Berlin-Kreuzberg
| Kreuzberg Ortsteil von Berlin |
|
|---|---|
| Koordinaten | 52° 29′ 15″ N, 13° 23′ 0″ O52.487513.38333333333352Koordinaten: 52° 29′ 15″ N, 13° 23′ 0″ O |
| Höhe | ≈ 52 m ü. NN |
| Fläche | 10,4 km² |
| Einwohner | 149.566 (31. Dez. 2012) |
| Bevölkerungsdichte | 14.409 Einwohner/km² |
| Neugründung | 1. Okt. 1920 |
| Postleitzahlen | 10961, 10963, 10965, 10967, 10997, 10999, 10969 |
| Ortsteilnummer | 0202 |
| Gliederung | |
| Verwaltungsbezirk | Friedrichshain-Kreuzberg |
| Ortslagen |
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Kreuzberg ist ein Ortsteil im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Bis zur Fusion mit dem damaligen Bezirk Friedrichshain im Zuge der Verwaltungsreform 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Kreuzberg. Der Ortsteil gehört zu den Szenevierteln Berlins und ist deshalb von Gentrifizierung betroffen. Zudem wartet Kreuzberg mit einem lebendigen Kulturleben auf.
Nach den – bis 1993 gültigen – Postleitzahlen unterscheidet man in Kreuzberg zwei Ortslagen, benannt nach den Nummern der damaligen Zustellpostämter: Das größere Kreuzberg 61 (eigentlich Südwest 61) und das kleinere SO 36 (SO steht für Südost). Zu Zeiten der Berliner Mauer war SO 36 von drei Seiten umschlossen und entwickelte eine alternative Eigenkultur am Ostrand West-Berlins.
Inhaltsverzeichnis |
Umfeld[Bearbeiten]
Kreuzberg gehört neben Neukölln, Friedrichshain, Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg zu den sehr dicht besiedelten Ortsteilen Berlins. Dies erklärt sich aus dem seit der Gründerzeit verfolgten Bauprinzip größtmöglicher Grundstücksausnutzung mit einem Vorderhaus, Seitenflügeln und sich anschließenden – bis zu vier – Hinterhäusern. Auch heute wohnen in diesen „Mietskasernen“ bis zu 150 Mietparteien in Häusern, die eine Traufhöhe von 22 Metern haben. Durch häufigen Mieterwechsel ist inzwischen das Kuriosum entstanden, dass für die langfristig belegten Vorderhauswohnungen teilweise weniger Miete als für Hinterhauswohnungen gezahlt wird.[1]
Geschichte[Bearbeiten]
Gemälde von Johann Heinrich Hintze, 1829
Im Mittelalter lag das Gebiet des heutigen Stadtteils Kreuzberg außerhalb der Stadtmauern der Doppelstadt Berlin-Cölln. Als im 18. Jahrhundert das Stadtgebiet Berlins vergrößert und die Zoll- und Akzisemauer zur neuen Stadtgrenze wurde, entstand hinter dem Halleschen Tor ein neues Stadtviertel (heute im nördlichen Teil Kreuzbergs gelegen).
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wuchs Berlin weiter an und es kamen in diesem Bereich die Tempelhofer Vorstadt (Eingemeindung 1861) und die Luisenstadt (Eingemeindung 1841) hinzu. Wichtige Straßen und Plätze in den neuen Stadtvierteln wurden als Teil des sogenannten Generalszugs preußischen Militärs und gewonnenen Schlachten aus der Zeit der Befreiungskriege (1813–1815) gegen Napoleon gewidmet. Namensgeber waren unter anderem die Offiziere Gebhard Leberecht von Blücher (Blücherstraße und Blücherplatz), Ludwig Yorck von Wartenburg (Yorckstraße) und August Neidhardt von Gneisenau (Gneisenaustraße) sowie die Schlachten bei Waterloo (Waterloo-Ufer und Belle-Alliance-Straße, 1947 umbenannt in Mehringdamm) und Möckern (Möckernstraße und Möckernbrücke). Ein thematischer und städtebaulicher Bezugspunkt war hierbei das 1821 eingeweihte Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg, das damals allerdings noch seiner ursprünglichen Konzeption nach auf dem freien Feld vor der Stadt am Rande der Hochebene des Teltows lag. Auf der – damals noch Tempelhofer Berg genannten – 66 Meter hohen Erhebung hatte man nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel ein Denkmal in Grundform des Eisernen Kreuzes errichtet, um an die Befreiungskriege zu erinnern.
