweizer Nationalrat die bedeutenden Politiker in den hinteren Reihen, damit sie das Geschehen im Saal besser überblicken und einen möglichst kurzen Weg von der Wandelhalle an ihren Sitzplatz haben.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Henkels: Lokaltermin in Bonn. Pabel-Moewig Verlag, Rastatt 1987, ISBN 3-811-84859-3, S. 147.
  2. Schweizer Nationalrat: „Alle Nationalräte wären gern Hinterbänkler“ (Version vom 23. Mai 2010 im Internet Archive) Artikel auf tagesanzeiger.ch, 18. November 2007.