Jean I. de Grailly

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Jean I. de Grailly († um 1301), war ein Ritter und Gefolgsmann des englischen Königs Eduard I. Er ist der Stammvater des Hauses Grailly.

Jean stammte aus Burgund und besaß wohl die Herrschaft über die Burg von Grilly am Genfersee. Im Gefolge des Grafen Peter von Savoyen kam er 1252 an den englischen Königshof. Seit 1262 gehörte er dem Haushalt des Kronprinzen Eduard Plantagenet an, von dem er 1266 zum Seneschall der Gascogne ernannt wurde. Dort erhielt er mit der Burg Bénauges ein eigenes Lehen, in deren Nähe er 1280 die Stadt Cadillac gründete.

Ab 1270 nahm Jean an der Seite Eduards an dessen Kreuzzug in das heilige Land teil. Dort übernahm er zwischen 1272 und 1278 das Amt des Seneschalls von Jerusalem, womit der militärische Oberbefehl über die christlichen Truppen verbunden war. Zurück in der Heimat war er für den nunmehrigen König Eduard I. diplomatisch in Frankreich tätig und war bei den Verhandlungen mit König Philipp III. beteiligt, die 1279 zum Vertrag von Amiens führten indem die französische Krone das Agenois an die Gascogne abtrat, das wiederum ein Lehen König Eduards war. In den folgenden Jahren geriet Jean bei König Eduard in Ungnade nachdem er sein Amt als Seneschall der Gascogne zur Selbstbereicherung missbraucht hatte. Er überließ daher seinen Besitz in der Gascogne seinem Sohn Pierre und verließ das Land.

Jean zog es erneut in das heilige Land, wo er 1289 das Kommando über das französische Regiment von Akkon übernahm. Ein Versuch das von den Mameluken belagerte Tripolis zu entsetzen scheiterte allerdings. Anschließend reiste er nach Rom um Papst Nikolaus IV. über die existenzbedrohliche Situation der Christen in Palästina aufmerksam zu machen. Ein Aufruf des Papstes an die Herrscher Europas um Hilfe für den christlichen Orient fand aber nur wenig Resonanz, lediglich einige lombardische und toskanische Söldner konnten gewonnen werden, die auf 20 venezianischen Galeeren unter der Führung des Dogensohnes nach Akkon transportiert wurden. Dort führte Jean im Jahr 1291 die französischen Truppen bei der Verteidigung der Stadt an. Dabei wurde er aber, wie auch sein Landsmann Otton de Grandson, schwer verwundet, wurde aber kurz vor dem Fall der Stadt auf ein rettendes Schiff gebracht.

Denn Rest seines Lebens verbrachte Jean in seiner Heimat in Grilly. Seine Nachkommen spielten während des hundertjährigen Krieges noch eine Rolle und stiegen zum hohen Adel Frankreichs auf.

Literatur[Bearbeiten]