Hussaria

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Hussaria (poln. Husaria) ist eine aus den Husaren entwickelte polnische Reiterei, die im 16. und 17. Jahrhundert die Hauptangriffsformation der polnischen Armee bildete. Im Laufe dieser Zeit entwickelte sich die Hussaria von einer leichten oder gemischten zu einer einheitlich schweren Reiterei.

Ihre Aufgabe war es, in einem massiven Angriff die feindlichen Einheiten, ob Reiterei oder Infanterie, zu zerschlagen und zur Flucht zu zwingen.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die Bewaffnung der Hussaria bestand aus einem Reitersäbel, Brustpanzer, Schild (wurde bald abgeschafft), Lanze (bis 4 m lang, hohl und daher leicht) und Helm mit Nacken- und Nasenschutz. Ergänzt wurde sie zuerst durch einen Reflexbogen, später durch 2 Pistolen, einen Pallasch oder einen Kriegshammer (Nadziak) und den sog. „Koncerz“, eine 1,8 m lange Kreuzung aus Schwert und Lanze mit einer dreieckigen scharfen Spitze. Am Sattel (und nicht wie heute oft angenommen am Rückenpanzer) wurden manchmal zwei „Flügel“ befestigt, Holz- oder Stahlbügel mit daran befestigten Adlerfedern, die bis über den Kopf des Reiters hinausragten (daher die deutsche Bezeichnung „Flügelhusaren“). Man nimmt an, dass die Flügel beim schnellen Ritt einer größeren Einheit ein deutlich hörbares Geräusch produzierten, wobei dies wohl eher auf die charakteristischen und obligatorischen Stoffwimpel an der Lanzenspitze zurückzuführen war. Die Flügel sollten vermutlich die galoppierenden Husaren durch ihr Rauschen und Aussehen besonders furchteinflößend erscheinen lassen. Außerdem schützten sie den Rücken vor Säbelhieben und wehrten die von den feindlichen Tataren verwendeten Fanglassos ab. Wie die Flügel aufgekommen sind, bleibt dagegen rätselhaft, fest steht, dass sie nicht zwingend vorgeschrieben waren und auch öfter zum Paradieren als zum Kämpfen aufgezogen wurden.

Die Lanze war der einzige Teil der Ausrüstung, der vom Staat finanziert wurde. Deshalb bestand die Truppe meist aus reichen Adligen und den von ihnen unterhaltenen Gefolgsleuten.

Säbel[Bearbeiten]

Obwohl zur Zeit der Entstehung der polnischen Flügelhusaren vorwiegend Schwerter eingesetzt wurden, benutzte man Säbel. Schnell entdeckte man deren Vorteil: Bei Schwertern war die Voraussetzung für einen starken Schlag ein großes Gewicht, bei einem Säbel die Neigung des Körpers, Krümmung des Säbels und die Muskelkraft. Der Säbel war auch handlicher, da er leichter und kürzer war. Es gab viele verschiedene Arten von Säbeln. Da jeder Husar seine Ausrüstung selber besorgen musste, war es ihm freigestellt welche Art er im Kampf benutzte. Auch wurden oft erbeutete Waffen weiterverwendet.

Kopia[Bearbeiten]

Kopia ist eine Art Lanze des Husaren, aber doch vollkommen anders aufgebaut. Die Kopia wurde aus Espenholz hergestellt, war sehr leicht und hohl, doch dafür brüchig. Schon nach dem ersten Aufprall bei einem Angriff brachen die Kopien. Sie dienten nur zum Durchbrechen der vorderen Formationsreihen. Für längere Reisen oder Paraden wurden an den Sätteln spezielle Halterungen für die Lanze angebracht, wie sie etwa auch bei kosakischer Reiterei und den Ulanen üblich waren.

Rüstung[Bearbeiten]

Hussaria-Rüstungen aus dem 17 Jh.

Die Rüstung der Husaren veränderte sich im Laufe der Zeit. Zuerst orientierte sich der König an der europäischen Entwicklung und ließ die Husaren auf leichtere Rüstungen umsteigen. Die ersten Rüstungen bestanden somit nur aus einem leichten Kettenhemd und einem dünnen Plattenpanzer. Der Kopfschutz bestand aus einem Helm mit breitem Nasenschutz; dieser war jedoch besonders umstritten. Später wurden Armschienen angeschafft und der Nasenschutz entfernt, da er die Sicht raubte. Wieder wurde der Nasenschutz eingeführt. Das Kettenhemd wurde abgeschafft, und der Plattenpanzer verstärkt und innen mit Rehleder ausgekleidet. Dies war die endgültige Form des Panzers. Später wurden nur noch die Flügel anmontiert. Die Adeligen ließen die Rüstungen in Venedig herstellen, da dort die besten Schmiede arbeiteten. Die polnischen Husaren blieben als einzige Kavallerie in ganz Europa eine schwere Kavallerie.