Der Bezirk Kreuzberg wurde 1920 aus der Tempelhofer Vorstadt, der Oberen Friedrichsvorstadt, der südlichen Friedrichstadt und einem großen Teil der Luisenstadt gebildet. Benannt wurde der ehemalige Bezirk und heutige Ortsteil nach dem im Südwesten gelegenen Kreuzberg im heutigen Viktoriapark. Nach der Gründung Groß-Berlins im Jahr 1920 hieß der Bezirk zunächst Hallesches Tor.
Den Zweiten Weltkrieg haben nur die Tempelhofer Vorstadt und die Luisenstadt weitgehend unbeschädigt überstanden. Im Februar 1945 wurde das Gebiet der südlichen Friedrichstadt zwischen dem heutigen Halleschen Tor im Süden, der Prinzenstraße im Osten und der Kochstraße im Norden während eines US-Luftangriffes fast völlig zerstört.
1968 war die heutige Rudi-Dutschke-Straße (Teil der damaligen Kochstraße) einer der Hauptschauplätze der sogenannten „Osterunruhen“, als aufgebrachte Studenten nach dem Attentat auf Rudi Dutschke versuchten, die Auslieferung der Zeitungen des Axel-Springer-Verlags zu verhindern.
Seine überregionale Bekanntheit verdankt Kreuzberg vor allem der bewegten Geschichte des kleineren östlichen Bereichs (und Postbezirks) SO 36, später Berlin 36, der – von drei Seiten umschlossen von der innerdeutschen Grenze – in den 1970er und 1980er Jahren als Zentrum der Alternativbewegung und der Hausbesetzerszene legendär wurde. SO 36 erstreckt sich zwischen Spree, nördlich der Lohmühleninsel und des Landwehrkanals sowie östlich des heute zugeschütteten Luisenstädtischen Kanals. Heutzutage gilt diese Gegend als einer der einkommensschwächsten Teile Berlins. Den größeren Teil Kreuzbergs bilden die nordwestlich gelegene, stark kriegszerstörte südliche Friedrichstadt (das damalige „Zeitungsviertel“) und die ganze südliche Hälfte (Kreuzberg 61).
Fast ein Drittel der rund 160.000 Einwohner sind Migranten, viele türkische Gastarbeiter und deren Nachkommen. Auch für diese demografische Besonderheit ist Kreuzberg weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Die türkischstämmige Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf den östlichen Bereich SO 36 und hierbei den Wrangelkiez. In den letzten Jahren verändert sich die Bevölkerungsstruktur durch Gentrifizierungseffekte sehr stark.
Ab 1987 geriet Kreuzberg (SO 36) regelmäßig durch teils schwere Straßenschlachten zum 1. Mai in die Schlagzeilen. Ausgangspunkt der Krawalle war meist der Zusammenstoß von Teilnehmern der Mai-Kundgebungen und der Polizei. Heute hat sich die Gewalt mehr und mehr ritualisiert und ist von großer Medienpräsenz begleitet. Die ursprünglich politische Motivation ist in den Hintergrund getreten, es betätigen sich nun größtenteils Jugendliche auf der Suche nach einem Abenteuer. 1987 vom Lausitzer Platz ausgehend konzentrierten sich die damaligen Krawalle um das Kottbusser Tor und den Oranienplatz. An der Skalitzer Straße ging in jenem Jahr eine Filiale des Lebensmittelmarktes Bolle in Flammen auf, wurde bis auf die Grundmauern zerstört, und nicht wieder aufgebaut. Auf dem Gelände wurde 2004 ein islamisches Gemeindezentrum (Maschari-Center) mit Moschee errichtet. Seit dem Jahr 2005 ist ein Rückgang der Gewalt zu beobachten, der allerdings mit einer Verlagerung auf andere deutsche Großstädte in Zusammenhang steht.
Kreuzberg führte zu Zeiten der Berliner Mauer durch seine Randlage ein wirtschaftliches Nischendasein. Mit der deutschen Wiedervereinigung ist es ins Zentrum Berlins gerückt: 1997 wurde der Flächenschwerpunkt von Berlin an der Alexandrinenstraße 12–14 Ecke Verbindungsweg zur Wassertorstraße (Lage52.501413.4028) mit einer Granitplatte markiert, auf der die Koordinaten wiedergegeben sind. Durch die veränderten Lebensbedingungen hat Kreuzberg als Unternehmensstandort an Attraktivität gewonnen. Zahlreiche Unternehmen und Organisationen ziehen zum Spreeufer an der Oberbaumbrücke.
