Jens Petermann

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Jens Petermann, Mitglied des Deutschen Bundestages und rechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Die Linke in der 17. Wahlperiode
Jens Petermann als Parlamentarischer Beobachter und Schlichter bei der Anti-Atom-Demonstration in Gorleben 2011.

Jens Petermann (* 16. Juli 1963 in Arnstadt) ist ein deutscher Jurist und Politiker (Die Linke). Von 2009 bis 2013 war er Mitglied des Bundestages.

Werdegang[Bearbeiten]

Schulzeit[Bearbeiten]

Jens Petermann besuchte von 1970 bis 1978 die POS „Otto Grotewohl“ in Stadtilm. Von 1978 bis 1982 ging er auf die EOS „Dr. Theodor Neubauer“ in Arnstadt und legte das Abitur ab.[1]

Studium[Bearbeiten]

Nach der Schule studierte er von 1985 bis 1989 Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin mit Abschluss als Diplom-Jurist und dem juristischen Staatsexamen.[2]

Arbeit als Richter[Bearbeiten]

Im gleichen Jahr wurde er zum Richterassistenten berufen und mit 26 Jahren als dienstjüngster Richter in das Kreisgericht Arnstadt gewählt.[3] Er bearbeitete dort Familien-, Straf-, Arbeits-, und Zivilrechtssachen.[4] Petermann qualifizierte sich insbesondere im Arbeitsrecht.[5] 1991 kam er an das Kreisgericht Gotha und arbeitete ab 1993 an den Arbeitsgerichten Gotha, Eisenach und Nordhausen.

Aufbau einer unabhängigen Justiz mitgestaltet

Dort war er mit unzähligen Klagen von Arbeitnehmern beschäftigt, die bei der Abwicklung von volkseigenen Betrieben oder bei der Umwandlung von Staats- in Privatbetriebe anhängig wurden. Klagen nach Massenkündigungen lagen Jens Petermann ebenso zur Entscheidung vor wie Einzelklagen von Mitarbeitern wegen unterschiedlicher Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis. Jens Petermann konnte den Aufbau einer unabhängigen Justiz hautnah miterleben und später auch aktiv mitgestalten. Ab Mitte der 1990er-Jahre engagierte sich Petermann in Thüringen in verschiedenen Richterverbänden.[6] Von 2002 bis 2008 war er Vorsitzender des Verbandes der Arbeitsrichterinnen und Arbeitsrichter Thüringens (VAT) und Landessprecher der Neuen Richtervereinigung für Thüringen. Petermann war viele Jahre Mitglied im Hauptrichterrat der Thüringer Arbeitsgerichtsbarkeit und des Gemeinsamen Ausschusses der Thüringer Hauptrichterräte.[7]

2006 wurde er Richter am Sozialgericht in Gotha – dem größten Sozialgericht Thüringens und 2008 ständiger Vertreter des Direktors.

Klagen gegen Hartz IV wegen handwerklicher Mängel

Jens Petermann bearbeitete als Sozialrichter zum größten Teil Klagen, die im Kontext mit der Hartz-IV-Gesetzgebung standen. Dabei setzte er sich intensiv mit der Problematik auseinander und kam wie viele andere Sozialrichter zur Erkenntnis, dass eine Gesetzgebung vorlag, die es zu hinterfragen gilt.

Parlamentarische Arbeit[Bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl 2009 gewann er mit 32,2 Prozent das Direktmandat des Bundestagswahlkreises Suhl – Schmalkalden-Meiningen – Hildburghausen (197) und wurde Mitglied des Deutschen Bundestages. In der 17. Wahlperiode des Deutschen Bundestages war er Rechtspolitischer Sprecher und Obmann der Fraktion Die Linke im Rechtsausschuss. Des Weiteren war er Mitglied im Sportausschuss, im Richterwahlausschuss und stellvertretendes Mitglied im 1. Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Gorleben, im 2. Parlamentarischen Untersuchungsausschuss NSU sowie im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Seit Mai 2009 ist Jens Petermann Mitglied des Stadtrates in Arnstadt und seit 2012 Mitglied im Kreistag des Ilm-Kreises.[8]

Im Dezember 2010 trat er der Partei Die Linke bei.[9]

Jens Petermann ist seit 2012 Vorsitzender der Thüringer Bürgerallianz. Die Thüringer Bürgerallianz initiierte ein Volksbegehren für „Gerechte Kommunalabgaben“.[10]

Im Januar 2013 wurde Jens Petermann von den Gebietsverbänden der Partei Die Linke Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen und der Stadt Suhl einstimmig erneut zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl gewählt.[11]

Bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 reichten 27,3 % der Erststimmen, das beste Erststimmenergebnis aller Thüringer KandidatInnen der Linkspartei, nur für Platz 2 und somit nicht für den Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag. Auf der Thüringer Landesliste der Linken hatte er keinen sicheren Listenplatz erhalten.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Im November 2010 veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit dem Gesprächskreis Arbeitsrecht der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen Diskussionsentwurf für ein Gesetz zur Regelung der Mindestbedingungen im Arbeitsverhältnis – Arbeitsvertragsgesetz. Dieser Entwurf fasst das geltende Individualarbeitsrecht zusammen und versucht es aus Sicht der Beschäftigten gerechter und sozialer zu gestalten. Die formulierten Mindestbedingungen sind u.a. ein gesetzlicher Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde, eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit, ein Verbot der Leiharbeit, Verbesserungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Beschränkung der Befristung.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jens Petermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kürschners Volkshandbuch, 17. Wahlperiode, 124. Auflage, Stand: 10 Juni 2012.
  2. Kürschners Volkshandbuch, 17. Wahlperiode, 124. Auflage, Stand: 10 Juni 2012.
  3. Artikel „Richter aus Arnstadt: Jens Petermann“, Online erschienen auf bundestag.de, Bettina Schellong-Lammel, 28. Februar 2013.
  4. http://www.jens-petermann.de
  5. Artikel „Richter aus Arnstadt: Jens Petermann“, Online erschienen auf bundestag.de, Bettina Schellong-Lammel, 28. Februar 2013.
  6. Artikel „Richter aus Arnstadt: Jens Petermann“, Online erschienen auf bundestag.de, Bettina Schellong-Lammel, 28. Februar 2013.
  7. http://www.jens-petermann.de
  8. http://www.linksfraktion.de/abgeordnete/jens-petermann/profil/
  9. http://www.jens-petermann.de
  10. http://www.volksbegehren-kommunalabgaben.de
  11. Artikel „Richter aus Arnstadt: Jens Petermann“, Online erschienen auf bundestag.de, Bettina Schellong-Lammel, 28. Februar 2013.
  12. Entwurf für ein Gesetz zur Regelung der Mindestbedingungen im Arbeitsverhältnis – Arbeitsvertragsgesetz. Petermann, Hultsch, Schmidt. Berlin 2010. Druck & Verlag Ronald Hande Verlag. Benshausen