Stevie Wonder

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Stevie Wonder 2006 in Brasilien

Stevie Wonder (* 13. Mai 1950 in Saginaw, Michigan; eigentlich Stevland Hardaway Judkins Morris) ist ein US-amerikanischer Soul- und Pop-Sänger, Komponist, Multiinstrumentalist sowie Produzent. Seine ersten Erfolge feierte er ab 1961 als Teenager auf dem Motown-Label, bei dem er noch heute dank eines lebenslangen Vertrags seine Alben veröffentlicht.[1]

Anfang der 1970er Jahre stieg er zu einem der erfolgreichsten Unterhaltungskünstler der USA auf. Er gilt als "Erneuerer" schwarzer Musik, deren Spielarten – Spiritual, Blues, R&B, Soul, Funk – er beherrschte und fortentwickelte.“[2] Besonders die Jahre 1971 bis 1976 mit den Alben Music of My Mind, Talking Book (1972), Innervisions (1973), Fulfillingness' First Finale (1974) und Songs in the Key of Life (1976) gelten als seine künstlerisch bedeutendste Phase.[3] Gleichzeitig engagierte Stevie Wonder sich zunehmend politisch; mit seiner 1980 gestarteten Kampagne für Menschenrechte erreichte er, dass der Geburtstag von Martin Luther King seit 1986 ein Feiertag in den USA ist.[4] Wonder wurde mehrfach mit den wichtigsten Preisen der Unterhaltungsindustrie wie dem Grammy, Oscar oder Golden Globe ausgezeichnet. 1989 wurde er für seine Verdienste um die Soul-Musik in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[5] Seit 2009 ist er außerdem Friedensbotschafter der Vereinten Nationen.[6]

Stevie Wonder ist seit seiner Geburt blind.

Leben[Bearbeiten]

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Stevie Wonder ist das dritte von sechs Kindern von Lula Mae Hardaway, sein Vater war Calvin Judkins. Wonder kam als Frühgeburt zur Welt und wurde im Inkubator mit hohen Sauerstoffkonzentrationen beatmet. Dies führte zur Frühgeborenen-Retinopathie und letztlich zur Blindheit.[7] Als Wonder vier Jahre alt war, zog die Familie nach Detroit, wo er im Kirchenchor sang. Mit neun Jahren beherrschte er Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug.

1961 entdeckte ihn Ronnie White von The Miracles. Dieser verhalf ihm zu einem Vorsingtermin bei Motown-Chef Berry Gordy, der ihn daraufhin unter Vertrag nahm. Little Stevie Wonder nahm 1962 seine ersten Platten auf: A Tribute to Uncle Ray (mit Covertiteln von Ray Charles) und The Jazz Soul of Little Stevie. Ein erster Erfolg stellte sich 1963 mit dem Titel Fingertips, Part 2 ein, bei dem Stevie Wonder Mundharmonika spielte und sang. Der Song wurde bei einer "Motor Town Revue" live aufgenommen, mit dem jungen Marvin Gaye am Schlagzeug. Das dazugehörige Album The 12 Year Old Genius wurde zu Motowns erster Nummer-Eins-LP. Mit 14 kam er in den Stimmbruch. Wonder studierte zu dieser Zeit klassisches Klavier an der Michigan School for the Blind.

Mit 18 begann Wonder erstmals, in größerem Stil Einfluss auf die Kompositionen und das Arrangement seiner Musik zu nehmen: For Once in My Life (1968) und My Cherie Amour (1969) landeten als Alben und als Single-Hits weit oben in den Charts. Anfang der 1970er Jahre gehörte er zu den erfolgreichsten Musikern im Hause Motown. Er nutzte die Chance, um ein eigenes Tonstudio zu errichten, seine Tantiemen bedeutend aufzustocken und größere Kontrolle über seine Musik zu erlangen. Er gründete sein eigenes Label, Black Bull Music. Mit den Jahren entwickelte er einen eigenen Stil und beeinflusste die Soulmusik damit nachhaltig.

Im Jahr 1970 heiratete Stevie Wonder die Sängerin und Songwriterin Syreeta Wright, die Ehe wurde 1972 wieder geschieden. Beide blieben bis zu Syreeta's Tod 2004 befreundet, Wonder produzierte die ersten zwei Solo-Alben von Syreeta, die wiederum bei diversen seiner Songs als Background-Sängerin mitwirkte.

