Internationaler Suchdienst

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Das Hauptgebäude des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen

Der Internationale Suchdienst (ITS), englisch International Tracing Service, französisch Service International de Recherches ist ein Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung, NS-Zwangsarbeit sowie den Holocaust mit Sitz in der nordhessischen Stadt Bad Arolsen. Hauptaufgaben des Suchdienstes sind die Klärung des Schicksals von Verfolgten des NS-Regimes und die Suche nach Familienangehörigen, Erteilung von Auskünften an Überlebende und Familienangehörige von NS-Opfern, Forschung, Pädagogik und Erinnerung sowie die Aufbewahrung, Konservierung und Erschließung von Dokumenten.

Im Juni 2013 wurde der Internationale Suchdienst von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.[1][2]

Die Arbeit des Internationalen Suchdienstes[Bearbeiten]

Organisation[Bearbeiten]

Der ITS wird durch die Bundesrepublik Deutschland finanziert. Der ITS ging im Juni 1955 von den westlichen Besatzungsmächten an die Bundesrepublik Deutschland über. Die Aufsicht über ihn obliegt seitdem dem Internationalen Ausschuss, der mit Vertretern der elf beteiligten Länder (Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, USA) besetzt ist und zweimal jährlich zusammentritt.[3] Der ITS gliedert sich in die Bereiche Verwaltung, Anfragenbearbeitung sowie Archiv und Historische Forschung. Im Jahr 2012 umfasste das Personal des Internationalen Suchdienstes 289 Mitarbeiter, davon etwa 35 Prozent in Teilzeit.

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Hauptaufgabe des ITS ist seit seiner Gründung die Suche nach nichtdeutschen Personen im Gebiet des damaligen Deutschen Reiches sowie den deutsch besetzten Gebieten in der Zeit von 1933 bis 1945, die während des Zweiten Weltkrieges verschleppt worden waren oder aus anderen Gründen vermisst wurden. Zu dieser Aufgabe zählte auch die Unterstützung der betroffenen Menschen bei der Zusammenführung mit ihren Familien. Gegenwärtig besteht die Arbeit des ITS für Familienangehörige und Forscher schwerpunktmäßig in der Recherche, Sammlung, Ordnung, Aufbewahrung und Auswertung von Dokumenten und Unterlagen zum Schicksal und Verbleib folgender Personengruppen:

  • Häftlinge der Konzentrationslager, Gefängnisse, Ghettos
  • Juden, die während der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden
  • ausländische Staatsangehörige, die sich in der Zeit von 1939 bis 1945 im Gebiet des Deutschen Reiches aufgehalten haben, z. B. Kriegsgefangene in Stammlagern, Zwangsarbeiter
  • verschleppte Personen (Displaced Persons DP), die von internationalen Hilfsorganisationen wie der UNRRA und der IRO betreut wurden, vorwiegend im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich, der Schweiz, Italien und Großbritannien
  • Angehörige der genannten Personen, wenn sie zum Ende des Zweiten Weltkrieges unter 18 Jahre alt waren und verschleppt beziehungsweise von ihren Eltern getrennt wurden.

Die Dokumente zu den Personen können umfassen Dokumente der Gestapo, Arbeitsbücher, Krankenberichte, Registrierlisten in den Lagern, Durchgang zu anderen Lagern, Sterbelisten, Emigrationslisten, Listen von Hilfsorganisationen.[4] [5]

Anfragen – Auskünfte[Bearbeiten]

Auskünfte zum Schicksal betroffener Personen werden an diese Menschen, an ihre Angehörigen oder mit dem Einverständnis der Betroffenen an Drittpersonen erteilt.[6]

Beim späteren Eingang neuer oder zusätzlicher Informationen werden diese ohne erneute Anfrage durch einen Antragsteller an diesen übermittelt. Ergibt sich aus den Nachforschungen die Feststellung des Todes einer Person, kann dies auf Antrag vom Sonderstandesamt Arolsen beurkundet werden. Den Opfern beziehungsweise ihren Hinterbliebenen ist es durch Nachweise des ITS zu Zwangsarbeit, Verfolgung, Haftzeiten sowie Verletzungen und Krankheit beispielsweise möglich, in ihren Heimatländern Entschädigungs- und Rentenansprüche geltend zu machen. Zur verstärkten Nutzung des Internets für die Erteilung von Auskünften und die Akteneinsicht wurde im November 2007 die Website des ITS neu gestaltet.