Es gab noch eine weniger beliebte leichte Rüstung, die kaum im Kampf eingesetzt wurde. Diese bestand aus ganz hartem Leder, das mit Nieten bestickt wurde.

Bögen, Pistolen (ab 1576)[Bearbeiten]

Die Pistolen hatten für die Hussaria keine große Bedeutung, da sie im Nahkampf nur in Notfällen eingesetzt wurden. Nur in Situationen des Fernkampfes kam es zu ihrer Benutzung. Man bevorzugte Pfeil und Bogen. Sie waren treffsicherer und wurden auch beim Angriff ab zirka 200 Metern Entfernung während des Reitens benutzt. Meistens reichte es für nur eine Salve, doch erreichte man zumindest eine Schwächung des Gegners. Später wurden sogar Gewehre eingesetzt, allerdings besaßen diese ebenfalls keine große Popularität unter den Husaren. Pistolen waren außerdem nicht sehr gut geeignet, da sie nur mit Bleikugeln geladen wurden, und diese eine stärkere Rüstung nicht durchbrechen konnten. Der Untergang der Husaren ist hauptsächlich der Einführung von verschiedenen neuen Taktiken im Einsatz von Gewehren sowie den Orgel-Fächergeschützen zuzuschreiben, die jede Rüstungsart durchdrangen.

Flügel[Bearbeiten]

Flügel waren bei Husaren nicht verpflichtend. Sie bestanden aus einer Eisenstange, auf der Adlerfedern knapp beieinander befestigt waren. Befestigt wurden sie entweder auf dem Rückenpanzer oder auf dem Sattel, es war aber auch möglich nur einen Flügel auf dem Rückenpanzer zu befestigen. Flügel dienten dazu die gegnerischen Pferde mit dem Geraschel der Adlerfedern zu verängstigen und sie somit unkontrollierbar zu machen. Die Pferde der Husaren wurden auf dieses Geräusch trainiert, damit sie nicht scheuten. Die Flügel dienten aber auch zum Schutz. Dadurch konnten Gegner die Husaren nicht am Rücken verletzten, und die hohen Flügel verhinderten, dass die Tataren ihre Lassos verwenden konnten.

Schlagkraft[Bearbeiten]

Der polnische Staat hatte während der Blütezeit der Hussaria mit mehreren Gegnern zu tun, die unterschiedlich in ihrer Kriegsweise wie auch Bewaffnung waren. An den Norden grenzten die Schweden, die über exzellente Infanterieverbände und eine gut geschulte Reiterei verfügten, an den Osten die Russen, sowie an den Südosten die Tataren und Kosaken, meist leichte Reiter. Südlich der polnischen Grenzen dominierten die Osmanen, die Hauptstärke der Osmanen war ihre zahlenmäßige Überlegenheit. Der Gegner im Westen waren die Teilstaaten des Heiligen Römischen Reichs, darunter das Habsburgerreich, die der westlichen Militärtradition verpflichtet waren.

Erst die Verbesserungen der Gewehre und damit einhergehende Veränderungen der Kriegskunst der gegnerischen Staaten haben die Hussaria im 18. Jahrhundert überflüssig gemacht, so dass sie bald nur noch für Paraden genutzt wurde. 1775 wurde sie abgeschafft und durch modernere, leichtere Reiterei ersetzt, wie z. B. durch die Ulanen oder Husaren. Dennoch ist die Hussaria den Polen bis heute als die legendäre Reiterei im Gedächtnis geblieben, die auch symbolisch in den Abzeichen der modernen polnischen Panzertruppe und Luftwaffe weiterlebt.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jerzy Cichowski, Andrzej Szulczyński: Husaria. Warschau 1977, OCLC 3483516.
  • Richard Brzezinski: Polish Armies 1569-1696. Band 1, (Osprey Men-at-Arms 188) Osprey, Oxford 1987, ISBN 0-85045-736-X.
  • Richard Brzezinski: Polish Winged Hussar 1576-1775. (Osprey Warrior 94) Osprey, Oxford 2006, ISBN 1-84176-650-X.

Weblinks[Bearbeiten]