1972 brachte er das Album Talking Book heraus, das mit den Songs You Are the Sunshine of My Life und Superstition herausragende Soul- und Funknummern enthält. Superstition wird von vielen Keyboardern als Lehrstück für funkiges Clavinetspiel angesehen. Bei dem Song Lookin’ for Another Pure Love dieses Albums wurde er vom Gitarristen Jeff Beck unterstützt.

Im selben Jahr erschien auch das Album Music of My Mind, das er weitgehend im Alleingang einspielte, bis auf die Gitarre im Stück Superwoman, gespielt von Buzz Feiten, und die Posaune im ersten Stück sowie den Backgroundgesang.

1973 folgte das Album Innervisions mit dem Hit Living for the City. 1974 erschien das Album Fulfillingness’ First Finale, 1976 Songs in the Key of Life, das mit den Stücken Sir Duke, I Wish, As und Another Star einige Hits enthält. Außerdem erschien auf diesem Album der Song Pastime Paradise, welches dem Rapper Coolio 1995 als Inspiration und Samplequelle für seinen Titel Gangsta’s Paradise diente. Unterstützt wurde Wonder bei diesem Album unter anderem vom 19-jährigen Gregory Phillinganes und Herbie Hancock an den Keyboards sowie von George Benson an der Gitarre.

Zunehmend engagierte sich der Künstler in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner. Den Oscar, den er 1984 für den Song I Just Called to Say I Love You aus dem Film Die Frau in Rot erhielt, widmete er dem Apartheids-Opfer Nelson Mandela.

Seine in immer größeren Abständen erscheinenden Plattenproduktionen wurden von der Kritik als unter den Möglichkeiten des Künstlers bemängelt.[8] Für sein 1995 erschienenes Soloalbum Conversation Peace nahm er sich acht Jahre Zeit. Dazwischen arbeitete er am Soundtrack zu Spike Lees Jungle Fever, mit dem er befreundet ist und auf dessen Hochzeit er auch 1992 spielte.

1999 erhielt er den "inoffiziellen Nobelpreis für Musik", den Polar Music Prize.

2001 heiratete Stevie Wonder die Modedesignerin Karen Millard. Im Herbst 2012 gab er die Trennung von seiner Frau bekannt.

2005 erlangte er nach längerer Pause mit der Funk-Single So What the Fuss mit Prince an der Gitarre und der Gruppe En Vogue als Nebenstimme wieder größere Beachtung. Das von den Kritikern gelobte neue Album A Time 2 Love erschien im Oktober 2005. 2007 gewann Wonder zusammen mit Tony Bennett den Grammy Award für die Beste Zusammenarbeit mit Gesang – Pop für den gemeinsamen Song For Once in My Life.

In den Jahren 2007 und 2008 ging Wonder nach zehnjähriger Pause wieder auf eine Welttournee, die ihn im Herbst 2008 auch nach Deutschland führte. Die Konzerte wurden vom Publikum und von der Kritik begeistert aufgenommen. Zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Barack Obama im Januar 2009 veröffentlichte Wonder seinen Song All About the Love Again. Zuvor hatte der Soulsänger Obama massiv im Wahlkampf unterstützt.

Anfang 2009 erschien die DVD Live at Last: A Wonder Summer's Night.

An der Trauerfeier am 7. Juli 2009 anlässlich des Todes von Michael Jackson trat er mit einer Ansprache auf und sang seine beiden Lieder Never Dreamed You'd Leave in Summer und They Won't Go When I Go.

Ebenso sprach Stevie Wonder auf der Trauerfeier für Whitney Houston am 19. Februar 2012 und sang dann Ribbon in the Sky; er hatte einige Textzeilen seines Liedes zu Ehren der Verstorbenen geändert.

Im Juni 2012 trat er anlässlich des diamantenen Regierungsjubiläums von Queen Elizabeth II. von England im Buckingham Palace auf.

Stevie Wonder ist Vater von sieben Kindern.