Im Jahr 2012 erreichten den ITS 13.365 Anfragen. Sie kamen aus 76 Ländern. Besonders hoch ist das Interesse in Deutschland, Osteuropa und den USA. In etwa 50 Prozent der Fälle kann der ITS dank seiner Dokumentation eine Auskunft erteilen. Inhaltlich befassen sich nahezu 47 Prozent aller humanitären Anfragen mit den Verfolgungswegen von Inhaftierten in Konzentrationslagern, Ghettos und Gestapo-Gefängnissen. Weitere 31 Prozent der Anfragen erbitten Auskünfte über Zwangsarbeit und 22 Prozent ersuchen Auskünfte zu Displaced Persons. Vermehrt gehen Anfragen der zweiten und dritten Generation ein. Die Statistik wurde mit Beginn des Jahres 2008 umgestellt. Waren zuvor alle angefragten Personen und Ereignisse in einem Brief als einzelne Anfrage gewertet worden, zählt jetzt der Brief oder das Online-Formular als einzelner Auftrag unabhängig von der Zahl der angefragten Schicksale. Somit ist eine Vergleichbarkeit der Zahlen mit den Vorjahren nicht mehr gegeben.

Rund drei Prozent der Anfragen sind auch über 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch tatsächliche Suchfälle. Der Trend geht im Bereich der Suchfälle durch den zunehmenden Abstand zu den Kriegsereignissen in Richtung Schicksalsklärung, da immer weniger Menschen lebend gefunden werden. Trotzdem können noch immer persönliche Kontakte hergestellt werden, nicht selten zu Halbgeschwistern. Zu den herausragenden Einzelschicksalen zählt dabei 2008 beispielsweise die Zusammenführung von zwei Cousinen, die aufgrund des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges 65 Jahre lang getrennt lebten. Während der Phase der Entschädigung von osteuropäischen Zwangsarbeitern über den Fonds der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zwischen 2000 und 2007 erreichten den Suchdienst etwa 950.000 Anfragen. Mit dieser Anfragenflut war der ITS überfordert. In der Folge baute sich ein großer Stau an Anfragen auf, der dem Ruf der Einrichtung zwischenzeitlich erheblichen Schaden zufügte. Insbesondere Anfragen, die nicht direkt mit dem Fonds zu tun hatten, blieben liegen. Im Jahr 2008 gelang es, den restlichen Rückstand an Anfragen vollständig abzubauen.

Das Archiv ist auch Forschern zugänglich.[7]

Das Archiv[Bearbeiten]

Bestände[Bearbeiten]

Der Bestand des ITS ist mit rund 30 Millionen Dokumenten eine der weltweit größten Sammlungen von Unterlagen über zivile Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft.[8] Die Mitarbeiter des Internationalen Suchdienstes haben zur Ergänzung des Dokumentenbestandes viele Jahrzehnte mit Archiven im In- und Ausland zusammengearbeitet, um deren Bestand im Hinblick auf den eigenen Informationsbedarf zu sichten und gegebenenfalls Dokumente zu kopieren oder zu erwerben.[9]

In der Zentralen Namenkartei befinden sich Hinweise zu etwa 17,5 Millionen Menschen. Der Gesamtbestand des Archivs beträgt rund 26 laufende Papierkilometer (das heißt hochkant Blatt an Blatt aufgereihtes Papier) und umfasst rund 30 Millionen Dokumente.[10] Sie geben Aufschluss über das Ausmaß der Verfolgung durch das NS-Gewaltregime, die skrupellose Ausbeutung durch Zwangsarbeit und die Folgen des Zweiten Weltkrieges für Millionen von Flüchtlingen. Im Wesentlichen teilen sich die Bestände in die drei große Bereiche Inhaftierung, Zwangsarbeit und Displaced Persons auf.[11] Unter den Dokumenten befinden sich erhalten gebliebene Akten mehrerer Konzentrationslager, Gefängnisse, Ghettos sowie Arbeitsbücher, Krankenakten, Versicherungsunterlagen, Meldekarten von Behörden, Krankenkassen und Arbeitgebern etc. und auch Akten von Lebensborn, Organisation Todt, Gestapo und SS.[12][13]

Aber auch Einzeldokumente von herausragender historischer Bedeutung wie beispielsweise die Listen der jüdischen Zwangsarbeiter, die der Industrielle Oskar Schindler vor dem Tod rettete.[14] Auch Dokumente von Anne Frank, Simon Wiesenthal, Konrad Adenauer u.a. finden sich in den Beständen.[15][16]

Effekten aus Lagern[Bearbeiten]

Darüber hinaus verwahrt der ITS zirka 2.800 sogenannte Effektentüten mit persönlichen Gegenständen von Häftlingen, die diesen bei der Einlieferung in die Konzentrationslager Neuengamme, Dachau und andere abgenommen und aufbewahrt wurden. Es handelt sich um Ausweispapiere, Fotos und Briefe. Die Wertgegenstände dagegen wurden sofort konfisziert. Ziel des ITS ist die Rückgabe dieser Gegenstände an die Betroffenen beziehungsweise ihre Angehörigen.[17] [18] [19]

Digitalisierung des Archivmaterials[Bearbeiten]

Um die historisch wertvollen Dokumente für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, ist die Digitalisierung, elektronische Indizierung und Speicherung des Archivmaterials ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit des ITS. Diese begann nach der 1999 abgeschlossenen Digitalisierung der Zentralen Namenkartei. Nahezu alle Originaldokumente sind elektronisch eingelesen und recherchierbar. Die Digitalisierung der rund drei Millionen Korrespondenzfälle des ITS mit Opfern, ihren Angehörigen und Behörden ist in Arbeit. .[20] Laut einem Beschluss des Internationalen Ausschusses können aber nur Mitgliedsstaaten eine vollständige digitale Kopie der beim ITS vorhandenen Unterlagen erhalten.[21] Darüber hinaus wird der Erhaltungszustand der archivierten Dokumente durch Restaurierung und Konservierung so weit wie möglich bewahrt, um die betreffenden Unterlagen vor einem Informationsverlust zu schützen. Diese Maßnahmen umfassen vor allem die Entsäuerung zur Verhinderung von Papierzerfall, Delaminierungen, die Reparatur von mechanischen Beschädigungen sowie eine entsprechend geschützte Lagerung.[22][23]

Findbücher[Bearbeiten]

Um die Dokumente im Archiv des ITS für die Forschung zugänglich zu machen, hat der ITS im Dezember 2008 die Erschließung der Dokumente begonnen. Bislang bildete die Zentrale Namenkartei den Schlüssel zu den Unterlagen. Historiker fragen jedoch auch nach Orten, Ereignissen, Nationalitäten und Zusammenhängen. Grundsätzlich ist es das Ziel, onlinefähige Findbücher nach allgemein anerkannten fachlichen Archivstandards zu erarbeiten. Inzwischen hat der ITS mehrere Findbücher im Internet veröffentlicht.[24] Die Erschließung soll den Weg zu den Beständen und den Archivalien des ITS ebnen. Angesichts des Umfangs an Dokumenten wird dieser Prozess einige Jahre in Anspruch nehmen.