Seit 1998 erscheint monatlich das Magazin Kreuzberger Chronik.[2]
Nach der Wiedervereinigung wurden am 1. Januar 2001 die damaligen Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain zum neuen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vereinigt.
Kreuzberger Bezirksbürgermeister[Bearbeiten]
- 1921–1925 Martin Kahle (USPD)
- 1926–1933 Carl Herz (USPD/SPD)
- 1933–1934 Max Brandt (DNVP)
- 1934–1939 Wilhelm Hafemann (NSDAP)
- 1939–1945 Gerhard Sudheimer (NSDAP)
- 8. Mai 1945 – 31. Mai 1945 Nikolai Kickull
- 1. Juni 1945 – 16. Dezember 1946 Willi Klimm
- 17. Dezember 1946 – 9. Februar 1949 Georg Henschel (SPD)
- 9. Februar 1949 – 13. Dezember 1962 Willy Kressmann (SPD)
- 9. Januar 1963 – 8. Januar 1975 Günther Abendroth (SPD)
- 9. Januar 1975 – 31. Januar 1981 Rudi Pietschker (SPD)
- 5. Februar 1981 – 30. Juni 1981 Waldemar Schulze (SPD)
- 30. Juni 1981 – 24. Juli 1985 Günter Funk (CDU)
- 24. Juli 1985 – 26. April 1989 Wolfgang Krüger (CDU)
- 26. April 1989 – 21. Oktober 1992 Günter König (SPD)
- 21. Oktober 1992 – 24. Januar 1996 Peter Strieder (SPD)
- 15. März 1996 – 31. Dezember 2000 Franz Schulz (Grüne)
Am 1. Januar 2001 wurden die Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zusammengelegt.
Einwohnerentwicklung des Bezirks Kreuzberg[Bearbeiten]
| Jahr | Einwohner[3] |
|---|---|
| 1925 | 377.253 |
| 1933 | 339.198 |
| 1939 | 332.635 |
| 1946 | 204.867 |
| 1950 | 211.154 |
| 1961 | 191.898 |
| 1970 | 158.445 |
| 1987 | 140.938 |
| 2000 | 147.384 |
Institutionen, Parks und Bauten[Bearbeiten]
- SW 61
- Prinz-Albrecht-Palais (Gedenkstätte Topographie des Terrors; vormals Hauptquartier der Gestapo)
- Checkpoint Charlie (ehemalige Grenze zwischen Ost- und West-Berlin, sowie zwischen den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte)
- Berlinische Galerie
- Willy-Brandt-Haus (Bundeszentrale der SPD)
- Hebbel am Ufer (Abkürzung HAU, Theater)
- Tempodrom (Veranstaltungsort)
- Jüdisches Museum Berlin
- Bundesdruckerei in der Oranienstraße (größtes Industrieunternehmen in Kreuzberg)
- Riehmers Hofgarten (denkmalgeschütztes Gebäudeensemble aus der Berliner Gründerzeit)
- St.-Bonifatius-Kirche, Yorckstraße
- Tommy-Weisbecker-Haus
- Viktoriapark (am Kreuzberg)
- Lapidarium (ehemaliges Pumpwerk, bis Mai 2009 Lager für Standbilder, vor allem der Siegesallee)
- Böcklerpark
- denkmalgeschütztes ehemaliges Gertraudenhospital
- Urbanhafen
- Fichtebunker
- Zentrale des Bundesjugendwerks der AWO
- Anhalter Bahnhof (Ruine)
- Deutsches Technikmuseum Berlin
- Park am Gleisdreieck
- Martin-Gropius-Bau
- Amerika-Gedenkbibliothek
- Heilig-Kreuz-Kirche
- Friedhöfe vor dem Halleschen Tor
- SO 36
- Görlitzer Park, ehemals Görlitzer Bahnhof
- Ballhaus Naunynstraße
- Bethanien
- Emmauskirche
- Club SO36
- Kreuzberg-Museum in der Adalbertstraße 95a
- Baumhaus an der Mauer
wartet mit einer Mischung aus neuer und alter Architektur auf, August 2007
Veranstaltungen[Bearbeiten]
Sportvereine[Bearbeiten]
Im Ortsteil Kreuzberg sind – trotz seiner geringen Größe – im Bereich Fußball die meisten Vereine der Stadt Berlin angesiedelt, obwohl der Ortsteil mit nur einem Rasensportplatz, dem Willy-Kressmann-Stadion, relativ schwach ausgestattet ist. Alteingesessene Kreuzberger Fußballvereine sind SC Berliner Amateure, FSV Hansa 07, BFC Südring und BSC Eintracht/Südring 1931. Der erfolgreichste und wohl bekannteste Kreuzberger Fußballverein ist Türkiyemspor Berlin. Kreuzbergs multikulturelle Bevölkerungsstruktur spiegelt sich auch in dem breiten Spektrum vieler weiterer Vereine wider, von denen einige schon seit den 1960er Jahren bestehen.
