Versailles

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Versailles in Frankreich; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Versailles (Begriffsklärung).
Versailles
Wappen von Versailles
Versailles (Frankreich)
Versailles
Region Île-de-France
Département Yvelines (Präfektur)
Arrondissement Versailles
Kanton Chef-lieu von drei Kantonen: Versailles-Nord, Versailles-Nord-Ouest, Versailles-Sud
Koordinaten 48° 48′ N, 2° 8′ O48.8047222222222.1341666666667133Koordinaten: 48° 48′ N, 2° 8′ O
Höhe 103–180 m
Fläche 26,18 km²
Einwohner 86.307 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 3.297 Einw./km²
Postleitzahl 78000
INSEE-Code
Website www.versailles.fr

Schloss Versailles von der Stadt aus gesehen

Versailles?/i [vɛʀˈsɑːj] ist eine französische Stadt in der Region Île-de-France mit 86.307 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011). Sie ist Verwaltungssitz (frz.: chef-lieu) des Départements Yvelines (78) und seit 1801 Sitz des Bistums Versailles. Der elegante Wohnort im Einzugsbereich von Paris ist gleichzeitig Garnisonsstadt und einer der bedeutendsten Fremdenverkehrsorte des Landes. Er ist weltweit bekannt für das in seinen größten Teilen für den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert errichtete Schloss Versailles.

Der Ursprung des Namens ist nicht geklärt. Gelegentlich wird die unbelegte Vermutung geäußert, er sei im 11. Jahrhundert von dem lateinischen versare (drehen, umdrehen) abgeleitet worden, und bezöge sich auf gepflügte (umgedrehte) Erde.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Versailles liegt 22 Kilometer westlich des Nullpunktes, der sich im Zentrum von Paris auf dem Vorplatz von Notre-Dame befindet. Es ist eingebettet in ein hufeisenförmiges Tal, das eine vom linken Ufer der Seine aufsteigende Hochebene durchschneidet. Dieses im Südosten bei Viroflay geschlossene und zum Nordwesten geöffnete, bis weit über Villepreux hinausreichende Tal erreicht seine breiteste Ausdehnung zwischen Rocquencourt und Satory. In seiner Mitte erheben sich zwei kleine Hügel: der früher höhere Montboron, welcher im Zuge des fortschreitenden Schlossbaus teilweise abgetragen wurde und der Hügel Saint-Antoine.

Die waldreichen Talhänge bilden mit dem Bois des Fonds des Maréchaux und dem Bois des Fausses Reposes im Norden, den Wäldern von Viroflay und Meudon im Osten und den Wäldern von Gonards und Story im Süden noch immer eine grüne Krone um Versailles. In früheren Zeiten erstreckten sie sich bis an den späteren Paradeplatz und das heutige Schlossgitter.

Bodenbeschaffenheit[Bearbeiten]

Die Talsohle ruht auf einer von Kalkformationen und Ton bedeckten Kreideschicht. Die Anhöhe, auf der das Schloss entstand, ist von dieser Zone durch eine Sandschicht abgegrenzt. Von der auf dem Montboron liegenden Wasserscheide fließt einer der zwei Ru genannten Bäche im Süden am Fuß des Talhanges entlang (ru de Marival), während der andere sich früher westlich des Schlosses ausbreitete und, bedingt durch den undurchlässigen Boden, ein Sumpfgebiet mit mehreren Tümpeln bildete. Unter diesen waren der im Norden bei dem inzwischen verschwundenen gleichnamigen Dorf gelegene Étang de Clagny (Teich oder Weiher von Clagny) und ein Wasserloch im Bereich des noch heute bestehenden zweiten Küchengartens die bedeutendsten. Westlich des jetzigen Schweizersees lag ein weiterer Tümpel mit dem vielsagenden Namen Étang puant (stinkender Teich). Die endgültige Beseitigung dieser Sümpfe erfolgte erst in der Zeit zwischen dem Ende des 17. und der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Klima[Bearbeiten]

Die ungünstige Beschaffenheit des Geländes ergänzen die nahezu ständig vom Atlantik wehenden Winde, die in das nach Westen weit geöffnete Tal eindringen und dazu führen, dass die Temperatur in Versailles ständig um 3 °C niedriger liegt als in Paris.

Geschichte[Bearbeiten]

Versailles im Jahr 1746
Blick über den potager du roi (königlicher Gemüsegarten) auf die Kathedrale Saint-Louis
Kathedrale Saint-Louis, Fassade
Der Marktplatz im Viertel Notre-Dame

Die Tatsache, dass Versailles viel später gegründet wurde als andere bereits in der gallo-römischen Zeit besiedelte Orte des Umkreises, könnte sich durch die vorgenannten ungünstigen geografischen und klimatischen Voraussetzungen erklären. Jedenfalls blieb Versailles das gesamte Mittelalter hindurch eine kleine, unbedeutende Ansammlung von wohl eher armseligen Häusern.