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stevie Wonder/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[9] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1962 The Jazz Soul of Little Stevie Erstveröffentlichung: September 1962
1962 Tribute to Uncle Ray Erstveröffentlichung: Oktober 1962
1963 With a Song in My Heart Erstveröffentlichung: 28. Dezember 1963
1964 Stevie at the Beach Erstveröffentlichung: 23. Juni 1964
1966 Up-Tight 33
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. Mai 1966
1966 Down to Earth 92
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. November 1966
1967 I Was Made to Love Her 45
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. August 1967
1967 Someday at Christmas 81
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. November 1967
1968 Eivets Rednow Erstveröffentlichung: 20. November 1968
1968 For Once in My Life 50
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 8. Dezember 1968
1969 My cherie amour 17
(2 Wo.)
34
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 29. August 1969
1970 Signed, Sealed & Delivered 25
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 7. August 1970
1971 Where I’m Coming From 62
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. April 1971
1972 Music of My Mind 21
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 3. März 1972
1972 Talking Book 16
(48 Wo.)
3
(109 Wo.)
Erstveröffentlichung: 28. Oktober 1972
Verkäufe: + 100.000
1973 Innervisions 8
(55 Wo.)
4
(89 Wo.)
Erstveröffentlichung: 3. August 1973
Verkäufe: + 100.000
1974 Fulfillingness’ First Finale 32
(4 Wo.)
5
(16 Wo.)
1
(65 Wo.)
Erstveröffentlichung: 22. Juli 1974
Verkäufe: + 100.000
1976 Songs in the Key of Life 23
(44 Wo.)
15
(4 Wo.)
2
(55 Wo.)
1
(80 Wo.)
Erstveröffentlichung: 28. September 1976
Verkäufe: + 10.300.000
1979 Stevie Wonder's Journey Through "The Secret Life of Plants"  ?
(? Wo.)
 ?
(? Wo.)
8
(? Wo.)
4
(? Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. Oktober 1979
Verkäufe: ?
1980 Hotter than July 12
(32 Wo.)
2
(44 Wo.)
2
(55 Wo.)
3
(40 Wo.)
Erstveröffentlichung: 29. September 1980
Verkäufe: + 1.300.000
1985 In Square Circle 8
(21 Wo.)
12
(6 Wo.)
4
(14 Wo.)
6
(15 Wo.)
5
(43 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. September 1985
Verkäufe: + 2.100.000
1987 Characters 55
(3 Wo.)
21
(2 Wo.)
23
(2 Wo.)
33
(4 Wo.)
17
(31 Wo.)
Erstveröffentlichung: 6. November 1987
Verkäufe: + 1.100.000
1995 Conversation Peace 34
(9 Wo.)
17
(10 Wo.)
28
(4 Wo.)
8
(4 Wo.)
16
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. März 1995
Verkäufe: + 500.000
2005 A Time to Love 43
(3 Wo.)
24
(5 Wo.)
24
(3 Wo.)
5
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Oktober 2005
Verkäufe: + 600.000

Mundharmonika (Harp)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Stevie Wonder und Barack Obama, 2009

Stevie Wonder erhielt bislang 25 Grammys.[8] 1985 wurde ihm der Golden Globe für den Soundtrack zum Film The Woman in Red verliehen.[10] Für dessen Titelsong I just called to say I love you erhielt er bei den 57. Academy Awards 1984 außerdem einen Oscar für den besten Song. Am 25. Februar 2009 wurde ihm durch den amerikanischen Präsidenten Barack Obama der renommierte Gershwin-Preis verliehen.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielle Künstlerunterseite auf motown.com
  2. Kurzbiografie mit den wichtigsten Eckdaten, Taurus Verlag
  3. Kritik zum Album Music of My Mind, Allmusic oder Biografie, contactmusic.com
  4. Martin Luther King seit 1986 ein Feiertag
  5. Biografie mit Hinweis auf RRHOF-Aufnahme, rockonthenet.com
  6. „Singer-songwriter Stevie Wonder designated UN Messenger of Peace“, UN News Centre
  7. ZPA (Zeitschrift für praktische Augenheilkunde). März 2010, S. 162.
  8. a b „Der Sonnenschein unseres Lebens – Stevie Wonder wird 60“, FAZ, 13. Mai 2010
  9. Chartquellen: DE AT CH UK US US 2
  10. Wonders Auszeichnung, IMDB.com
  11. Süddeutsche Zeitung vom 27. Februar 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stevie Wonder – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien