Islamisches Zentrum Hamburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Imam-Ali-Moschee Hamburg

Das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) ist eine der ältesten islamischen Institutionen Europas. Es ist Träger der Imam-Ali-Moschee an der Außenalster Hamburgs. Das IZH ist Mitglied der Schura Hamburg, des Zentralrats der Muslime in Deutschland und der Gemeinschaft der Ahl-Al-Bayt-Vereine in Deutschland und stellt das Zentrum des schiitischen Islam in Deutschland dar.

Leitung[Bearbeiten]

Das IZH ist dem geistlichen Oberhaupt des Iran unmittelbar unterstellt. Die Leiter des Islamischen Zentrum Hamburgs waren bisher:

Zeit Religiöser Titel Name
1955–1965 Hodschatoleslam Mohammad Mohagheghi
1965–1970 Ajatollah Mohammed Beheschti
1970–1978 Hodschatoleslam Mohammad Mojtahed-Shabastari
1978–1980 Hodschatoleslam Mohammad Chātamī
1980–1992 Hodschatoleslam Mohammad Reza Moghaddam
1992–1998 Hodschatoleslam Mohammad Bagher Ansari
1999–2003 Hodschatoleslam Hosseini Nassab
2004–2008 Ajatollah Abbas Hosseini Ghaemmaghami
2009– Ajatollah Reza Ramezani

Der aktuelle Leiter Reza Ramezani leitete zuvor das „Islamische Zentrum Wien“ und hatte sich bereits dort als Verfechter der iranischen Staatsdoktrin gezeigt und ist auch Mitglied im Expertenrat der Islamischen Republik Iran.[1]

Imam-Ali-Moschee[Bearbeiten]

Die Imam-Ali-Moschee wurde als viertälteste Moschee Deutschlands 1960-65 in Hamburg an der Außenalster (Uhlenhorst) erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 13. Februar 1961, die Einweihung 1963 und 1965. Die Planung wurde vom Architekturbüro Schramm und Elingius (später Elingius & Niggemann) durchgeführt. Der Bau wurde in der Anfangsphase von iranischen Kaufleuten in Hamburg finanziert. Die Grundstückskosten beliefen sich auf 250.000 DM (1958), während die Baukosten zwei Millionen Mark betrugen (1960/65). Dabei war das Fundament aufgrund des notwendigen Aufwandes wegen des feuchten Baugrundes an der Alster sehr kostenintensiv. Die Moschee mit Kuppel und zwei Minaretten ist von Typ „Iwan-Moschee“ ausgeführt. Bauherr und Träger der schiitischen Moschee ist das „Islamische Zentrum Hamburg e.V.“ (IZH). Der Gebetssaal fasst (bei Nutzung aller Flächen) bis zu 1.500 Personen. Die Frauen beten normalerweise im inneren Kreis des Gebetsraumes (hinter den Männern) und weichen nur bei großem Andrang auf die Galerie aus.

Baugeschichte des IZH[Bearbeiten]

Im Juni 1953 gründeten in Hamburg ansässige iranische Kaufleute nach Rücksprache mit ihrem geistlichen Oberhaupt Ayatollah Hossein Borudscherdi in Qom (Iran) einen Verein zum Bau einer Moschee. Zusammen mit Hodschatoleslam Mohammad Mohagheghi, der zwei Jahre später nach Hamburg entsandt wurde, leiteten sie den Moscheebau ein. Auf Anregung von Groß-Ajatollah Boroudjerdi taten sich gleichzeitig Geschäftsleute zu einem Förderverein zur Mitfinanzierung zusammen. Im Oktober 1957 wurde ein Grundstück im Stadtteil Uhlenhorst an der Alster erworben.

Aus mehreren Entwürfen wurde ein Bauplan ausgewählt, der dann von den Architekten Gottfried Schramm und Jürgen Elingius in Zusammenarbeit mit dem iranischen Architekten Zargarpoor ausgeführt wurde. Im Beisein vieler Muslime, Vertretern der Stadt Hamburg sowie von Hodschatoleslam Mohagheghi wurde am 13. Februar 1961 der Grundstein gelegt.

