James Hobrecht

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James Hobrecht (um 1890)

James Friedrich Ludolf Hobrecht (* 31. Dezember 1825 in Memel; † 8. September 1902 in Berlin) war ein preußischer Stadtplaner und für Berlins ersten perspektivischen Bebauungsplan, den Hobrecht-Plan von 1862 verantwortlich. Als Stadtbaurat organisierte er ab 1885 die Einführung der Stadtentwässerung und machte sich damit um die Gesundheit der Berliner Bevölkerung verdient.

Leben[Bearbeiten]

Hobrecht wurde als Sohn des Gutsbesitzers Ludolph Hobrecht und dessen Frau Isabella (geb. Johnson) in Memel (heute: Klaipeda/Litauen) geboren. Sein Bruder war Arthur Hobrecht. 1834 wurde sein Vater zum Königlichen Ökonomierat berufen, und die Familie zog nach Königsberg um. 1841 brach Hobrecht seine Schulausbildung ab und begann mit einer Geodät-Lehre. Im Jahre 1844 hatte er seine externe Primareife und 1845 sein Geodät-Examen. Bis 1847 war er mit Separationsarbeiten in Ostpreußen bei der Coeln-Mindener Eisenbahn beschäftigt. Während der Märzrevolution 1848 war er Beteiligter an der studentischen Bürgerwache im Berliner Stadtschloss.

James Hobrecht studierte an der Berliner Bauakademie, wo er im Akademischen Verein Motiv aktiv wurde, und wechselte mehrmals die Fachrichtung. Er absolvierte sein Bauführer-Examen 1849 und trat im gleichen Jahr in den Architektenverein zu Berlin, dem unter anderem Friedrich August Stüler und Gottfried Semper angehörten, ein. 1850 rückte er mit dem Dritten Pommerschen Infanterieregiment Nr. 14 nach Kurhessen aus, außerdem erhielt er die Zulassung zur Fortsetzung des Studiums an der Bauakademie. Seine Tätigkeit als Bauführer begann er 1851 unter anderem beim Bau des Packhofes in Königsberg. 1852 wurde er kurzzeitig Verwalter des Gutes Dirschkeim im Samland. Aus der Heirat mit Henriette Wolff am 4. Februar 1853 gingen drei Söhne und vier Töchter hervor.

Nach einer landwirtschaftlichen und Bauingenieurausbildung legte er 1858 die Wasser-, Wege- und Eisenbahnbaumeisterprüfung ab und wurde im selben Jahr als Regierungsbaumeister bei der damals für Baufragen zuständigen Königlichen Polizei (Baupolizei) angestellt. Ab 1859 wurde er Leiter der Kommission zur Ausarbeitung des Bebauungsplans der Umgebungen Berlins. Eine Inspektionsreise 1860 nach Hamburg, Paris, und nach London und in andere englische Städte diente dem Kennenlernen des neuesten Entwicklungsstandes für das Vorhaben eines modernen Kanalisations- und Entwässerungssystems. Der so genannte Hobrecht-Plan sah als Fluchtlinienplan ein Konzept von Ring- und Ausfallstraßen für die Städte Berlin und Charlottenburg sowie umliegende Gemeinden vor. 1862 trat der Plan in Kraft, der bis heute eine Grundlage der Berliner Bebauungs- und Verkehrsstruktur bildet.

Berliner Gedenktafel zu Ehren Hobrechts

Als ihm zum 15. Dezember 1861 gekündigt wurde, wechselte er nach Stettin. Er ließ hier unter anderem ein Trinkwassernetz erbauen und projektierte ein Kanalisationssystem, das ab 1870 verwirklicht wurde.

Gedenkplakette in Zepernick-Hobrechtsfelde

Mit Unterstützung seines Bruders Arthur Johnson Hobrecht, der 1872 Berliner Oberbürgermeister wurde, und des Arztes Rudolf Virchow wurde er 1869 mit der Umsetzung seiner Pläne einer Kanalisation für Berlin mit 12 Radialsystemen betraut. In jedem dieser 12 Gebiete gab es eigenständige unterirdische Kanäle und Abwassersammler, die zu jeweils einer Pumpstation führten. Von dort wurden das Hausabwasser und das Regenwasser über Druckleitungen nach außen zu den ebenfalls neu angelegten Berliner Rieselfeldern gepumpt. Diese von 1873 bis 1893 fertiggestellten Radialsysteme machten Berlin damals zur Stadt mit der modernsten Entwässerung und zur saubersten Stadt der Welt. Neben Stettin und Berlin half er Potsdam und etwa 30 weiteren deutschen Gemeinden sowie Moskau, Tokio und Kairo bei der Abwasserbeseitigung.

Zwischen 1872 und 1874 hatte Hobrecht auch einen Lehrauftrag an der Bauakademie inne. 1884[1] wurde er für zwölf Jahre als Stadtbaurat der Stadt Berlin gewählt und war dort für Straßen- und Brückenbau verantwortlich. Mit dem Bau von Ufermauern entlang der Spree zwischen Oberbaum und Unterbaum ermöglichte er die Schifffahrt durch die Berliner Innenstadt. Zudem gehörte er dem Berliner Architektenverein an und leitete ihn mehrere Jahre als Vorsitzender.

1897 trat Hobrecht aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Er bekam im selben Jahr den Titel Stadtältester von Berlin verliehen.

Straßenschild der Hobrechtstraße in Berlin-Neukölln mit Widmung

1908 wurde ein nahe Zepernick bei Berlin liegendes Stadtgut nach ihm Hobrechtsfelde benannt. Außerdem wurde er Namensgeber der Hobrechtbrücke (über dem Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg) und der Hobrechtstraße in Berlin-Neukölln. Seit 2005 trägt auch eine Straße auf dem Gelände des ehemaligen Städtischen Zentralvieh- und Schlachthofs im Pankower Ortsteil Prenzlauer Berg den Namen James-Hobrecht-Straße. 2013 wurde in Großbeeren eine Straße im neuen Baugebiet Heidefeld nach ihm benannt.

Im Darmstädter Paulusviertel wurde ebenfalls eine Straße nach ihm benannt, als Anerkennung für seine Verdienste beim Aufbau der Darmstädter Trinkwasserversorgung[2].

Sein Grab befand sich in Berlin-Mitte auf dem Friedhof II der Sophiengemeinde.

Ihm zu Ehren wurde am Eingang zum Lapidarium, der ehemaligen Pumpstation Nr. 3 der Berliner Kanalisation, eine Berliner Gedenktafel angebracht.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Hainbuch/ Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel, 2010, S. 77; ISBN print 978-3-86219-038-6, ISBN online 978-3-86219-039-3 (Online, PDF; 2,2 MB)
  • Ingrid Thienel: Hobrecht, James. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 280 f. (Digitalisat).
  • Claus Bernet: The Hobrecht Plan (1862) and Berlin’s Urban Structure, in: Urban History 31, 3, 2004, S. 400–419.
  • Klaus Strohmeyer: James Hobrecht. (1825–1902) und die Modernisierung der Stadt. Verlag für Berlin-Brandenburg 2000. ISBN 3-932981-67-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wahl vom 30. Dezember 1884 (PDF-Datei; 1,17 MB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 1, 3. Januar 1885, S. 8, abgerufen am 5. Januar 2013
  2. Darmstädter Echo vom 8. Juni 2013