Abgrenzung zu weiteren Archiven[Bearbeiten]

Für das Schicksal von Kriegsgefangenen existiert in Genf die Zentrale Suchstelle (Central Tracing Agency) des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz als Nachfolgeeinrichtung der früher bestehenden Zentralstelle für Kriegsgefangene. Suchanfragen werden bearbeitet.[25]

Archive und Nachforschungen zu Vertriebenen und deutschen Soldaten werden von anderen Suchdiensten betrieben. Nachforschungen nach vermissten deutschen Staatsangehörigen, sofern sie nicht als Opfer des Nationalsozialismus gelten, liegen in der Zuständigkeit des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).[26] und vergleichbarer Institutionen wie dem Kirchlichen Suchdienst[27], der Deutschen Dienststelle (WASt)[28]. Für Kriegstote der Deutschen Wehrmacht gibt es den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.[29] [30]

Entstehung und Geschichte[Bearbeiten]

Träger[Bearbeiten]

Als die Alliierten im Jahr 1943 den Ausgang des Zweiten Weltkrieges näher rücken sehen, werden genauere Erhebungen über die Situation der Inhaftierten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge in Mitteleuropa angestellt. Dieser Aufgabe stellt sich das Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte (Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, SHAEF) (SHAEF) und übernimmt am 15. Februar 1944 die Arbeiten eines Zentralen Suchbüros, dessen Standort infolge des Kriegsverlaufs von London nach Versailles und anschließend nach Frankfurt am Main verlegt wurde. Nach dem Ende des Krieges ging die Leitung an die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) und im Juni 1947 an die International Refugee Organization (IRO) als deren Nachfolgeorganisation über. Bereits im Januar 1946 war der Sitz in die hessische Kleinstadt Arolsen, heute Bad Arolsen, verlegt worden, da diese in der geografischen Mitte der vier Besatzungszonen in Deutschland lag und über eine durch den Krieg kaum beschädigte Infrastruktur verfügte. Von Januar 1948 an wirkte der Suchdienst unter dem noch heute gültigen Namen „International Tracing Service“ (ITS).

Im April 1951 übernahm zunächst die Alliierte Hohe Kommission für Deutschland (Allied High Commission for Germany, HICOG) die Leitung des ITS. Aufgrund einer offiziellen Anfrage des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer an Paul Ruegger, zu der Zeit Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), war von 1955 an das IKRK für die Leitung des Internationalen Suchdienstes zuständig. Der ITS steht unter der Aufsicht eines Internationalen Ausschusses, dem Vertreter von elf Ländern angehören. Zur rechtlichen Regelung dieser Zuständigkeiten und des Mandates des Suchdienstes war am 6. Juni 1955 ein entsprechender Vertrag zwischen den Regierungen der beteiligten Länder sowie eine Vereinbarung mit dem IKRK abgeschlossen worden. Für die Gültigkeit dieser als „Bonner Verträge“ bezeichneten Abkommen war nach einer zunächst bestehenden Befristung auf fünf Jahre und einer nochmaligen Verlängerung um weitere fünf Jahre schließlich am 5. Mai 1965 eine unbestimmte Dauer vereinbart worden. Im September 1990 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland, die Arbeit des Internationalen Suchdienstes weiterhin zu gewährleisten. Die rechtliche Grundlage bilden seit Januar 2013 die Berliner Abkommen. Sie haben die Bonner Verträge abgelöst. Das IKRK hat sich Ende 2012 aus dem Management des ITS zurückgezogen, weil die neuen Aufgaben im Bereich Archiv und Forschung nicht zu den typischen Einsatzgebieten der humanitären Einrichtung zählen. Institutioneller Partner ist jetzt das Bundesarchiv.

