Jeanne Mammen

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Grabstätte, Stubenrauchstraße 43–45, in Berlin-Friedenau

Jeanne Mammen (* 21. November 1890 in Berlin; † 22. April 1976 ebenda) war eine deutsche Malerin und Zeichnerin. Ihre Arbeiten entstanden im Kontext der Neuen Sachlichkeit und des Symbolismus. Die Frauengestalten, die sie zumeist malte, erscheinen oft viril und verwegen. Darin reflektierte die Künstlerin ihre Affinität zur lesbischen Szene als hauptstädtischer Subkultur.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Geboren wurde Jeanne Mammen in Berlin als Tochter eines Kaufmanns. Sie wuchs in Paris auf und studierte dort, später in Brüssel und in Rom Malerei. In dieser Zeit entstand ihr symbolistisches Frühwerk mit Aquarellen, die sich u.a. auf literarische Vorlagen wie etwa auf Gustave Flauberts Die Versuchung des heiligen Antonius beziehen und erst kurz vor ihrem Tod entdeckt wurden.

1916 trat die Künstlerin, nachdem sie mit ihrer Familie geflüchtet war, völlig mittellos wieder in Berlin auf den Plan. Nach Anfängen als Modezeichnerin wurde sie durch Illustrationen für den Simplicissimus, den Ulk und den Junggesellen bekannt. Motiv ihrer Bilder waren stets Typen von der Straße, die sie in jeder denkbaren Situation darstellte. Dabei legte sie einen karikaturistischen Stil an den Tag, der Kurt Tucholsky veranlasste, ihr sein Lob auszusprechen: „In dem Delikatessenladen, den uns Ihre Brotherren wöchentlich oder monatlich aufsperren, sind Sie so ziemlich die einzige Delikatesse.“

Ihre zahlreichen Handzeichnungen fanden die größte Beachtung. Die erste Ausstellung in der Galerie Gurlitt 1930 erntete Beifall in der Berliner Kunstszene. Zu ihren schönsten und zartesten Schöpfungen gehören ihre Lithographien, darunter der Zyklus „Les Chansons de Bilitis“, eine Hommage an die lesbische Liebe nach Gedichten von Pierre Louÿs. Doch die Machtübernahme der Nazis setzte ihrer Karriere ein rasches Ende; Jeanne zog sich in die innere Emigration zurück. Während des Krieges experimentierte sie brotlos weiter, ihre Arbeiten nach 1945 wurden zunehmend abstrakt. Zudem begann sie in den 1950er Jahren, Collagetechniken mit ihren Zeichnungen zu verbinden.

Erst 1971 entdeckte die Öffentlichkeit sie wieder: Ihr wurden Ausstellungen bei Brockstedt in Hamburg und bei Valentien in Stuttgart gewidmet. Eine Art Renaissance jedoch erfuhren ihre Werke in den 1990er Jahren, in denen Museen und Galerien ihr zahlreiche Ausstellungen widmeten. In feministischen Kreisen wird sie seither verbreitet rezipiert. Jeanne Mammens Grabstätte befindet sich im Kolumbarium, Urnenraum 45, Nr. 97 auf dem III. Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau.

Ihre ältere Schwester Marie Luise Mammen (1888-1956) war ebenfalls Malerin und Zeichnerin und teilte mit ihr zunächst das Atelier in Berlin.[1]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Museum[Bearbeiten]

  • Jeanne-Mammen-Stiftung e.V. mit noch erhaltendem Atelier, Kurfürstendamm 29, 10719 Berlin
  • Nachlass und Werke von Jeanne Mammen in der Berlinischen Galerie
  • Jeanne-Mammen-Saal im Torhaus des Campus Max-Delbrück-Centrum, Berlin-Buch

Weblinks[Bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten]

  • Kunstarchiv Werner Kittel im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin

Literatur[Bearbeiten]

  • Hildegard Reinhardt, „ 'Die goldenen Zwanziger' - Jeanne Mammen 1890 bis 1976“, in: artis, H. 2, 32. Jg., Konstanz 1980.
  • Hildegard Reinhardt, „Jeanne Mammen und die 'kunstseidenen Mädchen' “, in: Die Kunst, H. 9, München 1982.
  • Hildegard Reinhardt, „Jeanne Mammen (1890-1976) - Gesellschaftsszenen und Porträtstudien der zwanziger Jahre“, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 21, Berlin 1982.
  • Hildegard Reinhardt, „Die Lieder der Bilitis“, in: Jeanne Mammen. Köpfe und Szenen. Berlin 1920 bis 1933. Emden, Leverkusen, Hannover, Saarbrücken, Gelsenkirchen 1991/92 (Auss.Kat.).
  • Jeanne Mammen 1890-1976. Monographie und Werkverzeichnis, hrsg. von Jörn Merkert. Werkverzeichnis von Marga Döpping und Lothar Klünner. Beiträge von Klara Drenker-Nagels, Carolin Förster, Lothar Klünner, Annelie Lütgens, Jörn Merkert, Freya Mülhaupt, Hildegard Reinhardt und Eva Züchner. Köln 1997.
  • Hildegard Reinhardt, „Jeanne Mammen. Symbolistisches Frühwerk 1908-1914“, in: Les Tribulations de l'Artiste, Berlin 2002.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verena Dollenmaier (Hrsg.): Glamour! Das Girl wird feine Dame  : Frauendarstellungen in der späten Weimarer Republik, Leipzig  : Seemann Henschel , 2008 ISBN 978-3-86502-178-6, S. 119. # Grabstein, 5. Juli 1956, Teheran (?) # Auch unter dem Namen M. L. Folcardy