Akkon

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Akkon
Wappen von Akkon
Akkon
Basisdaten
hebräisch: עכו
arabisch: عكّا
Staat: Israel Israel
Bezirk: Nord
Koordinaten: 32° 56′ N, 35° 5′ O32.92611111111135.08388888888910Koordinaten: 32° 55′ 34″ N, 35° 5′ 2″ O
Höhe: 10 m
Fläche: 13,533 km²
 
Einwohner: 46.600 (2010)
Bevölkerungsdichte: 3.443 Einwohner je km²
 
Gemeindeart: Stadtverwaltung
Website:
Akkon (Israel)
Akkon
Akkon
Kreuzfahrerfestung
Das Refektorium im Innern der Festung
Karawanserei Khan al-Umdan
Basar
Hafen
Der Innenhof des Hauses Abud, in dem das Kitab-i-Aqdas entstand.

Akkon oder Akko, im Altertum auch Ptolemais (auch: Akers, Acre, Accho, Acco, Hacco und St. Jean d’Acre), griechisch Ἄκη, hebräisch ‏עכו‘Akkô [aˈkɔ], arabisch ‏عكّا‎ Akka, DMG ʿAkkā, ist eine alte Hafenstadt im Nordbezirk Israels in Galiläa an der Küste des östlichen Mittelmeers.

Die Altstadt liegt auf einer Landzunge am Nordrand der Bucht von Haifa und ist von einer bis zu 150 m starken Festungsanlage umgeben. Auf der Landseite ist die Altstadt von der Neustadt umschlossen. Während die Neustadt eine mehrheitlich jüdische Bevölkerung aufweist, wird die Altstadt fast ausschließlich von israelischen Arabern bewohnt und ist eine der orientalischsten Städte Israels.

Der Hafen der Stadt, die mehrere Jahrhunderte lang eine wichtige Hafenstadt des östlichen Mittelmeers war, hat inzwischen stark an Bedeutung verloren. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist heute die Industrie, vor allem die Eisenverarbeitung. Die Stadt besitzt einen Bahnhof an der Strecke NaharijaHaifa.

Geschichte[Bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten]

Die früheste Besiedlung auf dem Tell Akko, arab. Tell el-Fukhar, begann bereits in der Bronzezeit (3. Jahrtausend v. Chr.).

Die früheste schriftliche Erwähnung der Stadt findet sich in den ägyptischen Ächtungstexten der 13. Dynastie.[1] Daneben gibt es in mesopotamischen Texten Belege dafür, dass die Stadt bereits in der Bronzezeit eine bedeutende Hafenstadt war. Unter den Amarnabriefen finden sich einige Briefe von König Zurata an den Pharao.[1] Akkon war zu dieser Zeit ein Stadtstaat und diente als Vasall Ägyptens. Akkon taucht auch in Städtelisten aus der Zeit von Thutmosis III., Sethos I. und Ramses II. auf. Das Hypostyl des Ramses-Tempels in Karnak zeigt die Zerstörung von Akkon, vermutlich zwischen 1276 und 1270 v. Chr. Im Papyrus Anastasi I aus dem späten 13. Jahrhundert v. Chr. wird Akkon als eine der Küstenstädte Kanaans aufgezählt. Ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. gehörte die Ortslage zum Einflussgebiet von Tyros. Der phönizische Einfluss ist archäologisch sowohl durch zahlreiche Keramikfunde als auch andere Objekte gut nachweisbar.

Nach großflächigen Zerstörungen und zahlreichen Wiederaufbauten erreichte Akko unter persischer Herrschaft erneut eine wirtschaftliche Blütezeit. Nach der Kampagne von Kambyses II. gegen Ägypten um 526 v. Chr. wurde Akko zum militärisch und wirtschaftlich bedeutenden Zentrum ausgebaut. An dieser Position änderte sich im Verlauf der nächsten Jahrhunderte nichts. Im 4. Jh. v. Chr. expandierte die Siedlung und städtebauliche Maßnahmen in der Ebene, unterhalb des antiken Siedlungshügels, begannen. Seit 281 v. Chr. war die Stadt fest in ptolemäischer Hand und erhielt mit ihrer Erhebung zur Polis auch ihren neuen Namen: Ptolemais (Ptolomäis); zu Ehren des Begründers der ptolemäischen Dynastie, Ptolemaios I. Soter.

