Hohner

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hohner (Begriffsklärung) aufgeführt.
Hohner Musikinstrumente GmbH & Co. KG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1857
Sitz Trossingen
Leitung Clayman Bruce Edwards[1]
Mitarbeiter 340 (2013)[2]
Umsatz 67 Mio. € (2013)[2]
Produkte MusikinstrumenteVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website playhohner.com
Sitz in Trossingen
Hohner-Mundharmonika „Chromonica“
Ein Forró-Musiker spielt ein Hohner-Akkordeon „Erika“

Die Hohner Musikinstrumente GmbH & Co. KG ist ein Musikinstrumentenhersteller in Trossingen. Gegründet 1857 von Matthias Hohner (1833–1902), hatte das Unternehmen seine erfolgreichste Zeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hohner ist besonders bekannt durch die Herstellung von Zungeninstrumenten wie Mundharmonikas, aber auch Akkordeons, Blockflöten, Gitarren und die von Hohner 1957 erfundenen Melodicas. Daneben stellte die Firma andere Musikinstrumente und zwischen 1968 und 1976 zeitweise auch Computer her.[3][4] In den 1960er und 1970er Jahren fertigte Hohner auch Elektroorgeln, die beispielsweise John Paul Jones (Led Zeppelin) einsetzte.

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Die Fertigung von Mundharmonikas in Trossingen hat 1832 mit Christian Messner begonnen. 1857 begann auch der Uhrmacher Matthias Hohner in seinem Wohnhaus mit der Herstellung von Mundharmonikas. Bis 1860 wurden die Mundharmonikas in reiner Handarbeit gefertigt, ohne jegliche maschinelle Unterstützung. Jedes Instrument wurde von Beginn bis zur Vollendung von einer Person alleine gefertigt. Der kontinuierliche Nachfragerückgang in der Musikinstrumentenindustrie seit 1986 veranlasste Hohner zu einem konsequenten Nischen-Marketing, indem sich das mittelständische Unternehmen auf sein Kerngeschäft in Mundharmonikas und Akkordeons konzentrierte. Das ermöglichte Hohner die Rolle eines Global Players im jeweiligen Mikromarkt.[5]

Hohner in Jahreszahlen[Bearbeiten]

