Iron Dome

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Iron Dome

Iron Dome Battery Deployed Near Ashkelon.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Raketenabwehrsystem
Heimische Bezeichnung: Iron Dome
Herkunftsland: IsraelIsrael Israel
Hersteller: Rafael Advanced Defense Systems Ltd
Entwicklung: 2005
Indienststellung: 2010
Einsatzzeit: im Dienst
Stückpreis: 30.000-35.000 USD
Technische Daten
Länge: 3,00 m
Durchmesser: 160 mm
Gefechtsgewicht: 90 kg
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Reichweite: ~7 km
Dienstgipfelhöhe: 10.000 m
Ausstattung
Lenkung: Trägheitsnavigationsplattform
Zielortung: aktiver Radarsuchkopf
Gefechtskopf: Splittergefechtskopf
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder
Waffenplattformen: Anhänger mit 20 Raketen
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Iron Dome (hebräisch ‏כיפת ברזלkipat barzel ‚eiserne Kuppel‘) ist ein israelisches mobiles Raketenabwehrsystem (C-RAM: Counter Rocket, Artillery and Missile-System), das von Rafael Advanced Defense Systems Ltd. zur Abwehr von Kurzstreckenraketen entwickelt wurde.

Entwicklung und Finanzierung[Bearbeiten]

Die zunehmende Bedrohung Israels durch feindliche Raketen, vor allem durch Qassam-Kurzstreckenraketen der Hamas aus dem Gazastreifen, durch Katjuscha-Kurzstreckenraketen der Hizbollah aus dem Südlibanon und durch iranische Langstreckenraketen, führte zur Entwicklung von verschiedenen Abwehrsystemen. Während gegen Langstreckenraketen das Arrow-System im Einsatz ist, wird Iron Dome zur Abwehr von Artillerieraketen mit einer Reichweite von 5 bis 70 Kilometern eingesetzt. Ferner ist das System David’s Sling zur Bekämpfung von Raketen mit einer Reichweite von 70 bis 250 Kilometern in der Entwicklung.

Nach Angaben von Rafael soll das System in der Lage sein, sowohl Kurzstreckenraketen als auch 155-mm-Artilleriegranaten unabhängig von Tageszeit und Wetter abzuwehren; dabei können mehrere Ziele gleichzeitig bekämpft werden.[1]

Im Februar 2007 wählte der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz das System als Raketenabwehrsystem der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte gegen Kurzstreckenraketen aus. Die Gesamtkosten sollen sich auf 1,5 Milliarden Schekel (ca. 375 Millionen US-Dollar) belaufen, die Kosten pro Abfangrakete auf 35.000 bis 50.000 US-Dollar; da normalerweise auf jedes Ziel zwei Abfangraketen gleichzeitig abgeschossen werden, liegen die Kosten pro Abschuss bei bis zu 100.000 US-Dollar;[2][3] damit gilt Iron Dome als vergleichsweise kostengünstige Lösung.[4][5] Die Kosten und die Entwicklungszeit konnten reduziert werden, indem man auf bereits vorhandene Komponenten des SPYDER-Flugabwehrsystems zurückgriff. Zudem unterstützten die USA die Entwicklung und Beschaffung 2011 mit 205 Millionen US-Dollar. Im August 2012 erfolgte eine weitere Unterstützung der USA in Höhe von 70 Millionen US-Dollar.[6]

Am 7. Juli 2008 wurde der erste erfolgreiche Test durchgeführt.[7] Am 19. Juli 2010 meldeten die israelischen Streitkräfte das System als einsatzbereit, die ersten beiden Batterien sollen im November 2010 bei Sderot an der Grenze zum Gazastreifen stationiert worden sein.[8] Im März 2011 folgte die Stationierung in Be'er Scheva und nahe Aschkelon.

Bis November 2012 wurden fünf Einheiten in Dienst gestellt, davon sind derzeit vier rund um den Gazastreifen stationiert. Israel plant, den Bestand in den nächsten Jahren auf insgesamt 12 Systeme auszubauen.

Technik[Bearbeiten]

Radarsystem von Iron Dome

Ein System besteht aus einem EL/M-2084-Multi-Mode-Radar, einem Kontrollzentrum und einer Starteinheit für 20 Abfangraketen. Das Radar von IAI Elta Systems erkennt den Start einer Rakete, berechnet deren Flugbahn und übermittelt diese Informationen an das Kontrollzentrum, das damit den Einschlagpunkt der Rakete bestimmt. Sofern dieses Ziel die Kosten einer Abfangmaßnahme rechtfertigt, wird eine Abfangrakete gestartet.[9] Die Abfangrakete basiert auf der Luft-Luft-Rakete Derby und soll den Namen Tamir tragen. Sie soll mit elektro-optischen Sensoren und einem Steuerungsleitwerk ausgerüstet sein, das ihr eine hohe Manövrierfähigkeit verleiht. Eine Iron Dome-Batterie kann ein Gebiet von 150 km² (ein Kreis mit rund 7 km Radius) gegen Raketenangriffe verteidigen. Die Gefechtstandssoftware wurde von dem israelischen Unternehmen MPrest Systems entwickelt.