Die Stadt Ptolemais ging nach dem Ende des Fünften Syrischen Krieges um 198 v. Chr schließlich in seleukidischen Besitz über; ebenso wie die übrigen Städte Phöniziens und Palästinas. Die hellenistische Zeit brachte eine erneute wirtschaftliche Blütezeit durch den massiven Seehandel mit den griechischen Gebieten und bis nach Italien. Archäologisch lässt sich dieser Handel durch die Keramikfunde nachweisen.

Auch im Alten Testament der Bibel ist von Akkon die Rede (Ri 1,31 EU).

Um das Jahr 64. v. Chr. wurde die Stadt von den Römern eingenommen. Es gehörte zur römischen Provinz Syria.

Der Apostel Paulus verbrachte im Jahr 57 einen Tag in Akkon (Ptolemais) (Apg 21,7 EU).

Mittelalter[Bearbeiten]

Im Rahmen der islamischen Expansion kam die Stadt 638 unter arabische Herrschaft, die bis 1104 anhielt. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts beauftragte der ägyptische Herrscher Ahmad ibn Tulun den Architekten Abu Bekr al-Bana' mit der Erweiterung des Hafens. Der mit Steinlagen auf Sykomoren-Bohlen ausgebaute Hafen hatte eine große Bedeutung für den Handel im Mittelmeer. Die Einfahrt wurde nachts durch Ketten verschlossen.

Im Mittelalter war Akkon der einzige Hafen an der Levanteküste, in dem bei jedem Wetter Waren gelöscht werden konnten, weshalb er für die Kreuzfahrer von besonderer strategischer Bedeutung war. Nachdem das Heer des Ersten Kreuzzugs vor der Belagerung von Jerusalem 1099 die gut befestigte Stadt noch umgangen hatte, unternahmen die Könige des durch sie gegründeten Königreichs Jerusalem alsbald Anstrengungen zu deren Eroberung. Nachdem ein erster Versuch König Balduins I. 1103 noch erfolglos geblieben war, gelang ihm nur ein Jahr später nach einer zwanzigtägigen Belagerung die Einnahme der Hafenstadt. Während der Kreuzzüge bestand hier der Sitz des lateinischen Bistums Akkon, das 1135 gegründet wurde.[2]

1187 wurde neben Jerusalem auch Akkon durch Sultan Saladin zurückerobert. Nach erbitterter und langer Belagerung (1189–1191) fiel die Stadt schließlich wieder an die Kreuzritter, die Verstärkung durch den Dritten Kreuzzug unter Richard Löwenherz erhalten hatten. Da Jerusalem in den Händen Saladins blieb, wurde Akkon nun Hauptstadt des Königreichs Jerusalem.

Während der Belagerung Akkons gründeten im Jahr 1190 Kaufleute aus Lübeck und Bremen den Deutschen Orden (Deutschritterorden) als Hospitalgemeinschaft. 1198 erfolgte die Umwandlung in einen Ritterorden, wobei Akkon bis zum Verlust der Stadt 1291 Amtssitz des Hochmeisters blieb, der dann nach Venedig verlegt wurde.

1219 stiftete Franz von Assisi das noch heute existierende Franziskaner-Kloster.

1229 wurde Akkon nach dem Frieden von Jaffa zwischen Friedrich II. und dem Ayyubiden-Sultan al-Kamil unter die Verwaltung des Johanniterordens gestellt – der alternative Name St. Jean d’Acre weist darauf hin. Akkon wurde eine wichtige Schnittstelle für die Vermittlung arabischer Kultur und Wissenschaft nach Europa.

Nach der endgültigen Eroberung Jerusalems durch die Muslime 1244 war Akkon einer der letzten Stützpunkte der Kreuzfahrer. Mit der Eroberung der Festung am 18. Mai 1291 durch die Truppen des ägyptischen Mamluken-Sultans al-Malik al-Asraf Chalil waren die Kreuzzüge endgültig gescheitert. Ein gotisches Kirchenportal aus Akkon wurde als Trophäe nach Kairo gebracht.

1517 wurde Akkon unter Sultan Selim I. Teil des Osmanischen Reiches.

Neuzeit[Bearbeiten]

Ab 1749 wurde die zum Teil noch immer zerstörte Stadt neu aufgebaut. Es entstand die Festungsanlage, die von Jezzar Pascha, dem damaligen Gouverneur von Damaskus, auf der Grundlage der Kreuzritterfestung erbaut und von Dhaher al-Omar, dem Scheich von Galiläa, ausgebaut wurde. Bis 1774 war Akko Hauptstadt des Herrschaftsgebiets von Dhaher.