Öffnung für die historische Forschung[Bearbeiten]

Der Tätigkeitsschwerpunkt des ITS hat sich im Laufe seiner Geschichte von der Suche nach vermissten Personen verlagert zur Dokumentation in Form der Sammlung und Auswertung von Unterlagen sowie der Erteilung von Auskünften. Da das im Laufe dieser Arbeit entstandene Archiv auch für die historische Forschung von großem Interesse ist, wurde am 16. Mai 2006 ein Protokoll zur Änderung der Bonner Verträge angenommen, das einen entsprechenden Zugriff auf die Unterlagen des Suchdienstes ermöglicht. Dieses Protokoll musste durch die elf Mitgliedsstaaten des Internationalen Ausschusses ratifiziert werden. Basierend auf dem Protokoll wurden auf der Jahresversammlung des Internationalen Ausschusses im Mai 2007 konkrete Zugangsregelungen festgelegt. Mit der Öffnung des Archivs für historische Forschungen werden den Mitgliedsstaaten auf Anfrage Kopien des digitalisierten Bestandes zur Verfügung gestellt. Jedes Land legt die Empfängerinstitution selbst fest. Inzwischen haben sieben Staaten davon Gebrauch gemacht. Für die Vereinigten Staaten hat das United States Holocaust Memorial Museum in Washington eine solche Kopie erhalten, für Israel die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, für Polen das Nationale Institut des Gedenkens in Warschau, für Luxemburg das Centre de Documentation et de Recherche sur la Résistance, für Belgien das Generalstaatsarchiv in Brüssel, für Frankreich das Nationalarchiv in Paris und für Großbritannien die Wiener Library.

Im November 2007 erfolgte die Freigabe der Akten für die historische Forschung. Entsprechende Forderungen nach einer Öffnung des Archivs sowie einer Verbesserung des Zugangs durch Kopien der Datenbestände gab es seit vielen Jahren insbesondere von Opferinitiativen, von Verbänden von Holocaust-Überlebenden, von Politikern aus den USA und Israel sowie von Geschichtswissenschaftlern wie Paul Shapiro, dem leitenden Historiker des United States Holocaust Memorial Museum. Die durch die Verhandlungen des Änderungsprotokolls und durch den Ratifizierungsprozess entstandenen Verzögerungen sind von diesen Personen und Institutionen wiederholt kritisiert worden. Von Seiten des Internationalen Suchdienstes wurde neben den sich aus den bestehenden Verträgen ergebenden Einschränkungen auch auf die Gesetzeslage in Deutschland zum Schutz von persönlichen Daten verwiesen. Aufgrund der internationalen Zuständigkeiten für den ITS war zwischen den verschiedenen Interessengruppen umstritten, in welchem Umfang die Archivbestände des ITS dem deutschen Datenschutzrecht tatsächlich unterliegen.

Rechtsgrundlagen[Bearbeiten]

Die rechtliche Grundlage für die Arbeit des ITS bildet das in Berlin unterzeichnete Übereinkommen über den Internationalen Suchdienst vom 9. Dezember 2011. Das Übereinkommen hat die Bonner Verträge von 1955 und das Änderungsprotokoll von 2006 abgelöst, die bis zum 31. Dezember 2012 wirksam waren. Bis Ende 2012 bildeten die Bonner Verträge die Rechtsgrundlagen des Internationalen Suchdienstes, die im Juni 1955 abgeschlossen worden waren. Diese umfassten das Abkommen über die Einrichtung eines Internationalen Ausschusses durch die Regierungen Belgiens, Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland, Griechenlands, Israels, Italiens, Luxemburgs, der Niederlande, dem Vereinigten Königreich und der Vereinigten Staaten, sowie die Vereinbarung über die Beziehungen zwischen dem Internationalen Ausschuss für den Internationalen Suchdienst und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Polen trat dem Internationalen Ausschuss im März 2000 ebenfalls bei, der damit aus elf Ländern besteht. Weitere relevante Abkommen und Vereinbarungen waren die Verlängerungs- und Änderungsprotokolle vom 23. August 1960 und vom 5. Mai 1965, das Übereinkommen vom 15. Juli 1993 über den Rechtsstatus des Internationalen Suchdienstes in Arolsen, die Geschäftsordnung des Suchdienstes in der Fassung vom Mai 2000 sowie das Protokoll zur Änderung der Bonner Verträge vom 16. Mai 2006, das die Öffnung des Archivs möglich machte.