Im 16. Jahrhundert entwickelte Versailles sich dank seiner Lage an der Kreuzung von drei Straßen zu einem kleinen Marktflecken.

Am Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Ludwig XIII. ein kleines Jagdschloss mitten im Wald errichten.

Im Jahr 1668 beschloss sein Sohn Ludwig XIV., nachdem er zuvor schon einige kleine Ausbauten an dem ursprünglichen Schloss hatte vornehmen lassen, dort seinen Regierungssitz entstehen zu lassen. In den nächsten 30 Jahren entstanden in teils waldigem, teils sumpfigem Gebiet ein Schloss und Parkanlagen, die auch noch Jahrhunderte später ein Publikumsmagnet sind. Es wurde zum Symbol des Absolutismus.

Während sich westlich des Schlosses die weitläufigen Parkanlagen erstrecken, öffnet sich nach Osten der Schlosshof zum riesigen Place d’Armes, von welchem strahlenförmig drei 70–90 Meter breite Alleen in die Landschaft ausgreifen. Diese wurden zum Grundgerüst der Stadt Versailles, um das herum ein regelmäßiges Straßenraster mit repräsentativen Stadtplätzen angelegt wurde. Der König förderte die Besiedelung der neuen Stadt, indem er das Bauland zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellte. Es entstanden in regelmäßiger Architektur Adelspaläste, Behausungen der Hofbediensteten, Kirchen und Märkte. Die urbanistische Anlage wurde im 18. Jahrhundert zum Vorbild neuer Städte wie Washington und Rastatt.

Am 19. September 1783 fand die erste Ballonfahrt mit Passagieren statt. Ein Hammel, ein Hahn und eine Ente überlebten die zwölf Minuten lange Fahrt auf der Montgolfiere.

Am 1. Juli 1815 fand in Versailles ein Gefecht im Rahmen der Befreiungskriege zwischen Preußen und Franzosen statt.

Am 18. Januar 1871 ließ sich der preußische König Wilhelm I. in Versailles zum Deutschen Kaiser ausrufen.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es dort zum Friedensvertrag von Versailles.

Das große Unwetter vom 26. Dezember 1999 verwüstete den Park, worauf ein großes Programm gestartet wurde, um die ursprüngliche Bepflanzung in ihrer Anordnung aus dem 17. Jahrhundert wiederherzustellen.

Vom 15. Mai bis 18. Mai 2003 fand in Versailles eine Bilderberg-Konferenz statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Versailles hat eine Ausfahrt an der Autoroute A13. Es gibt mehrere Bahnhöfe, darunter den Durchgangsbahnhof Versailles-Chantiers mit etwa 65.000 Fahrgästen am Tag[1], den Bahnhof Versailles-Rive Gauche der RER C aus Paris nahe dem Schloss sowie Versailles-Rive Droite.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Versailles ist Standort von Unternehmen wie Nexter, von Renault Trucks (Militärfahrzeuge), von Citroën und von Blizzard Entertainment.

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

In Versailles befindet sich die Universität Versailles mit über 10.000 Studenten.

Militär[Bearbeiten]

Besonders im südlichen Ortsteil Satory befinden sich zahlreiche militärische Einheiten wie das 5. Pionierregiment, eine Einheit der Gendarmerie nationale mit gepanzerten Fahrzeugen sowie die Groupe d’intervention de la gendarmerie nationale (GIGN).

Partnerstädte[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Die Liste ist nach Jahrhunderten und innerhalb dieser alphabetisch geordnet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind die Angehörigen des Hauses Bourbon und des Hauses Bourbon-Orléans ausnahmsweise nicht wie üblich unter ihrem Vornamen, sondern unter Bourbon bzw. Bourbon-Orléans eingeordnet.

Jahrgänge 1600 bis 1699[Bearbeiten]

Jahrgänge 1700 bis 1799[Bearbeiten]

Jahrgänge 1800 bis 1899[Bearbeiten]

Jahrgänge ab 1900[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Galantes Versailles – Die Mätressen am Hofe der Bourbonen. Casimir Katz Verlag, 2004, ISBN 3-925825-86-X
  • Olivier Bernier: Ludwig XIV. Die Biographie. Albatross-Verlag, Düsseldorf 2003, ISBN 3-491-96085-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Versailles – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Versailles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Daniel Larmet, Jean-François Candeille, Bernard Ciry: Réaménagement du pôle d’échanges de Versailles-Chantiers. In: Revue générale des chemins des fer. Nr. 207, 2011, ISSN 0035-3183, S. 46-52.