Ornette Coleman

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Ornette Coleman, moers festival 2011

Randolph Denard Ornette Coleman (* 9. März 1930 in Fort Worth, Texas) ist ein amerikanischer Jazz-Musiker (vor allem Alt-, gelegentlich auch Tenorsaxophon, Trompete und Geige) und Komponist. Ornette Coleman gilt als Pionier des Free Jazz und ist der Schöpfer der „Harmolodie“.

Leben[Bearbeiten]

Selbststudium[Bearbeiten]

Coleman brachte sich ab 1944 das Saxophonspiel und Notenlesen selbst bei. Mit 19 Jahren riss er von zu Hause aus, um dem Teufelskreis aus Armut und Rassendiskriminierung im Süden der USA zu entfliehen. In Los Angeles schlug sich Ornette Coleman mit Hilfsjobs durch und brachte sich 1950 wiederum im Selbststudium die Harmonielehre und die Musiktheorie bei. Hier entwickelte er auch seine auf der Logik der Mathematik basierenden musikalischen Konzepte und fand einige Mitspieler in Don Cherry (Trompete), Bobby Bradford (Trompete), Walter Norris (Klavier), Ed Blackwell (Schlagzeug), Billy Higgins (Schlagzeug) und Charlie Haden (Bass). Die beiden Letztgenannten lernte er 1958 in der Band von Paul Bley (Klavier) kennen, die um Coleman und Cherry erweitert wurde, bevor sie durch Bleys Ausstieg zum Ornette Coleman Quartet wurde.

Zusammen tourten sie durch kleine Clubs in Los Angeles. Ihren ersten Plattenvertrag erhielten sie nur durch Zufall, denn eine Plattenfirma kaufte eines von Colemans Arrangements, fand aber außer dessen Gruppe niemanden, der dieses auch spielen konnte. Auf Vermittlung von John Lewis wechselte er im Mai 1959 zu Atlantic Records. Nach einem darauffolgenden Engagement im berühmten „Five Spot“ in New York im Jahre 1959 war dem Ornette Coleman Quartett die Anerkennung der Jazz-Szene sicher.

Free Jazz / Harmolodic[Bearbeiten]

Ornette Coleman auf dem Enjoy Jazz Festival, Heidelberg, Oktober 2008

Zusammen mit Eric Dolphy (Bassklarinette), Don Cherry (Taschentrompete), Freddie Hubbard (Trompete), Scott LaFaro (Bass), Charlie Haden (Bass), Billy Higgins (Schlagzeug) und Ed Blackwell (Schlagzeug) – also mit einem Doppel-Quartett – nahm er 1960 sein wohl bekanntestes Album „Free Jazz: A Collective Improvisation“ auf. Dieses Album wirkte federführend auf die Entwicklung des atonalen Avantgarde Jazz. In den 1960er Jahren lernte Coleman Geige und Trompete soweit spielen, dass er sie seitdem für Klangfarbeneffekte einsetzen kann. Seit den frühen 1960er Jahren komponierte er auch Werke für Ensembles der Kammermusik und seit 1967 auch mehrfach sinfonische Stücke für größere Ensembles („Skies of America“, 1972).

Ornette Coleman entwickelt vor allem seit den 1970ern aus dem Free Jazz ein System der „Harmolodie“.[1] Anders als im modalen Spiel wird dabei über lineare Intervallreihen improvisiert. Insbesondere gemeinsam mit seiner Band Prime Time wurde er ab Mitte der 1970er Jahre mit Hilfe des harmolodischen Systems zu einem Pionier des Free Funk, denn er kombinierte die „Harmolodics“ mit aggressiven Rockrhythmen und sphärischen Klängen. Sein Album Dancing in Your Head, das teilweise auch mit den Master Musicians of Jajouka entstand, wurde in die Wireliste The Wire’s “100 Records That Set the World on Fire (While No One Was Listening)” aufgenommen. In den 1980er Jahren brachte Coleman weitere Platten mit Prime Time, aber auch mit seinem klassischen Quartett heraus.

Seine Platten der 1990er Jahre, auf denen er z. T. in einem klassischen Jazzquartett (mit Piano, Bass, Schlagzeug) bzw. im Saxophon-Piano-Duo (mit Joachim Kühn) spielte, fanden ebenfalls großen Anklang. Auf seinem Album Sound Grammar, das bei einem Festivalauftritt in Deutschland entstand, spielte er in einer ungewöhnlicheren Besetzung (mit zwei Bassisten und Schlagzeuger).

