Isochinolin

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Strukturformel
Struktur von Isochinolin
Allgemeines
Name Isochinolin
Andere Namen
  • Benzo[c]pyridin
  • 2-Azanaphthalin
  • 2-Benzanin
Summenformel C9H7N
CAS-Nummer 119-65-3
PubChem 8405
Kurzbeschreibung

farblose ölige Flüssigkeit oder farblose Blättchen[1]

Eigenschaften
Molare Masse 129,16 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,09 g·cm−3 [2]

Schmelzpunkt

26,5 °C [3]

Siedepunkt

243 °C [2]

Dampfdruck

5 Pa (20 °C)[4]

Löslichkeit

unlöslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [5]
06 – Giftig oder sehr giftig

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​310​‐​315
P: 280​‐​302+350​‐​310 [5]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [6][4]
Giftig
Giftig
(T)
R- und S-Sätze R: 22​‐​24
S: 24/25​‐​36/37​‐​45
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Isochinolin, auch Benzo[c]pyridin, ist ein Heteroaromat. Es ist ein Strukturisomer des Chinolins. Beides sind Benzopyridine, bestehen also aus einem Pyridinring, der an einen Benzolring angelagert ist.

Unter dem Begriff Isochinoline wird eine große Klasse von chemischen Verbindungen zusammengefasst, die sich vom Isochinolin ableiten. Für eine Vielzahl natürlich vorkommender Alkaloide ist Isochinolin das Grundgerüst. Daher werden diese Alkaloide auch als Isochinolin-Alkaloide bezeichnet. Der Isochinolin-Grundkörper dieser Verbindungen leitet sich von der Aminosäure Tyrosin ab.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Isochinolin ist eine bei Raumtemperatur farblose, hygroskopische Flüssigkeit, mit einem penetrant unangenehmen Geruch. Verunreinigtes Isochinolin sieht bräunlich aus. Beim Abkühlen kristallisiert es plättchenförmig aus. Die Löslichkeit in Wasser ist gering, dagegen ist es sehr gut löslich in Ethanol, Aceton, Diethylether und anderen typischen organischen Lösungsmitteln. Als organische Base ist es – unter Protonierung – auch in verdünnten Säuren gut löslich.

Als chemisches Analogon zu Pyridin ist Isochinolin eine schwache Base, mit einem pKb-Wert von 8,6. Es wird daher von starken Säuren, wie beispielsweise Salzsäure, leicht zu Salzen protoniert. Isochinolin bildet Addukte mit Lewis-Säuren, wie beispielsweise Bortrifluorid.

Vorkommen[Bearbeiten]

1885 wurde Isochinolin erstmals von Hoogewerf und van Dorp im Steinkohlenteer isoliert. Es konnte durch fraktionierte Kristallisation des Sulfates abgetrennt werden. Weissgerber entwickelte 1914 ein selektives Extraktionsverfahren zur schnellen und eleganten Abtrennung von Isochinolin. Das Verfahren nutzt dabei die Eigenschaft aus, dass Isochinolin stärker basisch als Chinolin ist.

Synthese von Isochinolin[Bearbeiten]

Isochinolinderivate können mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Reaktionen synthetisiert werden. Für die Synthese von Isochinolin selbst gibt es allerdings nur wenige direkte Synthesen.

Die Pomeranz-Fritsch-Reaktion[Bearbeiten]

Die Pomeranz-Fritsch-Reaktion ist eine effektive Methode zur Synthese von Isochinolin. Sie geht von Benzaldehyd und Aminoacetaldehyddiethylacetal aus und findet im sauren Medium statt. Alternativ dazu können auch Benzylamin und Glyoxalacetal eingesetzt werden. Pomeranz-Fritsch einfach.svg

Synthesen von Isochinolinderivaten[Bearbeiten]

Die nachfolgenden Synthesen können für verschiedene Isochinolinderivate genutzt werden:

Verwendung[Bearbeiten]

Für Isochinolin selbst gibt es kaum unmittelbare Anwendungen. Allerdings ist es ein wichtiges Zwischenprodukt für eine Reihe von wichtigen Isochinolinderivaten. Beispielhaft seien dabei genannt:

Daneben finden Isochinolin-Derivate breite Anwendung bei der Herstellung von Farbstoffen, Insektiziden, Antimykotika und Korrosionsinhibitoren.

Isochinolin-Alkaloide[Bearbeiten]

In der Natur sind über 600 Isochinolin-Alkaloide,[7] mit zum Teil sehr hoher biologischer Aktivität und pharmakologischer Wirksamkeit bekannt. Eine Auswahl an Isochinolin-Alkaloiden:

Ancistrocladus heyneanus (eine tropische Liane) enthält eine ganze Reihe von Isochinolin-Alkaloiden, wie beispielsweise das Ancistrocladin.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Naphthalin, ein analoges Ringsystem ohne Stickstoff-Atom

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Isochinolin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 29. Mai 2014.
  2. a b Datenblatt Isochinolin bei Merck, abgerufen am 1. Oktober 2010.
  3. Brockhaus ABC Chemie, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1965, S. 594.
  4. a b c d Eintrag zu CAS-Nr. 119-65-3 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Oktober 2010 (JavaScript erforderlich).
  5. a b Datenblatt Isoquinoline bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 6. April 2011 (PDF).
  6. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  7. a b c d Chinolin – Alkaloide (Alkaloide aus Tryptophan), ein Script der Uni Jena, WS 2006, Naturstoffchemie.
  8. Michael Dreyer: ISOLIERUNG, CHARAKTERISIERUNG UND STEREOCHEMISCHE ANALYSE VON NAPHTHYLISOCHINOLIN-ALKALOIDEN UND ANDEREN NATURSTOFFEN, Dissertation, 2004, DNB 973119896/34

Literatur[Bearbeiten]

  • Gilchrist, T. L. (1997). Heterocyclic Chemistry (3rd ed.). Essex, UK: Addison Wesley Longman.
  • Harris, J.; Pope, W. J. "isoQuinoline and the isoQuinoline-Reds" Journal of the Chemical Society (1922) 121, S. 1029–1033.
  • Katritsky, A. R.; Pozharskii, A. F. (2000). Handbook of Heterocyclic Chemistry (2nd ed.). Oxford, UK: Elsevier.
  • Katritsky, A. R.; Rees, C. W.; Scriven, E.F. (Eds.). (1996). Comprehensive Heterocyclic Chemistry II: A Review of the Literature 1982-1995 (Vol. 5). Tarrytown, NY: Elsevier.
  • Nagatsu, T. "Isoquinoline neurotoxins in the brain and Parkinson's disease" Neuroscience Research (1997) 29, S. 99–111.
  • O'Neil, Maryadele J. (Ed.). (2001): The Merck Index (13th ed.), Whitehouse Station, NJ: Merck.