1799 wurde Akkon 61 Tage lang vergeblich von Napoleon belagert. Einer Legende nach warf dieser beim Rückzug der Truppen mit den Worten „Wer Akkon erobert, erobert die Welt!“ seinen Hut ins Meer. Von ihm zurückgelassene Kanonen stehen auf dem Festungswall.

Mit dem Aufkommen von Dampfschiffen im 19. Jahrhundert verlor der Hafen von Akkon an strategischer Bedeutung, weil die großen Schiffe dort nicht anlegen konnten.

1869 kam Baha’u’llah, der Religionsstifter der Bahai, als Gefangener des Osmanischen Reiches in die Festungsstadt Akkon, wo 1873 eines seiner zentralen Bücher, das Kitab-i-Aqdas, entstand. Dort entstand auch die Schriftensammlung Botschaften aus Akka.

Ab 1920 gehörte Akkon zu dem unter britischem Mandat stehenden Palästina.

Am 17. Mai 1948, drei Tage nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung, wurde Akkon von der Hagana besetzt.

2001 wurde die Altstadt (63 Hektar) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.[3]

2006 wurde die Stadt während des israelisch-libanesischen Kriegs Ziel von Raketenangriffen der Hisbollah.

2008 kam es während des Jom Kippurs in der Neustadt zu Ausschreitungen zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung.[4]

Kulturgeschichtliches[Bearbeiten]

Die mittelalterliche Zitadelle, überragt vom „Turm der Verdammnis“, beherbergt das älteste Hospital des Johanniterordens (gegründet 1090), ein ebenerdiges zweischiffiges Refektorium (gebaut um 1100), vermutlich Urbild aller gotischen Kreuzrippengewölbe. Es wurde vom Deutschen Zeev Goldmann ausgegraben.

Akkon-Sprüche. Der Vagant Freidank, der vermutlich am Kreuzzug Friedrichs II. teilnahm, kritisiert in einer Serie von mittelhochdeutschen Sinnsprüchen, die Teil seiner Bescheidenheit genannten Spruchsammlung sind, das zwielichtige Verhalten der Christen.

In der bisher noch nicht wiedergefundenen ältesten Dominikanerkirche (Predigerkirche) Akkons wurde der katholische Heilige und Ordensgeneral der Dominikaner Jordan von Sachsen beigesetzt. Sein Schiff zerschellte 1237 in der Nähe von Akkon vor der syrischen Küste.

Seit 1980 ist Akkon der Austragungsort des jährlich stattfindenden Acco Festival of Alternative Israeli Theatre, einer der bedeutendsten israelischen Kulturveranstaltungen.

Einwohner[Bearbeiten]

Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 8. November 1948, 22. Mai 1961, 19. Mai 1972, 4. Juni 1983, 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für Akkon folgende Einwohnerzahlen an: [5]

Jahr der Volkszählung 1948 1961 1972 1983 1995 2008
Anzahl der Einwohner 4.059 25.222 33.700 36.396 44.240 46.252

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Die Liste enthält eine alphabetische Übersicht bedeutender, im heutigen Akkon geborener Persönlichkeiten. Ob die Personen ihren späteren Wirkungskreis in Akkon hatten oder nicht, ist dabei unerheblich. Viele sind nach ihrer Geburt weggezogen und andernorts bekannt geworden. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weitere Bedeutung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Akko – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Akkon – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Helck: Akko. In: Wolfgang Helck (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie (LÄ). Band I, Harrassowitz, Wiesbaden 1975, ISBN 3-447-01670-1, Sp. 116–117.
  2.  Peter Plank: Kirchen-Kolonialismus. In: Welt und Umwelt der Bibel. Nr. 29 (Die Kreuzzüge), Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2003, ISSN 1431-2379, Das Aufeinandertreffen von Ost- und Westkirche während der Kreuzzüge, S. 30.
  3. whc.unesco.org World Heritage List – The Old City of Acre (Israel), Decision 25COM XA; engl. Aufgerufen am 2. November 2010.
  4. Ausschreitungen in Israel: Wie aus einer friedlichen Stadt eine Hochburg des Hasses wurde auf Spiegel Online
  5. Zentralbüro für Statistik