Bis Ende 2012 unterhielt Frankreich beim ITS eine Verbindungsmission (FVM), die der Archivdirektion des Auswärtigen Amtes in Paris unterstand. Hauptaufgabe der FVM war die Hilfe für französische Staatsangehörige bei Anfragen an den ITS. Diese wurden von der FVM gesammelt sowie registriert und neben dem ITS auch an andere relevante Stellen wie dem IKRK in Genf übergeben. Der ITS arbeitete darüber hinaus mit der französischen Verbindungsmission auch bei Anfragen ausländischer Staatsangehöriger zusammen, sofern diese sich auf einen Aufenthalt der Betroffenen während des Zweiten Weltkrieges auf französischem Staatsgebiet beziehen.

Quellen[Bearbeiten]

  • Liste des Weltdokumentenerbes UNESCO
  • Website des Internationalen Suchdienstes; online unter ITS Bad Arolsen
  • Website des Bundesarchivs Bundesarchiv.de
  • Website des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz; online unter ICRC.org
  • Jahresberichte des Internationalen Suchdienstes; online als PDF-Dateien unter Jahresberichte des ITS
  • Rechtsgrundlagen des Internationalen Suchdienstes; online als PDF-Dateien unter Rechtsgrundlagen des ITS
  • Frequently Asked Questions zum Archiv des Internationalen Suchdienstes auf der Website des United States Holocaust Memorial Museums; online unter USHMM.org

