Holzessig

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Holzessig (lat. Acetum lignorum oder auch Acidum pyrolignosum) ist das flüssige Kondensat der Holzvergasung.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Holzessig besteht aus etwa 12 % Essigsäure und Homologen, 2 % Methanol, 1 % Aceton, 1 % Methylacetat und 10 % gelöstem Holzteer.[1]

Der rohe Holzessig, eine braune, saure, unangenehm teerig und rauchig riechende und schmeckende Flüssigkeit, besteht neben Wasser aus Essigsäure, Holzgeist und kleinen Mengen von Kreosot, Brandharzen und Brandölen, Aldehyd und anderen Produkten der Destillation, die hier nur die Rolle von Unreinigkeiten spielen.[2]

Herstellung[Bearbeiten]

Wenn Holz nach Art der Gassteinkohlen der trocknen Destillation unterworfen wird, so hinterlässt dasselbe circa 20–30 % Kohle und die abgetriebenen Destillationsprodukte sind teils wirkliche Gase (Leuchtgas), teils Dämpfe von Flüssigkeiten, die durch Kühlvorlagen wieder tropfbar verdichtet werden, je nach Flüchtigkeit entsteht Holzessig und Holzteer, welcher im Destillat die untere Stelle einnimmt.[2]

Bei der Verkohlung von Holz nach hergebrachter Weise in Meilern gehen die Holzgase, der Holzessig und Wasserdampf in die Luft und verbrennen teilweise; dagegen wird in Holzgasfabriken Holzgas gewonnen. Auch bei der Köhlerei wird bei der eigentlichen Kohlenbrennerei das Destillationsverfahren an Stelle der Meilerverkohlung verwendet, wodurch der Holzessig und Teer gewonnen und das auftretende Gas dadurch noch einigermaßen benutzt wird, dass man es in den Retortenofen leitet und mit verbrennen lässt. Durch Einschlämmen von Kalkmilch kann die Essigsäure neutralisiert und gebunden werden, wodurch sich Holzgeist oben absetzt. Die Erzeugung von Holzgeist wurde im 19. Jahrhundert verwendet, da bei Holzgeist weniger Volumen bei leichterer Handhabung zu transportieren war. Aus dem getrockneten Essigkalk konnte Essigsäure gewonnen werden. Die meiste Essigsäure enthält das Destillat von Buchen- und Birkenholz. Im Allgemeinen wechselt der Gehalt zwischen 5 und 9 % Essigsäure. Die Reinherstellung von Essigsäure und Holzgeist wurde Ende des 19. Jahrhunderts in großem Maßstab betrieben.[2]

Verwendung[Bearbeiten]

Der rohe Holzessig dient für sich als fäulniswidriges, auch wohl Motten und andere Insekten abhaltendes Anstrichmittel, zur Konservierung von Holz und zum Bestreichen von Fleischwaren (kalte Räucherung).[2]

Für Färbereien und Druckereien hat derselbe viel Verwendung zur Herstellung des zu gewissen Farben erforderlichen holzessigsauren Eisens, ferner dient er statt gewöhnlichen Essigs zur Herstellung von Bleizucker, essigsaurer Tonerde und anderer Präparate.[2]

Durch Umdestillieren des rohen Holzessig in der Weise, dass nur drei Viertel vom Ganzen abgezogen werden, erhält man den gereinigten oder rektifizierten Holzessig, der in der Medizin verordnet wird, aber noch kein reiner Essig ist, denn derselbe riecht immer noch brenzlig und verliert unter Einfluss von Luft und Licht seine anfängliche Farblosigkeit wieder, indem die ihm noch inwohnenden Brennstoffe durch Sauerstoffaufnahme sich färben und die Flüssigkeit gelblich oder bräunlich erscheinen lassen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Georg Elias: Makromoleküle: Band 3: Industrielle Polymere und Synthesen, 2001, Wiley VCH, doi:10.1002/9783527626519, ISBN 9783527299614.
  2. a b c d e f Meyers Konversations-Lexikon – Eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens. 4., gänzlich umgearbeitete Auflage. 16 Bände. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885 – 90. Register, Ergänzungen und Nachträge. Band 17. 1890; Jahres-Supplemente. Bände 18 und 19. 1891, 1892.