Mit dem THC Franziskaner FC e. V. haben auch erklärte Kreuzberger Linke ihren Verein und im Sportverein Seitenwechsel e. V. treffen sich Frauen, insbesondere Lesben.
Der SC Kreuzberg stellte mehrmals den Deutschen Meister im Schach.
Kreuzberg im Film[Bearbeiten]
- (Auswahl)
- Liebling Kreuzberg. Regie: Werner Masten, Deutschland 1986–1998. Hauptrolle: Manfred Krug als Berliner Rechtsanwalt; Staffel 4 spielt in Berlin-Mitte
- Der kleene Punker. Regie: Michael Schaack, Deutschland 1992
- Prinz in Hölleland. Regie: Michael Stock, Deutschland 1993
- Geschwister – Kardeşler. Regie: Thomas Arslan, Deutschland 1996/1997
- Herr Lehmann. Regie: Leander Haußmann, Deutschland 2003
- Prinzessinnenbad. Regie: Bettina Blümner, Deutschland 2007
- KDD – Kriminaldauerdienst. TV-Serie, Deutschland 2007
- 1. Mai – Helden bei der Arbeit. Regie: Jan-Christoph Glaser, Carsten Ludwig, Deutschland 2008
- Kaddisch für einen Freund. Regie: Leo Khasin, Deutschland 2012
Siehe auch[Bearbeiten]
- Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Kreuzberg
- Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Kreuzberg
- Kreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum
- Kreuzberger Bügel
Literatur[Bearbeiten]
- Peter Frischmuth: Berlin Kreuzberg SO 36. Fotodokumentation. 2. Auflage. Berlin Story Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-929829-68-6.
- Gerhardt Hoffmann: Kreuzberger Geschichten. Erzählungen aus dem Milieu. 3., erweiterte Auflage. Verlag Theodor Kastel, Berlin 2008, ISBN 978-3-9812651-0-1.
- Hans W. Korfmann & Michael Hughes (Fotos): Kreuzberger – 15 Porträts. Verlag an der Spree, Berlin 2004, ISBN 3-9809951-0-0.
- Barbara Lang: Mythos Kreuzberg. Ethnographie eines Stadtteils (1961–1995). Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1998, ISBN 3-593-36106-X (Zugleich: Berlin, Humboldt-Univ., Diss., 1996).
- Jörg Sundermeier, Verena Sarah Diehl, Werner Labisch (Hrsg.): Kreuzbergbuch. Verbrecher-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-935843-06-2.
- Marina Wesner: Kreuzberg und seine Gotteshäuser. Kirchen – Moscheen – Synagogen – Tempel. Berlin Story Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-929829-75-4.
- Falk-Rüdiger Wünsch: Kreuzberg. Alte Bilder erzählen. Sutton, Erfurt 1998, ISBN 3-89702-034-3.
- Jochen Ziem: Boris, Kreuzberg, 12 Jahre. Erika Klopp Verlag, Berlin u. a. 1988, ISBN 3-7817-2377-1 (zahlreiche Auflagen).
Weblinks[Bearbeiten]
- Website des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin
- Kreuzberger Gedenktafel für Opfer des Naziregimes
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Detlef Kuhlbrodt: Wohnen ist was für Warmduscher. In: Die Tageszeitung, 15. Januar 2011, S. 27.
- ↑ Der Geschichtenfischer. In: taz, 3. September 2008
- ↑ Statistische Jahrbücher von Berlin
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