2002 und 2003 unternahm Ornette Coleman Abstecher in die Rockmusik und wirkte bei Lou Reeds Bearbeitung von Werken Edgar Allan Poes The Raven sowie bei Eddy Grants Hearts & Diamonds mit. Bereits in früheren Jahren war er an Produktionen von Yoko Ono, Claude Nougaro, Jamaaladeen Tacuma, Yochk'o Seffer und Joe Henry beteiligt.

Im März 2005 würdigten die Medien mit Berichten und Lobreden Ornette Colemans 75. Geburtstag. Neben der Musik interessiert sich Coleman auch für wissenschaftliche Themen aus der Physik, Mathematik und Chemie. Aus der geschiedenen Ehe mit der Dichterin Jayne Cortez stammt sein Sohn Denardo Coleman, auf den er seit 1966 als Schlagzeuger zurückgreift.

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

Diskographie[Bearbeiten]

Wichtige Platten[Bearbeiten]

Ornette Coleman in Saalfelden (2009)

Alle Tonträger unter eigenem Namen[Bearbeiten]

Nicht legitimierte Alben mit *

  • Something Else!!!! (1958)
  • Coleman Classics Vol. 1 (1958)
  • Tomorrow Is the Question! (1959)
  • The Shape Of Jazz to Come (1959)
  • Change Of The Century (1959)
  • This Is Our Music (1960)
  • Free Jazz (1960)
  • Ornette! (1961)
  • Ornette on Tenor (1961)
  • The Art of the Improvisers (1961)
  • Twins (1961)
  • To Whom Who Keeps a Record (1960)
  • Beauty Is a Rare Thing (1961)*
  • Town Hall (1962)
  • Chappaqua Suite (1965)
  • An Evening With Ornette Coleman (1965)
  • Who's Crazy Vol. 1 (1965)*
  • Who's Crazy Vol. 2 (1965)*
  • The Paris Concert (1965)*
  • Live at the Tivoli (1965)*
  • At The “Golden Circle” Vol. 1 (1965)
  • At The “Golden Circle” Vol. 2 (1965)
  • Ornette Coleman: The Empty Foxhole. Blue Note 9/66 (1966)
  • The Music of Ornette Coleman - Forms & Sounds (1967)
  • The Unprecedented Music Of Ornette Coleman (1968)*
  • Live in Milano (1968)*
  • New York Is Now (1968)
  • Love Call (1968)
  • Ornette At 12 (1968)
  • Crisis (1969)
  • Man on the Moon / Growing Up (1969)*
  • Friends And Neighbors (1970)
  • Science Fiction (1971)
  • European Concert (1971)*
  • Broken Shadows (1971/72)
  • Paris Concert (1966/1971)*
  • The Belgrade Concert (1971)*
  • Skies of America (1972)
  • Ornette Coleman Broadcasts (1972)*
  • Dancing in Your Head (1973/1976)
  • Body Meta (1976)
  • Soapsuds, Soapsuds (1977)
  • Of Human Feelings (1979)
  • Opening The Caravan Of Dreams (1983)
  • Prime Time/Time Design (1983)
  • Song X (1985)
  • In All Languages (1987)
  • Verona Jazz (1987)*
  • Virgin Beauty (1988)
  • Live at Jazzbühne Berlin (1988)*
  • Naked Lunch (1991)
  • Tone Dialing (1995)
  • Sound Museum - Hidden Man (1994)
  • Sound Museum - Three Women (1994)
  • Colors (1996)
  • Sound Grammar (2006)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Peter Niklas Wilson: Ornette Coleman. Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten. Oreos, Waakirchen 1989, ISBN 3-923657-24-2.
  •  John Litweiler: Ornette Coleman: A Harmolodic Life. William Morrow and Company, New York 1992, ISBN 0-688-07212-7.
  •  Steve Day: Ornette Coleman - Music Always. Soundworld, 2000, ISBN 1-902440-03-X.
  •  Christian Broecking: Ornette Coleman - Klang der Freiheit. Creative People Books / Broecking Verlag, 2010, ISBN 978-3-938763-13-1.[4]
  •  Martin Kunzler: Jazz-Lexikon. Directmedia, Berlin 2005, ISBN 3-89853-018-3.
  •  A. B. Spellman: Four Jazz Lives. University of Michigan Press (Neuauflage von „Four Lives in the Bebop Business“, Pantheon 1966).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ornette Coleman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pepsch Muska über Harmolodics (1995) im Internet Archive
  2. „Ornette Coleman vierfach mit US-Jazzpreis ausgezeichnet“, Tagesspiegel, 29. Juni 2007
  3. All about Jazz
  4. Anders als der Titel vermuten lässt, enthält dieses Buch keine Analyse, sondern Interviews – nicht nur mit Coleman, sondern in der Überzahl mit einstigen Wegbegleitern von ihm. Vgl. auch Besprechung