  • 1856 wurden die ersten Schutzdeckel angebracht.
  • 1860 wurden etwa 50 Personen in den verschiedenen Produktionsstätten beschäftigt.
  • 1864 baute Hermann Bruckmann in Trossingen die ersten Maschinen für die Mundharmonika-Herstellung.
  • 1868 wurde die erste große Lieferung in die Vereinigten Staaten verschickt. Bereits 1879 wurde 60 % der Produktion nach Amerika verkauft.
  • 1880 wurde die Dampfmaschine in den Produktionsstätten eingeführt. In dieser Zeit wurde auch die Stimmzungenfräsmaschine in Klingenthal erfunden. Der Mechaniker Johannes Koch in Trossingen arbeitete an der Weiterentwicklung von Maschinen, die ab diesem Zeitpunkt in der Herstellung von Mundharmonikas Verwendung fanden.
  • 1887 wurden Filialbetriebe gegründet, die die Heimarbeiter in kleinen Filialen zusammenfasste. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden etwa 40 Filialen für die Produktion.
  • 1900 beschäftigte Hohner etwa 1000 Mitarbeiter.
  • 1903: Nach dem Tod des Gründers Matthias Hohner begannen die Erben der Firma Hohner und Andreas Koch mit der Erzeugung von Handharmonikas.
  • 1923 wurden weltweit 50 Millionen Mundharmonikas erzeugt, davon wurden 33 Millionen in Trossingen gefertigt. Die Akkordeonproduktion betrug zu dieser Zeit 30.000 Stück im Jahr, mit einer Modellvielfalt von 1200 verschiedenen Modellen.
  • 1939 arbeiteten mit 5000 Beschäftigten die meisten Mitarbeiter bei Hohner, diese Zahl wurde nicht wieder erreicht. Konstrukteure wie Gola und Morino brachten die Instrumente zu einer besonderen Qualitätsstufe.
  • 1949 begann bei Hohner die Produktion von Saxophonen.
  • 1951 wurde die Hohner-Stiftung gegründet.
  • 1954: Jüngster Zweig war die Entwicklung elektronischer Musikinstrumente (Hohner Vox 4P).
  • 1957 wurde die Melodica eingeführt.
  • 1962: Markteinführung des Hohner Pianet, ein analoges elektro-mechanisches Tasteninstrument mit Tonerzeugung per Metall-Zungen
  • 1967: Ende der Produktion von Saxophonen
  • 1968: Hohner steigt im Bereich mittlere Datentechnik in die Computerproduktion ein.[3]
  • 1968: Markteinführung des Hohner Clavinet L, ein analoges, elektro-mechanisches Tasteninstrument auf Basis von Saiten
  • 1977: Hohner verkaufte zum Jahresbeginn den defizitären Bereich Datentechnik (Hohner GDC) an die Nixdorf Computer AG.[4]
  • 1982: Bau neuer Fertigungsgebäude im Gewerbegebiet am Stadtrand von Trossingen. Im selben Jahr brachte Hohner mit der Symphonie D 89 bis 98 eine erfolgreiche Heimorgelserie auf den Markt, die später durch transportable Modelle und die mit Midi ausgestattete D200 ergänzt wurde. Einige Modelle der Reihe wurden unter dem Namen Omni in den USA von Wurlitzer - ausgestattet mit der Aufschrift „Computer System by Hohner“ - vertrieben.
  • 1986: Zusammenarbeit mit der Firma Casio. Die zweite Generation der Casio-Synthesizer wurden auch unter dem Namen Hohner verkauft.[6]
  • 1987: Krisenjahr der Matth. Hohner AG. Weniger als 1000 Beschäftigte. Infolge der Krise zieht sich die Familie Hohner allmählich aus dem Unternehmen zurück. Ein deutscher Investor übernimmt die Führung.[7]
  • 1988: Mit den Orgeln E1, E2 und E3 macro sampling brachte Hohner die letzte Serie von Heimorgeln auf den Markt.
  • 1991 Eingliederung von Sonor
  • 1995 verließ die Matth. Hohner AG endgültig das alte Firmengelände in der Stadtmitte und bezog einen weiteren Neubau im Gewerbegebiet.
  • 1997 wurde die Aktienmehrheit der Matth. Hohner AG von einem großen taiwanesischen Musikinstrumentenhersteller, der KHS Group, übernommen.[7] Hohner ist seit dieser Zeit mehrheitlich in fernöstlichem Besitz.
  • 2004: Im Dezember wurde in Trossingen Hohner - das Musical von und mit Frank Golischewski uraufgeführt.
  • 2007 feierte die Firma Hohner ihr 150-jähriges Bestehen.
  • 2010: Am Standort Trossingen arbeiten noch ca. 200 Mitarbeiter in den Bereichen Produktentwicklung und -konstruktion, Vertrieb und in der Fertigung von Mundharmonikas und Akkordeons.
  • 2014 beschloss eine außerordentlich einberufene Hauptversammlung der Hohner AG die vollständige Übernahme des Unternehmens durch die KHS-Tochter HS Investment mittels eines Squeeze-out und damit auch das Ende der Börsennotierung.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmut Berghoff: Zwischen Kleinstadt und Weltmarkt: Hohner und die Harmonika 1857–1961. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1997, ISBN 3-506-70785-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hohner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. playhohner.com: imprint
  2. a b Kennzahlen
  3. a b Computer vom „Bläslemacher" »Die Zeit« vom 11. August 1972
  4. a b Nixdorf übernimmt Mehrheit bei Hohner GDC Computerwoche vom 3. Dezember 1976
  5. Markus Koch: Kundenbindung und Neukundengewinnung durch One-to-One-Marketing im Rahmen des electronic Customer Relationship Marketing, 2011, S. 11
  6. Sequencer: Hohner HS 2
  7. a b Momente der Entscheidung, »Die Zeit« vom 9. Oktober 2003
  8. http://www.orf.at/#/stories/2230986/ Musikinstrumentenbauer Hohner geht von der Börse, ORF.at vom 22. Mai 2014

48.0735722222228.6274694444444Koordinaten: 48° 4′ 25″ N, 8° 37′ 39″ O