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Weinmann (Hrsg.): Das nationalsozialistische Lagersystem. CCP..[31] Weitere Beiträge von Anne Kaiser und Ursula Krause-Schmitt. Zweitausendeins, Frankfurt 1990. (3. Auflage. 1998, ISBN 3-86150-261-5)[32]
  • Caroline Moorehead: Dunant's Dream: War, Switzerland and the History of the Red Cross. HarperCollins, London 1999, ISBN 0-00-638883-3, S. 518–522.
  • Charles-Claude Biedermann: Über 10,5 Millionen. 60 Jahre Geschichte und Nutzen der beim Internationalen Suchdienst verwahrten personenbezogenen Dokumentation über die ehemaligen zivilen Verfolgten des NS-Regimes. ITS, Bad Arolsen 2003.
  • Frank-Uwe Betz: Das andere Mahnmal. In: Die Zeit. Ausgabe 21 vom 19. Mai 2005. (online)
  • Anne Kunze: Registraturen der Hölle. In: Die Zeit. Ausgabe 25 vom 14. Juni 2012 (online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Internationaler Suchdienst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemeldung des ITS www.its-arolsen.org, (abgerufen am 19. Juni 2013)
  2. Archives of the International Tracing Service www.unesco.org, (abgerufen am 19. Juni 2013)
  3. (fr) Laurent Guillet: Il s'appelait Joseph. Editions Laurent Guillet, Limerzel 2011. ISBN 978-2-918588-03-0. S. 325. (Lager-Stationen eines französischen Kriegsgefangenen bis zu seinem Tod, Vorgehen bei der Recherche).
  4. (fr) Laurent Guillet: Il s'appelait Joseph. Editions Laurent Guillet, Limerzel 2011. ISBN 978-2-918588-03-0. S. 323-341. (Lager-Stationen eines französischen Kriegsgefangenen bis zu seinem Tod, Vorgehen bei der Recherche).
  5. Dokumentenbeispiele im Archiv des ITS
  6. Download Formular für Anfragen von Überlebenden und Familienangehörigen in deutsch, englisch, französisch und russisch
  7. Download Formular für Forschungsantrag in deutsch, englisch, französisch und russisch
  8. Das Archiv des ITS - Bestände - Übersicht nach Themen
  9. Charles-Claude Biedermann: Über 10,5 Millionen - 60 Jahre Geschichte und Nutzen der beim Internationalen Suchdienst verwahrten personenbezogenen Dokumentation über die ehemaligen zivilen Verfolgten des NS-Regimes. ITS, Bad Arolsen 2003, S. 72.
  10. Das Archiv in Zahlen its-arolsen.org, (abgerufen am 13. Februar 2010)
  11. Gliederung der Teilbeständeits-arolsen.org, (abgerufen am 13. Februar 2010)
  12. Charles-Claude Biedermann: Über 10,5 Millionen - 60 Jahre Geschichte und Nutzen der beim Internationalen Suchdienst verwahrten personenbezogenen Dokumentation über die ehemaligen zivilen Verfolgten des NS-Regimes. ITS, Bad Arolsen 2003, "Dokumentenbestand des Internationalen Suchdienstes" S. 27–37 & "Sachdokumente", S. 61–64.
  13. ITS Jahresbericht 2008; S. 16 pdf online(abgerufen am 14. Februar 2010)
  14. Opfer des Nationalsozialismus 17,5 Millionen Schicksale,online FAZ, 6. August 2007, (abgerufen am 14. Februar 2010)
  15. Der Internationale Suchdienst stellt sich vor "In die Dokumente geschaut" S. 6 (pdf; 1,6 MB) (abgerufen am 14. Februar 2010)
  16. ITS Jahresbericht 2009; S. 11 pdf online (abgerufen am 7. Juli 2010)
  17. Alphabetische Namensliste der Personen, für die Effekten vorliegen.
  18. Maurice Bonkat: Ich bin so dankbar. Internationaler Suchdienst übergibt Füllfederhalter. In: Stimme&Weg. 4/2012, S. 8–9.
  19. (fr) Laurent Guillet: Il s'appelait Joseph. Editions Laurent Guillet, Limerzel 2011. ISBN 978-2-918588-03-0. S. 327. (Lager-Stationen eines französischen Kriegsgefangenen bis zu seinem Tod, Vorgehen bei der Recherche).
  20. Digitalisierung des Archivsits-arolsen.org, (abgerufen am 13. Februar 2010)
  21. Die Weitergabe digitaler Daten (pdf; 1,6 MB) S. 7 (abgerufen am 15. Februar 2010)
  22. Charles-Claude Biedermann: Über 10,5 Millionen - 60 Jahre Geschichte und Nutzen der beim Internationalen Suchdienst verwahrten personenbezogenen Dokumentation über die ehemaligen zivilen Verfolgten des NS-Regimes. ITS, Bad Arolsen 2003, "Mandat Aufbewahren" S. 38–41, 77–81.
  23. Konservierung der Dokumente its-arolsen.org, (abgerufen am 13. Februar 2010)
  24. Findbücher: Verzeichnis von Themengebieten.
  25. (en) Contacting the ICRC archives: Agency archives/Prisoners of war (Kriegsgefangene)
  26. Suchanfragen beim Deutschen Roten Kreuz stellen. München: Verschollene, Vermisste Zweiter Weltkrieg. Hamburg: Aussiedler, Spätaussiedler.
  27. Kirchlicher Suchdienst
  28. Deutsche Dienststelle (WASt)
  29. Volksbund Gräbersuche online
  30. Arbeitsteilung der Suchdienste in Deutschland
  31. Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-Occupied Territories, Sept. 1st, 1939 – May 6th 1945. Arolsen, July 1949. 1st Issue. Prepared by ITS, Record branch, Documents Intelligence Section (CCP)
  32. über die Geschichte des Dokumentenbands, zuerst (bis 1990) nur behördenintern bekannt, da inhaltlich zu brisant, informiert, wenn auch in einem schwer lesbaren Umbruch diese Online-Quelle (PDF; 466 kB). Die Druck-Ausgaben 1989f. sind auch dem Bundesarchiv (Deutschland) unter "Überblick Haftstättenverzeichnisse" bekannt, das hier weitere Stätten listet, nach Ländern sortiert

Normdaten[Bearbeiten]

51.3780555555569.0191666666667Koordinaten: 51° 22′ 41″ N, 9° 1′ 9″ O