Inge Brandenburg

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Inge Brandenburg (* 18. Februar 1929 in Leipzig; † 23. Februar 1999 in München) war eine deutsche Jazzsängerin und Theaterschauspielerin. Sie wird oft als beste deutsche Jazzsängerin der 1960er Jahre bezeichnet.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Inge Brandenburg wurde in eine zerrüttete Familie hineingeboren, in der Gewalt und Streit herrschten. Ihre Eltern verlor sie jugendlich durch die Nationalsozialisten; der Vater brachte sich, als Kommunist im KZ Mauthausen inhaftiert, 1941 um, die Mutter wurde als „Asoziale“ im KZ Ravensbrück interniert und kurz vor Kriegsende erschossen. Aufgrund dessen verbrachte sie den Großteil ihrer Jugend in einem Heim in Bernburg.[1]

Nach Kriegsende flüchtete sie in die amerikanische Zone nach Hof, dann weiter nach Augsburg. Dort kam sie in den GI-Clubs das erste Mal mit Jazz in Kontakt; es folgten erste Engagements. Als Autodidaktin entwickelte sie sich zunehmend zu einer hervorragenden Jazz-Interpretin. Nach Auftritten in Nachtclubs und Tanzlokalen unternahm sie eine achtmonatige Tourneereise nach Schweden, die von Erfolg gekrönt war (ursprünglich geplant waren nur vier Wochen). Zurück in Deutschland kam der Durchbruch 1958 auf dem Deutschen Jazzfestival in Frankfurt am Main; auch die Kritiker prophezeiten ihr eine große Zukunft. Sie erhielt ihren ersten Plattenvertrag und sang bald, geschätzt wegen des dunklen Timbres in ihrer Stimme und ihres hervorragenden Timings, mit der ersten Garde der Jazzer.

Beim Festival Européen du Jazz in Antibes 1960 wurde sie als beste europäische Sängerin ausgezeichnet. Die Zusammenarbeit mit Hans Koller, Albert Mangelsdorff, Emil Mangelsdorff, Helmut Brandt und den Orchestern von Kurt Edelhagen und Erwin Lehn festigten ihren Ruf als die beste westdeutsche Jazzsängerin; sie sang vor allem im Swing-Idiom und Blues-Stücke. Ihre Interpretation von Lover Man machte sie angeblich 1960 „zur Legende“: „Unbeeindruckt von den damals schon vorliegenden überwältigenden Vokal-Aufnahmen, sang sich die junge Deutsche mit individueller Phrasierung und seelenvoller dunkler Stimme die Seele aus dem Leib.“[2]

Anfang der 1960er Jahre wurde Inge Brandenburg von dem AFN-Moderator Charlie Hickman gemanagt, der ihr die ersten Fernsehauftritte verschaffte, unter anderem mit Ted Heath (1962). Sie tourte 1965 mit der Gunter Hampel Group und interpretierte Ornette-Coleman-Stücke wie Lonely Woman. 1968 ging sie mit dem Trio von Wolfgang Dauner auf Tournee. Plattenfirmen veröffentlichten einige Aufnahmen mit ihr, wollten aber lieber (besser verkäufliche) Schlager-ähnliche Stücke aufnehmen, wozu sie nicht bereit war. Durch Probleme mit Alkohol und ihre reizbare Art galt sie nun als schwierig. Auch die Auftritte wurden immer weniger, so dass sie später überwiegend Theater spielte. 1976 sang sie noch einmal auf einem Jazzfestival in Würzburg, 1974 und 1976 im Sinkkasten in Frankfurt am Main, 1985 in der Brotfabrik in Frankfurt am Main, oder in Omnibus (Würzburg) und Sudhaus in (Stuttgart) mit Peter Mayer Quartett und Jan Jankeje . Dann zog sie sich aufgrund der schwierigen ökonomischen Situation aus dem Musikmarkt komplett zurück.

Nach dem Karriereende rutschte Brandenburg in tiefere Alkoholprobleme ab, hinzu kamen Probleme mit ihren Stimmbändern. 1990 unterzog sie sich einer Operation der Stimmbänder. Mitte der Neunzigerjahre versuchte sie ein Comeback – unterstützt von Gerry Hayes und Charly Antolini, mit den Trios der Pianisten Walter Lang bzw. Heinz Frommeyer, welches jedoch misslang. Verarmt starb sie 1999 in einem Schwabinger Krankenhaus.

Rezeption[Bearbeiten]

Am 16. Juni 2011 wurde der zweistündige Dokumentarfilm Sing! Inge, Sing! – der zerbrochene Traum der Inge Brandenburg von Marc Boettcher uraufgeführt. Im Oktober 2011 startete der mit dem "Prädikat Wertvoll" ausgezeichnete Film im Kino, im Mai 2012 erschien der Film außerdem auf DVD.

Am 5. Dezember 2012 wurde auf ARTE TV eine 52-minütige Kurzfassung des Kinofilms unter dem Titel Die Deutsche Lady Jazz (La lady allemande du Jazz) erstmals im deutschen und französischen Fernsehen ausgestrahlt. Diese TV-Fassung wurde am 29. Januar 2013 für den Grimme-Preis 2013 im Bereich Information und Kultur nominiert.[3]

Die Audio-CD zum Film Sing! Inge, Sing! mit 22 von Inge Brandenburg gesungenen Jazz-Titeln wurde am 15. Februar 2012 auf der Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik gewürdigt.

Diskographie[Bearbeiten]

  • 1960: Herzlichst Inge (EP, Decca)
  • 1960: Sieben Tage, sieben Nächte / Goody Goody (Decca)
  • 1960: Das gibt es nur einmal / Es ist doch immer wieder schön (Decca)
  • 1960: Bye Bye Benjamino / Harrys kleiner Ballsalon (Decca)
  • 1961: Gauner sind sie alle / Weil ich Angst hab vor dir (Polydor)
  • 1962: Südlich von Hawaii (Flaschenpost) / Um Mitternacht (Polydor)
  • 1962: Tiger Twist / Amateur d'amour (CBS)
  • 1965: Hey Baby / Morgen nehme ich dein Foto von der Wand (Inge & Fats, CBS)
  • 1965: Ruh dich mal aus bei mir / Du lässt mich nicht los (Inge & Fats, CBS)
  • 1965: It's Alright With Me (LP, CBS)
  • 1967: Ich liebe ihn / In Mann ist ein Mann (CBS)

CDs:

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1961: Ein Stern fällt vom Himmel
  • 2011: Sing! Inge, Sing! - der zerbrochene Traum der Inge Brandenburg (Dokumentarfilm)
  • 2012: Die deutsche Lady Jazz - Inge Brandenburg (La lady allemande du jazz) (Fernseh-Dokumentarfilm)

Literatur[Bearbeiten]

  • „Singen bedeutet für mich alles!“ Inge Brandenburg im Gespräch. In: Gunna Wendt (Hrsg.): Die Jazz-Frauen. Luchterhand, Hamburg 1992, ISBN 3-630-71082-4

Lexikalische Einträge[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Schröder: Zeig mir, was Liebe ist, Onlineauftritt des Tagesspiegels, 25. Oktober 2011
  2. Marcus A. Woelfle in H. J. Schaal Jazz-Standards Kassel 2001, S. 295f.
  3. Grimme Nominierung 2013 Die deutsche Lady Jazz (NDR/ARTE) Buch/Regie: Marc Boettcher