Im Mai 1963 wurde der Rohbau fertiggestellt. Schon eine Million Mark war für das Projekt ausgegeben worden. Nach Ajatollah Boroudjerdis Tod und der Rückkehr Hodschatoleslam Mohagheghis in den Iran ruhten die Bauarbeiten vorläufig, bis unter dem nachfolgenden Leiter des Zentrums, Ajatollah Beheshti, und mit Hilfe von Spendengeldern von Geschäftsleuten aus Teheran und Hamburg in den Jahren 1966/67 die Büroräume im Obergeschoss und ein Teil der Fassade fertiggestellt werden konnte.

Obwohl die iranische Botschaft in Bonn (damals unter dem Schah Mohammad Reza Pahlavi) die Bankkonten der Moschee hatte sperren lassen, gelang es der Gemeinde, mit Hilfe großzügiger privater Spenden in den Jahren 1969 bis 1979 den Vortragsraum zu errichten, die Fassade fertigzustellen und mit dem Ausbau des unteren Stockwerks zu beginnen.

In der Amtszeit von Hodschatoleslam Moghaddam zwischen 1980 und 1992 wurden im Untergeschoss die Waschräume sowie eine Küche und ein Speisesaal eingerichtet. Darüber hinaus begannen die Künstler A. Meshkat und A. Sadeghian aus Maschhad mit der Ausschmückung des Gebetsraums mit Kachelmosaik, und eine Simultandolmetschanlage wurde im Vortragsraum installiert.

Im Sommer 1992 wurden unter der Leitung von Hodschatoleslam Ansari die Kachelarbeiten abgeschlossen, einschließlich des Mihrab (Gebetsnische), einem Geschenk der Goharschad-Moschee in Maschhad.

Da sich die Büro- und Studierräume bald als unzureichend erwiesen, wurde 1996 das Fundament für einen Anbau hinter der ursprünglichen Moschee gelegt, der eine Bibliothek mit einer Kuppel enthalten soll sowie Büroräume und eine Tiefgarage.

Kontroversen[Bearbeiten]

Das IZH steht unter Beobachtung des Landesamtes für Verfassungsschutz der Freien und Hansestadt Hamburg. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2004 heißt es: „Das IZH verfolgt als verlängerter Arm der Teheraner Revolutionsführung konsequent das Ziel, islamistisches Gedankengut nach heimatlichem Vorbild in Deutschland zu verbreiten und seinen Einfluss auf die schiitische Gemeinde zu intensivieren, u. a. durch die Gründung neuer Islamischer Zentren bzw. die Unterstützung entsprechender Vorhaben sowie durch vielfältige Formen der Kooperation mit anderen Gruppierungen und Einrichtungen in Deutschland und im europäischen Ausland. […] Bezeichnend für die politische Ausrichtung des IZH ist zudem seine Unterstützung der in Hamburg lebenden Hisbollah-Anhänger, denen u. a. Versammlungsräume zur Verfügung gestellt werden.“ [2]

Das IZH trat bis 2004 regelmäßig als Mitorganisator des „Al-Quds-Tages“ auf.[3] Zum „Al-Quds-Tag“ im September 2010 gab das IZH seine Zurückhaltung wieder auf und forderte öffentlich zur Beteiligung auf und unterstützte die Veranstaltung logistisch mit Transportmöglichkeiten und Verpflegung.[1][4]

Gleichzeitig soll jedoch durch öffentliche Veranstaltungen wie dem jährlichen Tag der offenen Moschee und in Seminaren und Vorträgen, zu denen auch westliche Wissenschaftler eingeladen werden, ein wohlwollender, auf Kooperation setzender Islam vermittelt werden.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Muslime im Dialog (Faltblattserie)
  • Salam Kinder (deutschsprachige Kinderhefte)
  • Al-Fadschr (Die Morgendämmerung, Moschee-Magazin)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Verfassungsschutzbericht 2009 (PDF; 3,8 MB) Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg
  2. Islamismus. Führungswechsel im „Islamischen Zentrum Hamburg“, Landesamt für Verfassungsschutz, 20. Januar 2004.
  3. Kleine Anfrage des Abgeordneten Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen) vom 6. Oktober 2005 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 11. Oktober 2005) und Antwort: Al-Quds-Demonstration, 4. November 2005
  4. Verfassungsschutzbericht 2010 (PDF; 9,3 MB) Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg

53.57456944444410.008416666667Koordinaten: 53° 34′ 28,4″ N, 10° 0′ 30,3″ O