Jakob Künzler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bruder Jacob ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Kinderlied Bruder Jakob siehe Frère Jacques.
Jakob Künzler

Jakob Künzler (* 8. März 1871 in Hundwil, Schweiz; † 15. Januar 1949 in Ghazir, Libanon) war ein Schweizer Diakon und Missionar.

Leben[Bearbeiten]

Er wuchs im Kanton Appenzell Ausserrhoden auf und machte eine Lehre als Zimmermann. Danach liess er sich in Basel zum evangelischen Diakon (Krankenpfleger) ausbilden, weil er Diakonie als praktische Jesusnachfolge verstand. 1899 reiste er nach Urfa im Osmanischen Reich, wo er seinen eigentlichen Wirkungsort fand. Er bildete sich medizinisch weiter bis zum selbständigen Operateur und gründete eine Knabenschule. 1905 heiratete er Elisabeth Bender, Tochter eines Chrischona-Missionars und Enkelin einer äthiopischen Prinzessin.

1915-1917 wurde Künzler Augenzeuge des Völkermordes an den Armeniern, worüber er 1921 sein Buch mit dem Titel Im Lande des Blutes und der Tränen schrieb. Unter Lebensgefahr half er, wo er konnte, sorgte für Tausende von armenischen Waisen und führte den Spitalbetrieb in Urfa weiter.

Im Oktober 1922 musste er das Spital schliessen und zog mit seiner Familie nach Ghazir in der Nähe von Beirut, wo er ein Zentrum für Waisenmädchen eröffnete. Später errichtete er in Beirut eine Siedlung für armenische Witwen und in Azounieh ein Lungensanatorium. Trotz Krankheit und anschliessender Körperbehinderung arbeitete er weiter, weil ihn die Not der armenischen Flüchtlinge nicht mehr los liess. Seines unermüdlichen und selbstlosen Einsatzes willen wurde Künzler auch Bruder Jacob genannt. [1]

Preise und Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1947 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Basel
  • 1959 Gedenkstein in Hundwil
  • 1971 Verdienstorden der libanesischen Regierung
  • 1971 Gedenkstein in Hundwil und Walzenhausen (1971).
  • 2008 Gedenkplatte in der Gedenkstätte Zizernakaberd in Jerewan

Schriften[Bearbeiten]

  • Im Lande des Blutes und der Tränen, 1929 (Neuausgabe 1999)
  • Köbi der Lückenbüsser im Dienste des Lebens, 1959

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heini Gut: Chronik des Schweizerischen Diakonievereins, Langnau a.A. 1993, ohne ISBN