Einsatz[Bearbeiten]

Iron Dome im Einsatz während der Operation Wolkensäule

Das Raketenabwehrsystem wurde am 26. März 2011 nördlich von Be'er Scheva erstmals in Betrieb genommen.[10] Am 7. April 2011 wurde es erstmals erfolgreich eingesetzt, als es eine vom Gazastreifen abgefeuerte Grad-Rakete abschoss.[11][12][13] An diesem und darauffolgenden Tagen konnten insgesamt acht Grad-Raketen und eine Qassam-Rakete abgefangen werden. Die Trefferquote lag dabei nach Angaben eines Armeesprechers bei nahezu 100 Prozent.[14] Bei einer Eskalation im März 2012 wurden in den ersten drei Tagen 110 Raketen aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuert. Über 30 davon wurden abgefangen.

Operation Wolkensäule[Bearbeiten]

Während der Operation Wolkensäule im November 2012 hatte Iron Dome eine enorme Bedeutung: US-amerikanische Sicherheitsexperten gaben an, dass ohne das Raketenabwehrsystem Israel wahrscheinlich direkt in der ersten Woche der Operation in den Gazastreifen einmarschiert wäre. Die fünfte Iron Dome Batterie wurde noch während der ersten Tage der Operation in der Nähe von Tel Aviv in Betrieb genommen. Das gesamte System fing während der Operation 421 aus dem Gazastreifen abgefeuerte Artillerieraketen verschiedener Typen, wie zum Beispiel die Fadschr-5 (Qassam M-75), ab.[15][16] Dies entsprach nach Angaben des israelischen Militärs einer Abfangquote von 84%. Untersuchungen aus dem Jahr 2013 korrigierten aber dann die Trefferquote auf 5-10%[17]. Am 15. November kam es zu einem Ausfall des Iron Dome, bei dem durch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen in Kiryat Mal'achi drei Menschen ums Leben kamen.[18] Am 21. November 2012 einigten sich die Hamas und Israel auf eine Waffenruhe. US-Präsident Obama sagte daraufhin erneute Hilfe bei dem Ausbau von Iron Dome zu.[19]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Iron Dome – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Iron Dome. Defense Against Short Range Artillery Rockets. In: rafael.co.il. Rafael Advanced Defense Systems Ltd., archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011 (englisch).
  2. Yaakov Katz: Iron Dome successful in downing 75% of rockets. Jerusalem Post, abgerufen am 17. November 2012 (eng).
  3. George Spziro: Israel setzt neues Raketenabwehrsystem ein. NZZ. 12. April 2011, abgerufen am 13. April 2011.
  4. Ron Ben-Yishai: RAFAEL selected to produce rocket interception system. In: ynet.co.il. Yedioth Media, 1. Februar 2007, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011 (englisch).
  5. Lars Olberg: Iron Dome. Missile Monitor. In: missilemonitor.blogspot.com. 19. Oktober 2007, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011 (englisch).
  6. http://www.defense.gov/news/newsarticle.aspx?id=117354
  7. Yuval Azoulay und Haaretz Correspondent: Israeli arms company successfully tests Iron Dome anti-Qassam missile. Israel News. In: haaretz.com. Haaretz Daily Newspaper, 7. Juli 2008, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011 (englisch).
  8. Iron Dome system passes final tests. In: jpost.com. The Jerusalem Post, 19. Juli 2010, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011 (englisch).
  9. Gili Cohen , Yanir Yagna, Avi Issacharoff, Barak Ravid and Reuters: Iron Dome intercepts Gaza rockets over Ashdod, as escalation continues for third day. In: haaretz.com. Haaretz, 11. März 2012, abgerufen am 11. März 2012 (englisch).
  10. Israel stationiert Raketenabwehrsystem "Iron Dome". In: orf.at. ORF Online und Teletext, 27. März 2011, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011.
  11. Anshel Pfeffer, Yanir Yagna: Iron Dome successfully intercepts Gaza rocket for first time. In: haaretz.com. Haaretz, 7. April 2011, abgerufen am 13. April 2011 (englisch).
  12. Yaakov Katz: Iron Dome works in combat, intercepts Katyusha rocket. In: jpost.com. The Jerusalem Post, 7. April 2011, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011 (englisch).
  13. Matthias Chapman: Was taugt Israels neue Wunderwaffe? News Ausland: Naher Osten & Afrika. In: derbund.ch. Der Bund, 11. April 2011, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011.
  14. Hanan Greenberg: Israel presents: Iron Dome in action. In: jpost.com. The Jerusalem Post, 10. April 2011, abgerufen am 13. April 2011 (englisch).
  15. Ralph Sina: US-Militärhilfe für Israel: "Eiserne Kuppel" statt Invasion? In: tagesschau.de. ARD, 20. November 2012, abgerufen am 20. November 2012.
  16. Israels Iron Dome. In: The Wall Street Journal. 25. November 2012, abgerufen am 26. November 2012.
  17. Iron Dome shootdown rate disputed abgerufen 25. März 2013
  18. Gil Ronen: Did Iron Dome Malfunction Let In Lethal Rocket? In: israelnationalnews.com. IsraelNationalNews, 19. November 2012, abgerufen am 21. November 2012.
  19. http://www.welt.de/politik/ausland/article111376249/Israel-behaelt-sich-einen-Bodeneinsatz-in-Gaza-vor.html Israel behält sich einen Bodeneinsatz in Gaza vor welt.de